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The Witcher 3: Wild Hunt Review

Wer ihr seid? Ihr seid der berühmte Hexer Geralt von Riva, der Weiße Wolf, der nach eigener Aussage alles andere sei, aber kein strahlender Held. Eigentlich wäret ihr am liebsten nur ein professioneller Monsterjäger. Doch trotz eurer allgegenwärtigen Abneigung gegen Politik und Intrigen werdet ihr stattdessen immer wieder in diese hineingezogen und bestimmt notgedrungen den Verlauf der Geschichte mit. Zu allem Überdruss seid ihr zumindest gefühlt auch noch Schwarm aller Zauberinnen der Nördlichen Königreiche, dem großen Landstrich, in dem The Witcher 3 angesiedelt ist. Dieses Mal jedoch scheint ihr aber wirklich fiese Probleme zu bekommen! Denn ihr werdet von Kaiser Emhyr, einer der mächtigsten Personen der Welt, auf die Suche nach einer der gefährlichsten jungen Frauen der Geschichte geschickt: Ihr sollt Ciri finden, seine Tochter, Erbin mehrer Throne und euer Mündel, die aufgrund ihrer unglaublichen Magiebegabung die Vernichtung oder die Rettung der bekannten Welt darstellen könnte.

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Doch um welche Welt handelt es sich hier überhaupt? Die Witcher-Trilogie von CD Projekt Red basiert auf der Romanvorlage von Andrej Sapowski, einer sehr erfolgreichen polnischen Buchreihe. Seine Majestät Kaiser Emhyr ist Kaiser von Nilfgaard, einem übermächtigen Imperium, welches sein Gebiet unter Emhyrs Herrschaft in alle Himmelsrichtungen gewaltsam ausgedehnt hat. Nun greift es auch nach den Nördlichen Königreichen – also dem Schauplatz von The Witcher 3: Wild Hunt. Vor dessen Beginn zwang es bereits mehrere der Königreiche des Nordens nieder. So ist das aus dem Vorgänger bekannte Temerien gefallen und befindet sich in nilfgaardischer Hand. Die Einheimischen nennen sie abfällig die Schwarzen, da ihre Nationalfarben Gold und Schwarz sind, weswegen sie pechschwarze Rüstungen und Gewänder tragen.

Geralt von Riva durchstreift auf seiner Reise Velen, Novigard, Weißgarten und die Skellige Inseln. Velen und die Stadt Novigard sowie ihr Umland sind dabei auf einer Karte zusammengefasst, die völlig ohne Ladezeiten frei begehbar ist. Die Skellige Inseln und Weißgarten befinden sich wiederum jeweils auf einer eigenen Karte. Im Vergleich zu The Witcher 3 schrumpft Skyrims sehr große Spielwelt zu einem kleinen Vorort zusammen. Zu Beginn des Spiels werdet ihr euch jedoch erst einmal in Weißgarten rumtreiben, das als Anfangsgebiet euch halbwegs gutmütig an das Spiel heranführt. Da die Spielwelt über gigantische Ausmaße verfügt, ist das auch bitter nötig.

Ob ihr die Vorgänger gespielt haben müsste, um The Witcher 3 zu verstehen? Mir zumindest hat das Spielen des direkten Vorgängers geholfen, aber es ist nicht unbedingt notwendig zum Verständnis der Handlung. Während eurer Reise durch die Landstriche des Nördlichen Königreichs wird euch das Spiel nach und nach durch seine Quests, Bücher und Einträge nahezu alles erzählen, was ihr wissen müsst. Daneben werden euch euer Bestiarium und der Charakterlog in eurem Menü hilfreich zur Seite stehen. Zusätzlich blendet CD Projekt Red ab und an kurze Tutorials ein, die euch kleine Tricks näherbringen.

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Ein guter Hexer ist auch ein Handwerker, Logistiker und Alchemist

Seit den letzten Patches verfügt The Witcher 3 auch über ein ausgefeilteres Inventarsystem, das sich mit einem Filter nach bestimmten Vorgaben sortieren lässt. Zudem sind Reagenzien für die Alchemie, Bücher und Materialien fürs Handeln gewichtslos, was zwar an der Logik kratzt, aber eine wirklich wichtige Verbesserung ist. Es gibt inzwischen zwar auch eine Item-Truhe, in die der Spieler Gegenstände legen kann, von denen er sich einfach nicht trennen will, aber es wäre wirklich sehr nervenaufreibend gewesen, wenn man für jeden Crafting- und Alchemieversuch zwischen der Truhe und den Händlern hin und her rennen müsste.

