Warriors All-Stars Review

PlayStation 4

 

   

Helden sind etwas besonderes. Mit ihren Taten und Worten gehen sie in die unterschiedlichsten Geschichten ein und inspirieren jede Generation aufs neue. Doch auch diese haben ihren ganz eigenen Ursprung, einen Anfang und ein Ende. Manche sind mit besonderen Gaben oder Fähigkeiten geboren und wieder andere sind durch eine Fügung des Schicksals auf diesen Pfad gebracht worden. Was würde in einer Welt ohne Helden entsprechend der Anfang und das Ende sein? Shiki, Tamaki und Setsuna stehen genau vor diesem Problem, als die einzige Lebensquelle in ihrer Welt zu versiegen droht und scheinbar nichts dagegen getan werden kann. In ihrer Verzweiflung versuchen sie etwas, das so unglaublich ist, dass man es mit einem Wunder gleichsetzen könnte. Sie beschwören Helden aus anderen Welten in der Hoffnung, dass diese in der Lage sein werden zu helfen und ihre Welt zu retten. Doch bei ein paar Helden bleibt es nicht, und so werden 27 besondere Persönlichkeiten gerufen und sind nun Teil des Kampfs gegen das schreckliche Schicksal, dass die Welt der 3 Geschwister erwartet. Wir folgten ebenfalls dem Ruf und machten uns Seite an Seite mit Größen wie Lu Bu aus Dynasty Warriors, Ryu Hayabusa aus Ninja Gaiden und William aus Nioh auf um zu sehen, ob es doch noch Licht am Ende des Tunnels gibt.

Der Anfang vom Ende

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Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Tamaki und Setsuna erzählt, die beide ihrerseits versuchen mithilfe der Helden die Welt zu retten. In Anbetracht dieser Prämisse würde es entsprechend nahe liegen, dass man aufgrund der damit verbundenen zahlreichen Charaktere und damit unterschiedlichen Persönlichkeiten eine Bandbreite an Interaktionen zur Präsentation des Storyverlaufes nutzt, doch Koei Tecmo und Omega Force waren wohl anderer Ansicht, denn hier beginnen leider schon die ersten Probleme von einigen, die Warriors All-Stars mit sich bringt. Durch sogenannte Key Quests schreitet der Spieler in der Geschichte voran, und bis auf die kurzen Cutscenes, die hin und wieder nach einer solchen auftauchen, erfolgt die Darstellung des ganzen durch simple unanimierte und unvertonte Bildschirmpräsentation. Wenn ein Charakter spricht erscheint lediglich ein Bild von ihm links oder rechts und in einer Box darunter steht der Text. Zwar ist diese Art der Darstellung per se nicht falsch, aber in Anbetracht dessen, dass andere Titel, die ebenfalls zu dieser Präsentationsform greifen, schon lange Stück für Stück eigene Verbesserungen in dieser Hinsicht implementieren, ist das ein merkliches Manko. Zu keinem der Charaktere kann der Spieler, selbst als Fan des jeweiligen Ursprungstitels, eine Bindung oder Sympathie aufbauen, da keiner von ihnen durch die Hauptgeschichte zum einen entsprechend lange präsent ist, und zum anderen durch die Form der Erzählung und Darstellung ein Bindungsaufbau schon im Ansatz erstickt wird. Zwar hat der Spieler die Möglichkeit 15 verschiedene Enden zu sehen, doch durch die sehr lieblose Gestaltung und Konzipierung hinsichtlich des erzählerischen Aspekts ist die Motivation diese auch freizuschalten nicht gegeben.

Crossover Cluster oder clustered Crossover?

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Einer gegen Tausend – das Prinzip ist nicht neu und wurde schon oft verwendet. Der Twist diesmal ist, dass es sich hier um Charaktere handelt, deren Forte eigentlich eine andere ist, und das gleichzeitig den Reiz und die Neugierde dessen ausmacht und es von den Genrekollegen abhebt. Das ist hier auch gelungen, wen auch leider nur teilweise. Die Charaktere spielen sich alle so einzigartig, dass sie entsprechend ihr Franchise, aus dem sie stammen, repräsentieren bzw. der Spieler das Gefühl hat, dass sie zwar nicht ursprünglich Teil des Warriors Universums sind, aber dennoch durch ihren Kampfstil und ihre Fähigkeiten ein Teil von diesem sein können. Dadurch besteht eine Motivation jeden Charakter mindestens einmal auszuprobieren und aufzuleveln, um sein komplettes Moveset freizuschalten.

