Wulverblade Review

PC PlayStation 4 Xbox One

 

Selbst heutzutage sind Spiele mit römischem Setting äußerst rar gesät. Offenbar ist es eine Periode, die (abgesehen von Strategiespielen) niemand in Videospielen große Beachtung schenkt. Glücklicherweise gibt es doch noch einige Ausnahmen: Wulverblade von Fully Illustrated und Darkwind Media wählt sogar ein sehr klassisches Genre für sein Erlebnis: Einen Brawler alter Schule.

Ganz Britannien? Nein.

Die Britischen Inseln, im 2. Jahrhundert nach Christus: Seit dem Aufstand der Icener-Königin, Boudicca, ist es ruhig geblieben an den Grenzen des Römischen Reiches. Schließlich hatte es das Weltreich vorgezogen, die keltischen Stämme lieber in Ruhe zu lassen als weiter nach Norden vorzudringen. Doch plötzlich erheben sich die Stämme des Südens gegen die bis dato unbeteiligten Nordmänner. Die Geschwister Caradoc, Brennus und Guinevere finden bald heraus, dass sie die Invasion der 9. Legion Roms in den hohen Norden vorbereiten sollen. Als dessen Wächter versammeln sie die restlichen Stämme um zurückzuschlagen.

Acht Levels gilt es in Wulverblade zu erkunden – für einen Brawler eine angemessene Länge, die einen über Wälder, an Flüsse, Dörfer und schließlich direkt ins Herz des römischen Britanniens führt. Auf dem Weg dahin gibt es Hunderte von Gegnern, die sich Caradoc und Co. in den Weg stellen. Doch noch etwas anderes ist mir positiv aufgefallen: Wulverblade macht größte Anstrengungen, um Hintergründe für seine Handlung zu etablieren. In jedem Level lassen sich versteckte Briefe, historische Dokumentationen und anderes Textmaterial frei schalten, die hinterher sogar teilweise über die Regionskarte aufrufbar sind. Dazu gehören auch Drohnenvideos einiger Landschaften und Denkmäler, die den Verantwortlichen bei Fully Illustrated als Vorlage oder Inspiration dienten. Ganz historisch bleiben die Entwickler am Ende doch nicht, denn auch ein paar Fantasyelemente finden ihren Weg in die Handlung, doch davon soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden.

Jede Welt bietet eine gute Auswahl an Gegnern und den obligatorischen Boss am Ende. Zimperlich sollten Spieler aber nicht sein: Wulverblade hat die Angewohnheit viele Gegner auf einmal in der Nähe zu haben. Oftmals kommen sie in Wellen und von vorne und hinten (manchmal sogar von oben!) und es kann schwer sein, den Überblick zu behalten. Die schiere Masse an Gegnern wirkt sich auch etwas auf die allgemeine Fairness aus. Nicht selten hatte ich Momente, wo eine große Anzahl von Gegnern innerhalb weniger Sekunden mir 90% meiner Lebensenergie raubten.

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Der Anti-Gallier

Zu Beginn lässt sich der Charakter auswählen. Caradoc ist dabei der Allrounder, der alle Attribute gut vereint, während Brennus mehr auf pure Kraft setzt als auf anderes. Doch echten Spaß hatte ich persönlich am meisten mit Guinevere. Sie ist am schnellsten, besitzt effektive Sprungmanöver, kann Gegner regelrecht in der Luft jonglieren und kann dank ihres Tempos auch am effektivsten ausweichen. Ein zweiter Spieler kann hinzugefügt werden, aber leider nur lokal und ohne Online-Funktionalität.

Und auch wenn der Artstyle bunt und zeichentrickartig wirkt und dabei sehr oft an Asterix erinnert: Wulverblade hat es in sich. Dieses Spiel hat keinen Humor – aber dafür literweise Blut. Abgetrennte Gliedmaßen und Köpfe sind hier Wurfgeschosse gegen andere Gegner wie auch normale Wurfwaffen wie Messer oder Steine. Schwere Angriffe sind möglich, wenn eine entsprechende Waffe wie eine Zweihandaxt oder ein Speer gefunden wird. Manchmal begnügen sich Caradoc und Co. aber auch einfach mit einer Schaufel um zuzuschlagen. Wird die blaue Leiste unter der Statusanzeige gefüllt, lässt sich ein Wutmodus aktivieren. Dadurch wird der Spieler kurzzeitig unverwundbar, unaufhaltsam und regeneriert Lebensenergie. Essentiell zum Überleben ist auch, dass man schnell das Blockmanöver meistert. Blocken allein ist zwar möglich, aber gut ausgeführt können Gegenangriffe nach einem Block den Gegner kurzzeitig betäuben oder deutlich mehr Schaden zufügen. Wenn alles fehlschlägt, lässt sich einmal pro Welt eine Gruppe von Wölfen beschwören, die alle Gegner auf dem Bildschirm angreifen.