Apropro Crafting und Alchemie – Ersteres wird bei den jeweiligen Handwerkern erledigt, wenn man denn die passende Anleitung und die jeweiligen Ressourcen bereits gefunden hat, die überall in der Welt zerstreut sind. Anders als in so manch anderem Spiel, ist das Rüstungsbauen auch sehr lohnenswert, ohne das Spielgefüge völlig auseinanderbrechen zu lassen. Was zum Beispiel in Skyrim passieren kann, sofern man den Schmiedeskill nur weit genug vorantreibt. Parallel zum Handwerkeln nimmt die Alchemie eine ebenso gewichtige Rolle ein. Dank ihr lassen sich im Alchemie-Menü überall in der Welt unter Vorraussetzung des richtigen Rezepts und der Zutaten Tränke, Waffenöle, Mutagenabsude (besonders mächtige Tränke) und Bomben herstellen. Alle diese netten Werkzeuge helfen im Kampf und lassen einen zudem wie ein echter Hexer vorkommen, der sich auf seine Jagden wohl überlegt vorbereitet. Beide großen Handwerkszweige sind an einigen Stellen übrigens mit den Quests verzahnt und werden im Laufe des Spiels noch lohnender.

Als wichtig für die Kampfvorbereitung präsentiert sich wie in jedem Rollenspiel das Fertigkeitssystem. In drei Hauptbäumen und einem Nebenbaum lassen sich Fertigkeitspunkte in Alchemie-, Kampf- und Magiezeichenfähigkeiten investieren. Zur Aktivierung dieser zieht man sie in jeweils einen von 12 Fähigkeitsslots rechts vom Baum. Hier kann man ab Level 28 bis zu vier Mutagene einsetzen, die jeweils einen Grundwert verbessern. Die Höhe der Verbesserung hängt davon ab, welche Art von Fähigkeiten in den drei Slots neben dem Mutagen platziert sind: Rote Mutagene bevorzugen Kampf-, grüne Alchemie- und blaue Magiezeichenfähigkeiten. Geralt wird dadurch nicht zum absoluten Allrounder, der alles perfekt kann, muss aber ebenso wenig auf bestimmte Fähigkeiten seines Repertoires gänzlich verzichten. Zum Beispiel entfalten Tränke, Bomben und Öle auch ohne groß investierte Punkte in Alchemiefähigkeiten immer noch eine hilfreiche Wirkung. Insgesamt halte ich den Alchemiezweig übrigens sowieso für den am wenigsten lohnenden, da die meisten Magiezeichen- und Kampffähigkeiten einen viel größeren Vorteil bringen. Im Verlauf des Baumes lassen sich sowohl für Geralts magische als auch für Geralts physische Fähigkeiten Spezialangriffe freischalten, die sich wirklich sehen lassen können. Im Großen und Ganzen ist das Skillsystem damit kein Höhenflug geht jedoch völlig in Ordnung.

Wie steht es eigentlich um den Loot? Anders als in The Witcher 2 kann man Geralt in unterschiedlichen Rüstungen einkleiden, sein Pferd ausrüsten und findet generell mehr Waffen in der offenen Welt. Dennoch legt CD Projekt Red keinen allzu großen Wert auf eine Itemspirale und schiebt das Sammeln von Ausrüstung etwas in den Hintergrund.

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Glaubt ihr an Geister? Den Geistern in Witcher 3 ist das herzlich egal.

