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Mafia II: Definitive Edition Review

Mafia II zählt zu den bekanntesten und besten Gangster-Storys in der Gaming-Welt. Im Review werfen wir mal einen genaueren Blick auf das Remaster zum Mafia-Thriller von 2010.

Woran erkennt man, dass man viele tolle Erinnerungen an ein Spiel hat? Richtig – wenn sich bereits bei der Titelmusik die Gänsehaut meldet. Schon der Soundtrack zu Beginn verrät, dass eine geniale Gangster-Story auf den Spieler wartet. Viele Leute blickten der plötzlichen Ankündigung über ein Mafia II Remaster hoffnungsvoll entgegen. Zu Release erfreute sich das Original großer Beliebtheit. Ganze acht Jahre vergingen zwischen Mafia und Mafia II. Nach dem großartigen ersten Teil hatten die Spieler logischerweise große Erwartungen an den Nachfolger – diese konnte er tatsächlich erfüllen. Generell zählen die ersten zwei Teile der Mafia-Reihe zu den besten, da Mafia III leider sehr weit hinter seinen Erwartungen blieb.

Große Erwartungen – große Enttäuschung?

Auch ich war ziemlich erfreut über die Nachricht, dass Mafia II ein Remaster für die Current-Gen-Konsolen bekommt. So ergab sich mir die Gelegenheit meine guten Erinnerungen an das Spiel aus damaligen PS3-Zeiten wieder auferleben zu lassen und die tolle Story nochmals durchzuspielen. Prinzipiell muss jeder für sich selbst entscheiden mit welcher Erwartungshaltung man in dieses Spiel hineingeht. Möchte man die Story nochmal spielen oder das Spiel gar zum ersten Mal überhaupt spielen? Ich würde sagen, dass die Erwartungshaltung ausschlaggebend für die Bewertung des Remasters ist. Da es sich um ein Remaster handelt, werde ich mich vor allem auf die Remaster-Aspekte beziehen und wie diese umgesetzt wurden.

„The Rise and Fall of Vito Scaletta“

Zu der Story lässt sich kaum etwas negatives sagen. Die lineare Geschichte um den Mafioso Vito Scaletta, dessen Aufstieg in der italienischen Mafia erzählt wird, zählt bis heute bei Fans des Spiels als kaum erreicht. Nachdem unser Protagonist aus dem Krieg vorzeitig entlassen wird, hauptsächlich durch die Hilfe seines besten Freundes Joe Barbaro, versucht er in seiner, zu der Zeit verschneiten, Heimatstadt Empire Bay allmählich wieder Fuß zu fassen. Zunächst möchte er sich eine stabile Finanzanlage auf legalem Wege suchen. Durch den häufigen Kontakt mit seinem Kumpel Joe geriet Vito allerdings nach und nach wieder auf die schiefe Bahn, wie bereits vor seinem Einzug in den Krieg. Durch Joe’s Bekanntschaften kommt Vito zunehmend in Kontakt mit der Mafia. Allmählich erarbeiten sich Vito und Joe nun im Verlaufe der Story einen Namen in der Familie.

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Wer mit der Story dann fertig ist, was ziemlich schnell der Fall sein wird, da man, wenn man gut dabei ist, bereits nach etwa zehn Stunden fertig mit der Haupt-Storyline ist, der kann sich noch die drei zusätzlichen Spielerweiterungen, die Teil der Mafia II: Definitive Edition sind, anschauen. Zu den DLC’s zählen The Betrayal of Jimmy, Jimmy’s Vendetta und Joe’s Adventures. Zu diesen folgt allerdings an späterer Stelle des Reviews noch etwas.

Alter ist doch nur eine Zahl…

Zehn Jahre sind nun seit dem originalen Release von Mafia II vergangen. Da sich ein Remaster oftmals nur auf grafische Veränderungen bezieht, leidet die Steuerung zum Teil darunter. Wie schaut das nun bei Mafia II aus? Das Spiel steuert sich insgesamt sehr hakelig und einfach nicht zeitgemäß. Gerade bei den wenigen Schleichpassagen, die das Spiel zu bieten hat, wird das hin und wieder deutlich. Auch das Gunplay wirkt ziemlich veraltet und entspricht nicht den heutigen Standards eines Open-World-Action-Spiels. Die Performance des Spiels ist mir jedoch das größte Dorn im Auge. Hin und wieder ist das Spiel wirklich die reinste Ruckelpartie. Starke FPS-Einbrüche sind auch nicht selten der Fall, vor allem bei größeren Schießereien in den DLC’s oder bei Explosionen von mehreren Fahrzeugen gleichzeitig ist das besonders deutlich geworden.

