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Rambo: The Video Game im Test

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Eine Geschichte des Krieges

Handlungstechnisch beginnen wir im Jahr 1988 auf Rambos Beerdigung. Ein Soldat hält eine Rede auf seinen verstorbenen Kameraden. Wer die Filme bereits kennt, wird direkt bemerken, dass hier etwas nicht stimmen kann. Und tatsächlich ist die Beerdigung Teil von Rambos Tarnung für seinen Rettungseinsatz in Afghanistan, der die Handlung von Rambo III bildet. Während der fingierten Rede lässt sein Kumpan dessen Leben Revue passieren: Von Rambos ursprünglicher Gefangennahme in Vietnam 1971 über seinen Privatkrieg gegen die Polizeistreitkräfte von Hope, Washington bis zu seiner Mission 3 Jahre zuvor in Vietnam. Natürlich darf anschließend auch die Rettung von Colonel Trautman in Afghanistan nicht fehlen.

Wie man es in einem On Rails-Shooter gewohnt ist, laufen die Levels von selbst ab. Man ist auf einem vorgegebenen Pfad und bewegt sich von einer Stelle zur anderen. Je nach Situation geht es vor allem darum, seine Feinde auszuschalten. In den meisten Leveln bekommt man eine Knarre in die Hand gedrückt und bewegt sich wie an einem Schießstand von Deckung zu Deckung. In anderen Leveln ist man am Schleichen und muss seine Feinde mit Messer und Bogen ausschalten. Wieder andere Abschnitte platzieren Rambo an der Kanone eines Fahrzeugs oder Geschützes. Das klingt alles sehr spannend, wird aber durch einige extrem ärgerliche Designentscheidungen zunichte gemacht.

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Gnadenlose Fehlzündung – meistens jedenfalls

Im Vorfeld wurde viel Aufmerksamkeit für das Levelsystem und seine Perks gemacht. Während des Spiels kann Rambo für das Abschließen von Abschnitten Erfahrungspunkte sammeln. Dadurch werden Skillpunkte und Kampfboni freigeschaltet. Erstere fließen dabei in permanente Charakterupgrades, die Kampfboni sind ebenfalls permanent, können aber ausgetauscht werden, da man nur maximal drei gleichzeitig verwenden kann. Klingt alles gar nicht schlecht, was? Leider gibt es da ein Problem: Ihre Auswirkungen auf das eigentliche Spiel sind bestenfalls minimal und im schlechtesten sogar unauffällig. Man kann noch so viele Punkte in Schadensreduktion stecken – in den späteren Leveln macht das nahezu keinen Unterschied. Auch die Waffen sind kaum merklich stärker. Man ist meistens mit dem AK47 gut bedient, denn es bietet guten Schaden mit wenigen Aussetzern. Denn zu denen kommt es dank des übermäßigen Einsatzes einer bestimmten Spielmechanik: Quicktime-Events. Und dieses Spiel hat übermenschlich viele davon. Quicktime-Events nehmen in einigen Leveln so viel Platz ein, dass man aus dem Haare raufen kaum herauskommt. Mitten in einer Schießerei bekommt man eine 2 Sekunden-Meldung, dass man sich auf ein QTE einstellen muss, nur um dann in Bruchteilen von Sekunden W, A, S oder D zu drücken. Umso nerviger ist es, dass die QTEs nicht nur Teil des Punktesystems sind und man nur für perfekte Ausführung die bestmöglichen Punkte bekommt…das falsche Drücken führt in 80% der Fälle zum sofortigen Tod, ganz gleich wie viel Leben man noch hatte. Einige Abschnitte des Spiels bestehen sogar nur aus einer Ansammlung von QTEs. Level 2 z.B., direkt nach dem Prolog, ist einfach eine nicht mal 3 Minuten lange Sequenz, in der Rambo aus der Polizeistation entkommt. Mehr nicht.

Immerhin hat man auf ein paar Details geachtet. Wer den ersten Rambo-Film kennt weiß, dass Rambo hier keinen einzigen Menschen tötet. Und auch in The Video Game wird für das perfekte Ausführen eines QTE nur eine Betäuben- statt einer Sterbensanimation abgespielt. Und etwas später beim Angriff auf die Polizeistation bewertet das Spiel Entwaffnungen der Gegner besser als eigentliche Kills. Auch wurden zahlreiche ikonische Filmszenen nachgestellt. Z.B. wenn Rambo den Chef der Vietnamesen oder einen Hubschrauber mit einem Explosionspfeil ausschaltet.

