Filmkritik: Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten

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Mastermind Luc Besson hat ein Faible für bildgewaltige und spektakuläre Science-Fiction aber auch knallharte Realität. Vor allem aber hat er ein Gespür dafür, aus seinen Filmen den größtmöglichen Unterhaltungswert herauszuholen. Filme wie Das Fünfte Element (1997) oder Léon – Der Profi (1995) sind unlängst zu Klassikern der Filmgeschichte geworden. Sein Erfolgsrezept sind einprägsame Charaktere, eine starke Story und groß in Szene gesetzte, eindrucksstarke Bilder, die noch lange nachhallen. Ob ihm der große Coup mit seinem neuesten Film Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten ein weiteres Mal gelungen ist, erfahrt ihr in unserer Filmkritik!

Wir schreiben das 28. Jahrhundert. Die Spezialagenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) sind verantwortlich für die Instandhaltung von Recht und Ordnung im ganzen Universum. Auf Befehl ihres Kommandanten (Clive Owen) reisen die beiden auf eine Sondermission in die atemberaubende, intergalaktische Stadt Alpha: eine riesige Metropole, die viele verschiedene Rassen aus den entlegensten Winkeln der Galaxis beherbergt. Die Einwohner Leben in Einklang miteinander, teilen Wissen, Technologie und Ressourcen zum Vorteil aller. Aber nicht alles in der ‚Stadt der Tausend Planeten‘ ist harmonisch, den im Verborgenen braut sich eine dunkle Macht zusammen, die nicht nur Alpha sondern das gesamte Universum in Gefahr bringt.

Es gibt Filme, denen wohnt eine gewisse Magie inne. Die Geschichte zieht einen in ihren Bann, die imposanten Bilder sprechen für sich, die Musik lässt einen Träumen und die Echos, die der Film im Kopf hinterlässt, hallen noch sehr lange wider, lassen einen immer wieder zu diesem Film zurückkehren. Luc Bessons Das Fünfte Element war so ein Film. Sein Film Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten kommt dem Ganzen sehr sehr nah.

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Überhaupt wirkt Valerian wie eine 2017-er Version von Das Fünfte Element. Viele Aspekte ähneln sich sehr stark. Es ist in erster Linie Science-Fiction, und farbenfrohe, verspielte und bildgewaltige noch dazu. Die skurrilen Alien-Rassen, haben beide Filme ebenfalls gemeinsam, in der eine Kreatur die andere an Absurdität übertrifft, sowie den fast kindlichen, leichtherzigen Humor, der ohne infantil zu sein genau den Nerv trifft. Man könnte jetzt unterstellen, dass Besson, nachdem sein letzter Film Lucy eher mittelmäßig gut ankam, an seine alten Erfolge anknüpfen wollte, indem er das, was er damals mit Das Fünfte Element richtig gemacht hatte, bei Valerian in quasi modernisierter Form wiederholt. Fans des nun zwanzig Jahre zurückliegenden Films werden diese Parallelen deutlich erkennen, dennoch steht Valerian sehr gut auf eigenen Beinen, liefert genug schlagkräftige Argumente, die seine Daseinsberechtigung in der Filmlandschaft unterstreichen und er zeigt, dass er auch ohne jegliche Vergleiche sehr gut alleine glänzen kann.

Angefangen bei den visuellen Effekten und der CGI, die wirklich atemberaubend ist. Die Farbvielfalt, die Computertechnik, die Magie, die sich da vor einem entfaltet, ist derart atemberaubend, dass man sich nicht satt sehen kann. Ein wunderschöner Strandplanet, düstere Unterwasserwelten, eine in Neonlicht getauchte Metropole voller Menschen und Aliens, eine karge Wüste, deren wahre Gestalt sich erst mit der richtigen Technologie offenbart und wie eine Illusion wirkt. Valerian bietet so viele sehenswerte Schauplätze voller Kreativität und Detailverliebtheit, dass es einfach nur Spaß macht, in diese Welt einzutauchen und sich von dem Zauber umgeben zu lassen. Wo bisher James Camerons Avatar (2009) das Nonplusultra von Computergrafik war, wird dieser Film nun endgültig von Valerian in den Schatten gestellt und bei weitem übertroffen. Das ist nun der Maßstab, an dem sich Filmemacher in Sachen Visual Effects orientieren müssen, wenn sie gute Qualität abliefern wollen. Hier und da kommt es zwar ein wenig wie ein Overkill rüber, was da auf einen einprasselt, aber Luc Besson wollte mit Valerian definitiv nicht kleckern sondern klotzen.

Valerian1  Filmkritik: Valerian - Die Stadt der Tausend Planeten

Ein großer Pluspunkt ist auch die Besetzung des Films. Die Protagonisten werden von Hollywoods derzeit heißesten Jungstars Dane DeHaan und Cara Delevingne gespielt, und das wirklich gut. Dass Dane DeHaan ein guter Schauspieler ist, konnte er in Filmen wie Life (2015), Chronicle (2012) oder zuletzt A Cure For Wellness (2016) deutlich unter Beweis stellen. Ihn umgibt eine gewisse Aura und ein enorm starkes Charisma, das ihn einen gesamten Film alleine tragen lässt. Und auch in Valerian konnte er als gleichnamiger Hauptcharakter seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, zeigt humoristisches Talent und macht auch als Actionheld im Raumanzug und unverbesserlicher Frauenheld und Draufgänger eine sehr gute Figur. Aber auch Cara Delevingne, die von vielen noch mit Skepsis beäugt wird, da man sie noch immer nicht als Schauspielerin sondern lediglich als Model sieht, macht ihre Sache sehr gut. Sie ist zwar auf dem Gebiet eine relative Newcomerin, ist mit ihren 24 Jahren auch noch sehr jung, aber sie steigert sich merklich von Film zu Film. Bei Valerian zeigt Cara ihre taffe Seite als Laureline, kann ordentlich austeilen, brilliert aber auch in den heiteren Szenen mit viel Potenzial. Das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere ist sehr überzeugend, fügt sich wunderbar in den Film ein, die Chemie stimmt hier eindeutig. Sowohl in den ernsten als auch in den spaßigen oder auch romantischen Szenen spielen DeHaan und Delevingne sich den Ball optimal zu, ergänzen sich in ihren Dialogen gegenseitig. Es kommt einfach sehr viel rüber, wenn man den beiden zusieht, die sich mehr wie ein eingeschworendes Ehepaar als Weltraumagenten-Duo verhalten. Das Casting der Schauspieler hat hier den Nagel auf den Kopf getroffen.

