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Thief Review

In Thief verschlägt es uns in eine düstere und von einer Krankheit genannt „Die Schwermut“ geplagte Stadt, die von Baron Northcrest mit eiserner Faust regiert wird. Wachen patrouillieren auf den Straßen und die wenigen Menschen denen wir begegnen sind alles andere als gut aufgelegt. Hunger und Elend grassieren in den Gassen und die anscheinend ewige Nacht tut ihr übriges um der vorherrschenden Stimmung der Bevölkerung das letzte bisschen Lebensfreude zu nehmen.

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Die Atmosphäre im Spiel packt einen von der ersten Minute an und zieht sich wie ein dunkler Schatten nahezu durch das komplette Spiel hindurch und der Spieler wird beinahe selbst von einer gewissen Schwermut heimgesucht, wenn er sich durch die verwinkelten Straßen der Stadt schleicht oder die Bevölkerung bei ihrem täglich Brot von einem der zahlreichen Dächer beobachtet. Die Stadt selbst bietet für Garrett zahlreiche Möglichkeiten der kostbaren Dinge habhaft zu werden, die in Schaufensterläden oder den kleinen Wohnungen der Bevölkerung aufbewahrt werden. In zahlreiche Behausungen kann hier eingestiegen werden, indem einfach das Fenster aufgehebelt und alles mitgenommen wird was in den Schubladen und Schränken zu finden ist. Das mag bei den ersten Raubzügen noch von einer gewissen Spannung sein, doch nach einiger Zeit nutzt sich dieses Spielkonzept dann doch langsam ab. Auch weil jedes Fenster zweimal aufgehebelt werden möchte. Einmal beim einsteigen und noch einmal wenn wir die Wohnung wieder verlassen wollen.

Die Wohnungen selber sind meist nicht groß und bieten nicht mehr als einen Raum, einen Schrank und ein paar Schubladen. Mit etwas Glück kann man hier und dort aber auch einen Safe mit wertvollem Geschmiede vorfinden, oder ein schönes Bild welches man mit einem scharfen Messer aus seinem Rahmen befreit. Die erbeuteten Gegenstände werden sofort in bares Geld umgewandelt, welches wir beim nächsten Händler sofort in neue Ausrüstung investieren können.

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Einige der Fenster die so schön blau beleuchtet sind, dass man immer weiß das man hier einsteigen kann, sind aber zum Teil auch Levelübergänge und bieten die Möglichkeit in einen anderen Teil der Stadt überzuwechseln. Die Stadt ist keine große Sandbox, sondern verteilt sich auf mehrere Zonen die wir betreten können wie wir wollen und das kann hier und da zu Verwirrungen führen.

Zu häufig stieg ich beim spielen durch Fenster um Beute zu machen und fand mich plötzlich in einem Ladebildschirm wieder, oder habe mich einfach verlaufen weil die Stadt dann doch etwas zu verwinkelt und die Karte manchmal nicht allzu hilfreich ist. Da war ich dann schon mal 15 Minuten unterwegs um von einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen, nur um eine abgeschlossene Ausgabe bei meinem Auftraggeber abzugeben, um dann wieder quer durch die Stadt zu schleichen um meine Mission fortzuführen.

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Die Missionen selbst könnten klassischer nicht sein. Mit einer kurzen Zwischensequenz wird uns unsere Auftrag im Schutzmantel der eigentlichen Geschichte in Thief näher gebracht, sind aber meist nicht sehr spannend gestaltet und lassen so kaum Atmosphäre aufkommen. Wie für Thief typisch schleichen wir uns gekonnt in Lagerhallen, große Herrenhäuser oder auch in ein gewisses Etablissement mit sehr freizügigen Damen, um wichtige Gegenstände zu stehlen. Dabei ist es von großer Wichtigkeit, ja nicht entdeckt zu werden, denn auch wenn Garrett über ein gewisses Arsenal von Waffen und Gadgets verfügt, so ist er doch kein großer Kämpfer. Sollte man also doch mal entdeckt werden, ist es ratsamer die Beine in die Hand zu nehmen und sich in den Schatten oder einem Schrank zu verstecken. Denn auch wenn die Wachen teilweise sehr gefährlich sein können, sind sie nicht gerade sehr schlau wenn es darum geht, dem Meisterdieb hinterherzujagen. Da geht die Wache die mich gerade noch entdeckt hat, doch einfach an mir vorbei, obwohl ich nicht gerade sehr günstig versteckt war. Das wirkt hier und da etwas seltsam, tut dem Spiel aber keinen großen Abbruch.

Die Levels in denen wir uns im Spiel bewegen, bieten uns glücklicher Weise immer viele Möglichkeiten um an unser Ziel zu gelangen und wer ein gutes Auge hat, oder die Fokuseigenschaft von Garrett nutzt, der entdeckt hier und da versteckte Zugänge, die uns den Einstieg in schwer bewachte Bereiche erleichtern. Doch bei manchen braucht man zusätzliche Hilfsmittel, wie etwa einen Schraubenschlüssel, den wir uns bei einem Händler kaufen können um damit Lüftungsgitter aufzuschrauben. Auch eine Zange zum entschärfen von Fallen und das angesprochene Messer zum raus schneiden wertvoller Bilder, sollten von Anfang an zur Ausrüstung des Spielers gehören, da man sonst an manche Orte nicht gelangen kann und so auf Beute verzichten muss, was sich sofort auf das Portemonnaie des Spielers auswirkt. Auch das Upgraden von Garretts Fokusfähigkeiten sollte man in gewissen Abständen in Erwägung ziehen, da sie uns das Leben in der Stadt etwas einfacher gestalten können.

