Total War: Warhammer Review DLC Das Reich der Waldelfen

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Weiß die “bisher größte Erweiterung” qualitativ zu überzeugen? Wir haben uns auf die Wilde Jagd mit den Waldelfen begeben, um es herauszufinden.

Total War: Warhammer musste eindeutig zu lange ohne Bäume kuschelnde Langohren auskommen. Ohne Zweifel handelt es sich bei den Waldelfen um einen lang erwarteten Fan-Favoriten, der nun mit 17,49€ eine Offensive auf die Steam Wallet startet. Allerdings bleibt offen, wie gut Creative Assembly die Waldelfen für Total War: Warhammer umgesetzt hat. Was taugt die neue Mini-Kampagne, wo diese doch einer der Hauptgründe für den recht hohen Preis ist? Wie sieht es mit der Einheitenliste aus, weißt sie genauso wie die der Tiermenschen eklatante Lücken auf? Unterscheiden sich die Waldelfen überhaupt merklich von den anderen Fraktionen oder sind sie nur ein blattgrün angestrichener Reskin?

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Daumendrücken für die Zeit der Offenbarung

Creative Assembly und Sega vermarkten die  Entfesselung der Waldelfen als Kampagnenpaket. Es liegt also nahe erst einmal auf die diese Betitelung hinterlegende Minikampange einzugehen. Die Zeit der Offenbarung steht im Zeichen von Waldelfen, die Tiermenschen die Ziegenschädel einhauen. Pluspunkte gibt es dafür, dass Creative Assembly sich sowohl in der Minikampagne als auch der Großen Kampagne konsequent einem Kritikpunkt gestellt hat: Mit jedem legendären Kommandanten den gleichen Startpunkt auf der Kampagne zu haben ist furchtbar langweilig. Daher kam das Entwicklerstudio auf die fixe Idee, hier und da neue Legendäre Kommandanten in Unterfraktionen auszugliedern. Damit hat es das Problem elegant gelöst und den Wiederspielbarkeitswert aller letzten DLCs und auch der kostenlosen Lords erheblich erhöht – top. Damit steigt auch der Wiederspielbarkeitswert der neuen Minikampagne – oder zumindest etwas.

Ein Erklärungsversuch zum Stand der neuen Kampagne: Irgendwo bei Creative Assembly sitzt ein Team aus Kampagnenkartendesignern, das für jede neue Karte qualitative Arbeit abliefert. Im Ernst, die Karte der Minikampagne sieht richtig gut aus. Unglücklicherweise scheinen die Gameplay-Designer eben diesem Team eins auswischen zu wollen, anders ist das konsequente Ignorieren der nicht nur von uns geäußerten Kritik gegenüber der letzten Minikampagne nicht zu erklären. Es reicht bei Weitem nicht aus nur das Kampagnenlayout zu ändern, um eine gute neue Kampagne zu erhalten und das weiß Creative Assembly eigentlich auch. Objektiv gesehen unterscheidet sich die Zeit der Offenbarung nicht besonders von der Großen Kampagne. Es gibt keine speziellen Events, keine speziellen Mechaniken, es dreht sich sogar alles wieder um eine regelmäßig einfallende Hordenfraktion. Zu allem Überdruss kann man ausschließlich die beiden Waldelfenfraktionen spielen. Verglichen mit dem, was das Team bei Total War: Attila – Das Zeitalter Karls des Großen abgeliefert hat, schneidet die Minikampagne der Waldelfen kläglich ab. Zum Warm werden mit den Waldelfen und für ein paar schöne Screenshots ist sie aber in Ordnung.

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Auch unter Elfen kommt es gern zu Streitigkeiten

Für mich persönlich war sie dennoch für ein paar Lacher gut: Die Waldelfen zu spielen ist generell erfreulich herausfordernd. Nachdem andere Waldelfenfraktionen meine zwei Armeen ein bis zweimal verhauen hatten, beschloss ich den “friedlichen” aber manipulierenden Waldelfenhochkönig zu mimen. Ich schloss ein paar Bündnisse, pflegte meine Armeen und baute meine Regionen aus, währenddessen drehte die KI des Baummenschen-Lords Durthu völlig durch. Augenscheinlich gelangweilt von meiner Sim City-Spielweise machte sie sich daran, alle zu unterwerfen oder zu zertreten, derer sie habhaft werden konnte. Während Durthu Kopfnüsse verteilte, griff ich auf was übrig blieb – es folgte eine Konföderation hier, zwei neue Regionen da. Als quasi nichts mehr außer eine Handvoll Fraktionen auf der Karte übrig blieb, kaufte ich mir das Wohlwollen des übermächtigen Nachbarn mit ein paar zehntausend Goldmünzen ein und ab diesem Zeitpunkt war die Kampagne quasi gewonnen. Trotz ihrer leider offensichtlichen Schwächen kann die Minikampagne also Spaß bereiten.