Und Rambo macht noch etwas deutlich: Es will lange und intensiv gespielt werden. Gute Punkte bekommt man nur für entsprechende Schnelligkeit und Multiplikatoren. Man kann noch so viele Kopfschüsse erzielen: Es setzt auch viele Mehrfachabschüsse und einen gut getimten Einsatz der Wiederlade-Fähigkeit voraus. Eine Waffe kann jederzeit nachgeladen werden. Drückt man im richtigen Augenblick die Nachladetaste noch mal, erhält man ein doppeltes Magazin mit 200% Munition und einen Bonus, der für konsequent hohes Nachladen immer größer wird. Für jeden erfolgreichen Treffer sammelt man auch sogenannte Wut. Ist der Wutbalken voll, kann man seine Wut an den Gegnern entfesseln. Hierbei verbraucht man nicht nur keine Munition. Erfolgreiche Abschüsse stellen zudem Lebensenergie wieder her, was auch bitter nötig ist, denn Rambo sammelt weder Medikits noch regeneriert er sich. Außerdem gibt es die Trautman-Herausforderungen. Wenn man bestimmte Abschnitte mit vorgegebenen Konditionen erfüllt, darf man zusätzliche Sekundärwaffen für den Einsatz frei schalten. Wer möchte, kann sich einen zweiten Spieler dazu holen und gemeinsam auf die Jagd gehen. Das macht zwar nicht unbedingt Sinn, da Spieler 2 eine unsichtbare Waffe kontrolliert und beide Rambo in Deckung gehen lassen können, macht aber eindeutig am meisten Laune, da man so ein wenig zusätzlichen Spaß haben kann, besonders in den großen Schlachten von Rambo II: Der Auftrag, auf den das Spiel eindeutig den größten Fokus gelegt hat. Lange hat man aber auch zu zweit nicht seinen Spaß, denn nach rund 3 Stunden hat man schon alle Schauplätze abgeschlossen. Dann hilft nur der Einstieg in einen höheren Schwierigkeitsgrad, in dem die Anzahl der verfügbaren Leben pro Level begrenzt ist.

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Was haben sie mit deinem Gesicht gemacht?!

Technisch gesehen ist Rambo: The Video Game etwa 7 Jahre zu spät dran. Vor allem die Grafik ist absolut grässlich und wirkt wie aus einem alten PS2-Spiel. Die Animationen sind hölzern, die Charaktermodelle eine Zumutung und die Effekte eher schwach. Mit Ausnahme von Sylvester Stallone sieht zudem keiner seinem Film-Ebenbild wirklich ähnlich. Besonders fällt das bei Sheriff Teasle auf, der einen Bart trägt, obwohl Brian Dennehy im Film keinen hatte. Wenigstens läuft das eigentliche Spiel besser als die vorgerenderten Zwischensequenzen. Sobald man eine davon ansieht, fängt das Spiel sofort an zu stottern. Ich kam mir wie im falschen Film vor.

Apropos Film. Mit Ausnahme der Soundeffekte stammen alle anderen Sounds aus der Rambo-Trilogie. Die meisten Stimmen wurden ähnlich wie in Lego Herr der Ringe direkt den Filmen entnommen. Das mag authentisch sein, klingt aber amateurhaft. Fast schon wie eine von Fans erstellte, schlecht abgemischte Spaß-Synchronisation. Fans des Rambo-Soundtracks kommen bei den Original-Melodien von Jerry Goldsmith aber auf ihre Kosten.

Die Steuerung ist okay und verlangt auf dem PC nicht zwangsläufig einen Controller. Es kann auch gut mit Maus und Tastatur gespielt werden. Allerdings ist die Belegung der QTEs mit W, A, S und D nicht wirklich optimal, da man im Eifer des Gefechts schnell die falsche Taste drückt.

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FAZIT: Schlecht, aber irgendwie auch unterhaltsam

Anmerkungen:
Getestet wurde die PC-Version auf Steam. Es ist außerdem für Xbox 360 und PS3 verfügbar.

Summary
Rambo: The Video Game ist ein Spiel, welches wie aus der Zeit gefallen wirkt. Allein schon, dass es im Jahre 2014 ein On-Rails Shooter sein musste macht seine Existenz erheblich fragwürdig. Noch dazu ist die Produktionsqualität sehr mäßig. Und doch...muss ich zugeben, dass ich zumindest etwas Spaß damit hatte. Besonders die großen Feuergefechte sind durchaus nett inszeniert und sind überraschend kurzweilig. Vor allem im Co-Op Modus könnte man hier gemeinsam wirklich gute Unterhaltung haben. Anders als ein Ride to Hell: Retribution etwa hat Rambo: The Video Game einen gewissen existierenden Trash-Faktor. Und auch zugute halten muss man, dass sich die Entwickler Gedanken gemacht haben, wie ein On Rails-Shooter noch Motivation für weitere Durchgänge aufbringen kann. Trotzdem: Der legendären Filmreihe wird dieses Videospiel nicht gerecht.
Good
  • Gute Musik
  • Lokaler Co-Op Modus
  • Abwechslung im Spielverlauf
  • Einige nette Ideen zur Wiederspielbarkeit
Bad
  • Sehr schlechte Grafik
  • Viele technische Schnitzereien
  • Miese Präsentation
  • Zu viele oder schlecht platzierte QTEs
  • Upgrades haben kaum Auswirkungen auf den Spielverlauf
  • Kein Online Co-Op Modus
  • Insgesamt zu kurz
4
Schwach
Written by
Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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