Warhammer: Vermintide 2 im Review - Es geht Skaven und Chaoskriegern an den Kragen

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SATURN - Soo! muss Technik

 

   

Selbstloserweise haben wir uns im Reikland durch Skaven und Chaoskrieger gemetzelt, um euch berichten zu können, was Warhammer: Vermintide 2 hergibt.

Über ihre vergangene Niederlage mächtig entrüstet, fallen die Skaven zusammen mit ihren neuen Chaoskriegerverbündeten über das Reikland her – also schon wieder. Mittendrin befinden sich die fünf Helden von Ubersreik, die in Vermintide 1 schon erfolgreich Skaven verdroschen haben. Zu Beginn noch in Gefangenschaft waten sie bald durch ein Gemisch aus Blut und Skaven-Körperteilen und schlagen durch dreizehn Level hindurch Skaven und Chaosbarbaren die Schädel ein – oder spicken sie mit Geschossen – oder verbrennen sie – oder erlösen sie anderweitig von ihrem Dasein, je nachdem was gerade Konjunktur hat. So oder so bringen die vier Helden und Heldinnen auf diese Weise Sigmars Ordnung zurück ins Reikland, was erstaunlich viel Freude bereitet. (Oder versuchen es zumindest, immerhin ist das Spiel in den Warhammer End Times angesiedelt.)

Wie im Vorgänger stehen den Spielern und Spielerinnen die Magierin Sienna Fuegonasus, dem Zwergen Bardin Goreksson, dem Hexenjäger Victor Salzpyre, der Waldelfin Kerillian und dem Kaiserlichen-Soldaten Markus Kruber zur Auswahl. Bis zur Hälfte des Heldenlevelcaps von 30 lässt sich pro Helden zwei weitere Rollen freischalten. Alle Rollen sind vollgestaltete Figuren, die sich sehen lassen können, verfügen über einen kleinen, eigenen Skillbaum und eigene Waffen. So kann der Hexenjäger zu einem Kopfgeldjäger werden oder der Veteranwaldläufer Bardin zu einem schwergerüsteten Irondrake oder gar Axt-schwingendem Slayer. Im Vergleich zu den anderen Helden wirken die Rollen von Sienna meiner Meinung nach am nicht besonders abwechslungsreich. Wie nützlich ein jeweilige Rolle ist, hängt wiederum am jeweils aktuellen Balancing. Derzeit bleiben manche hinter anderen zurück.

Im Takt des Gemetzels

Vermintide-2-Chaos-Spawn-Angriff  Warhammer: Vermintide 2 Review

Im Levelgetümmel kämpft jeder Held aus der Egoperspektive, was der Spannung und Intensität zu Gute kommt, aber erfordert, dass man sich mehr der eigenen Position in dem Chaos bewusst ist. Per Design trägt Vermintide 2 eine Mischung aus Nahkampf und Fernkampf – gemein haben beide, dass sich jeder einzelne Angriff ungemein wuchtig anfühlt. Die „Interaktion“ zwischen Gegnern und Waffen des Spielers ist Entwickler Fatshark wirklich gelungen, Gore-Effekte verteilen Blut und Körperteile durch die Level und der Spielende hat wirklich das Gefühl, etwas auszurichten, anstatt nur auf Sandsäcke einzuhauen. Die Mechanik der Kämpfe verbleibt dabei simpel, ein normaler Linksklick löst einen Standardangriff und ein langer einen starken Angriff aus. Die rechte Maustaste dient zum Blocken und in Verbindung mit der linken Maustaste zum Wegstoßen eines Gegners. Darüber hinaus kann jeder Held einen Ausweichschritt machen, Springen und mit F seine aktive Rollenfähigkeit ausführen, die entweder dazu dient speziellen Gegner-Konstellationen zu begegnen, die Gruppe supportet oder ordentlich Schaden austeilt.

Trotz dieser augenscheinlichen Einfachheit unterscheiden sich zwei Spielern bei Weitem nicht nur durch ihr Charakterlevel oder, ob der eine 5% mehr Schaden gegen Skaven auf seiner Hellebarde hat als der andere, vielmehr spielen Erfahrung und Vorgehensweisen eine tragende Rolle, damit eine Gruppe auch bei ansteigendem Schwierigkeitsgrad noch durch die Level kommt.