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Das Herz von Athel Loren in der Großen Kampagne

Rettet die Große Kampagne die Waldelfen?

Abermals muss sich also eine neue Fraktion durch ihre Performance in der Großen Kampagne retten. Während die Waldelfen sich in der Zeit der Offenbarungs-Kampagne weitgehend wie alle anderen Fraktionen spielen, fallen die Besonderheiten der Waldelfen hier sehr ins Gewicht. Als Waldelf spielt ihr eine neue Art von Fraktion, die weder Horde ist noch ein gigantisches vollwertiges Reich errichten wird. Eure Hauptregionen verbleiben die gesamte Kampagne hindurch in Athel Loren, dem heimatlichen aus vier Regionen bestehenden Wald. Damit man eine Chance hat gegen die überall lauernden Feinde, bietet jede Stadt 10 Bauplätze, so dass die Einheitenliste der Waldelfen zum Tragen kommen kann. Dazu kommt eine weitere Besonderheit: Erobert ein Waldelfenheer eine Region außerhalb von Athel Loren, kann es sie in einen Außenposten umwandeln. Das können die Waldelfen übrigens mit jeder Region. Folglich sind sie die erste Fraktion, die alle Regionen der Kampagnenkarte erobern kann.  Ist ein Außenposten erobert, können die Waldelfen nur zwei einstufige Gebäude errichten, die jedoch dringend benötigtes Geld in die chronisch klamme Elfenkasse spülen und in neues Bernstein münden.

Elfen-Baumeister müssen auf beengtem Raum bauen.

Letzteres erinnert entfernt an die Nahrungs-Ressource vergangener Total War-Titel. Bernstein dient als zusätzliche Währung neben Gold und wird für viele Technologien, manche Gebäude, Einheiten und den Ausbau des Weltenbaumes benötigt. Im eher kleinen Technologiebaum kosten zumeist gerade die wirklich nützlichen Technologien etwas Bernstein, welches ein Elfenfürst gleichzeitig für Hauptgebäudeanbauten oder Baummensch- beziehungsweise Elfeneinheiten einsetzen wöllte. Zu allem Überdruss hängt zudem die Siegesbedingung der Elfen am Bernstein. Anders als bei anderen Fraktionen müsst ihr demnach nicht die halbe Karte brandroden oder erobern, um zu gewinnen, sondern den Weltenbaum auf Stufe 5 bringen und danach eine Questschlacht schlagen. Da diplomatische Beziehungen Bernstein abwerfen, sind langhaltende Bündnisse mit Großmächten für die Waldelfen von noch größerer Bedeutung als für die anderen Fraktionen. Angenommen die Wirtschaft der Fraktion wäre gesund und florierend, wäre dies tatsächlich eine gute Strategie. Praktisch wird die Kriegskasse ohne Überfälle, Plünderungen und Brandschatzung von Städten alsbald leer sein. Ähnlich wie die Hordenfraktionen müssen Waldelfen zur Unterhaltung eines größeren Heers in der Früh- und Mittelphase ständig Feinde überfallen, um ihre unausgeglichene Wirtschaft im Gang zu halten. Darüber hinaus gibt es noch fraktionstypische Events, Questschlachten und ein Ämtersystem. Dieses gleicht dem ähnliche politischen Ämtern beim Imperium mit dem Unterschied, dass die Elfen ihre Ämter durch den Bau spezieller Gebäude freischalten.

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Imperiale zu verhauen, geht mit den Waldelfen ziemlich gut

Doch wie viel Spaß bereiten diese Kampagnenmechaniken? Die Spielweise der Waldelfen weiß zu überzeugen und bereichert Total War: Warhammer um eine weitere Facette. Endlich eine neue Fraktion ohne Hordenmechanik zu haben, ist erfrischend. Auch alle Regionen erobern zu können, hat was. Insgesamt gefällt mir die Bindung der Waldelfen an den Bernstein, aber in einer Hinsicht geht er mir unheimlich auf die Nerven: Er limitiert die Armeenzusammenstellung auf eine Weise, wie keine andere Fraktion sie erdulden muss. Spielt ihr die Waldelfen unter Orion ziehen alle Waldeinheiten mindestens eine Einheit an Bernsteinpfand ein, als Durthu tun dies hingegen die Waldelfentruppen. Dummerweise ist der Vorrat an Bernstein begrenzt, womit man immer haushalten muss, ob man die sehr nützlichen Einheiten baut oder es lieber für den Kampagnensieg, Gebäude oder Technologie anspart. Natürlich ist es möglich auf eine Weise vorzugehen, welche zu genug Bernstein führt. Nichtsdestotrotz macht diese Zwangseinschränkung absolut keinen Spaß. Meiner Meinung nach würde es ausreichen, Bernstein für die drei anderen Aspekte zu benötigen und als Ausgleich deren Bedarf hochzusetzen. Dem folgend wäre die Grundidee des Bernsteins erfüllt, aber die Armeenvielfalt der Waldelfen müsste nicht unter ihr leiden.