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Technische Mängel können zwar lustig sein, aber sollten nicht zur Gewohnheit werden

Nicht nur die Steuerung lässt einiges an Feinschliff vermissen. Auch die KI stellt sich größtenteils unfassbar dämlich an. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht daran erinnern, dass die KI sich im Original schon so doof verhalten hat. Dabei betrifft das nicht nur die Gegner-KI bei irgendwelchen Schießereien, denn die Polizisten schießen hier wirklich den Vogel ab. Es ist teilweise unfassbar zufällig, ob die Polizisten eine Straftat, wie überhöhte Geschwindigkeit, tatsächlich erkennen und diese dementsprechend ahnden. Wenn eine Straftat allerdings tatsächlich mal erkannt wird und die Verfolgung beginnt, dann ist diese bereits meist nach kurzer Zeit wieder vorbei. Die Polizisten zeigen gerade bei Verfolgungsjagden kaum Gegenwehr und rücken bereits nach wenigen Metern wieder ab. Gerade wenn man in einem etwas schnelleren Fahrzeug unterwegs ist, hat die Polizei kaum eine Chance und lässt sich auf die Verfolgung auch nicht wirklich ein.

Wie bereits erwähnt, liegt das Hauptaugenmerk eines Remasters auf der Verbesserung der Grafik. Leider ist bei der Mafia II: Definitive Edition kaum eine großartige Verbesserung zum Original von 2010 zu erkennen. Viele Texturen wirken beim genaueren Hinschauen immer noch sehr schwammig. Große Änderungen sind lediglich bei Schatten- und Lichteffekten zu erkennen, sowie bei den Gesichtern der Protagonisten. Grafisch wurde hier leider viel zu viel Potenzial verschwendet. Insgesamt wirkt die „grafische Aufpolierung“ des Spiels sehr lieblos und mit wenig Hingabe zum Detail geschliffen. Dabei gibt es doch genügend Remaster, die das bereits vorgemacht haben, wie es denn richtig funktionieren könnte – The Last of Us Remastered und L.A. Noire, beide für die Current-Gen Konsolen neu aufgelegt, sahen gut aus und brachten vernünftigen neuen Content mit dem Remaster. All das fehlt mir bei Mafia II einfach und das tut mir auch irgendwo leid, weil es einfach ein klasse Storyspiel ist. Das Remaster versaut diese tolle Erfahrung leider aufgrund der vielen technischen Mängel und der miserablen Performance.

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Spielerweiterungen – sinnvoller Zeitvertreib oder lieblos dahingeklatscht?

Nun beinhaltet die Definitive Edition nicht nur die Hauptstory sondern auch die drei Spielerweiterungen „The Betrayal of Jimmy“, „Jimmy’s Vendetta“ und „Joe’s Adventures“. Das hat auch mich ziemlich gefreut, da ich die DLC’s noch überhaupt nicht kannte. Leider konnten diese allerdings nicht wirklich überzeugen. Insgesamt wirken die DLC’s sehr repetitiv und lieblos dahingeklatscht und trotzdem hatte ich schon meinen gewissen Spaß damit.

„The Betrayal of Jimmy“

Das erste DLC lässt den Spieler in die Haut von Jimmy, einem glatzköpfigen Badass, immer ausgestattet mit einer Sonnenbrille und seinen markanten kurzen Koteletten, der wohl am besten als Söldner zu beschreiben ist, schlüpfen. Die Tatsache, dass er eine Glatze trägt und eine Art Söldner ist, lässt gewisse Schlüsse ziehen. Interessanterweise teilt sich unser Protagonist nämlich ziemlich viele Eigenschaften mit einem anderen bekannten Glatzkopf, der ebenfalls Aufträge gegen Zahlung entgegennimmt – die Rede ist von Agent 47 aus der Hitman-Reihe. Beide tragen Glatze, sind nicht sehr gesprächig, tragen fast ausschließlich Anzüge und erledigen kaltblütig Aufträge solange die Bezahlung stimmt. Zwar hat Jimmy hin und wieder ein paar Sprüche wie „Mann, ist das Ding schnell!“ oder Scheiße, bin ich gut!“ auf Lager, allerdings bleibt er durch die ganze Erweiterung ziemlich wortkarg. Ob die Ähnlichkeiten zwischen den beiden wohl nur ein komischer Zufall ist? Jedenfalls beginnt das DLC mit einer recht kurzen Cutscene, welche uns den Protagonisten kurz und knapp vorstellt. Sobald diese vorbei ist, wird man bereits in die Action geworfen.

Der Plot ist eigentlich sehr schnell erzählt – man fährt zu einem von jeweils immer drei Aufträgen, nimmt diese an und erledigt sie anschließend. Die Auftragsdetails folgen stets in kleinen Textbriefings. Wer also eine tolle Story mit etlichen Cutscenes erwartet, der sollte vermutlich die Finger von allen DLC’s lassen. Trotzdem lohnt sich ein kurzer Blick mal. Man kann aus drei verschiedenen Missionstypen auswählen – Autoklau, Aufträge für Sal Gravina oder Aufträge für Tam Brodie. Der Autoklau erklärt sich wohl von selbst. Bei den anderen zwei Missionstypen variieren die Missionsziele meist. Trotzdem entsteht während des gesamten DLC’s ein sehr repetitiver Eindruck. Insgesamt gibt es 30 spielbare Missionen, die sich aber alle irgendwo ähneln. „Fahre von A nach B und erledige den Auftrag“. So öde wie es klingt, ist es tatsächlich auch nach einer Weile. Die Missionen besitzen fast gar keinen Wiederspielwert, was eigentlich sehr schade ist.

