RetroN 5 – Die ‚5 in 1‘-Konsole im Test

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Die RetroN 5 ist an sich der Traum eines jeden Fans alter Videospiele. Eine Konsole die ohne Murren jedes noch so alte Modul abspielt und dabei noch eine Reihe praktischer Zusatzfunktionen bietet. Was kann man daran nicht mögen? Eine ganze Menge, wie ich leider herausfinden musste. Mehr dazu in unserem Review.

   

Ihr fragt euch vermutlich, was genau IST eigentlich die RetroN 5. Nun, das ist schnell erklärt. Es ist die neuste Version einer modernen Spielkonsole, die dafür konzipiert wurde alte Spiele abzuspielen. Im Falle der RetroN 5 handelt es sich dabei um fünf (nein?doch!oh!) verschiedene Arten von Spielen:

 

  • Gameboy inkl. Advance Spiele
  • Super Nintendo
  • Sega Mega Drive bzw. Genesis
  • Nintendo Entertainment System, besser bekannt als NES
  • Famicom, die japanische Version des NES

Zusätzlich muss noch erwähnt werden, dass Ländercode mit Ausnahme von japanischen NES Spielen für die RetroN 5 keine Rolle spielt. Offiziell spielt das Gerät problemlos japanische, amerikanische und europäische Super Nintendo-, Gameboy- und Sega-Spiele ab. Meine eigene Sammlung an Retro-Spielen ist zwar nicht gerade klein, allerdings hatte ich bis zum Verfassen dieser Zeilen keine Gelegenheit dies zu testen.

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Während meiner Zeit mit dem Gerät spielte ich verschiedene SNES-, Gameboy- und Mega Drive Spiele, mein Super Gameboy Adapter hat allerdings nicht funktioniert. Er wurde zwar erkannt, die Spiele darin allerdings nicht. Das ist insofern nicht weiter schlimm, da die Konsole ja auch über ein Fach für Gameboy-Spiele verfügt, aber die Frage ist, ob es dann Probleme mit Adaptern wie Sonic & Knuckles geben würde. Spezielle Spiele wie Duck Hunt würden ebenfalls nicht funktionieren, weil moderne Fernsehr nicht mit alten Lightguns interagieren können.

In der Schachtel findet sich außerdem ein Wireless Controller der per USB geladen wird, ein HDMI-Kabel für den problemlosen Anschluss an jeden modernen Fernseher, ein Stromkabel sowie verschiedene Steckdosen-Adapter.

Verarbeitung:

Das erste was einem auffällt, wenn man die Konsole aus der Schachtel holt ist, dass das Gerät überraschend leicht ist. Das Gehäuse kommt in einem glänzendem Schwarz daher, aber es fühlt sich etwas billig an und nicht so robust wie die original Geräte. An der Oberseite befinden sich 4 Slots für die großen Module inkl. einem Fach in dem der Controller deponiert werden kann. An der Vorderseite findet sich der Power Button sowie der Schacht für Gameboy Spiele und an beiden Seiten gibt es Anschlüsse für jeweils einen NES, SNES und SEGA-Controller.

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An diesem Punkt muss auch noch einmal das Problem der wackeligen Pins angesprochen werden. Erste Nutzer berichteten davon, dass die Steckplätze der RetroN 5 sehr empfindlich seien und man die Konsole beschädigen könnte, wenn man die Module auf die falsche Art und Weise entfernt. Hersteller Hyperkin hat sich zu dem Problem nie direkt geäußert und stattdessen ein Video veröffentlicht, wie man Spiele korrekt aus der Konsole entfernt.

SNES jetzt auch mit Ladezeiten

Die RetroN 5 funktioniert nicht exakt wie eine der alten Konsolen die sie ersetzen soll. Die Spiele werden nicht direkt vom Modul gespielt, sondern erst auf das Gerät geladen und von dort abgespielt. Das hat seine Vor- und Nachteile.

Ein geradezu unbeschreiblich praktisches Feature der RetroN 5 ist das anlegen von Speicherständen zu jedem beliebigem Zeitpunkt. Diese Funktion könnt ihr jederzeit über das Pause-Menü der Konsole nutzen, der mitgelieferte Controller hat sogar zwei Tasten die ausschließlich für das Anlegen von Laden von Quick Saves genutzt wird. Es ist eine sehr praktische Funktion für Rollenspiele, in denen man oft lange zwischen einzelnen Speicherständen warten muss. Aber es kann natürlich auch für jeden simplen Sprung in einem Platformer missbraucht werden.

