Payday 2 im Test

PC PlayStation 3 Xbox 360

 

Geld allein macht nicht glücklich? Oh doch, das tut es! Jedenfalls wenn es nach Team Overkill und ihrem Auftraggeber Bain geht. In Payday 2 gibt es keine Frau in Not zu retten, keine Verschwörungen aufzudecken oder die Zombieapokalypse zu überleben. Hier zählt am Ende nur eines: Ordentlich bezahlt zu werden. Lest hier unseren Test!

Vier Männer, eine Bank

Eine zusammenhängende Geschichte hat Payday 2 nicht, aber immerhin einen Aufhänger, an dem Entwickler Overkill Software in Form einer Live Action-Serie gearbeitet hat: Im ersten Teil der Reihe, Payday: The Heist, hatte ein in Ungnade gefallener Mobster namens Dallas eine Gruppe von hochprofessionellen Räubern rekrutiert: Ex-US Navy SEAL Chains, den englischen Kleingauner Hoxton und den schwedischen Technikexperten Wolf. Gemeinsam hat die Gruppe, die sich selbst Overkill nennt, eine Reihe von sehr erfolgreichen Überfällen begangen und möchte nun die US-Hauptstadt Washington in ihre Hände bekommen. Doch prompt tappen sie in eine Falle – und finden sich schon bald untergeordnet unter die Mitglieder der Verbrechensorganisation namens Crime.Net, die ihr Auftraggeber Bain heimlich aufgebaut hat – und deren Einfluss bis sehr weit oben in den Politapparat reicht…

Hatte der Vorgänger noch sehr wenig Hintergrund, so liefert uns Payday 2 direkt einen recht interessanten Ansatz. Zwar wird narrativ im Spiel nichts viel damit gemacht, aber es liefert die Basis für eine durchgehend spannende Atmosphäre. Den Rest erledigt das rasante Gameplay.

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“Wir sind hier für das Geld der Bank, nicht Ihres!”

Normalerweise beginnt ein Auftrag in Payday 2 immer nach dem selben Schema: Man befindet sich außerhalb des Zieles und kann sich zunächst einmal frei bewegen, um bestimmte Dinge auszukundschaften. Denn wer denkt, die Levels seien aufgebaut wie in jedem anderen Multiplayer – Spiel, der hat bei Payday 2 nur ansatzweise recht. Denn überall verstreut sind dynamische Elemente: Videokameras, Bretter (zum Vernageln von Fenstern), zusätzliche Safes…sogar die Architektur kann sich von mal zu mal völlig unterscheiden. Daher ist frühzeitige Planung für den Raub essentiell: Wie viele Wachen gibt es? Kann man es wagen, ungesehen einzudringen? Wie viel Beute können wir uns erlauben mitzunehmen? Das alles sind Fragen, die man frühzeitig stellen sollte, vor allem wenn die Einsätze über mehrere Tage (Abschnitte) verteilt gehen. Zwischendurch kann es bei Fehlern durchaus vorkommen, dass man sich auf der Flucht in einer Straße wiederfindet und auf einen neuen Fluchtwagen warten muss. Jedenfalls sollte man genau darauf achten, dass so wenig wie möglich schief geht. Denn ansonsten rückt die Polizei an – und dann wird es richtig haarig.

Denn die Ordnungshüter sind gut vorbereitet. Neben normalen Beamten sind auch SWAT-Einheiten und Spezialkräfte in ihren Reihen vertreten. Letztere sind schon aus dem Vorgänger bekannt. Die Taser z.B. setzen Elektroschockpistolen ein, um die Spieler zu lähmen, Shields tragen kugelsichere Einsatzschilde vor sich her und müssen flankiert werden und Bulldozer sind gepanzert, stecken enorm viel Schaden ein und teilen noch sehr viel mehr aus. Und das ist gerade mal, was die normale Polizei so ins Feld schickt. Auf höheren Schwierigkeitsgraden muss man gegen Bundesagenten des FBI antreten, welche noch besser ausgerüstet sind.

Zum Glück ist man selbst nicht wehrlos. Dallas und Co. bringen – je nach Skillung – ihre eigenen Mittel zum Zuge. Wer sich z.B. auf Mastermind spezialisiert, bekommt die Fähigkeit Gegner einzuschüchtern und sie zur Aufgabe zu zwingen. Auf höheren Stufen kann man eingeschüchterte Gegner sogar auf die eigene Seite ziehen und sie für sich kämpfen lassen. Enforcer wiederum sind die Leute für rohe Gewalt. Sie sind Experten im Umgang mit Schrotflinten, Einstecken von Schaden und können eine handliche Kreissäge mit sich führen, um bestimmte Türen aufzusägen und Gegner zu bekämpfen. Techniker wiederum benutzen Annäherungsminen und C4, um Räume abzusichern und Safes zu öffnen. Schlussendlich sind da noch die Ghosts. Sie sind Spezialisten im verdeckten Kampf, die Kameras manipulieren können und in vielerlei Hinsicht verdeckt vorgehen. Wie man sich skillt, bleibt einem selbst überlassen. Es mag vielleicht nützlich sein, grundlegende Dinge wie Medizin- und Munitionstaschen zu haben, doch die nützen einem auf lange Sicht überhaupt nichts, wenn man sie nicht verbessert. Daher sollte man seinem eigenen Spielstil auch die passende Skillung geben.

