Total War : Rome 2 – Hannibal vor den Toren im Test

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SATURN - Soo! muss Technik

 

Der westliche Mittelmeerraum, Sommer, kristallklares Wasser und nicht enden wollender Krieg der Antike. Karthago gegen Rom, Elefanten gegen Legionen, Hopliit gegen Hastati - im zweiten Punischen Krieg, dem Szenario des neuen Total War: Rome 2 DLCs Hannibal vor den Toren, treffen die beiden Großmächte erneut krachend aufeinander. Lohnt es sich, diesen Feldzug zu führen oder erstarrt er in den Alpen zu Eis?

   

Allen Umständen zum Trotz marschierte Hannibal Barka mit einem Heer aus Elefanten und Hopliiten über die Alpen, um den Römern in Italien eine Reihe schwerer Niederlagen beizubringen. Er gilt als größter Feind Roms und schlug Armeen, die um ein Vielfaches stärker waren als die Seine. Am Ende zerschmetterte Rom Karthago trotzdem und stieg zur vorherrschenden Macht im Mittelmeerraum auf. Wie in jedem Total War ist der eigentliche Verlauf der Geschichte allerdings Nebensache: Warum sollte Karthago nicht Rom in Flammen aufgehen lassen? Warum sollte die Mittelmeermacht nicht über Sizilien angreifen, anstatt über die Alpen zu marschieren? Die Geschichte liegt wie ein offenes Buch vor uns, bereit sich nach unserem Willen umschreiben zu lassen.

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Kampf der Kulturen

Entweder wir ergreifen als eine der beiden Großmächte Karthago oder Rom die Waffen und springen dann als Schwergewicht in den Ring oder wählen eine von drei kleineren Fraktionen: Syrakus, Areveci oder Lusitani. Letztere beiden sind die ersten spielbaren iberischen Völker, mit völlig neuen Einheiten, eigener Religion und Kultur. Die eigenen Einheiten dieser Fraktionen und die Startposition lassen die Beiden besonders interessant werden. Diese drei kleineren neuen Völker sind nach dem Kauf des DLC ebenfalls in der großen Kampagne spielbar. Syrakus ist eine weitere griechische Polis, ansässig im Osten Siziliens, den Expansionsbegehren der Großmächte Karthago und Rom direkt ausgeliefert.

Im Prinzip ähnelt Hannibal vor den Toren stark dem ersten Kampagnenpack Caesar in Gallien: Es fokussiert sich auf einen kleineren geographischen Maßstab mit eigenem Szenario und einen kleineren Zeitraum mit eigenen Persönlichkeiten. Die Weltkarte umfasst 19 Provinzen von Spanien, über ganz Italien und den Norden Afrikas bis zur Westgrenze Ägyptens. Damit ist sie deutlich kleiner als die Hauptkarte von Total War: Rome 2, ermöglicht aber kleinere, etwas flotter gespielte Feldzüge. Dies ist besonders für die Multiplayerkampagne von Vorteil. Rom und Karthago verfügen jeweils über eine besondere Persönlichkeit: Scipio oder Hannibal Barka, beide können nicht im Feld sterben, sondern kehren nach einer Phase der Verletzung wieder kampfbereit zurück. Das macht diese beiden Generäle zu sehr wertvollen Charakteren. Zwölf Runden entsprechen in dieser Kampagne einem Jahr, Jahreszeiten sind wie in der großen Kampagne und dem Gallienfeldzug auch inbegriffen. Allerdings haben beispielsweise die Winter im sonnigen Spanien, Italien und Nordafrika eher weniger Auswirkungen und sind eher schön anzuschauen. Ebenso überzeugt die Optik der Kampagnenkarte.