Generell ist für Storyspieler bei den DLC’s kaum etwas dabei. Alle Spielerweiterungen sind nämlich sehr Arcade-lastig. Es gibt ein Punktesystem, welches man durch das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, das Töten von Gegnern oder driften, auffüllen kann. Besonders nervig sind die Zeitlimits, welche in allen Missionen präsent sind. Je eher man eine Mission abschließt, desto mehr Punkte bekommt man für das Abschließen des Auftrages. Wenn man das Zeitlimit jedoch nicht einhält, scheitert die Mission.

„Jimmy’s Vendetta“

Im zweiten DLC darf der Spieler wieder die Rolle von Jimmy übernehmen. Achtung, es folgt ein Spoiler – nachdem Jimmy am Ende des ersten DLC’s von seinen Auftraggebern verraten wurde, landet er schließlich hinter schwedischen Gardinen. Durch einen glücklichen Umstand, ein Aufstand im Gefängnis, gelingt ihm die Flucht. Nach seinem erfolgreichen Ausbruch ist sein einziges Ziel sich an seinen ehemaligen Auftraggebern, Sal und Tam, zu rächen.

Nun geht das ganze Spiel, wie in The Betrayal of Jimmy von vorne los. Als Jimmy kann man nun wieder Aufträge entgegennehmen. Das Punktesystem und das Zeitlimit bestehen auch in dieser Spielerweiterung weiterhin. Da das Spielsystem im ersten DLC schon ausführlich beschrieben wurde, können wir uns nun dem letzten widmen.

„Joe’s Adventures“

Im dritten und letzten DLC von Mafia II schlüpft der Spieler in die Rolle von Joe Barbaro – dem lustigen Tollpatsch und besten Freund von Vito, der sich nie um einen Spruch zu verlegen ist. Auch an der Stelle folgt wieder ein Spoileralarm, der vor allem die Hauptstory betrifft. Nachdem man mit Vito die Benzinmarken zu Beginn des Spiels gestohlen hat, kommt es wenige Tage später zu dessen Festnahme. Als Joe sind wir nun auf der Suche nach dem Singvogel, der Vito verraten hat. Bereits die ersten zehn Minuten der Erweiterung haben mehr Story und Cutscenes zu bieten, als die beiden vorherigen zusammen.

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Nichtsdestotrotz erwartet hier einen keine unfassbare Story. Denn nach der eigentlich interessanten Einführung, folgt wieder das selbe repetitive Erlebnis wie in den anderen beiden Spielerweiterungen. Generell wurde hier einiges an Potenzial verschwendet. Schließlich wird hier die Geschichte von Joe erzählt, während Vito sich im Bau befindet. Statt jedoch näher auf die Sache einzugehen, folgt ein leider enttäuschender Zeitsprung von fünf Jahren. Auch hier erwartet einen wieder das Arcade-lastige aus den zwei Vorgänger-DLC’s samt Punktesystem und Zeitlimit.

Summary
Es hätte doch so schön sein können. Insgesamt bleibt ein recht getrübter Eindruck zum Remaster von Mafia II. Es muss an der Stelle leider so klar und deutlich gesagt werden - die Mafia II: Definitive Edition ist kein gutes Remaster! Die vielen Performance-Probleme und auch die technischen Mängel kreieren ein eher unbefriedigendes Spielerlebnis. Wenn es nach mir ginge, würde ich für Story und Inszenierung eine höhere Bewertung vergeben. Da allerdings vor allem die Remaster-Aspekte den Großteil der Wertung einnehmen, ist es weit weg von einer vernünftigen Bewertung. Insgesamt wurde an allen Ecken und Enden, sei es Grafik, Steuerung oder Performance, viel zu viel Potenzial verschwendet. Auch der Einzelpreis von knapp 30€ ist aufgrund der vielen Mängel nicht gerechtfertigt. Man kann nur hoffen, dass dem Spiel über etwaige Patches geholfen wird, sodass ein vernünftiges Spielerlebnis, wie es sich für ein Remaster gehört, entsteht.
Good
  • sensationelle Story
  • großartiger Soundtrack
  • gute deutsche Synchronisation
  • einzigartige Missionen mit Wiedererkennungswert
Bad
  • Performance auf PS4 ist ziemlich mies
  • KI oftmals überfordert
  • viele technische Mängel
  • Grafik lässt für ein Remaster sehr zu wünschen übrig
  • Steuerung ist schlecht gealtert
  • Texturen müssen oftmals nachladen
  • Checkpoints manchmal unfair platziert
  • kaum Wiederspielwert
  • DLC's sind insgesamt sehr eintönig und repetetiv
  • in dem schlechten Zustand einfach überteuert
5
Mittelmässig
Ist trotz seines zarten Alters Retro-Gamer durch und durch. Schlüpft besonders gerne in die Rolle des glatzköpfigen, mit Barcode tätowierten Auftragskillers.

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