Und dann gibt es noch ein Problem: Das Geld. Denn nach jedem abgeschlossenen Einsatz bekommt man immer nur einen kleinen Teil ausgezahlt, den man für neue Ausrüstung investieren kann. Der Rest landet auf einem sogenannten Offshore-Konto, das im Verlaufe des Spiels auf geradezu astronomische Höhen ansteigt. Und das frustriert, weil man trotz prall gefühltem Konto außerhalb immer noch nicht genug Geld beisammen hat, um sich eine bestimmte Waffe zu kaufen. Dadurch wird Payday 2 zu einem groß angelegten Fest des Zeitschindens. Man muss durchaus einige Zeit investieren, bevor man richtig gute Ausrüstung bekommt.

Immerhin wird man einer extrem spannenden Co-Op Erfahrung belohnt. Payday 2 ist schnell, belebend und intensiv. Man fühlt sich extrem genugtuend, wenn man gemeinsam endlich einen Auftrag erledigt hat. Zwar gibt es die Möglichkeit, auch alleine zu spielen, doch dank einer wirklich hirntoten KI der alliierten Kollegen ist diese Möglichkeit nur für extrem Hartgesottene geeignet. Payday 2 ist gemacht worden, um online zu spielen – entweder mit einer guten Gruppe oder mit Randoms.

Vorausgesetzt, man findet auch gleich den Auftrag den man spielen möchte, denn das Crime.Net System zeigt niemals alle verfügbaren Aufträge und Schwierigkeitsgrade an. Unter Umständen ist man so gezwungen zu warten, bis das gewünschte Szenario verfügbar ist. Die Gründe dafür sind klar: Dadurch soll das schnelle Abgrasen von kurzen Aufträgen unterbunden werden, aber das hatte der Vorgänger schon nicht nötig. Wieso also hier dann einbauen? Auch eingespart wurde das aus Payday 1 bekannte Challenge-System, mit dessen Hilfe man kleine Geldbeträge für das Erfüllen bestimmter Ausgaben erhielt, z.B. eine bestimmte Anzahl von Kills oder durch das häufige Legen von Minen. Es ist schade, dass für die Umgestaltungen so viel wegfallen musste.

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Nicht die beste Technik

Am meisten verliert Payday 2 aber auf der grafischen Ebene. Die Schauplätze und Charaktermodelle sind ziemlich dröge und bestenfalls zweckmäßig. Die Verbesserungen im Vergleich zu Payday: The Heist sind bestenfalls marginal. Noch dazu sind mir viele grafische Fehler wie in den Wänden feststeckende NPCs aufgefallen. Einmal sogar buggte die Grafik komplett aus und ich musste das Spiel zwangsläufig neu starten. Das war allerdings eine einmalige Sache und seit den sehr häufigen Patches für die PC-Version sind auch die anfänglichen Abstürze beseitigt worden.

Die Soundebene hingegen kann man bei Payday 2 als echten Gewinner bezeichnen. Vor allem die Sprecher sind gelungen. Neben den Darstellern aus der Live Action-Serie sind auch zumindest einige der Sprecher wieder dabei, die im ersten Teil auftraten. Jeder macht seine Sache dabei ziemlich gut. Auch die Soundeffekte sind variabel, wenngleich man sich etwas mehr akustischen Unterschied zwischen den einzelnen Waffen wünschen würde.

Aber sogar die guten Soundeffekte sind nichts im Vergleich zum Soundtrack. Simon Viklund, der Komponist des ersten Teils, ist auch diesmal wieder mit von der Partie und liefert uns einen knalligen und atmosphärischen Soundtrack, der perfekt dem intensiven Spielgefühl angepasst ist. Die Musik ist ein absolutes Highlight dieses Spiels und gehört zu den besten Soundtracks des Jahres! Ein absoluter Ohrenschmaus!

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FAZIT: Einzigartiger Co-Op Shooter mit technischen Schwächen, aber grandiosem Spielespaß

In so ziemlich jeder Hinsicht schlägt Payday 2 seinen Vorgänger um Längen. Dank einer gewaltigen Menge an Content, vielen Spielmöglichkeiten, variablen Objekten und Zielen und einem mehr als grandiosem Soundtrack liefert Overkill Software genug Gründe, die Schwächen zu verschmerzen. Für Fans von Filmen wie Heat, Reservoir Dogs oder Killing Zoe ist es das perfekte Spiel, um sich selbst auch mal wie Robert De Niro zu fühlen. Und für die Zukunft ist gesorgt. Neben weiteren Aufträgen und Inhalten als DLC will Overkill Software Payday 2 auch mit kostenlosen Extras unterstützen.

Payday 2 ist der ultimative Räuber-Simulator, dem man seine technischen Schwächen sehr gerne verzeiht.

Anmerkung:
Getestet wurde die PC-Version. Das Spiel ist zudem auf Xbox 360 und PS3 erhältlich.

Good

  • Extrem spannendes Co-Op Erlebnis
  • Interessanter Storyansatz
  • Gute Soundkulisse
  • Fantastischer Soundtrack
  • Sehr umfangreiches Skillsystem
  • Viele freischaltbare Ausrüstungsgegenstände
  • Vollgepackt mit Content
  • Viel Support seitens der Entwickler

Bad

  • Sinnloser Einzelspieler-Modus
  • Grafisch nur mittelmäßig
  • Einige Bugs
  • Umständliches Crime.Net-System
  • Dinge freizuschalten dauert teilweise zu lange
8.5

Sehr gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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