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Diplomatie quer übers Mittelmeer

Diplomatie bekommt in Hannibal vor den Toren, unterstützt durch zwei neue Technologiebäume der beiden Großmächte, neue Aufmerksamkeit. Jede der beiden Mächte versucht möglichst viele kleinere Fraktionen hinter sich zu bringen, um dem Konerpart das Leben schwer zu machen. Durch die zentrale Lage des Mittelmeers auf der Karte erlangen die Seewege zusätzlich sehr hohe Bedeutung. Armeen schippern umher, Flotten wehren Angriffe ab und die Balance springt einem nachwievor auf der Nase rum. Transporterflotten sind in Schlachten noch immer recht stark. Hier hat sich seit Release nicht viel getan. Dies ist eines der Features, dem sich The Creative Assembly unbedingt in den nächsten Patches annehmen sollte. Mit zu dieser Kategorie gehören ein paar Bugs, die gediegene Feldherrn schon mal nah an die Grenze des Wahnsinns bringen können. Es ist sehr unratsam die Stadt Karthago in einer Belagerungsschlacht in Echtzeit zu verteidigen, denn sollten die Tore fallen, verwandelt sich das ganze Spiel, unabhängig von der Framerate, in eine wunderbare Diashow.

Neben eine Reihe neuer Technologien und den neuen Fraktionen beinhaltet das DLC eine Reihe von neuen Einheiten.

Die restlichen Einheiten der Kampagne bestehen aus schon vorhandenen Einheiten. Durch die Begrenzung auf die frühe Periode Roms, kommen römische Spieler interessanterweise deutlich länger mit ihren frühen Truppen in Kontakt als im Hauptspiel. Zwei neue historische Szenarien lassen uns die Schlacht bei Zama und von Cannae nacherleben, zwei der berühmtesten Schlachten zwischen Rom und Karthago. Der neue DLC von Total War: Rome 2 führt weder weltbewegenden Änderungen am Spiel durch, noch ist er unglaublich innovativ. Es ist wieder ein Feldzug mit ein paar neuen Einheiten, Fraktionen und einer neuen Karte. Stärken und Schwächen des Hauptspiels finden sich Großteils auch hier wieder. Es gilt also erneut: ein Spieler, der das Hauptspiel abgrundtief hasst, wird auch mit Hannibal vor den Toren keine Erfüllung finden.

Fans sollten einen genaueren Blick auf den Feldzug im westlichen Mittelmeerraum werfen. Wie auch in Caesar in Gallien erlangen Agenten und Generäle einen deutlich höheren Wert, da sie nicht schon nach wenigen Runden das Zeitliche segnen. Der kleinere Maßstab der Kampagne lässt einen schon bekannte Gebiete in neuem Gewand erobern und durchschreiten. Beispielsweise hat Syrakus im DLC Hannibal vor den Toren endlich seine Mauern bekommen. Früher oder später gehen sich dann die beiden Großmächte an die Kehle und alle ihre Verbündeten mit ihnen.

Fazit

Kurz gesagt Hannibal vor den Toren erfindet das Rad nicht neu, sondern bietet mehr vom Bekannten, mehr von etwas, das funktioniert hat und Spaß machte. Auch von der Spielzeit her bietet Hannibal vor den Toren Stunden an Unterhaltung. Dies liegt nicht nur an dem Wiederspielbarkeitswert der unterschiedlichen Fraktionen, sondern auch an der Spielzeitintensität jeder Einzelnen. Die Kampagne von Hannibal vor den Toren entspricht gewissermaßen einem neuen Spielmodus – einem schönen und unterhaltsamen neuen Spielerlebnis. Einzig der Preis von 15€ könnte einem saurer auf der Zunge liegen. Damit überschreitet er diese magische Grenze von 10€, bei der ich zumindest meist bedenkenlos zugreife. Bekanntlich sind DLCs verglichen zum Hauptspiel nie sonderlich billig. Hat man es erworben, zieht es einen als Total War: Rome 2-Fan jedoch für Stunden in seinen Bann. Schnell kommt das bekannte Nur-noch-Eine-Runde-Noch-Gefühl auf und lässt einen weiter in seinen Feldzügen im Mittelmeerraum versinken.

SATURN - Soo! muss Technik

Good

  • Neue Kampagne mit eigenem Szenario
  • Kampagne besonders interessant für Multiplayer
  • Syrakus, Lusitani und Arevaci als neue Fraktionen
  • Neue Einheiten
  • Neue Dipolomatietechnologien
  • zwei große Generäle
  • Flotten erlangen auf der neuen Karte an Bedeutung

Bad

  • wenige neue Einheiten
  • wenig Neuerungen
  • Nervige Bugs und Balanceprobleme des Hauptspiels
7

Gut

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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