Doch hier gibt es einen weiteren Negativpunkt, der mehr als unerklärlich ist, besonders in Anbetracht dessen, das es sich um einen Warriors-Titel handelt. Es gibt keinen Freien Modus, in dem der Spieler die Schlachten einzeln auswählen kann. Stattdessen ist er gezwungen immer wieder den Storymodus von neuem zu beginnen. Zwar bleiben die Charaktere, die im vorherigen Spieldurchgang freigeschaltet wurden erhalten, doch will man einen spezifischen Charakter bei einer bestimmten Mission ausprobieren, dann muss diese erst wieder freigeschaltet werden. In Anbetracht dessen, dass es unterschiedliche Enden gibt, und nach der Absolvierung von bestimmten Missionen andere unzugänglich werden, da man sich dann auf einem der Routen zu dem jeweiligen Ende befindet, ist eine ständige Wiederholung der Missionen in keinster Weise motivierend.

Hinzu kommt außerdem, dass es lediglich 3 Arten von Missionen gibt: Storymissionen, welche die Hauptgeschichte voranschreiten lassen, Heldenmissionen, in denen neue Charaktere freigeschaltet werden können, und schließlich dramatische Missionen, die durch den Erhalt bestimmter Charaktere freigeschaltet werden. Bedenkt man, dass die Heldenmissionen spätestens dann ihren Sinn und Wiederspielwert verlieren sobald der Spieler alle Personen freigeschaltet hat, sinkt die tatsächliche Zahl der verschiedenen Missionen auf 2. Man könnte sogar so weit gehen und von 1 ½ sprechen, denn die dramatischen Missionen tragen inhaltlich nicht zum Storyfortschritt oder der Vertiefung der Spielwelt bei. Abgesehen von einem kurzen Gespräch zwischen den entsprechenden Charakteren, was ebenfalls in der gleichen Präsentation wie die Storyabschnitte passiert, gibt es auch hier keinen wirklich Wiederspielwert. Das ist eine sehr große Enttäuschung und zwar aus 2 Gründen: Zum einen bestand hier die Möglichkeit zwar keine bahnbrechende Geschichte zu erzählen, aber aufgrund der verschiedenen Charakteren und ihren einzigartigen Persönlichkeiten einiges an interessanten oder witzig bzw. unterhaltsamen Konversationen zu konzipieren. Bereits Dynasty Warriors 8 führte Alternativversionen einzelner Geschichten ein und scheute nicht davor sehr viele Missionen einzubinden, die jedem Charakter entsprechendes Rampenlicht boten und das nicht nur der Charakterentwicklung und Darstellung diente, sondern auch zeigte, dass es in der Story nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern alles auf komplexe Weiße miteinander verwoben ist. Doch hier in Warriors All-Stars wird nicht einmal der Versuch unternommen etwas kohärentes hinsichtlich der Narrative in jeglicher Form aufzubauen. Zum anderen wäre ein solches Crossover eine gute Möglichkeit gewesen auf die einzelnen Franchise´ für Nichtkenner aufmerksam zu machen, beispielsweise durch die Implementierung, gegebenenfalls in abgewandelter Form, von Spielelementen aus den jeweiligen Titeln oder dem Nacherleben bestimmter Geschichtsabschnitte aus diesen. Stattdessen erwecken die Charaktere den Eindruck, als seien sie in keinster Weise ausgefeilt und nicht sympathiebildend bis hin zu einem Grad der Gleichgültigkeit, kombiniert mit dem immer gleichen Missionsablauf, bei dem weder Lust und Laune am Gameplay aufkommt, noch es irgendeine Form der Abwechslung bietet wie beispielsweise Zeitherausforderungen oder Alternativmodi wie eine Arena mit verschiedenen Kampfsituationen.