Vermintide-2-Escape  Warhammer: Vermintide 2 Review

Das Leveldesign an sich gefällt mir, es führt einen von der belagerten Stadt Helmgart, über Wälder, durch eine eroberte Zwergenstadt in die Camps der Chaoskrieger. Ebenfalls die Missionsziele sind abwechslungsreich, wobei die einen besser gelungen sind als andere. In jedem neuen Run stellt sich der automatisierte Spawn Director erneut der Koop-Gruppe entgegen und spawnt algorithmusbasiert Gegner. So spielt sich jedes Level bei jedem Run nochmal anders, auch wenn die Spielziele dieselben bleiben. Mal wird man von Skavenhorden fast erstickt, mal klopfen zwei Chaoskrieger auf der eigenen Gruppe herum. Ebenfalls die Zwischenboss-Begegnungen finden nach dem Prinzip statt oder eben auch nicht.

Insgesamt überzeugt Vermintide 2 durch ein abwechslungsreiches und detailreiches Gegnerdesign. Spezialgegner wie Warpflammenwerfer, Ratling Gunner, allerhand Skavenkriegervarianten, Stormvermins und verschiedene Chaosbarbaren versuchen die Helden zu erledigen. In manchen Runs können sich die Zwischenbosse etwas nach Sandsäcken anfühlen, was stark mit dem Powerlevel und der Erfahrung der eigenen Gruppe zusammenhängt. Ersteres setzt sich aus dem durchschnittlichen Powerlevel der Ausrüstung und dem eigenen Level multipliziert mit 10 zusammen. Gerade wenn es an die Schwierigkeitsgrade geht, erhält das Powerlevel besondere Relevanz: Rekrut, Veteran, Champion und Legendär erwarten ein spezifisches einmal auf dem Account erreichtes Powerlevel und sollten auch mit dem jeweils aktuellen Charakter nicht unter einem spezifischen Powerlevel betreten werden – mal abgesehen von Rekrut, dem ersten Schwierigkeitsgrad. Nach etwas Eingewöhnung sollte Vermintide 2 für die allermeisten Spieler auf Rekrut sehr machbar sein. Auch Veteran ist noch gut mit zufällig im Quickmatch gebildeten Gruppen spielbar. Darüber hinaus ist weitere Koordination hilfreich, aber nicht dogmatisch notwendig.

Ohne Loot geht gar nichts

Vermintide-2-Sienna  Warhammer: Vermintide 2 Review

Gerade wegen der Kopplung von Powerlevel und Schwierigkeit wird Loot zu einer wichtigen Säule. Am Ende jedes erfolgreichen Runs und nach jedem Level-Up belohnt das Spiel einen mit einer Lootbox. Ruhig bleiben, diese Lootboxen lassen sich weder mit Echtgeld noch mit einer Premium-Währung erwerben. Bei einem Level-Up erhält man immer eine Commendation-Chest – die Qualität einer Leveltruhe hängt hingegen vom Schwierigkeitsgrad, von der Zahl ins Ziel gekommener Helden, etwas Glück und wie viele Tomes und Grimoires man gesammelt hat. Von ihnen sind jeweils drei und zwei in jedem Level versteckt. Sie mitzunehmen hat jedoch nicht nur Vorteile, da sie einerseits je einen Itemplatz einnehmen und Grimoire das maximale Leben aller Spieler absenken – dafür führen sie zu deutlich besserem Loot. Dieser kommt klassisch in unterschiedlichen Seltenheiten daher, hat ein gewisses Powerlevel und je nach Seltenheit Effekte, Spezialeigenschaften oder Illusionen.

Items lassen sich in Vermintide 2 nicht nur aus den Lootboxen ziehen. Alternativ kann man sie sich in seinem Craftingsystem bauen, das die Werte, das Powerlevel und die Seltenheit auswürfelt. Die Materialien hierfür entspringen dem Auseinanderbauen nicht mehr gebrauchter Gegenstände, mit denen sich Items auch aufwerten, mit neuen Illusionen oder neu ausgewürfelten Boni versehen lassen. Das mag zwar funktionieren, managt sich allerdings unnötig umständlich über Drag & Drop beziehungsweise Doppelklicks auf jeden einzelnen Gegenstand. Ebenfalls vermisst man in Vermintide 2 jedwede Form von Inventarverwaltungs- und Sortierungsfunktionen.

Ein Teil des Loots sind sogenannte Heroic Deeds. Sie können in den Ausrüstungstruhen enthalten sein und versehen Missionen mit speziellen Parametern, die sie schwerer machen, was aber mit besseren Lootboxen vergütet wird, sollte sie gelingen. Was in der Theorie cool klingt, ist in der Praxis überraschend umständlich. Die Deeds finden sich vergleichsweise selten in den Truhen, ersetzen ein normales Item in ihnen und sie sind nicht für das Quickmatch-Tool zugelassen. Wirklich durchdacht erscheint dieses Feature demnach nicht.

