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Mafia: Definitive Edition Review

Eines der wohl bekanntesten Open-World-Actionspiele bekam nun nach 18 Jahren endlich eine Neuauflage. Mafia: The City of Lost Heaven aus dem Jahre 2002 bekam überraschenderweise zu Anfang des Jahres ein Remake von Publisher 2K versprochen. Was das Remake taugt und wie viel Liebe zum Original tatsächlich in dem Remake steckt, erfahrt ihr in unserer Review.

Ein Angebot, dass man nicht ablehnen sollte!

Selten war ich so gespannt auf ein Remake und hatte gleichzeitig riesige Angst davor, dass Entwickler Hangar 13 es irgendwie vergeigen würde. Zugegebenermaßen ist diese Vermutung irgendwo auch berechtigt gewesen, da Mafia III bei den wenigsten Spieler wirklichen Anklang gefunden hat. So auch bei mir. Allerdings kann ich gleich vorweg sagen, dass weder Mafia-Veteranen noch Neulinge Angst vor dem Remake haben sollten, denn dieses ist wirklich gelungen.

Story fast identisch zum Original

Kommen wir zunächst mal auf die Story des Remakes zu sprechen. Diese ist vom Kern her gleich zum Original von 2002. Man schlüpft als Spieler wieder in die Rolle von Thomas „Tommy“ Angelo, welcher zu Beginn des Spiels als Taxifahrer tätig ist, ehe er durch Zufall in die Salieri-Familie, eine der beiden großen Mafia-Familien in Lost Heaven, rutscht und sich dort einen Namen macht. Zusammen mit den Mafiosi Sam und Paulie erledigt er die „schmutzige“ Arbeit. Trotz dessen, dass das Spiel nun bereits knapp 18 Jahre alt ist, soll es das an der Stelle mit Spoilern gewesen sein, da es vermutlich noch Spieler gibt, die die Story vom ersten Mafia-Teil noch nicht kennen.

Kommen wir nun etwas genauer auf die Story zu sprechen, damit ein Vergleich zum Original hergestellt werden kann. Die Charaktere sind vom Prinzip her fast identisch zu denen aus dem Original. Lediglich das äußere Auftreten und die Hintergründe der Charaktere wurde zum Teil stark abgeändert. Ersteres resultiert aus der Tatsache, dass neue Synchronsprecher für das Remake gewählt wurden, welche zeitgleich auch als Ingame-Modell für die Charaktere dienen. Dadurch geht natürlich einiges an Flair aus dem Original verloren, allerdings ist es im Zuge eines Remakes eine total nachvollziehbare Entscheidung. Das Ändern der Charakterzüge und Wesen einiger Figuren hat mich allerdings ein wenig gestört, da das nicht wirklich die „Liebe und Hingabe zum Original“ ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Positiv anzumerken ist dabei jedoch, dass einige Nebencharaktere dadurch eine größere Rolle im Remake einnehmen und somit aktiver am Spielgeschehen teilnehmen. Vor allem Sarah, die im Original kaum eine Rolle spielte, wirkt dadurch deutlich lebendiger. Allerdings wirkt sie nun auch wie ein vollkommen neuer Charakter, da sie kaum wiederzukennen ist. In meinen Augen hat diese Änderung also seine Vor- und Nachteile. Hardcore-Fans des Originals wird es eventuell stören, aber Spieler, die es zum ersten Mal spielen, wird es wohl überhaupt nicht stören.

