Wild West Online Preview

PC

 

Im frühen Stadium wurde Wild West Online von 612 Games mit dem im Moment in Entwicklung befindlichen Red Dead Redemption II verwechselt. Wohl aus gutem Grund: Bis heute gibt es nur eine überschaubare Anzahl von Western-Spielen – noch weniger sogar im Open World-Bereich. Mit Wild West Online kommt nun eine neue Möglichkeit dieses Erlebnis zu bekommen – sogar in MMO-Form. Wir haben uns die Alpha-Version angesehen.

Im Westen nichts Neues

Mein erster Eindruck von Wild West Online war leider kein besonders guter: Nach der (extrem dürftigen) Charaktererstellung fand ich mich einfach in die Welt geworfen wieder. Immerhin in einem Dorf, wo ich anhand der Anleitung im Ladeschirm (und Blick in das Optionsmenü) erst einmal die Steuerung lernen musste.

Dann stürzte das Spiel ab. Keine fünf Minuten waren da vergangen.

In dem Moment hätte ich ahnen sollen, was mich erwarten würde. Beim zweiten Mal ging es dann immerhin etwas stabiler zu und ich konnte ein paar Runden mit dem Pferd drehen. Leider stellte ich schnell fest: Sehr viel mehr gibt es im Moment nicht. Klar, ein paar Quests hier und da, aber meist beinhaltet das einfach nur eine Position anzusteuern und zu interagieren. Gold schürfen ist an ausgewählten Stellen möglich. Aber das wahrscheinlich am meisten ausgefeilte System ist, Leute zu bestehlen, so dass ein Kopfgeld ausgesetzt wird. Andere Spiele können sich als Deputies einteilen lassen, um diesen Spieler zur Strecke zu bringen. Persönlich hatte ich mir erhofft, dass Wild West Online auch genug Material liefert für eine ausgewogene PvE-Erfahrung, aber ich wurde sehr schnell enttäuscht. Quest-Texte sind lieblos dahin geklotzt und geben sich nicht einmal ansatzweise die Mühe, zumindest ein wenig Flair rein zu bringen. Noch dazu sehen die NPCs erschreckend gleich aus. Es gibt vielleicht ein halbes Dutzend verschiedene Modelle und sie wiederholen sich von Stadt zu Stadt ständig. An einem Punkt war ich von Drillingen umgeben, die alle noch dazu dasselbe Outfit trugen.

Zwangsläufig muss ich eine offene Western-Welt natürlich mit Rockstars Red Dead Redemption vergleichen. Dort gibt es ein paar Elemente, die Teile der Karte für den Spieler bis zu einem bestimmten Punkt absperren, z.B. durch eine kaputte Brücke. Warum erzähle ich das an dieser Stelle? In Wild West Online kam ich beim Erkunden im westlichen Teil der Karte auf weiter Flur plötzlich die Meldung, dass ich umkehren soll, da der Westteil der Karte nicht begehbar ist.

WWO-1  Wild West Online Preview

Was machen? Schön wär´s…

Aufgrund fehlender Aktivitäten entschied ich mich also, zumindest die Karte genau zu erkunden und außerhalb Aktivitäten zu suchen. Tiere oder andere NPCs sucht man nahezu vergeblich außerhalb von Städten. Schnellreisehäuser müssen umständlich durch Erkundung freigespielt werden (noch dazu mit Glücksfaktor). Nicht einmal Talentbäume zum Aufwerten des Charaketrs waren verfügbar. Überhaupt fand ich an vielen Stellen Möglichkeiten, wie das Spiel weiter finanziell genutzt werden kann durch zusätzliche Mikrotransaktionen. Verbrauchsgegenstände werden gebraucht zum Jagen (mit Fallen), Gold schürfen und anderes. In Gemischtwarenläden können diese gekauft werden – zu (für das 19.Jahrhundert) immens hohen In-Game Dollarpreisen. Schon nur einen weiteren Hut für den Charakter zu bekommen, verschlingt da gut und gern einen halben Tag Spielzeit. Zwar gibt es keine Mikrotransaktionen im Moment, aber zumindest der Ansatz einer eventuellen späteren Implementierung ist zu erahnen. Dazu passt, dass Wild West Online schon jetzt in drei verschiedenen Ausführungen verkauft wird: Townie-, Pioneer- und Collector’s Edition, jede davon im Preis aufsteigend mit mehr Zugaben.

Technische Probleme machen Wild West Online ebenso zu schaffen. Die Grafik ist zwar schnell, aber mit lauter Pop-ins von Objekten und Texturen gepflastert. Musik gibt es nur im Hauptmenü. Im Spiel herrscht nahezu die ganze Zeit Totenstille, abgesehen von den Hufen der Pferde und hin und wieder ein Schuss in der Entfernung. Sprachausgabe fand ich auch nicht. Das Interface ist größteils Tastatur-gesteuert aufrufbar und die Menüführung gewöhnungsbedürftig. Einsteiger-freundlich ist was anderes.

Aber vielleicht unterstreicht das auch den unterschiedlichen Charakter von Wild West Online als MMO. Es scheint sich mehr als eine Art Wildwest-Version von Spielen wie DayZ oder Seven Days To Die zu verstehen.

 

WWO2  Wild West Online Preview

AUSBLICK: Lieber woanders hingehen.

Vor allem ein Wort reicht aus, um Wild West Online richtig zu beschreiben: Langweilig. Im Moment gibt es entweder (aufgrund der Testphase) zu wenig zu tun oder es ist ein alarmierender Vorgeschmack auf die schnöde Alltagwelt dieses MMOs. Inständig hoffe ich, dass letzteres nicht der Fall ist. Eigentlich braucht die Videospielewelt nämlich anständige Westernspiele. Noch ist aber viel zu tun, vor allem im Bereich Atmosphäre, Inhalten und Aktivitäten.

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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