Des Schicksals zwei Klingen

Nach all der Vorbereitung nun zum blutigen Teil des Hexerhandwerks: Begegnet Geralt einem Monster, einem aufgebrachtem Ehegatten oder einem Haufen Söldner müssen seine Schwerter zu Verstärkung seines Standpunktes sprechen. Geralt ist zwar kein Bösewicht, der einfach so wehrlose Zivilisten niederprügelt, auf Massaker an der Zivilbevölkerung müsst ihr also verzichten, weiß sich aber zu wehren. Wie üblich in der Reihe gilt dabei, dass das Silberschwert effektiv gegen Monster, Mitglieder alter Völker, Konstrukte und Geister ist, während das Stahlschwert zur Beseitigung von Menschen und Tieren dient. Will ein Elf euch mit Pfeilen spicken, nehmt also das Silberschwert, will euch ein Hexenjäger an den Kragen greift zum Stahlschwert. Meistens gibt euch das Spiel das passende Schwert gleich automatisch in die Hand. Im direkten Kampf, in dem Geralt von Riva durch übermenschliche Reflexe und Geschwindigkeit glänzt, könnt ihr einen leichten und einen schweren Angriff mit den Klingen durchführen. Diese lassen sich dann zu Ketten verknüpfen. Solltet ihr gegen bewaffnete Gegner kämpfen, wird die Blockfunktion euch zudem mehrfach aus der Patsche helfen. Die oben links in gold-gelb dargestellte Ausdauerleiste werdet ihr im Kampf immer wieder für Ausweichrollen und Ausweichschritte benötigen, die in den Kämpfen ein Muss sind. Generell könnte man meinen, dass The Witcher 3: Wild Hunt sich beim Schwertkampf ein klein wenig vom Kampfsystem der Souls-Reihe hat inspirieren lassen.

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Igni lässt sich von einem Feuerstoß zu einer Stichflamme aufwerten, wie dieser Greif gerade herausfindet.

Neben dem Schwertkampf werden die magischen Zeichen eure besten Freunde werden. Axii, Igni, Yrden, Aard und Quen können Kämpfe zu euren Gunsten wenden. Besonders Quen ist unglaublich stark und unglaublich nützlich, wenn nicht sogar ein wenig overpowered. Dieses Zeichen verleiht euch in seiner Standardausführung ein Schild, das je nach investierten Punkten Schaden abfängt. Axii verwirrt Gegner, kann sie sogar gegen ihre Verbündete wenden und eröffnet nützliche Gesprächsoptionen. Dadurch kann man schon einmal ein paar aufgebrachte Trunkenbolde davon abbringen, vor das Schwert des Hexers zu springen.

Igni erzeugt einen Feuerschwall oder bei Aufwertung auch eine anhaltende Stichflamme. Alles Menschliche und bestimmte Monster hassen Feuer auf das Äußerste. Yrden hingegen wird euer bester Freund in Situationen, in denen man gegen schnelle, unblockbare Gegner oder Geister kämpft. Geister sind ohne Yrden sehr schwer zu besiegen. Aard schlussendlich holt mit einem Luftstoß Feinde vom Himmel oder von den Füßen. Bei der passenden Skillwahl, einer lässt gar einen Adrenalin für Zeichen verwenden, können alle diese Zeichen im Kampf kombiniert werden, um Feinde besonders effizient zu bezwingen.

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Ihr wollt wissen, wie ihr möglichst effektiv einen Feind loswerdet? Das Bestiarium verrät es.

Wie bereits angedeutet, sind Bomben, Tränke und Öle äußerst praktisch. Geralt heilt sich mittels Schwalbe und einem anderen Heiltrank, für jede Monstergattung gibt es ein passendes Öl und bestimmte Monster sind besonders empfindlich gegen bestimmte Bomben. Welche Bombe, welcher Trank und welches Öl jeweils die richtige Wahl sind, könnt ihr im Bestiarum herausfinden. Übrigens, während die Verwendung all dieser Hilfsmittel meistens eher optional ist, sollte man im Kampf gegen stärkere Werwölfe durchaus darüber nachdenken, ob man nicht doch zu einer Mondstaubbombe greift, da sich die nette Bestie sonst unter Umständen wieder vollständig regeneriert.

Neben diesen grundsätzlich schon aus dem Vorgänger bekannten Tötungswerkzeugen eines Hexers debütiert in The Witcher 3: Wild Hunt die Armbrust als Fernkampfwaffe. Selbst wenn der Spielende sie nicht mit den stärksten Pfeilen ausrüstet oder Skillpunkte für sie investiert, kann dieses zusätzliche Werkzeug beispielsweise im Kampf gegen fliegende Gegner sehr praktisch sein. Denn ein paar Pfeile in den Flügeln bringen die penetranteste Harpyie gerne mal aus dem Konzept.

