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Total War: Attila Review Kulturenpaket Langbärte

Als Patient auf der Couch eines Psychologen würde Rom über viele Probleme klagen: Seit der Reichsteilung leidet es an einer multiplen Persönlichkeit, die einzelnen Körperteile folgen nicht mehr so ganz den Ansagen des Gehirns und aufgrund der unzähligen Feinde hat sich eine berechtigte Paranoia eingestellt. Mit unter diesen liebenswerten Zeitgenossen befinden sich die drei Fraktionen des Langbärte-Kulturenpakets: Sowohl die Langobarden, Alemannen als auch die Burgunder lechzen als Germanische Königreiche nach Macht- und Gebietszuwachs und die Ländereien Roms kommen da gerade gelegen.

Jede dieser Fraktionen mischt mit dem Erwerb des ersten Postrelease-DLC von Total War: Attila mit im Singleplayer und Multiplayer des Strategiespiels, dessen Gesamttest ihr euch hier zu Gemüte führen könnt. Die Bezeichnung Kulturenpaket hat, kleinlich betrachtet, einen irreführenden Charakter: Denn eigentlich führen die drei Völker keine neue Kultur ein, sondern ergänzen die Neuen Königreiche, zu denen bereits die Sachsen und Franken im Hauptspiel gehören. Damit profitieren sie auch von deren Kultureneigenschaft, errichten großteils die gleichen Gebäude und haben zumindest mit den Franken eine größere Einheitenschnittmenge. Überraschenderweise beinhaltet das Fraktionspaket dennoch mehr neue Inhalte als das zu Release erschienene Vikinger-Vorfahren-Kulturenpaket, das nach wie vor eher weniger überzeugt. Jedes der drei neuen Völker darf 5-6 exklusive Einheiten ihr Eigen nennen und kann mindestens eine eigene Gebäudekette errichten. Diese neuen Bauten gilt es dann von den individuellen Startpunkten der langbärtigen Germanen aus, mit in die Verwaltung der Königreiche auf der Kampagnenkarte einzupflegen.

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Gewohntes auf der Kampagnenkarte

Insgesamt gestaltet sich die Reichserrichtung, Verwaltung und Versorgung mit den Langbärten, verglichen mit den anderen Fraktionen, nahezu identisch: Wer eine andere barbarische Nichthordenfraktion in Attila schon einmal gespielt hat, weiß auch wie sich die drei neuen auf der Kampagnenkarte spielen. Ebenso wie die Sachsen und Franken beginnen sie mit je einer Region, um unter Leitung des Spielers ein Weltreich zu errichten – oder bei dem Versuch unterzugehen. Natürlich können sie auch in den Hordenmodus überwechseln, wenn alle Dämme brechen sollten, doch das ändert nichts daran, dass das Langbärte-Kulturenpaket kein neues Kampagnenszenario bietet. Erwartet hier keinen Kulturschock, wie man ihn beim Wechsel von einem der Wandervölker zu einem der beiden Roms erfährt.

Die wirklichen Neuheiten liegen durch die neuen Einheiten im militärischen Bereich. Interessanterweise fokussiert sich jedes der Königreiche hierbei auf ein eigenes Einheitengemisch und spielt sich in den Echtzeitschlachten wirklich interessant.

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Neue Krieger braucht der Stamm: Die Alemannen

Laut der Fraktionswahl sind die Alemannen, die am schwersten zu spielende Fraktion: Sie führen drei Stufen von Alemanischen Plündern in die Schlacht, die mit Speeren ihren Feinden zur Leibe rücken. Verglichen mit den Standardspeerträgern der Germanen, die den Alemannen auch zur Wahl stehen, haben die Plünderer dabei etwas bessere Angriffswerte, etwas schlechtere Verteidigung und kosten weniger. Dazukommen mit den Juwelenbehangenen Adligen und den Chnodomars Plünderern zwei Spezialeinheiten, die wirklich nützlich sind: Während die Juwelenbehangenen Adligen eine sehr früh in der Kampagne verfügbare und extrem effektive, defensive Schwertkampfeinheit sind, stellen Chnodomars Plünderer so ziemlich die Elite der Plänklerkavallerie im Spiel dar. Dazu können die Alemannen auch noch eroberte Ballisten in die Schlacht führen, was ihnen in ihrer germanischen Nachbarschaft durchaus Vorteile verschaffen kann.

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Die Burgunder kommen mit Pferden, Äxten und Geschossen

Die Burgunder setzen viel auf Kavallerie, vor allem auf hart zuschlagende Schockkavallerie, und auf infanteriegestützten Fernkampf: Sowohl ihre Streukreisschleuderer als auch ihre Widerhakenspeerwerfer liefern für ihren doch beachtlichen Preis ordentlich Feuerkraft. Auf der Schockkavallerieseite wissen die Widerhakenspeerreiter zu überzeugen und als Creme de la Creme folgen auf sie noch die königlichen Lanzenreiter. Zusammen können sich beide Einheiten selbst gegen die Elite-Kavallerie der Franken behaupten, wie diese auf dem Schlachtfeld gegen mich leidig feststellen musste. Zur Unterstützung können neben diesen Lanzenreitern noch die neuen berittenen burgundischen Axtkrieger aufmarschieren. Allgemein scheint dieses Volk Äxte ziemlich gern zu haben, immerhin ziehen die Burgundischen Axtkämpfer gleich mit einer Zweihandvariante dieser Waffe brüllenderweise in den Kampf. Sollten die eigenen Feinde nach einem schönen Geschosshagel, ein, zwei Kavallerieanstürmen und ein paar abgeschlagenen Köpfen aus irgendeinem Grund immer noch nicht aufgegeben haben, können die Burgunder ihren unglücklichen Kontrahenten immer noch Burgundische Hunde auf den Hals hetzen – bitte Danke schön.