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Aber auch der Rest der Besetzung ist passend und wirklich überzeugend. Clive Owen als Commander Arun Filitt, sozusagen der Auftraggeber des Duos, aber auch sein untergestellter General Okto-Bar, gespielt von Sam Spruell, bieten dem Film die nötige Erfahrung, halten das Konstrukt zusammen. Die zahlreichen Cameos und Gastauftritte sind zwar manchmal derartig kurz, dass man sich fragt, ob sich das nun wirklich gelohnt hat dafür einen namhaften Schauspieler zu buchen, aber keiner wirkt deplatziert oder überflüssig. Jazz-Musiker Herbie Hancock als Verteidigungsminister, Ethan Hawke als schmieriger Zuhälter, der grandiose (wenn auch grandios kurz auftretende) Rutger Hauer als Präsident der World State Federation, aber auch Rihanna als formwandelnde Tänzerin Bubble fügen sich sehr gut ein, passen einfach optimal in das Geschehen. Vor allem letztere sorgt für einen der interessantesten und unterhaltsamsten Auftritte des Films, und ist nicht einfach nur ein großer Name der Popwelt, der die Massen in den Film locken soll.

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Valerian zeichnet sich vor allen Dingen auch durch die mitreißende Story aus, die einen packt und nicht mehr loslässt. Zwar verzichtet man hier nicht auf eine Auflösung der Geschehnisse, beziehungsweise eine Beantwortung der Fragen durch einen der Charaktere, der wie ein einem Detektiv-Krimi des Rätsels Lösung mit Rückblenden aufdeckt – was man sicherlich auch geschickter hätte anstellen können – aber abgesehen davon ist die Handlung ein Selbstläufer, bietet quasi keine Längen, andauernd passiert etwas, man wird von einem Spektakel in das nächste katapultiert. Die Kameraführung ist grandios, wenn Major Valerian etwa von der Kamera im Third-Person-View von hinten durch mehrere Ebenen verfolgt wird, er wie in einem Action-Game von einem Raum in den nächsten springt und sich dabei die Umwelt im Sekundentakt verändert. Untermalt wird das Ganze von wirklich guter Musik, die nicht nur im Hintergrund vor sich hindümpelt sondern aktiv und präsent ganz vorne mitmischt. Auch die Ideen, die Luc Besson und sein Team in den Film gesteckt haben, strotzen vor Kreativität und man merkt deutlich, mit wie viel Freude hier gearbeitet wurde. Es wäre zuviel gesagt, diese Elemente hier genau zu beschreiben, da man jeden Aspekt, jede Nuance selbst auf sich wirken lassen muss, aber zum Beispiel die lange Szene in der Wüste, bei der ein Bazar mit Hilfe von speziellen Headsets zum Vorschein kommt, und es ohne diese nur so aussieht, als würden dort Menschen in einer leeren Ebene ziellos umherirren, ist deutlich hervorzuheben. Der stetige Wechsel der Charaktere von der realen Ebene in die quasi holografische mit Hilfe ihrer Technologie ist wirklich sehenswert.

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Alles in allem lässt sich sagen, dass Luc Besson mit seiner Verfilmung der französischen Comic-Vorlage Valérian et Laureline von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières ganz großes Kino geschaffen hat. 2017 scheint ein besonders gutes Jahr für Science-Fiction Blockbuster zu sein, und Valerian spielt definitiv ganz vorne mit. Wer sich auf ein gelungenes visuelles Feuerwerk mit mitreißender Story und tollen Charakteren einlassen möchte, der sollte Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten auf jeden Fall sehen. Luc Besson is back!

 

Fazit

valerian_cover-203x300  Filmkritik: Valerian - Die Stadt der Tausend PlanetenValerian ist ein sehr gut gelungenes Effektfeuerwerk mit einer Top-Besetzung, viel Humor und Bildern, an denen man sich einfach nicht satt sehen kann. Hier und da wirkt es zwar ein wenig überladen, aber das stört das Gesamtpaket, welches der Film bietet, keineswegs. Valerian ist ein hochmoderner Science-Fiction-Film mit mitreißender Story, charismatischen Figuren und einer ordentlichen Portion Action. Dazu kommen lauter skurrile Gestalten und nett umgesetzte kreative Ideen, die den Film zu einem richtigen Erlebnis machen. Luc Besson ist definitiv zu seiner alten Stärke zurückgekehrt, und andere Blockbuster müssen sich dieses Jahr eindeutig mit Valerian um die Sci-Fi-Krone streiten.

 

 

 

Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

9

Großartig

Space Cowboy und Teilzeit-Vampir. Immer schwer bewaffnet mit nem Controller in der einen und Kino-Ticket in der anderen Hand.

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