Ein Umstand, den viele Spieler immer wieder kritisieren, ist jedoch, dass die Kämpfe im späteren Spielverlauf durchaus etwas herausfordernder sein könnten. Zum Teil spielt es keine Rolle, wie der Spieler bei zu großem Levelunterschied oder bei bestimmten Gegnern an den Kampf herangeht, da die Feinde Geralt nicht ernsthaft gefährlich werden können. Wäre dies anders, würden wahrscheinlich auch die kritischen Stimmen verschwinden, die meinen, dass die Kämpfe in The Witcher 3 zu langweilig seien. Wären auch die Kämpfe gegen normale Monster und Gegner später und bei größerem Levelunterschied fordernder, müsste der Spieler durchgängig das eigentlich gut gestalteten Kampfsystem mit seinen unterschiedlichen Aspekten ausreizen.

Die Legende des Weißen Wolfs – die Geschichte der Wilden Jagd

Es gibt Rollenspiele, die haben eine wunderbare, atmosphärische Welt mit tollen Nebenqueststrängen, die anderen glänzen wiederum durch eine packend inszenierte Story. Beide haben mal mehr oder mal weniger gut gestaltete Charaktere. The Witcher 3 aber vereint alle diese Aspekte in sich. Die Haupthandlung, die einen auf die Suche nach Ciri schickt, weiß durch sehr gute Erzählung, sehr gute Inszenierung und sehr schöne Missionen zu überzeugen.

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Ciri oder auch Cirilla – die zweite Protagonistin

Zwischendurch schlüpft der Spieler auf seiner Suche immer wieder in die Haut von Ciri und spielt bestimmte Sequenzen aus ihrer Sicht. Diese Episoden haben mir sehr gut gefallen, vor allem deswegen, weil sie sich völlig anders spielt und auch in ihrem Wesen von Geralt unterscheidet. Zuzüglich wirken die unterschiedlichen Charaktere, denen man begegnet, glaubwürdig und überzeugen wirklich durch ihren Charakter. Nahezu alle wichtigeren, namenhaften Figuren haben eine eigene Persönlichkeit, die auch in ihrem Verhalten und den Dialogen hervorsticht. Die Dialoge von The Witcher 3 überzeugen durch Glaubwürdigkeit und Ausgefeiltheit. Sich zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu entscheiden, ist ein wichtiges Element in The Witcher 3. Interessanterweise kategorisiert das Spiel anders als beispielsweise Mass Effect bei den Wahlmöglichkeiten nicht in gut und böse.

Sämtliche Entscheidungen sieht das Spiel zunächst einmal neutral. Es liegt am Spieler anhand seines eigenen moralischen Kompass oder dem Kompass seiner Rolle zu entscheiden, was richtig oder falsch ist. Manchmal wird die raue Welt der Nördlichen Königreiche einen aber auch bei einer augenscheinlich richtigen Entscheidung mit dem mulmigen Gefühl zurücklassen einen Fehler begangen zu haben.Bestimmte, besonders wichtige Entscheidungen nehmen einen aktiven Einfluss auf die Handlung der Hauptstory und auch auf das Schicksal der nördlichen Königreiche. Daher sollte man mit bedacht wählen, für was man sich entscheidet. Vor allem dann, wenn es potenziell um das Schicksal wichtiger Charaktere und Verbündeter geht. Leider passten an manchen wenigen Stellen Geralts Reaktionen nicht ganz zu der beschriebenen Antwortmöglichkeit. Dann wird aus einer schlichten Ablehnung schnell einmal ein Kampf um Leben und Tod. Das kommt im Verlauf von The Witcher 3 jedoch sehr selten vor. Allein durch das Gefühl, nicht genau zu wissen, zu was eine Wahl führt und unter Umständen das Bereuen eine getroffenen Entscheidung, hebt sich The Witcher 3 deutlich von anderen Rollenspielen ab.

So manche Nebenquestsreihe hätte genauso gut Teil der Hauptquest sein können: Die größeren Nebenquests erzählen häufig die Geschichten und Nöte von Freunden von Geralt oder wichtiger Hauptcharaktere der Witcher-Saga und unterscheiden sich teilweise drastisch. Gemeinsam haben sie, dass sie eigentlich alle sehr gelungen sind. Spieler der älteren Spiele werden sich so manches Mal freuen, wenn sie alte Bekannte wiedersehen. Aber auch neue Charaktere werden auf den Plan treten und nicht alle werden dem Hexer freundlich gesinnt sein. Sogar die kleineren Nebenquests und jeder Hexerauftrag haben ihre eigene Handlung oder Hintergrundgeschichte.

