Haben die alten Hasen von Rare es noch drauf?

   
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Von all den Retro-Revival Kickstartern der letzten Jahre hab ich mich auf keines so gefreut wie auf Yooka-Laylee, dem neuen Spiel der Ex-Rare Mitarbeiter und Entwicklern von Banjo-Kazooie und –Tooie. Kann mich das überhaupt zufrieden stellen?

Man muss die goldene Ära der 3D-Platformer wirklich selbst erlebt haben um zu erkennen was das neue Studio Playtonic hier gemacht hat. In Yooka-Laylee geht es vielleicht um eine Echse und eine Fledermaus die in den Kampf gegen eine Manager-Biene ziehen um die Seiten eines magischen Buchs zu finden, aber man sieht an jedem Kullerauge, dass es hier genauso gut um Bär, Vogel, Hexe und goldene Puzzleteile gehen könnte. Yokaa-Laylee ist mehr als eine Hommage an vergangene Tage, es wäre ein geradezu frecher Diebstahl, wenn es sich bei den Entwicklern nicht um alte Hasen aus genau diesem Genre handeln würde. Yooka-Laylee sieht aus wie Banjo-Kazooie, es hört sich an wie Banjo-Kazooie und es fühlt sich auch sehr oft an wie Banjo-Kazooie. Klingt toll, nich‘? Tja, so einfach ist es dann doch nicht.

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Von der ersten Sekunde an wird man mit nostalgischen Referenzen bombardiert, von der Animation des Entwickler-Logos, das Design des Hauptmenüs, die amüsant/anstrengenden Kauderwelsch-Töne in Dialogen. Die Welt ist bunt, die Collectibles glänzen schön, der David Wise/Grant Kirkhope Soundtrack klingt genau richtig. Doch je länger wir spielten, desto mehr zeigten sich Macken.

Noch immer besucht man von einer Oberwelt aus verschiedene Spielwelten in denen durch Hüpfen, rennen und Gegner bekämpfen die McGuffins des Spiels gesammelt werden, die man wiederum benötigt um die nächste Welt zu öffnen.

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Zusätzlich merkt man dem Spiel eine Reihe von Verbesserungen gegenüber dem Original an. Zum einen gibt es keine Extraleben mehr. (Ich meine, hey, welcher lahme Retro-Kickstarter würde schon auf diese völlig veraltete und Spielfluss-hemmende Krücke zurückgreifen?) Die fünf Welten werden zuerst mit gesammelten Pagies geöffnet und können zusätzlich noch vergrößert werden. Das Freischalten neuer Moves erfolgt in völlig beliebiger Reihenfolge und auch wenn viele Moves essentiell für den Fortschritt in späteren Abschnitten sind, so bekommen man zumindest das Gefühl mehr Freiheiten zu haben wie man das Spiel angeht.

Mit gesammelten Quills – dem Äquivalent zu Noten/Münzen – schaltet man neue Moves frei. Fledermaus Laylee erlernt Schallattacken und kann durch die Gegend fliegen, Chamäleon Yooka kann sich unsichtbar machen oder die Eigenschaften von Objekten kopieren, wie zum Beispiel das Gewicht einer Kanonenkugel. Die Steuerung fühlt sich manchmal einen Tick zu empfindlich an, doch es ist dennoch eine Freude dieses „tote“ Genre in neuer Blüte zu sehen. Dschungel-, Eis- und Sumpfwelten erstrecken sich weit vor euch und an jeder Ecke wartet eine Herausforderung deren Meisterung euch eine weitere Pagie beschert.

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Das Problem ist, ist der durch Licht und Ton bedingte Nostalgie-Flash erstmal vorüber, stellt sich das merkwürdige Gefühl ein, dass das Spiel in Sachen Gameplay etwas mehr Kreativität hätte vertragen können. Ich hatte ja schon etwas Zeit mit der ersten Welt verbracht und hatte da wirklich Spaß dran, weil einfach alles gestimmt hat. Aber je länger man spielt, desto langweiliger wird das Spiel.