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Auf technischer Seite kann Thief mit einer wirklich schönen Grafik aufwarten, die es wirklich versteht, uns in eine großartig düstere Atmosphäre zu versetzen, sei es nun in der Stadt selber, in versteckten Katakomben oder dem Vorgarten eines großen Herrenhauses. Durch den Einsatz moderner Licht- und Schatteneffekte, gewürzt mit viel Nebel und tollen Partikeln, hat man hier eine fast schon einzigartige Szenerie geschaffen, die mancher Orts zum verweilen einlädt. Auf dem PC kann man sich, so lange die verbaute Hardware nicht allzu betagt ist, bei maximalen Details über eine gute Performance und smoothen Bildwiederholraten freuen. Einzig beim wechseln der Levels, kann es hier zu unschönen Rucklern kommen, die das Spielvergnügen etwas trüben können, aber diese sind nach ein paar Sekunden überstanden und es kann bequem weitergespielt werden.

Auch für Audiophile könnte das Spiel ein kleiner Leckerbissen werden, denn neben den unzähligen Geräuschen die uns in der Stadt oder in Gewölben umgeben, ist gerade der Soundtrack ein wahrer Ohrenschmaus und verpasst der vorherrschenden Atmosphäre den letzten Feinschliff. Allerdings ist die deutsche Lokalisierung nur gutes Mittelmaß und kann in vielen Gesprächen die wir im Spiel mit anhören, so gar nicht überzeugen. Wer kann, sollte hier auf die originale englische Vertonung wechseln.

Getestet wurde die PC-Version.

Summary
Ein gänzlich positives Fazit lässt sich zum Reboot von Thief nicht ziehen, da die Story des Spiels nicht so mitzureißen vermag wie man es sich wünscht und von anderen Spielen dieses Genres gewohnt ist. Die Stadt mit ihrem verwinkelten Design in dem man sich öfters verläuft und den kleinen Einraumwohnungen in die man einsteigen kann, um die spärlichen Wertgegenstände an sich zu reißen und das immer wieder nach dem selben Muster, lassen kaum große Spielfreude bei den Raubzügen aufkommen. Einzig innerhalb der Missionen geht der Adrenalinspiegel schon mal nach oben, wenn man einen Safe knackt und die Wachen nur wenige Meter entfernt sind. Auch die Story kann nicht wirklich mitreißen und kommt nur langsam in fahrt, was mitunter auch an der deutschen Lokalisierung liegt, da die Dialoge wenig stimmungsvoll erzählt werden. Doch so ganz negativ kann man das Spiel dann auch nicht betrachten, da das Spiel eine tolle Atmosphäre schafft was zu großen Teilen der Grafik zu verdanken ist. Zwar sind viele Texturen bei näherer Betrachtung sehr unscharf, doch der Gesamteindruck einer Szenerie mit all ihren Licht- und Schattenspielereien sowie dem Nebel der sich durch die Gassen zieht, ist einfach großartig.Beim Gameplay hat man auf bewährtes gesetzt und keine allzu großen Experimente gewagt. Garrett bewegt sich mitunter sehr geschmeidig und agil, doch an einigen Stellen möchte er nicht immer so wie der Spieler es gerne hätte. So möchte man beispielsweise von einem Dach aufs andere springen, doch Garrett hält an der Kante plötzlich inne und schaut in die Tiefe. Da braucht es manchmal 1-2 Anläufe bis es endlich klappt. So geht jegliche Art von Atmosphäre, so beeindruckend sie bis dahin auch war, sofort flöten wenn das Gameplay solche Aussetzer aufweist.Ist Thief nun das Spiel, welches man sich erhoffte als es angekündigt wurde? Nun, wer schon mit den alten Teilen liebend gern mit Garrett auf Beutezug ging und sich durch die Schatten schlich, der wird wohl auch hier seinen Spaß haben. Wer mit Thief schon vor Jahren nichts anzufangen wusste und lieber auf Genrekollegen wie etwa Dishonored oder sogar Splinter Cell abfährt, der könnte mit dem neuen Thief wohl einen Reinfall erleben und sollte wahrscheinlich warten bis es das Spiel etwas günstiger zu kaufen gibt.
Good
  • Garrett ist wieder da
  • Tolle Spielatmosphäre
  • Gute und einzigartige Charaktere
  • Stimmungsvoller Soundtrack
  • Gute Grafik mit tollen Effekten
Bad
  • Gameplay mit einigen Aussetzern
  • Die Stadt ist etwas zu verwinkelt
  • Story will nicht so richtig mitreißen
  • Wohnungen nur sehr spärlich und Fenster müssen zweimal geöffnet werden
  • Deutsche Lokalisierung nur mittelmäßig
6.5
Okay
Written by
Shooter-Liebhaber, Rennspiel-Enthusiast, Gelegenheits-Streamer und Bindestrich-Fetischist :-)

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