Das neue Lost Heaven gleicht einer Augenweide…

Eine Sache muss man Mafia: Definitive Edition aber definitiv lassen: das Spiel sieht absolut großartig aus. Das „neue“ Lost Heaven schaut stellenweise wirklich fantastisch aus. Auch die Stadt an sich wirkt im Remake deutlich lebendiger. Die Fahrzeuge sehen auch super aus, vor allem die Reflektionen machen ordentlich etwas her. Verwendet wurde übrigens eine verbesserte Mafia III-Engine. Erkennbar wird das am Interface und stellenweise auch am Gameplay. Dieses ähnelt dem dritten Teil an einigen Stellen doch sehr. Apropos Gameplay, dazu gibt es gleich einen Kritikpunkt: das Gunplay. Natürlich ist es schon etwas realistischer, dass der ehemalige Taxifahrer Tommy kein absoluter Meisterschütze ist, aber dieser doofe Zielkreis war stellenweise so ungenau, dass es auf dem Schwierigkeitsgrad „Klassisch“ sehr schnell frustrierend wurde. Wo wir schon beim Gameplay sind, können wir auch gleich noch auf den Nahkampf zu sprechen kommen – dieser ist nämlich ziemlich grottig. Das wurde vor allem in zwei Missionen deutlich, in denen der Nahkampf eine Hauptrolle einnimmt. Das Ausweichen per getimten Knopfdruck erscheint oftmals ziemlich ungenau, sodass ich im klassischen Modus ziemlich viel mit Tommy einstecken musste. Auch die Nahkampf-Animationen lassen doch ziemlich zu wünschen übrig.

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Das HUD ist ziemlich simpel und minimalistisch gehalten.

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Als Charaktermodell für Tommy dient sein englischsprachiger Synchronsprecher Andrew Bongiorno.

Ist der „klassische Modus“ die originale Mafia-Erfahrung?

Besonders gespannt war ich auf den „klassischen Modus“, der eine Erfahrung verspricht, die wohl so nah wie möglich am Original ist. Nun stellt sich natürlich die Frage, inwieweit sich diese Behauptung bewahrheitet. Ich kann auf jeden Fall eines vorwegnehmen: der klassische Modus ist wohl die erste Anlaufstelle für Spieler, die eine wirkliche Herausforderung suchen. Außerdem kommt er dem Spielstil des Originals tatsächlich ziemlich nah. Es ändern sich nämlich einige grundlegende Mechaniken des Spiels, wie zum Beispiel das Verlieren von übrig gebliebener Munition im Magazin beim Nachladen, die Fahrzeug-Steuerung, das fehlende Regenerieren von Gesundheit und noch einiges mehr. Tatsächlich empfinde ich diese Änderung als ziemlich originalgetreu, weshalb ich Veteranen des ersten Teils den klassischen Modus nur ans Herz legen kann.

Wieviel „Mafia“ steckt eigentlich noch in Mafia: Definitive Edition?

Ich müsste wirklich lügen, wenn Mafia: The City of Lost Heaven nicht mein wohl meist gespieltes (und durchgespieltes) Story-Spiel ist. Außerdem zählt es zu meinen persönlichen Top 3-Spielen aller Zeiten, vermutlich auch wegen der unfassbaren Nostalgie, die mich mit dem Spiel verbindet. Deshalb war gleich nach der Ankündigung des Remakes klar, dass das Testspielen eine Herzensangelegenheit für mich wird.

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In den Cutscenes werden die detaillierten Charaktermodelle ein mal mehr deutlich.

Nun stellt sich natürlich abschließend die Frage, wieviel vom Original eigentlich noch im Remake steckt. Fangen wir erst mal langsam an. Die Story ist annähernd gleich, so viel ist klar. Das Leveldesign hat mich teils wirklich überrascht, allerdings eher negativ. Die altbekannten Schauplätze wie das Corleone Hotel oder der Hafen wurden teils so stark abgeändert, dass sie kaum wiederzukennen sind. Apropos Hafen, in der Mission „Nur zur Erholung“ aus dem Original war dieser der Hauptschauplatz. Während der Mission musste ein LKW geklaut werden und bestimmte Kisten am Hafen auf diesen verladen werden. Dazu kamen noch einige heimtückische Fallen, wie ein Wärter, der einem durch seine Patrouille das Leben schwermachte. Diese Mission gibt es im Remake so gefühlt gar nicht mehr. Sie wurde teils so stark umgeschrieben, dass wirklich nur noch der absolut nötigste Kern der Mission vorhanden geblieben ist.

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Gerade bei Nacht entfaltet Mafia: Definitive Edition sein ganzes Potenzial und zeigt, was es gerade grafisch so auf dem Kasten hat.