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Diese Spielstände werden standardmäßig dann aber nur auf der Konsole gespeichert und müssen bei Bedarf über ein seperates Menü zurück auf das Modul übertragen werden. Das ist nicht weiter kompliziert, man muss sich nur daran erinnern.

Das Übertragen der Spiele auf die Konsole hat aber auch seine Schattenseiten. Das so ein manches altes Spielmodul nicht immer auf Anhieb funktioniert ist für Retro-Fans ja nichts neues. Rausholen, reinpusten (auch wenn es anscheinend nur ein Placebo ist), wieder reinstecken, anschalten. Ich hatte in meinem Testlauf Fälle, dass Gameboy Spiele auf einem Advance SP problemlos liefen, von der RetroN 5 aber nicht erkannt wurden. Für zwei NES-Spiele habe ich jeweils ca. ein Dutzend Anläufe gebraucht, bis die Spiele endlich erkannt wurden.

Wird ein Spiel von der Konsole nicht korrekt identifiziert, lässt es sich theoretisch zwar abspielen, aber meistens nur in einer stark verkorksten Variante mit verschobenem Bild oder grauenvollem Ton. Ebenfalls ärgerlich: Manche Spiele, besonders für Gameboy Advance, brauchen relativ lange zum „Laden“ auf die Konsole, aber erst wenn der Ladevorgang beendet ist, weiß man, ob das Modul korrekt erkannt wurde oder nicht. So verbringt man für ein Retro-Spiel ärgerlich viel Zeit mit Ladebalken.

Da die Konsole Platz für unterschiedlich große Module aus verschiedenen Ländern haben muss, stecken die Spiele nie alle so super fest in ihrem jeweiligem Slot, wie man es vom Original gewöhnt ist. Es gab sogar einige Fälle, in denen ein Modul erst dann erkannt wurde, als ich es im Schacht hin und her bewegt habe.

Meine Pixel bitte ungefiltert

Eine weitere technische Spielerei welche die Konsole bietet, ist die Möglichkeit das Bild mit speziellen Filtern zu versehen. Wer möchte kann sich sogar klassische „Scanlines“ einschalten, damit das Spiel auch wirklich so aussieht, als würde man es auf einem alten Fernsehr spielen.

Die sechs verschiedenen Filter funktionieren im Grunde wie eine Art Photoshop Weichzeichner, eine ähnliche Funktion bietet auch die Wii U Virtual Console für einige Titel. Es ist ein nettes Feature und manche Spiele profitieren davon, wie zum Beispiel Rocket Knight Adventures mit seinem putzigem Samstag-Morgen-Cartoon-Look. Auch die farbenfrohen Teenage Mutant Ninja Turtles-Spiele sehen mit Filter eigentlich ganz cool aus. Andere Spiele, wie z.B. Dick Tracy (Mega Drive) oder Super Mario Land 3, sehen mit Filter weniger hübsch aus. Man fragt sich aber auch, ob Spieler die so große Retro-Fans sind, dass sie sich diese Konsole kaufen würden, überhaupt daran interessiert wären, den Original-Look mit so einem Filter zu verändern.

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Ich muss allerdings gestehen, dass ich Schwierigkeiten hatte, einige von den Filtern voneinander zu unterscheiden. Es sind alles verschiedene Weichzeichner, aber es gibt keinen der wirklich herraussticht.

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Das klickende Gamepad

So praktisch/witzig die Funktionen der RetroN 5 an sich auch sind, haben sie alle einen entscheidenden Nachteil. Sie sind nur über den beigelegten Wireless Controller nutzbar und (nachvollziehbarerweise) nicht mit den alten Controllern. Hier ist der Haken: Der Controller ist Mist.

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Da wäre zum einen die Form. Aus irgendeinem Grund hat man sich bei Hyperkin dazu entschlossen einen quadratischen Controller zu entwerfen, ein Format das seit ca. einem Viertel Jahrhundert überholt ist. Er liegt einfach nicht gut in der Hand.