Die momentane Situation gestaltet sich umso nerviger, weil gerade beide Seiten der Einheitenauswahl richtig gut gelungen sind. Die Einheitengestaltung der Waldelfen weiß zu überzeugen und hat interessante Truppen hervorgebracht. Bogenschützen kämpfen neben Kampftänzerinnen, berittenen Bogenschützen, Hirschreitern, Riesenadlern, Baummenschen und anderen coolen neuen Einheiten. Alles in allem ist die Einheitenauswahl nicht gigantisch, sondern eher mittelgroß, ist jedoch sehr gut gelungen. Seit dem Hotfix haben sich die Waldelfen außerdem gut in das Schlachtengefüge eingefunden. Nur die Ewigen Wächter, die Standardspeerträger der Elfen, haben scheinbar in ihrem hunderte Jahre langen Leben vorallem das eindrucksvolle Sterben trainiert.

Wer die Waldelfen in der Schacht spielt, muss umdenken. Alle Einheiten außer die Baummenschen und die Waldschrate qualifizieren sich als Bilderbuchglaskanonen, die bei zu großem Schaden dahinsterben. So mögen die Waldelfen zwar sehr starke Bogenschützen mit großer Reichweite haben, besonders die Spezialpfeile sorgen hierfür. Feuern die Feinde jedoch zurück, bleibt von ihnen nicht besonders viel übrig. Plänkeln, Hinterhalt und Hit&Run sind zum Spielen mit den meisten Einheiten essentiell. Eine stabile Linie aus Waldschraten vereinfacht das Spielen mit ihnen ungemein, weshalb ich sie jedem für eine stabile Elfenarmee ans Herz legen kann, sofern Creative Assembly diese Einheit nicht kaputt nerft. Dazu kommen die Heldeneinheiten und die Kommandanten. Die Magier der Waldelfen können die eindrucksvollen neuen Lehren der Schatten und des Lebens einsetzen. Durthu, Orion, die Waldfürsten und ihre Baummenschenältesten taugen als passende Anführer.

P.S.: Die Waldelfen sind unabhängig vom Kauf des DLC in der Großen Kampagne als KI-Fraktion im neuen Kampagnengebiet von Athel Loren anzutreffen.

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Zwerge sind wegen ihrer schweren Rüstung und ihrer Feuerwaffen anspruchsvolle Gegner für die Waldelfen

Fazit: Die Wilde Jagd steigt in der Großen Kampagne und schläft in der neuen.

Es gab bisher zwei Minikampagnen für Total War: Warhammer und beide bereiten mir zusehends Bauchschmerzen. Immerhin handelt es sich bei ihnen um die Hauptrechtfertigung dafür, dass die Kampagnen-DLCs so heißen, wie sie heißen und daher für 17,49€ verkauft werden. Unglücklicherweise waren beide Minikampagnen den Aufpreis spielerisch aber einfach nicht wert und das ist schade. Ich weiß nicht, wo Creative Assembly mit den Minikampagnen noch hin will. Meiner Meinung nach bieten sich für das Studio genau zwei Möglichkeiten: Entweder sie fangen an auf die Kritik einzugehen oder sie beerdigen sie. Derzeit wäre ich froh, wenn zukünftige Fraktionen nicht mehr an ein Kampagnenpaket gebunden und dadurch preiswerter wären.

Denn die Waldelfen selbst wissen zu überzeugen: Sie heben sich deutlich von den anderen Fraktionen ab, bieten eine tolle Einheitenauswahl ohne große Lücken, spielen sich in den Schlachten erfrischend anders und ihre Mechaniken sind großteils gelungen. Mehr noch – ich würde die Waldelfen in Total War: Warhammer nicht mehr missen wollen, da das Spielen mit ihnen unheimlich viel Spaß bereitet. Nichtsdestotrotz fällt es mir schwer eine Kaufempfehlung für diese Download-Erweiterung auszusprechen, weil seine eine Seite so enttäuschend ist. Sollte euch der knackige Aufpreis nicht stören und ihr glaubt, ihr könntet dennoch Spaß an der mittelmäßigen Minikampagne haben, greift ruhig zu. Alle anderen kann ich nur auf einen zukünftigen Steamsale oder eine dauerhafte Preissenkung vertrösten.

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Good

  • Gelungene Kampagnenmechaniken
  • Große Kampagne mit den Waldelfen bereitet viel Spaß
  • Erfrischendes Schlachtengameplay
  • Tolle Einheitenauswahl, ohne große Lücken
  • Optisch ansprechend gestaltete Einheiten

Bad

  • Minikampagne maximal mittelmäßig
  • Keine neuen Features in der Minikampagne
  • Nur Waldelfen in der Minikampagne spielbar & kaum Wiederspielbarkeitswert
  • Bernstein limitiert Armeenaufbau in der Großen Kampagne
Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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