Viele Missionens-Typen wiederholen sich in jeder Welt, wie z.B. das Durchqueren von bunten Ringen während eines Zeitlimits. Auch in Banjo-Tooie gab es das, wie z.B. mehrere First-Person-Shooter Level oder das Rennen gegen den Kanarienvogel. Doch in Yooka-Laylee hat man oft das Gefühl, diese Aufgabe gibt es jetzt nur, weil die Entwickler keine bessere Idee hatten. Alles wirkt einfach dröge, langsam und einfallslos. Einer der größten Übeltäter ist dabei der „Ice-ometric Palace“ in der 2. Welt, der euch vor eine super simple Plattformer-Aufgaben nach der anderen stellt, die zwar gewisse Herausforderungen bieten, aber trotzdem dabei langweilen. Immer nur unter Zeitdruck durch Ringe laufen und den selben Fallen ausweichen, da ist schnell die Luft raus. Die Aufgaben sind immer alle sehr auf kleine Bereiche der Karte fokussiert und ich habe keine Rätsel gefunden die das Durchqueren mehrerer Welten verlangte.

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Welt 4 ist ein riesiges Kasino, in dem man Herausforderungen bestehen muss um Spiel-Tokens zu verdienen, die dann in Pagies umgetauscht werden. Es bringt ein bisschen Abwechslung in den Spielverlauf, aber auch hier sind die eigentlich Aufgaben oft unheimlich langsam und mehr anstrengend als wirklich schwierig, wie einen Einarmigen Banditen im richtigen Moment durch eine Stampfattacke aufzuhalten. Das ganze Spiel ist so ein… „wirklich? Das ist die Aufgabe für diesen Level?!“

Auch ein Quiz gibt es wieder: Zwischen den Welten lauert euch Capital Bs Handlanger Dr. Quack auf, um das Duo mit Quizfragen zu den vergangenen Leveln zu löchern. Aber man bewegt sich dabei nur auf einer geraden Linie fort und insgesamt bietet das Spiel dann doch zu wenig Content um wirklich knifflige Fragen zu stellen. Es ist eine weitere Hommage an ein Highlight aus den Bär-und-Vogel-Tagen, kann dem legendären Grunty’s Furnace Fun aber nicht die Lava reichen.

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Mehr Xylophone!

Die Musik geht ebenfalls bekannte Wege, aber gerade das darf auch gar nicht anders sein. Der Klang ist perfekt und man merkt wie die Komponisten dem Stil von früher treu bleiben, aber technisch viel mehr Möglichkeiten haben als früher. Es fehlen mir so ein paar richtige Killer-Ohrwürmer wie Click Clock Wood, aber Spaß macht die Musik auf jeden Fall.

Fazit

Beim Spielen von Yooka-Laylee musste ich mir immer wieder eine Frage stellen: Ist dieses Spiel wirklich schlechter als Banjo-Kazooie oder Tooie? Oder war ich damals als ich die Spiele wirklich intensiv spielte einfach weniger anspruchsvoll als heute? Waren die Bosskämpfe so gut oder bilde ich mir das nur ein? Es fühlt sich auf jeden Fall an als wären die Welten weniger kreativ. Aber geht da überhaupt noch viel mehr? Yooka-Laylee… dümpelt oft einfach nur vor sich. Klar, hier ein netter NPC, hier eine kleine Sprungeinlage. Es stimmt alles, aber es klickt einfach nicht. Es ist witzig und sieht gut aus. Aber man hat es geschafft den Geist der 3D-Platformer von früher einzufangen, aber nicht wirklich deren Qualität.

 

Good

  • "Wie Früher"-Look
  • Toller Soundtrack
  • Witzige Dialoge

Bad

  • Aufgaben wiederholen sich oft
  • Oft sehr träge und langweilig
  • Oberwelt etwas unübersichtlich
6.5

Okay

Profilbild von Konrad Huber
Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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