Wolfenstein: Youngblood Review

PC PlayStation 4 Xbox One
Jetzt Kaufen

 

Soph und Jesse Blaskowicz ballern sich in Youngblood durch ein Nazi verseuchtes Paris. Unser Test schaut sich ihren Anti-Nazi-Feldzug genauer an.

Gestatten, Soph und Jes Blazkowicz – die beiden Blazkowicz-Zwillinge begeben sich in Wolfenstein: Youngblood, entwickelt von Machine Games und Arkane Studios, auf ihren ersten Anti-Nazi-Feldzug. Als unzertrennbares Duo gehüllt in futuristische Maschinenrüstungen ballern und schlitzen sie sich in Paris durch Nazis, die die Stadt besetzt halten, um ihren Vater, B.J. Blazkowicz, zu finden, der sich dort aufhält. Youngblood ist nicht nur das Debut der zwei neuen Protagonistinnen, sondern auch der erste komplett im Koop spielbare Shooter der Wolfenstein-Reihe. Spielt man es hingegen allein, steht einem die andere Zwillingsschwester als KI-Kumpanin zur Seite. Diese kämpft meistens relativ kompetent mit, steht manchmal allerdings recht stur auf der Stelle und weigert sich beispielsweise, einen wiederzubeleben.

Wolfenstein_-Youngblood_20190728010859-1024x576  Wolfenstein: Youngblood Review

Auf die eine oder andere Weise schießen sich daraufhin die Blazkowicz-Schwestern durch die Nazibesatzer im Paris der 80er-Jahre. Was seine Handlung betrifft, weiß Youngblood nicht wirklich zu überzeugen. Das mag bei den Wolfenstein-Shootern nichts Neues sein, dennoch waren die Vorgänger etwas handlungsstärker. Einen großen Abbruch tut das dem günstigeren Spinoff keineswegs, schließlich steht in Wolfenstein vor allem im Vordergrund, einen großen Haufen Nazis umzuholzen. Hierbei fungiert die Handlung gemeinhin eher als eine nette Dreingabe.

Beim Weg durch die Level punktet der Shooter mit einem sich gut anfühlenden Movement, das ohne ständiges Hängenbleiben an Geometrie auskommt und den Eingaben bereitwillig Folge leistet. Das Gunplay ist auf dem gewohnt hohen Niveau der Wolfenstein-Reihe. Anders als in den Vorgängern verfügen Feinde in Wolfenstein: Youngblood über zwei verschiedene Typen von Rüstung – eine, die durch breitere Teilstriche und eine, die durch dünnere Teilstriche gekennzeichnet ist. Jede der X Waffen ist entweder effektiv gegen die eine Art oder gegen die andere Art Rüstung. Doch selbst mit dem effektiven Kaliber fühlen sich manche Feinde wie die Maschinensoldaten mitunter etwas kugelschwammartig an, was das Spiel unangenehm ausbremst. Das Konzept der verschiedenen Rüstungstypen zwingt einen, zwischen den Waffen zu variieren, um verschiedene Feinde zu bekämpfen. Das schränkt die Freiheit der Spieler etwas ein – und wirkt etwas gezwungen.

Wolfenstein_-Youngblood_20190728023425-1024x576  Wolfenstein: Youngblood Review

Bei seinen Schusswaffen ist Youngblood, was die Standardwaffen angeht, etwas konservativer als Wolfenstein 2: The New Colossus: Es gibt zwei verschiedene Pistolen, ein Sturmgewehr, eine Maschinenpistole sowie eine Shotgun. Lediglich die Pistolen lassen sich, nach Freischaltung einer Fähigkeit, akimbo führen – wahrscheinlich, weil die beiden Schwestern nicht ganz so kräftig und nicht ganz so kampfversiert sind wie ihr Vater. In den drei größeren Missionen des Spiels nach dem Prolog lassen sich drei Kraftwerkwaffen freischalten, die die gewohnte Überdrehtheit der Reihe mit sich bringen. Eine weitere Fähigkeit erlaubt zudem die temporär aufhebbaren schweren Waffen, dauerhaft zu tragen. Insgesamt ist die Waffenauswahl von Youngblood damit recht solide, aber nicht weltbewegend.

