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Necrobarista Review

Auf der letzten gamescom 2019 (*seufz*) hatte ich die Gelegenheit das Visual Novel Necrobarista zu erleben. Nun ist es endlich in der Vollversion für Nintendo Switch erschienen. Lest, wie uns unser Aushilfsjob im Café am Styx gefallen hat.

Das Terminal ist ein kleines Café in Melbourne, Australien in dem kürzlich verstorbene die letzte Gelegenheit für einen Drink haben, bevor sie weiter ins Jenseits reisen dürfen. Hier treffen wir die kompakte Cast des Spiels, die zynische Maddie, ihren Mentor Chay und den frisch verstorbenen Kishan. Es ist alles ein bisschen Anime-esque, weil obwohl sich der Plot um Nekromantie dreht hat alles eher so ein ‚Slice of Life‘-Feeling. Das Spiel macht Andeutungen um eine größere Welt hinter den Kulissen und einer mysteriösen Verwaltungs-Ebene die im Hintergrund die Fäden zieht, aber letztlich geht es nur um die Menschen in diesem Café.

Visual Novels sind bei weitem nichts Neues. Ich bin selbst ein großer Fan der Ace Attorney-Reihe. In diesem Genre verbringt man die meiste Zeit damit sich durch Dialoge zu klicken und ab und zu eine Entscheidung zu treffen oder ein Rätsel zu lösen. Necrobarista beschränkt sich fast ausschließlich auf das Erzählen der Geschichte und ist damit eigentlich das am wenigste interaktive Videospiel, dass mir seit langem untergekommen ist. Zwischen den Kapiteln habt ihr die Möglichkeit aus der Ego-Perspektive das Café zu erkunden und einige Kurzgeschichten zu lesen. Dazu gibt noch eine Handvoll Spielereien, die aber nichts zum Ablauf beitragen.

Diese ist dabei wirklich toll in Szene gesetzt. Während ihr euch in Ace Attorney oder Danganronpa durch Textboxten klickt, während Standbilder der Figuren vor steifen Hintergründen zwischen ihren verschiedenen Gesichtsausdrücken wechseln, zieht euch Necrobarista in seinen Bann mit verschiedenen Perspektiven auf Personen, Gesichter, Räume oder Hintergründe. Jeder Druck auf den A-Knopf führt die Szene fort, aber weil die Kamera nie ganz still steht, fühlt es sich ein bisschen so an als sei man ein Regisseur, der sich die Zeit nimmt die Szene etwas länger wirken zu lassen. Es sind wirklich subtile Bewegungen und Kamerafahrten die einer Szene Leben einhauchen. Die Anime-esquen Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und als sich das Spiel nach ca. 5-6 Stunden Spielzeit seinem Ende näherte, nahm mich das Schicksal einer der Figuren doch deutlich mehr mit als ich erwartet hatte.

So viel zum „Review“-Teil dieses Artikels. Denn ein Spiel mit so wenig Interaktivität lässt sich nur schlecht im klassischen Sinn reviewen. Ich kann nichts zu einem Kampfsystem sagen, der Qualität der Rätsel oder ob das Spiel bei schneller Action in die Knie geht. Ich kann euch sagen, dass der Soundtrack voller absoluter Banger ist. Er slapt, wie die Kids heutzutage sagen und bewegt sich irgendwo zwischen Dark Synthwave, Chill Hip Hop und einer ‚Relaxing Café Piano Music for five hours‘-Playlists.

Was mich an diesem Spiel gepackt hat, waren zu Beginn die cleveren Dialoge und liebenswerten Charaktere. Doch je mehr man sie kennen lernt, desto mehr bangt man um sie. Relativ früh wird klar, dass das Spiel auf ein recht dramatisches Finale hinarbeitet, dass mich dann aber doch sehr kalt erwischt hat. Besonders gepackt hat mich dabei eine Side Story über zwei Teenager, die sich im Café kennen lernen und beide um die unausgesprochene Frage herumtänzeln, ob denn einer von ihnen schon tot ist oder nicht.

Es ist eine Geschichte über den Tod, aber sie betrifft mehr Lebende. „Beerdigungen sind für die Lebenden“, wie Maddie in einer Kurzgeschichte sagt. Denn es geht auch ums Loslassen. Das Ende hat mich ziemlich kalt erwischt. Aber das war womöglich auch eine sehr persönliche Reaktion auf diese Story. (Nicht, dass ich große Erfahrungen mit Nekromantie gemacht habe.) Wird es euch auch so treffen? Ich weiß es nicht. Ein bisschen hoffe ich es. Immer wieder stoße ich auf Social Media Diskurs zum Thema „nennt ein Spiel, dass euch zum Weinen brachte“ und man fragt sich, ob das Medium Videospiel damit nun künstlerisch wertvoller ist als vorher. Ich weiß aber auch nicht, ob ein Spiel mit so wenig Interaktivität auf Seiten des Spielers der richtige Pfad ist. Letztlich ist Necrobarista mehr eine Art Graphic Novel und jeder Druck auf den A-Knopf das nächste Panel oder die nächste Zeile Dialog in einer Sprechblase. Aber es ist unheimlich gut erzählt und hat mich bis zum Ende gepackt.

Good
  • Toller Artstyle
  • Killer Soundtrack
  • Sehr gute Texte
  • Charaktere wachsen einem sehr ans Herz
Bad
  • Nur sehr wenig Interaktivität
8
Sehr gut
Nach einer Über-Dosis Breath of the Wild mag Konrad keine Open-World Spiele mehr und befasst sich inzwischen fast nur noch mit gemütlichen Indie Games die sonst niemanden interessieren. Zwischendurch ist aber mal Zeit für eine Comic-Adaption.

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