Als weiteren Kritikpunkt würde ich noch den Soundtrack aufführen. Dieser kann dem Soundtrack des Originals bei weitem nicht das Wasser reichen. Gerade die kultigsten Songs wie „Belleville“ von Django Reinhardt (spielt beim Betreten von Central Island im Original) oder „La Verdine“ von Latcho Drom (zu Beginn des Spiels während der Fluchtszene zu Fuß) fehlten leider gänzlich. Das soll natürlich nicht heißen, dass der neue Soundtrack schlecht ist. Dieser ist passend zur Zeit und nichtsdestotrotz gut gewählt. Leider fehlen mir einfach einige Songs aus dem Original. Mit „The Mooche“ schaffte es nämlich lediglich ein Song des Originals in das Remake, was für meinen Geschmack einfach etwas zu wenig ist.

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Einige Szenen wirken, als seien sie direkt aus dem Original übernommen wurden. Pluspunkt!

Zu guter Letzt bleibt trotzdem noch ein weiterer Kritikpunkt von meiner Seite übrig. Fahrsequenzen nach Ende einer Hauptmission waren essenzieller Bestandteil des Originals. Vor allem, da man im Anschluss Lucas Bertone aufsuchen konnte, welcher meist einen Nebenauftrag für den Spieler hatte. Dort ging es oftmals darum ein Auto zu beschaffen, das man am Ende behalten durfte. Da im Remake nach einer Hauptmission meist Schluss ist, verlor somit auch der Charakter Lucas Bertone seine Rolle als Auftraggeber. Lediglich einige Fahrzeuge sind noch in Lost Heaven versteckt. Um diese aufsuchen zu können, reicht ein Besuch bei Bertone. Dieser gibt einem die entsprechenden Bilder zu den Autos und im Anschluss kann die Suche beginnen. Sehr verschwendetes Potenzial in meinen Augen!

Summary
Mafia: Definitive Edition ist ein wirklich tolles Action-Spiel! Ich muss sagen, dass ich ja wirklich Angst hatte, denn die Wahrscheinlichkeit, dass das Spiel auch gut und gerne hätte in die Hose gehen können, war durchaus da. Mafia III hatte es (leider) bereits vorgemacht. Jedoch müssen sich weder Liebhaber des originalen Mafias noch Neulinge vor dem Remake scheuen, denn dieses ist wirklich gut gelungen. Vor allem die Mission "Fairplay" (Kenner des Originals werden wissen, um welche Mission es sich hierbei handelt) hat mir einmal mehr bewiesen, dass ich tatsächlich wieder Mafia spiele. Das Spiel sieht großartig aus, klingt schön samt zeitgemäßem Soundtrack und spielt sich auch einigermaßen vernünftig. Lediglich einige Dinge, die mich vor allem aus Nostalgiegründen stören, sorgen für eine etwas angeknackste Bewertung. Somit bleibt nun die Hoffnung auf einen neuen Mafia-Teil, welcher hoffentlich besser wird als sein Vorgänger, insofern es denn einen neuen geben wird.
Good
  • grafisch ein echter Hingucker
  • Story des Originals ist so gut wie unberührt
  • "klassischer Modus" ist sehr gelungen und bietet eine harte Herausforderung
  • englische Synchronisation ist gut gelungen
  • einige Fahrzeuge wurden fast 1:1 aus dem Original übernommen
  • sehr übersichtliches und minimalistisches HUD
  • Fahrphysik fühlt sich echt gut und realistisch an
  • die neuen Sammelobjekte bieten eine nette Abwechslung
Bad
  • einige Level und Sequenzen wurden zu stark verändert
  • Gunplay und Nahkampf lassen oftmals zu wünschen übrig
  • Soundtrack ist vergleichsweise eher mau
8.5
Sehr gut
Ist trotz seines zarten Alters Retro-Gamer durch und durch. Schlüpft besonders gerne in die Rolle des glatzköpfigen, mit Barcode tätowierten Auftragskillers.

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