Insgesamt trägt Loot maßgeblich zur Langzeitmotivation bei, was es auch braucht, weil man die 13 Level und ihre Missionsziele schnell gesehen, gespielt und gewonnen hat. Für seinen Standardpreis von 27,99 € mag es zwar eine angemessene Levelauswahl bieten, auf lange Sicht wird Levelnachschub jedoch unumgänglich. Vermintide 2 gleitet, nachdem man alle Level einmal gespielt hat, in eine spielerisch auferlegte Wiederholungsschleife, in der hauptsächlich über Quick Play zufällig eins der Level erneut gespielt wird. Dank des Spawn Directors, der Schwierigkeitsgrade und des Loots wird das nicht so schnell langweilig, sofern man der richtige Spielertyp hierfür ist. Da die Missionsziele und Örtlichkeiten gleichbleiben, kann sich ein Gefühl der Abnutzung einstellen, die einem den Spaß am Spiel zerstören kann. Wer also nicht auf die Wiederholung von Inhalten steht, sollte ernsthaft reflektieren, ob Vermintide 2 das richtige Spiel für einen ist.

Stabilität & Grafik

Vermintide-2-Mission  Warhammer: Vermintide 2 Review

In den letzten Patches musste Fatshark einer Reihe fieser Bugs zu Leibe rücken. Erfreulicherweise patcht der Entwickler Vermintide 2 regelmäßig und ist inzwischen schon beim 6. ausgerollten Patch. Ich litt wenig unter Bugs, allerdings ist die Community mit dem derzeitigen Zustand noch nicht zufrieden. Insbesondere über angeblich mit dem verwendeten Anticheat Easy Anti Cheat Performance-Probleme wird häufiger geschrieben. Mir korrumpierte einer der letzten Patches meine Installation, was Steam schnell durch eine Installationsüberprüfung beseitigen konnte. Darüber hinaus hatte ich häufiger Verbindungsprobleme mit dem Host von Matches, wobei ich nicht weiß, ob das auf Bugs von Vermintide 2 oder auf die Verbindung der Hosts zuschieben ist. Unglücklicherweise baut das Spiel noch nicht auf Dedicated Server, der Support für diese soll noch nachrücken. Ebenfalls in der Mache befinden sich Modding Tools, mit denen die Community das Koop-Spiel erweitern können wird.

Als Ausgleich punktet Vermintide 2 mit sehr schöner Unreal Engine 4-Grafik. Ohne zu übertreiben: So gut hat die Alte Welt bisher noch nicht ausgesehen! Auch der Sound und die Musik zur Untermalung des Geschehens stimmen. Zwar gibt es den Synchron nur in Englisch, dafür ist dieser wirklich gut gesprochen. Ob man es mag, dass die Helden sich mitunter wie Jugendliche gegenseitig angreifen und in einem gewissen rivalisierenden Wettkampf zu stehen scheinen, ist Geschmackssache. Meiner Meinung nach könnte eine Spur weniger Banter im Austausch gegen mehr echte Gespräche besser sein. Gut gefallen haben mir die Leveleinleitungen, die mit einem humorvollen Witz geschrieben sind.

Fazit: Blutrünstiges Koop-Highlight mit Makel

Vermintide-2-Bödvarr  Warhammer: Vermintide 2 Review

Sich durch die immer anders zusammengesetzten Horden an Chaosdienern und Skaven sowie stärkere Spezialgegner und Bosse in einer vierer Gruppe zu schlachten, entfaltet dank des schlichten, aber gut designten Kampfsystems und der Atmosphäre unheimlich viel Spielspaß. In seiner Natur bleibt Vermintide 2 ein Spiel, in dem ähnlich wie bei den Dungeons eines mmorpg die einzelnen Level immer wieder erneut gespielt werden. Auf Dauer wird es zwar unbedingt weitere Level benötigen, aber für seinen Preis ist der Umfang durchaus angemessen.