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Geralt kann Geruchsspuren wie ein Jagdhund aufspüren.

Das Besondere bei dem letztgenannten Typ von Quest ist ihr Hergang: Jemand schreibt ein Gesuch aus, ein Monster oder gleich eine kleine Horde erledigen zu lassen, worauf sich Geralt nach einem Verhandlungsgespräch zur Belohnung auf die Suche begibt. Hierfür setzt er seine besonders geschärften Hexersinne ein, durch die er Fährten aufnimmt, den Verlauf von Fußspuren ermittelt und Blut zuordnet. Durch diese Erkenntnisse setzt er detektivartig den Hergang von Monsterangriffen zusammen, um das Monster zu identifizieren, dann aufzuspüren und zu erlegen. Dieser Hergang mag zwar nach der etlichsten Wiederholung ein wenig seiner Spannung verlieren, bleibt aber dennoch ein sehr schönes und vor allem gut durchdachtes Element. Einziger wirklicher Wehrmutstropfen hier ist, dass die Gold-Belohnungen für die Aufträge durchweg zu niedrig ausfallen.

Eine besondere Qualität von The Witcher 3 offenbart sich darin, Hauptquests, Nebenquests und Aufträge in seine Landschaften zu integrieren. Was mir bei jeder Spielsitzung nach wie vor gefällt, ist zudem der dynamische Tag- und Nachtwechsel in der Kombination mit Wind- und Wetterwechsel, die dem Spiel weitere Glaubwürdigkeit verleihen. Im Fall der Monsteraufträge und mancher Quests setzt der Entwickler diese Aspekte im Übrigen bewusst mit ein.

Natürlich sind nicht alle Quests durchgängig gelungen: Mit zu dieser Gruppe gehören in meinen Augen die Pfederrennen, die alle etwas zu einfach, zu eintönig und zu zahlreich geraten sind. Die Faustkämpfe sind zwar ganz unterhaltsam, aber maximal eine kleine Ablenkung zu den „richtigen“ Nebenquests. Beide Kategorien fallen für mich eher unter die Kategorie von Minispielen. Die Schnitzeljagden nach besonderer Hexerausrüstung hingegen finde ich weder besonders gut, noch besonders schlecht. Sie erzählen ihre Geschichte meist eher in Textstücken. Dieser Umstand wird durch ihre Profitabilität wett gemacht, da die Hexerausrüstung den meisten anderen Rüstungen deutlich überlegen ist.

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Was gibt es sonst noch in The Witcher 3: Wild Hunt zu tun? Abgelegene Orte wie Inseln, zu denen man mit kleinen Segelbooten gelangt, Ruinen, Fjorde und Höhlen laden zum Erkunden ein und das Reiten auf Geralts Pferd Plötze ist vom Spielgefühl wirklich gut umgesetzt. Wer gerade keine Quests erledigt, kann sich in The Witcher 3: Wild Hunt einer der zahlreichen kleineren Erkundungsaufgaben in der offenen Welt widmen. Mal gilt es Monsternester zu zerstören, bewachte Schätze zu bergen, Dörfer zu befreien, Banditen zu besiegen, eine Höhle zu erkunden, Schmugglerlager auszuräumen oder Monsterlager auszuräuchen. The Witcher 3 weiß seine offene Welt flächendeckend mit diesen Aufgaben zu füllen, geht damit aber einer typischen Krankheit moderner Open World-Spiele auf den Leim. In letzter Zeit gab es leider genug Paradebeispiel im negativen Sinne für diese Kinderkrankheit von offenen Welten, die sich in Form von ewig gleichen Lagern, Schatztruhen und Sammelgegenständen äußert. Glücklicherweise lässt CD Projekt Red die letzte Kategorie vollkommen weg und versucht die Symptome durch die genannte größere Vielfalt an Subtypen auszugleichen. Anstatt nur Monster wild herumstreifen zu lassen, von denen es aber auch eine Menge gibt, bindet CD Projekt Red diese eben häufig an diese kleinen Aufgaben. Dadurch erhält man zum Beispiel für das Erlegen eines Greifen statt der normalen Beute noch eine Schatztruhe.