Entgegen der bisher genannten Punkte kann jedoch immerhin das eigentliche Core-Gameplay überzeugen in dem was es macht. Wie bereits erwähnt spielen sich die Charaktere einzigartig und animieren den Spieler dazu alles an Techniken auszuprobieren und gegen jeglichen Gegner anzutreten. Verschiedene Angriffskombinationen werden, wie bei den Warriors-Games üblich, über eine Verkettung von normalen und starken Aktionen ausgeführt und jeder Charakter besitzt einen Spezialangriff, der sich nach dem Auffüllen der entsprechenden Leiste auf die Gegner schmettern lässt. Schade ist hierbei, dass es davon nur einen pro Persönlichkeit gibt, obwohl hier wesentlich mehr hätte gemacht werden können. Auch hier bietet sich ein Vergleich zur Dynasty Warriors Reihe an, die bereits mit dem 7. Eintrag das Spezialangriffsrepertoire der Charaktere von 1 auf 3 anhob und zwar für jeden der damals über 70 vorhandenen.

Der Warriors Orochi Reihe wurde hier ein Element entnommen und zwar zieht der Spieler nicht nur mit einem, sondern 5 Charakteren in die Schlacht. Dabei dienen die 4 neben dem gewählten Hauptcharakter als Support in Form von aktivierbaren Fähigkeiten, die unter anderem kurzzeitige Statusverbesserungen bieten, oder einen zusätzlichen Unterstützungsangriff ausführen. Später besitzt der Spieler die Möglichkeit diese Fähigkeiten miteinander zu kombinieren und so noch stärkere Unterstützungsaktionen auszuführen.

Anders als in diesem gibt es hier in Warriors All-Stars jedoch kein Waffensystem, sondern ein Kartensystem um die Charaktere, abgesehen vom Levelaufstieg, zu verbessern. Nach jeder Schlacht erhält der Spieler Karten für die Charaktere, mit denen er in die Schlacht gezogen ist. Diese besitzen eine gewisse Grundangriffsstärke, die ausgerüstet dem normalen Angriff des Charakters hinzu addiert wird. Des Weiteren besitzen sie, abhängig von ihrer Seltenheit, zusätzliche Fähigkeitsslots, die durch das Verwenden von Materialien, die ebenfalls nach Beenden einer Mission erscheinen, mit verschiedenen Zusatzboni wie Elementarschaden und erhöhte Spezialleistenaufladung gefüllt werden können. Den Charakteren stehen außerdem passive Boni zur Verfügung und zwar durch sogenannte Bond Gifts. Je nachdem welche Charaktere der Spieler mit in die Schlacht nimmt, verbessert sich das Verhältnis zwischen diesen, was sich in einem Bond Level wiederspiegelt. Erreicht dieses einen bestimmten Wert erhöht sich dieser und schaltet für den jeweiligen Bond Partner eine passive Fähigkeit frei. Dementsprechend lohnt es sich durchaus verschiedene Teamkombinationen auszuprobieren um möglichst viele passive Boni für den jeweiligen Charakter bzw. alle Charaktere freizuschalten.

Nothing to hear here

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Der Soundtrack bietet nichts besonderes und geht nicht über ähnlich klingende Tracks von anderen Warriors-Teilen hinaus. Bei der allgemeinen Synchronisation steht lediglich die japanische Version zur Verfügung. Diese ist jedoch aufgrund des Beibehalten der Originalstimmen aus den jeweiligen Titeln gut und überzeugend. Richtig zur Geltung kommen sie allerdings durch die fehlende Komplettvertonung und den sporadischen Konversationen innerhalb einer Schlacht sowie den Spezialangriffsausrufen nicht.