Durch den Spawn Director spielt sich jeder Durchgang anders und die Lootspirale bietet zusätzliche Motivation, wer aber ungern sich wiederholende Level spielt und Missionsziele vollbringt, wird nicht lange Freude an Vermintide 2 haben. Dafür bietet es sich sowohl für eine Gruppe von Freunden als auch für Einzelspieler an, die bereit sind sich ins Quickmatch zu wagen oder in einem der sozialen Kanäle des Spiels sich Mitspieler zu suchen. Wirklich nicht durchdacht ist die momentane Iteration der Heroic Deeds, die eigentlich den Missionen einen zusätzlichen Abwechslungsfaktor geben sollten. Dazu kommt, dass sämtliche Itemverwaltung und das Crafting irgendwie unnötig umständlich von der Hand gehen. Einerseits punktet Fatsharks Koop-Schnetzelei mit toller Optik, Atmosphäre und Sound, andererseits treten hier und da immer wieder Bugs zu Tage. Wie beim Vorgänger ist die Nähe zu Left4Dead nicht zu verleugnen. Doch aufgrund seiner Itemhatz, seiner Atomsphäre, des durch größere Zahlen an Gegnern erhöhten Chaosfaktors, seines viel Freude bereitenden Kämpfe und nicht zuletzt wegen seiner 15 nennenswert unterschiedlichen Rollen gelingt es Vermintide 2 aus dem Schatten des Zombieshooters zu treten

Fatshark ist es gelungen Vermintide 2 zu einem viel Spielspaß bietenden Spiel zu formen, das eine gute Grundlage gelegt hat. Nichtsdestotrotz wird es sich in seinem jetzigen Zustand nicht auf Dauer behaupten können. Dies liegt sowohl an den noch ungelösten Unstimmigkeiten als auch an seinem etwas dürftigen Umfang. Die Zukunft von Vermintide 2 wird sich daran entscheiden, wie gut Fatshark die Weiterentwicklung gelingen wird.

2. Meinung von Konrad:

Okay, vorab sollte ich sagen, dass ich nur sehr selten Online Co-Op spiele und Vermintides eindeutige Inspiration Left4Dead so gut wie gar nicht gespielt habe. Insofern, nicht so wirklich mein Genre. Aber ich mag die diversen Settings von Games-Workshop und bei der Umsetzung der Alten Welt kann Vermintide bei mir richtig punkten. Ja, die Alte Welt sah tatsächlich noch nie so gut aus. Wird sie vermutlich auch nie wieder, denn sie steht ja kurz vor der Chaos-Apokalypse. Aber genau da liegt der Reiz für mich in einem Spiel wie diesem: Mitten IN der Welt sein, die man so lange nur „von oben“ auf dem Spieltisch betrachtet hat. Auf Augenhöhe mit den Horden des Chaos wirken die Rattenschwärme unübersichtlicher, die Bruten furchterregender und die Trolle hungriger.

Da verzeiht man auch, dass die Mechaniken manchmal etwas langweilig werden. Hat man erstmal in der Panik alle seine Pfeife in den Rattenoger geschossen, kommt das Spiel in einen langsamen Trott, da außer Ausholen-Zuhauen-Ausweichen nicht viel geboten wird.

Was mir dann in Sachen Präsentation gefehlt hat, ist ein bisschen mehr Story. Das Spiel beginnt zwar mit einem schönen Opening, in dem sich ein Skaven und ein Chaos Lord streiten, aber gerät das Spiel erstmal in seinen Trott, gibt es leider nichts mehr in dieser Richtung. Dabei sind Skaven doch gerade wegen ihrer Feigheit und Inkompetenz so herrliche Antagonisten. Da hätte ich gerne mehr von gesehen.

Spielerisch und technisch kann ich über Vermintide 2 kaum etwas sagen, was mein Vorredner nicht schon abgehakt hätte. Jedoch alleine wegen der tollen Umsetzung des Settings hatte ich meine Freude mit dem Spiel.

SATURN - Soo! muss Technik

Good

  • Schlichtes aber viel Spielspaß bereitendes Kämpfen aus Egoperspektive
  • 15 verschiedene Rollen, die sich spielerisch unterscheiden und Teamkomposition Gewicht verleihen
  • Spawn Director sorgt für immer wieder verschiedene Missionsdurchläufe
  • Spawn Director sorgt für guten Spielfluss
  • Die Alte Welt sah bisher noch nicht so gut aus wie in Vermintide 2
  • Packende Atmosphäre durch Stil, Sound und Umgebung
  • Grimoires und Tomes passen einfach gut zum Spiel
  • Lootspirale weiß zu motivieren
  • Schwierigkeitsgrade ziehen an und verpassen dem Spiel einen neuen Spin

Bad

  • Auf Dauer zu kleiner Umfang
  • Heroic Deeds im Jetztzustand dürftig
  • Schlechte Itemverwaltung, etwas umständliches Crafting
  • Loot und Schwierigkeitsgrade als einzige Dauermotivation
8

Sehr gut

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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