Trotzdem kann die offene Welt, wenn man sich nur auf diese Nebenaktivitäten fixiert, nach einer Weile repetitiv und eintönig werden, da viele der Inhalte eine Spur zu generisch wirken. Weniger und dafür tieferer Inhalt wären hier besser gewesen. Statt 5 kleinen Höhlen hätte ich mir beispielsweise einen größeren Dungeon vom Umfang der Dwemerstädte von Skyrim gewünscht.

Während die Erkundungsaufgabentypen schnell zu einer der wenigen Schwächen von The Witcher 3 avancieren, versteckt sich hinter dem Ingamekartenspiel Gwint fast ein vollwertiges zweites Spiel. Parallel zu sämtlichen anderen Inhalten findet Geralt immer wieder Karten für die unterschiedlichen Decks des Spiels und kann immer wieder gegen NPCs antreten. Für Siege winken Geldboni und natürlich noch mehr Karten. Der Unterhaltungsfakor des Kartenspiels ist selbst für Kartenspielmuffel wie mich nicht wegargumentierbar. Ich könnte es mir sogar durchaus vorstellen, dass CD Projekt Red eventuell daraus ein eigenes Kartenspiel für den Merchandiseshop macht.(Update: Richtig geraten – der Box von Heart of Stone liegen echte Gwintkarten und eine Gwinteinleitung bei.) Denn innerhalb ihrer Spielerschaft genießt Gwint eine ebenso hohe Beliebtheit wie in den Nördlichen Königreichen, in denen sich wirklich an jeder Ecke ein Gegenspieler finden lässt. Besonders schön ist auch hier wieder, dass Gwint mit ein paar Quests verzahnt ist. So gibt es auch eine Quest, die sich rundum ein großes Gwintturnier dreht.

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In der offenen Welt trifft man immer wieder auf herumstreifende Gegner.

Kurz gesagt, gibt es in The Witcher 3 eine Menge zu tun. Wobei Quests und Gwint eindeutig zu den Highlights des Spiels gehören. Die Nördlichen Königreiche, der große Spielplatz für all diese Inhalte selbst verdienen jedoch ebenso etwas Aufmerksamkeit: Die einzelnen Regionen unterscheiden sich hierbei massiv. Während die Skellige stark an Skyrims nordische Welt erinnern, ist Novigrad eine mittelalterliche Großstadt deren Umlande vom zwischen dem Norden und Nilgaard herrschenden Krieg weitestgehend unberührt geblieben sind. In Velen hingegen, dem Niemandsland, herrscht vor allem Trostlosigkeit, Armut und Verzweiflung. Gehängte Gefangene und Deserteure säumen den Wegrand und seine abweisenden Wälder und Sümpfe scheinen unachtsame Menschen zu verschlingen. Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen in diesem Kriegs gezeichneten Land vor.

In Novigrad entbrennt die Jagd nach einem Schuldigen. Hexenjagden entfachen unzählige Scheiterhaufen und Hass regiert in den Straßen. Davon abgesehen besticht Novigrad im Kontrast zu seinem Hass und den herrschenden Verbrecherbanden in seinen Straßen durch augenscheinliche Schönheit. Auch die Skellige verzaubern durch schöne Landschaften gesäumt von Bergen. Die Skelliger und ihre nordischen Götter pflegen rauere Sitten als die Menschen auf dem Festland, auf dem sie vor allem als Piraten bekannt sind. Wie der Rest des Nordens pflegen auch die Skelliger eine besondere Feindschaft mit den Nilgaardern. Anders als die Leute auf den Festland gibt es auf Skellige jedoch weder Progrome noch Anarchie, dafür ist ihre Geschichte immer wieder gezeichnet von Kleinkriegen zwischen den örtlichen Fürsten, den Jarlen. Eigentlich jede Einzelheit von The Witcher 3 fügt sich glaubwürdig in diese dunkle, unbarmherzige und doch faszinierende Welt ein, wodurch es eine wunderbare Atmosphäre erzeugt.