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Ebenfalls in der Kategorie „vollkommen unsinnige Entscheidungen im Design-Prozess“: Der Controller hat anstelle eines klassischen D-Pad (auch Steuerkreuz genannt), einen flachen Stick, ähnlich wie der auf dem 3DS. Warum man sich dafür entschieden hat, wo man doch auf keinem der klassischen Geräte die mit der Konsole emuliert werden jemals etwas mit so einem Pad gesteuert hat, ist mir ein Rätsel.

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Und letztlich, das größe Problem des Controllers: Alle Tasten, jeder Knopf… klickt. Es ist ein kleiner aber vorhandener Wiederstand und jeder Drücker fühlt sich merkwürdig und ungewohnt an. Ganz zu schweigen davon, dass es überraschend laut ist.

Auch das Steuerpad hat diesen Klick und es fühlt sich – und verzeiht mir wenn das für ein Review jetzt etwas schwammig klingt – einfach nicht richtig an. Egal ob Buster Bunny über den Bildschirm flitzt oder Dick Tracy mit einer Tommy Gun Gangster niedermäht, der Controller leistet leichten, aber merkbaren Wiederstand und die Steuerung ist dadurch einfach nicht so flüssig wie sie sein sollte.

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Fazit

Ich habe mich wirklich auf die RetroN 5 gefreut. Seit der Ankündigung vor inzwischen fast 2 Jahren und umso mehr seit meinem Gespräch mit Hyperkin-Mitarbeitern auf der Gamescom 2013. Doch das Endprodukt finde ich etwas… ernüchternd.

Ja, das Gerät funktioniert an sich einwandfrei und gerade heute ist es ein schönes Gefühl ein Gerät zu haben, welches selbst die obskursten alten Super Nintendo-Spiele ohne Murren auf einem moderndem Fernsehr abspielt, ohne, dass man sich Sorgen muss, dass wertvolle Spielzeit verloren geht, weil man zu sehr am Kabel wackelt. Die technischen Möglichkeiten eines Emulator-Programms in ein Plug-and-Play Konsolen-Gehäuse zu stecken ist clever und reizvoll. Aber all das verliert einfach an Reiz, wenn das Gerät an sich keine Freude bereitet.

Aufgrund der billigen Verarbeitung geht man vorsichtiger mit dem neuen Gerät um als mit den oft über 20 Jahre alten Originalen. Das Einstecken und Entfernen der Cartridges wurde zur vorsichtigen Fieselarbeit, weil man ja nicht die Kontakte beschädigen möchte. Es fehlt das befriedigende Gefühl, wenn ein Modul einfach perfekt in den Schacht passt.

Das alleine ist schon ärgerlich, aber es ist der Controller, der das Gesamtpaket vermiest. Er liegt schlecht in der Hand und die Tasten klingen und fühlen sich einfach falsch an. Aber wenn man dann um das auszugleichen einen klassischen Controller benutzt, müsste man zum Benutzen der Zusatzfunktionen andauernd das Gamepad wechseln und das ist dann doch eher unpraktisch.

Alles in allem ist die RetroN 5 ein Gerät mit einer schönen Idee, doch die Umsetzung ist eher halbgar. Dadurch ist der dann doch recht hohe Verkaufspreis von 200 Euro einfach nicht gerechtfertigt.

 

Disclaimer: Wir haben unsere RetroN 5 bei GetDigital.de erworben. Zum Kauf der Konsole zu Review-Zwecken wurde uns von GetDigital ein Gutschein über 50,- € gewährt.

Good

  • Funktioniert problemlos mit jedem modernen Fernsehr
  • Spielt fast alle alten Spiele
  • Interne Speicherfunktion
  • Verschiedene Filter

Bad

  • Billige Verarbeitung
  • Empfindliche Pins
  • Dieser Controller!
  • Funktioniert nicht mit Super Gameboy
  • Hoher Preis
6.5

Okay

Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

2 Comments

  1. Also wenn man die alten Spiele zockt, dann muss man das doch mit den alten original Controllern machen, von daher sehe ich den RetroN-Controller nur als „Fernbedienung“, und für diesen Zweck reicht der allemal.

    Reply
  2. WIr haben vor einiger Zeit ebenfalls den Retron 5 getestet und sind zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Am Anfang waren wir vielleicht auch etwas gehypt, aber die Konsole hat durchaus ihre schwächen.

    Reply

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