Jeder der Waffen lässt sich in fünf Kategorien aufrüsten, in jeder dieser Kategorie gilt es sich, zwischen drei Varianten zu entschieden. Jede stärkt andere Werte der Waffe, schaltet manchmal eine Zusatzfunktion frei, wie zum Beispiel Einzelschuss beim Sturmgewehr, und es winkt ein Zusatzboni, wenn man drei Slots mit demselben Set aufrüstet. Zum Aufrüsten verwendet man Silbermünzen, die Feinde fallen lassen und überall verteilt auf dem Boden liegen oder in Kisten zu finden sind.

Wolfenstein_-Youngblood_20190728011219-1024x576  Wolfenstein: Youngblood Review

Unglücklicherweise lassen sich die Münzen die als Collectibles in den Level liegen, nur durch direkte Interaktion aufheben, was im Anbetracht wie viele Münzen die Studios platziert haben etwas ulkig erscheint. Es mag verständlich sein, dass wertvollere Collectibles nur durch Interaktion aufnehmbar sein sollten, damit die Spieler und Spielerinnen sie wirklich finden müssen, anstatt einfach über sie hinwegzulaufen. Doch bei solchen Währungs-Collectibles wäre es sehr angebracht. Spielt ihr die Nebenmissionen, was auch aus einem anderen Grund empfehlenswert ist, bekommt ihr übrigens mehr als genug Münzen, damit sich alle Waffen gut aufrüsten lassen. In dieser Hinsicht ist Youngblood also alles andere als grindy.

Diese geringe Grindlastigkeit gilt ebenso für das Leveling. Ja, richtig gelesen, der Leveling-Trend hat sogar Wolfenstein erreicht. Während des Spielens leveln Jes und Soph auf, nach jedem Level gibt es einen Punkt für den Fähigkeitenbaum, der ganz nett ist, und man wird etwas stärker. Der Knackpunkt an diesem Konzept: Eigentlich verspricht Youngblood, dass es eine freie Wahl von Missionen gibt, die sich nichtlinear auswählen lassen, was theoretisch auch stimmt. Wählt ihr allerdings eine Mission, die deutlich über eurem aktuellen Level liegt, stellt euch darauf ein, dass die Feinde euch die Leviten lesen.

Eine automatische Folge dieser Designentscheidung: Gegner, die maximal leicht anders aussehen, aber genauso schwach gepanzert sind, deren Kollegen zuvor nach ein paar Treffern zu Boden gegangen sind, werden urplötzlich zu Kugelschwämmen, nur weil sie ein leicht höheres Level haben. Das wäre sinnvoll für einen RPG-Shooter wie Mass Effect 3 oder Lootshooter wie Borderlands 2 oder The Division 2. Für den jüngsten Ableger einer Reihe, die bisher ausschließlich aus Ego-Shootern bestand und deren Neuling als solcher vermarktet wird, bricht es recht ungalant mit den Erwartungen an das Genre.

Insgesamt heißt das: Zwar geht das Leveln wirklich flott und nebenbei, aber dennoch erscheint es absolut fehl am Platz. Leveling bereichert Wolfenstein: Youngblood nicht, stattdessen schränkt es den Shooter ein.

Wolfenstein_-Youngblood_20190731220054-1024x576  Wolfenstein: Youngblood Review

Wo sich Youngblood dafür auf erfreuliche Weise von den Vorgängern unterscheidet, ist das Level Design. Die Level sind weitaus offener und lassen einen selbst seinen Weg durch sie finden. Hier tritt deutlich der Einfluss von Arkane Studios zutage, mitunter fühlt man sich geradezu in einen Dishonored-Ableger versetzt, die allesamt über wunderbar gestaltete und offene Level verfügen.

Bitter aufgestoßen sind mir jedoch die Levelbereiche im Untergrund von Paris, die großteils stockfinster sind. Für diese gibt es eine Taschenlampe, die man entweder in die Hand nehmen, woraufhin nur noch eine Pistole als Feuerwaffe geführt werden kann, oder sich als Attachment auf manche Primärwaffen stecken lässt. Im Anbetracht dessen, dass die Zwillinge hypermoderne, auf uralter Hochtechnologie basierende Maschinenrüstungen tragen, frage ich mich, warum Machine Games diesen nicht einfach eine Nachtsicht verpasst hat. Denn mit der Taschenlampe zu hantieren, ist nicht nur nervig, sondern die dunklen Bereiche schaden dem Pacing des Spiels und navigieren sich gerade mit einem Controller etwas unangenehm.

