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Wolfenstein: The New Order Review

Wolfenstein. Allein der Name lässt Gamer-Herzen höher schlagen. Steht der Titel doch für gewaltige Action und abgedrehte Fiktion in der Zeit rund um den zweiten Weltkrieg und den Schergen des dritten Reiches, die immer wieder versuchen die Weltherrschaft an sich zu reißen. Zumindest im neuen Titel The New Order, haben sie dieses Ziel nun tatsächlich erreicht. Doch wo ist der Held der Geschichte? Wo ist B.J. Blazkowicz? Der sitzt in der Klappsmühle! Kein Scherz, unserem Helden geht es nicht sonderlich gut. Nachdem wir am Anfang des Spiels unter großen Verlusten die Festung des General Totenkopf gestürmt haben und einen unserer Kameraden an diesen finsteren Herren ausliefern mussten, wurde der Protagonist bei seiner Flucht schwer verwundet und muss sich von seinen Verletzungen erholen.

14 Jahre lang! Die Zeit in der wir an den Rollstuhl gefesselt in der Heilanstalt sitzen, vergeht in einem Zeitraffer. Leute kommen, Leute gehen oder werden geholt. Das Regime hat die Welt in die Knie gezwungen und stattet der Anstalt immer wieder Besuche ab, um Patienten mitzunehmen. Wozu, dass wissen wir nicht. Alles läuft wie auf einer Leinwand ab. Als die Soldaten des Regimes ein letztes Mal auftauchen, erlangen wir das Bewusstsein wieder und entledigen uns des ersten Soldaten der uns zu Nahe kommt. Von dort an beginnt die eigentliche Reise von B.J. Blazkowicz, die ihn quer durch Europa, an die verschiedensten Orte führen wird.

Jede Mission die wir in den 15 Stunden Spielzeit absolvierten, führte uns unter anderem in Gefangenenlager, Hochsicherheitsanlagen, Kanalisationen unterhalb von Berlin und sogar einer Station auf dem Mond. Natürlich darf auch die Burg Wolfenstein nicht fehlen. Jeder dieser Orte hat so seine ganz eigenen Charakteristika und bietet auch in Sachen Gameplay genügend Abwechslung. So sind wir zwar oft schwer bewaffnet unterwegs, doch es gibt auch Abschnitte im Spiel die wir nur mit einem Messer bewaffnet, oder in einem Flugzeug fliegen oder auch unter Wasser absolvieren dürfen. Die Entwickler haben hier sehr genau darauf geachtet, dass das Spiel nicht zu schnell zu eintönig wird und das ist ihnen bestens gelungen.

Das Gameplay bietet dem Spieler eine große Handlungsfreiheit und lässt sehr oft die Möglichkeit seinen eigenen Spielstil zu wählen. Wer also gerne schleicht und sich lieber mit Wurfmessern und schallgedämpfter Pistole seinen Widersachern entledigt, wird hier ebenso viel Spielfreude haben wie jemand, der sich gerne bis an die Zähne mit den schwersten Waffen behängt und alles zu Kleinholz verarbeitet. Wer dem ganzen noch die Krone aufsetzen möchte, der kann so gut wie jede Waffe auch als Akimbo in der linken und rechten Hand halten und einen Bleihagel biblischen Ausmaßes auf die Gegner niedergehen lassen. Jeder Spielstil wird damit belohnt, dass wir in einer Art Talentbaum verschiedene Perks freischalten können, die uns noch gefährlicher oder auch widerstandsfähiger machen.

Waffen-technisch ist das Angebot zwar recht überschaubar, aber meckern kann man hier wohl nicht. Pistolen, Sturmgewehre, Shotguns, Scharfschützengewehre und auch eine Laserkanone stehen zur Auswahl. Gerade Letztere ist der heimliche Star der Ballerorgie. Gleich zwei Feuermodi stehen hier zur Verfügung. Ersterer ist ein Strahl mit kurzer Reichweite, mit dem ihr Gitter und spezielle Kisten öffnen könnt. Hinter einer Deckung sitzend könnt ihr euch einfach ein Loch in die Metallplatte vor euch schneiden und so das Feuer erwidern. Der zweite Feuermodi ist ein abgefeuerte Laserstrahl, der gerade bei größeren Gegnern sehr zu empfehlen ist. Die Laserkanone ist allerdings die einzige Waffe im Spiel, die ihr nicht im Akimbo-Modus nutzen könnt.

Ein Unterschied zu anderen Ego-Shootern ist auch das absichtlich „oldschoolig“-gehaltene aufsammeln von Rüstungsteilen und Medipacks. So lange ihr nämlich nicht das entsprechende Perk freigeschaltet habt, regeneriert sich eure Gesundheit nur bis zu einem gewissen Punkt. Allerdings sind in den Levels meist viele Medipacks, oder auch Lebensmittel die ihr verdrücken könnt verteilt. So wie man es von einem Wolfenstein-Spiel auch erwartet. Sollte eure Gesundheit bei 100% liegen, könnt ihr euch dennoch alles rein futtern was euch vor die Finger kommt, um so eure Gesundheit zu boosten. Es ist also möglich mit über 250% Lebensenergie durch die Levels zu streifen. Um es aber nicht zu übertreiben, tickt dieser Wert im Sekundentakt nach unten, bis er wieder bei 100% angekommen ist.