Der Scheint trügt

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Auch hier wurde sich nicht viel Mühe gegeben, und das ist besonders in Anbetracht, dass es sich um ein Franchise Crossover Projekt auf einer Next Gen Konsole handelt, ein gravierender Fauxpas. Bis auf die Charaktermodelle und den Kampfanimationen ohne Framerateprobleme selbst bei vielen Spezialeffekten und Gegnern gleichzeitig, sehen die Hintergründe sehr standardmäßig aus. Befindet der Spieler sich beispielsweise in einer Stage, bei der Yukimura Sanada, ein General aus der japanischen Sengoku-Periode, der Hauptgegner ist, dann wird es lediglich durch billige Baumbuswaldabschnitte und ein paar traditionell japanische Gebäude und Strukturen repräsentiert. Das ganze wird dann nur noch getoppt von dem Flickenteppichen, aus denen die Stages bestehen, in denen mehrere Gegner aus verschiedenen Franchise´ die Bosse sind, und man dort neben diesen Elementen auch noch Strände, Feuerwerk und moderne Gebäude auf dem Schlachtfeld findet. Eine Interaktion mit Umgebungsgegenständen ist ebenfalls nicht vorhanden, und die sehr, sehr kurzen „Intros“, die gezeigt werden, sobald ein namhafter Held als Gegner dem Spieler begegnet, sind ebenfalls Punkte, die in keinster Weise zum Spielvergnügen beitragen und auch nicht dazu beitragen sich mit anderen Dingen als dem Niedermetzeln von Gegnern zu beschäftigen. Auch das Lesen von Dialogen oder Kampfaussagen der Charaktere während einer Schlacht verkommen später nur noch zu Dingen, die keinerlei Interesse wecken aufgrund ihrer Irrelevanz und ihrer Monotonie. Es gibt keine Unterschiede zwischen den Dialogen wenn sich verschiedenen Charaktere treffen, egal ob sie aus dem gleichen Universum stammen oder nicht. Selbst in Dynasty Warriors 4, einem PlayStation 2 Spiel, dass aus dem Jahr 2003 stammt, haben die Charaktere verschiedene Reaktionen und Aussagen bei der Begegnung mit verschiedenen Personen und es handelt sich hierbei um den gleichen Entwickler.

Die Schlusspointe, oder ein Ende mit Schrecken? – Das Fazit

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Warriors All-Stars hätte ein nettes Crossover Projekt werden können, doch ist am Ende des Tages ein ziemlicher Fehltritt geworden, von dem niemand wirklich profitiert hat, besonders nicht Fans von Warriors Games, die hier durch den vielfältigen Cast eine nette Abwechslung erwartet haben.Während meiner Spielzeit gab es zwar hin und wieder Momente, in denen es mir Spaß machte, doch das resultierte meist nur aus dem Fakt, dass sich die Charaktere individuell spielen und ich aufgrund meiner Kenntnisse bezüglich der Hintergründe dieser aus den verschiedenen Franchise´ an die ein oder andere Sache aus diesen erinnert wurde. Doch für jene, die zum einen keine eingefleischten Fans dieses Genres und zum anderen nicht wirklich mit irgendeinem der Universen, aus dem der Cast stammt, in Berührung gekommen sind, besteht schon nach sehr kurzer Zeit keine Motivation mehr weiterzuspielen. Weder kann der Spieler durch die flache Präsentation Sympathie zu den Charakteren aufbauen, noch hat er eine große Vielfalt, sei es hinsichtlich der Schlachtfelder bzw. Umgebungen oder Spielmodi. Da helfen auch die 15 verschiedenen Enden nichts, die sich außerdem, abgesehen von 3, nur minimal voneinander unterscheiden. Zum Schluss habe ich mir wirklich die Frage gestellt, ob hier das gleiche Entwicklerteam daran gearbeitet hat, dass Titel wie Hyrule Warriors und One Piece Pirate Warriors herausgebracht hat, denn kein bisschen der Kreativität oder auch Mühe, die diese beiden Reihen auszeichnen, scheint in Warriors All-Stars gesteckt worden zu sein. Es wirkt schlussendlich wie ein fehlgeschlagenes Experiment, an dem niemand wirklich Lust hatte zu arbeiten, und das ist eine große vertane Chance, da Omega Force und Koei Tecmo daraus hätten einen guten spirituellen Nachfolger der Warriors Orochi Reihe hätten machen können. In Erinnerung bleiben wird es nun jedenfalls keinem, besonders nicht sobald Dynasty Warriors 9 und Fire Emblem Warriors erschienen sind, die beide bereits in ihrem Promomaterial und Trailern weitaus mehr Qualität versprechen als es Warriors All-Stars tat und am Ende geworden ist.

 

Good

  • Charaktere spiegeln gut ihr Universum durch Kampfstil wieder

Bad

  • Präsentation der Story und Charaktere sehr flach
  • lediglich 1(!) Spielmodi
  • uninteressante Nebenmissionen, allgemein keine Missionsvielfalt
  • keine komplette Vertonung, selbst bei Konversationen zwischen Missionen
  • abgesehen von flüssigen Kampfanimationen grafisch auf Last-Gen Niveau
3

Mangelhaft

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