Wolfenstein_-Youngblood_20190728012341-1024x576  Wolfenstein: Youngblood Review

Ansonsten bereiteten mir die Missionen und Level in Wolfenstein: Youngblood viel Freude. Nebst der längeren Hauptmissionen besteht das Spiel aus Nebenmissionen, beide Typen beginnen dynamisch, wenn man in ihrem Level auf den Missionsanfang stößt. Darüber hinaus finden in den Leveln hier und da Miniquests statt, bei denen man mal eine Bombe platzieren oder einen hochrangigen Nazi ausschalten muss. Diese Miniquests fungieren maximal als Füller und sind nicht besonders spannend.

Nur eine einzige größere Mission fällt in Youngblood aus dem Muster – nämlich die Letzte vor dem Abspann – beziehungsweise der Kampf gegen den Endboss. Um Spoiler zu vermeiden, gehe ich nicht auf den Inhalt des Kampfes ein und beschreibe den Kampf nicht genauer: So viel sei gesagt, der Kampf besteht aus mehreren Phasen. Die vor der letzten Phase bauen auf nervigen Mechaniken auf, die entweder auf einem einzigen eher lästigen Konzept aufbauen oder den Kampf unnötig strecken. In der letzten Phase trumpft der Endboss plötzlich mit deutlich mehr Schaden auf, als jeder andere Gegner des Spiels und setzt Flächenbombardement ein. Ehrlich gesagt, dieser Kampf war für mich ein einziger Frustmoment.

Was ebenfalls etwas störend war, ist der Umstand, dass sich graphische Zusatzeffekte wie zum Beispiel ein recht starker Film-Grain-Effekt in der PS4-Version von Wolfenstein: Youngblood nicht ausschalten lassen. Ansonsten macht Wolfenstein: Youngblood grafisch einen recht soliden Eindruck und bewegt sich auf dem Level der Vorgänger.

GSA_Wolfenstein_Youngblood_sisters_zeppelin_1553624633-1-1024x576  Wolfenstein: Youngblood Review

Fazit

Wolfenstein: Youngblood erbt die Kernstärken der großen Wolfenstein-Spiele. Es ist ein schneller Singleplayershooter mit gutem Pacing und coolem Gunplay. Darüber hinaus trumpft es mit besserem Level-Design als seine Vorgänger auf und lässt sich vollständig im Koop spielen. Letzteres ist dabei nicht einmal zwingend notwendig, da eine KI-Kumpanin die Rolle der zweiten Person einnimmt, wenn man lieber allein spielen will.

Unglücklicherweise hat es nicht nur Stärken: Dass die Protagonistinnen sowie die Feinde über Level verfügen, die die Stärke und Überlebensfähigkeit ausdrücken, wirkt aufgesetzt und unpassend. Zudem stolpert man immer wieder über Feinde, die etwas kugelschwammartig sind und damit das Pacing etwas ins Stocken bringen. Als nervig erwiesen sich zudem die stockfinsteren Untergrundlevel in Youngblood, in denen es mit einer Taschenlampe zu hantieren gilt, wenn man etwas sehen will. Die Spitze der Nervigkeit nahm allerdings der Endbosskampf ein.

Dazu hat Youngblood noch einen besonderen Clou: Seine beiden Protagonistinnen haben Witz, harmonieren wunderbar miteinander und ich könnte sie mir sehr gut als Protagonistinnen zukünftiger Spiele vorstellen.

Alles in allem ist Wolfenstein: Youngblood gerade im Anbetracht des vergleichsweise niedrigen Preises ein spielenswerter Shooter, der trotz der angesprochenen Schwächen in seinen Schießereien viel Spielspaß bereitet, gute Level und spielenswerte Missionen zu bieten hat.

Good

  • Angenehmes, offenes Level-Design
  • Gutes Gunplay
  • Coole Protagonistinnen
  • Solide Waffenaufwertung
  • Spaßige Haupt- und Nebenmissionen
  • Gutes Preis/Leisungs-Verhältnis

Bad

  • Leveling wirkt aufgesetzt und verhindert wirkliche Nichtlinearität des Spiels
  • Dunkle Untergrundlevel mit Taschenlampenhantieren stören sonstigen Spielfluss
  • Schlecht designter Endbosskampf
  • KI-Kumpanin hat mitunter Aussetzer
7

Gut

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password