Medipacks als auch Rüstungsteile liegen aber nicht immer offen herum, sondern verstecken sich auch des öfteren in Kisten, die ihr mit einem beherzten Schlag mit eurem Messer aufbrechen könnt. So knüppeln wir uns also in guter alter Gordon Freeman-Manier, mehr als nur gelegentlich durch Lager voller Holzkisten und nehmen alles darin mit. Half Life Fans dürften sich hier wie zu Hause fühlen!

Allerdings ist bei Wolfenstein: The New Order nicht alles so gut geraten wie das Gameplay oder die Geschichte rund um B.J. Blazkowicz, dem MachineGames viele menschliche Züge verliehen hat und der nicht immer der strahlende Held ist, sondern auch hin und wieder unter der Last der Verantwortung und Pflichterfüllung ins wanken gerät. Seine einzige Stütze ist oft nur Anya, die Krankenschwester die sich jahrelang um ihn kümmerte und dem Spiel hin und wieder eine romantische Note verleiht ohne dabei zu aufdringlich zu sein.

Wenn es etwas zu meckern gibt am neuen Wolfenstein, dann könnte man hier wohl die Grafik in den Mittelpunkt ziehen. So wird The New Order von der id-Tech5 Engine angetrieben, die schon beim Shooter Rage zum Einsatz kam. Zwar gelingt es MachineGames durch die Bank weg eine sehr gute Spielatmosphäre zu erzeugen, die von Anfang bis Ende mitzureißen vermag, aber im Vergleich zu anderen Top-Shootern wirkt die Grafik nicht wirklich aktuell, sondern meist an vielen Stellen der einzelnen Levelabschnitte angestaubt mit unscharfen Texturen. Wer allerdings mehr Wert auf Gameplay und Spielspaß legt als auf Bombastgrafik, der wird mit dem Spiel sicherlich seine Freude haben.

Freude dürfte auch euren Ohren beschert werden, wenn ihr euch durch das Spiel bewegt. Die deutsche Sprachausgabe des Spiels ist weitestgehend in Ordnung und die Sprecher haben hier einen guten Job gemacht. Fremdschämen müsst ihr euch hier also nicht. Die Sounds im Spiel, vor allem die der Waffen kommen zwar nicht an die aus Battlefield 4 heran, sind aber dennoch wuchtig genug und bieten eine gute Klangatmosphäre. Diese wird nur noch vom Soundtrack übertroffen, den man wohl so nicht so schnell wieder hören wird. Hier wurden teils alte Klassiker wie etwa „The House of the Rising Sun“ von den Animals neu aufgelegt und als deutsche Volksmusik ins Spiel eingefügt. Das mag auf den ersten Blick komisch klingen, tut es im Spiel aber in keinster Weise. Im Gegenteil…es unterstreicht die einzigartige Atmosphäre im Spiel und die gewollt abgedrehte fiktive Zeitlinie der 1960er Jahre.

Summary
B.J. Blazkowicz ist wieder zurück und das in bester Verfassung. Was Anfangs wie ein stinknormaler Ego-Shooter beginnt, entwickelt sich bei Wolfenstein: The New Order schnell zu einem spaßigen Actiontrip, welchen sich kein Oldschool-Fan entgehen lassen sollte. Auch wenn in der deutschen Fassung sämtliche Symbole der NS-Zeit herausgeschnippelt wurden, so büßt das Spiel dennoch nichts an seiner einzigartigen und teilweise abgedrehten Atmosphäre ein.Leider ist das Spiel auf technischer Seite alles andere als State-of-the-Art und man hätte hier und da die Texturen etwas knackiger gestalten können. Da fragt man sich zu Recht warum das Spiel mit knapp 50GB Festplattenbedarf daher kommt. Dafür bietet man uns aber auch gute 15 Stunden Spielzeit, in denen es nie langweilig wird und Abwechslung garantiert wird. Ob nun in der Luft, zu Wasser, am Boden oder auf dem Mond, B.J. Blazkowicz lässt es überall krachen.Wolfenstein: The New Order bietet uns die Möglichkeit zwei unterschiedliche Zeitlinien im Spiel zu erschaffen, die verschiedene Gameplay Möglichkeiten enthalten und die Spielerfahrung beeinflussen, was die Wiederspielbarkeit erhöht. Nur zu gern hätte ich mich nach dem Beenden des Einzelspielers, in den Multiplayer gestürzt. Leider gibt es den aber nicht, zugunsten einer weitläufigeren Einzelspielerkampagne. Wem das genügt und die Kosten für einen Vollpreistitel nicht schrecken, kann hier beherzt zugreifen. Wem das allerdings zu wenig Inhalt für so viel Geld ist, der sollte wohl warten bis der Preis etwas gefallen ist. Doch eines sei euch gesagt, verpassen sollte man dieses Spiel auf keinen Fall.
Good
  • Sehr gute Spielatmosphäre
  • Oldschool Gameplay vom feinsten
  • Gute und interessante Charaktere
  • Nahezu einzigartiger Soundtrack
  • Viel Spielspaß von Anfang bis Ende
  • Gut verpackte 15 Stunden Spielzeit
Bad
  • Grafik und Texturen oft nur Mittelmaß
  • Charaktere hin und wieder zu Klischeehaft
  • Story zwar spannend, aber auch nicht außergewöhnlich
  • Leider kein Multiplayer
8.5
Sehr gut
Written by
Shooter-Liebhaber, Rennspiel-Enthusiast, Gelegenheits-Streamer und Bindestrich-Fetischist :-)

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