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Die Langbarden mit Keulen und Schwertern bewaffnete Barbaren?

Burgunder und Alemannen abgehakt und nun zum glorreichen Finale – den Langobarden. Sie allein haben – schon Dank ihres Namens – genug Bart, um für das DLC Pate zu stehen. Ihr Kredo im Kampf ist dabei eindeutig: Vielfalt – wer braucht schon Vielfalt? Wer nutzt schon unterschiedliche Waffen, wenn man ein Schwert oder eine Keule haben kann? Denn alle ihre neuen Einheiten sind ausschließlich mit Schwertern oder Keulen bewaffnete Truppen. Die Schockkavalleriedominanz anderer Völker sucht der gediegene Spieler hier vergebens. Insgesamt geben sich die Langobarden bei den Standardeinheiten germanischer Völker mit dem grundlegensten vom Grundlegenen zufrieden: Germanische Speerkämpfer, Bogenschützen, ein bischen Nahkampfreiterei und die Standardplänkler müssen reichen. Doch all diese Mankos macht das Volk durch seine langen Bärte und ordentlich brachiale Gewaltanwendung wieder wett.

Gegen unerschrockene feindliche Reiter schaffen Pferdestecher und Pferdeschlächter Abhilfe, die mit ihren gebogenen Schwertern ein wahres Grauen für Pferdenarren sind, die Beschuppten Keulenkämpfer haben eine so starke Rüstung, dass sie jeden Speerwall alt aussehen lassen, und die religiösen Elitestreiter der Männer Godans und Auserwählten Odins hacken alles in Stücke, was am Rest noch nicht gescheitert ist. Ordentlich prunkvolle Rüstungen – und natürlich Bärte – tragen die letzten beiden darüber hinaus auch. Nur vor allzu enthusiastischen Vorstößen gegen Fernkämpfer sollten Kommandanten dieser Einheiten sich in Acht nehmen, da seine langbärtigen Krieger sonst als Nadelkissen enden – schwere Rüstungen sind nicht unbedingt ein Garant für schnelle Marschgeschwindigkeit. Doch auch für diesen Zweck haben die Langobarden mit den Jungen Wölfen eine leichte Schwertkampfeinheit parat, die dem Feind schon einmal entgegensprintet, um darauf quasi sofort das Zeitliche zu segnen, weil sie ihre Rüstung im Schrein des Wolfgottes Godan vergessen hat.

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Fazit: Eins der besten Fraktions-DLCs bisher, aber keine große Überraschung

Summary
Eigentlich trägt das DLC den Titel Kulturpaket zu unrecht, da die Käufer hier weitere Neue Königreiche statt einer Langbartkultur mit ganz eigenen Gebäuden, Charakterbäumen und Technologien erhalten. Auf der Kampagnenkarte bereitet das Reicherrichten mit ihnen wie gewohnt Spaß, bietet aber nichts wirklich Neues: Hier ein neues Gebäude, dort ein kleines Event, das einem einen General überlässt, und mehr vom Üblichen.Auf der anderen Seite, auf den blutigen Schlachtfeldern des Spiels sehen die neuen Einheiten der Langbartgermanen wirklich klasse aus, verändern teilweise - vor allem im Fall der Langobarden - sogar das typische Formular germanischer Fraktionen und lassen damit jedes Total War-Herz höher schlagen. Inhaltlich betrachtet haben wir es hier eindeutig mit einem der besseren Kulturpakete, seit der Einführung dieser DLC-Art nach dem Release von Total War: Rome 2, zu tun: Es bietet mehr als nur ein, zwei neue Einheiten, die Völker sind allen anderen Fraktionen um sich herum nicht hoffnungslos unterlegen und sie fühlen sich darüber hinaus nicht so dünn an, wie das noch bei den Vikingervorfahren der Fall war.Was am Ende dennoch einen faden Geschmack hinterlässt, ist der verhältnismäßig hohe Preis: Die drei Fraktionen schlagen mit satten 7,50€ zu teuer zu Buche und das auch noch recht nah am Release des Hauptspiels. Fraktions-DLCs wie das Langbärte Kulturenpaket müssen natürlich nicht kostenlos sein (immerhin bietet Creative Assembly seinen Spielern traditionell regelmäßig kostenlose Inhalte), aber sie sollten deutlich günstiger werden und mit dieser Meinung stehe ich unter den Total War-Spielern keineswegs allein. Wie ich schon beim Vikingervorfahrenpaket betont habe, das für den gleichen Preis deutlich weniger Inhalt bietet, kann ich auch hier nur empfehlen, bis zu einem Steamsale zu warten. Dann jedoch kann ich Fans von Total War: Attila, denen die zehn Hauptspielfraktionen einfach noch nicht genug sind, die germanischen Langbärte wirklich empfehlen.
Good
  • Eine solide Zahl neuer Einheiten
  • Diese Einheiten sind auch noch brauchbar und durchdacht
  • Unterscheiden sich in der Schlacht von anderen Fraktionen merklich
  • Langbärte machen Spaß in der Kampagne und haben auch eine Chance
Bad
  • eigentlich keine neue Kultur
  • wenig neues auf der Kampagnenkarte
  • zu teuer
Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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