Der Pfad zum Ziel ist relativ linear, aber immer wieder lassen sich Verstecke finden. Hier sind geheime Speisen oder die bereits erwähnten historischen Dokumente untergebracht. Oftmals auch Schätze wie Goldmünzen, Schmuck oder Edelsteine. Sie dienen der eigenen Punktzahl. Und wo wir gerade bei Punkten sind: Einen Arcade-Modus gibt es selbstverständlich ebenfalls. Hier werden nur drei Leben und jeweils drei Continues vorgegeben. Sind diese verbraucht heißt es Game Over. Darüber hinaus gibt es einen Arena-Modus, der der üblichen Überlebensstrategie folgt: Durchhalten solange es geht. Wirklich lustig ist auch der dritte Kampagnen-Spielmodus, welcher nach Abschluss des Hauptspiels verfügbar ist. Der hat es tierisch in sich.

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Solche Musik für einen Indie-Titel?

Auf den ersten Blick wirkt Wulverblade vertraut: Ähnliche Artstyles habe ich bereits bei früheren Spielen wie Dungeon Punks oder Plague Road gesehen. Animation beschränkt sich dabei meist auf nötigste und deswegen bewegen sich die Charaktere im Spiel auch ein wenig steif. Die Landschaften selbst sind hingegen detailreich und die verschiedenen Gegnertypen trotz oft ähnlicher Rüstung leicht voneinander zu unterscheiden. Überrascht war ich auch über die akustische Untermalung dank talentierter Sprecher und einer außergewöhnlich fantastischen Musik. Solch eine orchestrale Untermalung erwartet man nicht unbedingt bei einem Indie-Titel.

Glücklicherweise lässt sich für Wulverblade auch ein Steuerkreuz verwenden und statt die Tasten über zu belegen, sind einige Fähigkeiten direkt auf Tastendruck verfügbar. Wie in klassischen Brawlern ist ein Doppeldruck des Steuerkreuzes für Rennen zuständig oder die R1-Taste, die nur einmal gedrückt werden muss. Ein wenig Zeit sollte allerdings darauf verwendet werden, die Angriffe jedes Charakters zu lernen. Brennus z.B. ist der einzige, der Gegner packen und hinter sich werfen kann, während Guinevere und Caradoc jeweils eigene Sprungangriffe verwenden.

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FAZIT: Blutige Geschichtsstunde für Fans von Golden Axe oder Final Fight

Mit seinem hohen Nachforschungsgrad ist Wulverblade ein Spiel, das nicht nur zum Spaß da ist, sondern durchaus auch etwas dem Spieler beibringen möchte. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das auch ziemlich gut, aber so sehr ich auch Spaß mit dem Ende hatte: Natürlich wäre der Clou gewesen, Darkwind und Fully Illustrated hätten darauf verzichten können, noch ein paar Fantasyelemente einzuwerfen. Trotzdem ist Wulverblade eines der besten Spiele mit römischem Setting, die ich in den letzten Jahren spielen durfte. Tatsächlich würde ich sogar sagen, es eignet sich am besten in Verbindung mit einem anderen Spiel zu erleben – Ryse: Son of Rome von Crytec nämlich, welches praktisch die Vorgeschichte von Wulverblade erzählt, den alten Aufstand der britischen Stämme unter Boudicca.

Getestet wurde die PS4-Version. Wulverblade ist zudem erhältlich für PC, Xbox One und Nintendo Switch.

Good

  • Sehr gut recherchiert und lehrreich
  • Klassische Arcade-Action
  • Ein extrem guter Soundtrack
  • Auch nach dem Ende noch viel zu tun

Bad

  • Kein Online Co-Op
  • Manchmal extrem fordernd
8

Sehr gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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