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Ein Audiovisuelles Meisterwerk

Auch bei der Technik, Optik und Musik muss The Witcher 3 nicht zurückstecken. Es sieht zwar nicht ganz so schön aus, wie damals auf den ersten E3s gezeigt worden ist und dennoch wirkt es ziemlich beeindruckend. Die Landschaften sind malerisch, die Charaktere sehen super aus und die Animationen befinden sich – Motion-Capturing sei Dank – eindeutig im oberen Segment. Auch die Texturqualität weiß zu überzeugen. Matschige oder unansehnliche Texturen sind schwer zu finden, zumindest sind mir keine ins Auge gesprungen. Zuzüglich liebe ich den Soundtrack von Witcher 3: Wild Hunt, der durch die ganze Story hindurch die richtige Soundkulisse bieten kann und zudem kostenlos dem Spiel als CD beigelegt wurde! Achja die deutsche Synchro ist in meinen Augen überaus gut gelungen. Nur Nvidias Hairworks fällt zur Verwendung für mich einen Ticken zu hardwarefressend aus, was nicht neu sein dürfte. Die humorvollen Vergleichsbilder von Agent 47 mit Nvidia Hairworks kommen nicht von ungefähr, daher verbuche ich das eher als Nvidias Fehler. Leider zeigen sich an manchen Stellen immer noch ein paar Bugs, deren Fülle aber deutlich abgenommen hat. Das große Open World-Rollenspiele nicht an jeder Ecke bugfrei sind, hat jedoch durchaus Tradition und ist der Größe dieser Projekte geschuldet.

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Fazit: Anwärter für den Thron der Rollenspiele

Summary
Was ist nun The Witcher 3 und was ist es nicht? Wer von einem Rollenspiel vor allem motivierendes Item-Sammeln und Koop-Modus erwartet, wird mit The Witcher 3 eindeutig nicht glücklich werden. Ebenso schwächelt Witcher 3 dabei im späteren Spielverlauf den Spielenden herauszufordern.The Witcher 3: Wild Hunt überzeugt vor allem durch sein in sich schlüssiges Gesamtkonzept, das nur durch seine mit etwas zu generische Inhalten gefüllte offene Welt getrübt wird. Wobei die etwas generischen Inhalte immer noch überzeugender sind als bei manchen anderen Open World-Titeln. Dafür fügen sich seine besonders gut ausgfeilten Quests in seine ansonsten schön gestaltete offene Welt ein, in der es fast an jeder Ecke eine von ihnen zu entdecken gibt. Innerhalb jeder größeren Quest trifft der Spieler auf authentische Dialoge und interessante, nachvollziehbare Figuren mit eigenem Charakter. Ich kann nur wieder betonen, dass mir die Charaktere von The Witcher 3 sehr gefallen. Zudem etabliert sich The Witcher 3 in Sachen Inszenierung und Erzählqualität unter den Besten des Rollenspielgenres. Die hohe Qualität der Quests trifft dabei sowohl auf die Nebenquests als auch auf die Hauptquests zu. Auch wenn nicht alle Quests literarische Meisterwerke sind, überwiegt die Anzahl der schönen Quests deutlich. Darüber hinaus funktioniert das Kampfsystem gut und lädt zur wechselhaften Nutzung von Schwertkampf, Armbrustnutzung, Magie und der Verwendung von alchemischen Waffen ein. Alle diese Dinge wertet CD Projekt Red nochmals durch seine sehr atmosphärische Welt und seine beiden großartigen Hauptcharaktere auf. Schlussendlich runden seine hochkarätige Optik, die trotz leichtem Downgrade moderne Hardware sehr fordert, seine durch Motion-Capturing erstellten Animationen und sein toller Soundtrack das Rollenspielerlebnis ab.The Witcher 3 führt die Witcher-Trilogie zu einem gebührenden Abschluss und erntete das überschwingliche Lob wirklich zu recht: Diesem Lob schließe ich mich nun an, The Witcher 3: Wild Hunt ist ein wirklich großartiges Spiel.
Good
  • Kapitel als Ciri machen wirklich Laune
  • Tolle Charaktere
  • Schöne Dialoge
  • Keine Schwarz-Weiß-Entscheidungen
  • Schöne Welt mit atmosphärischer Stimmung
  • Dynamischer Wetterwechsel
  • Sehr gut erzählte und inszenierte Geschichte
  • Viele sehr gute Nebenquests
  • Zum Spielverlauf beitragende Entscheidungen, die nicht in gut und böse kategorisiert sind
  • Detektivartiger Hexerspürsinneinsatz
  • Gutes Kampfsystem
  • Alchemie
  • Gwint als sehr unterhaltsames Minispiel
  • Bestiarum, Charakterlog eingebunden ins Spiel
  • wenige Ladescreens
  • schöne Optik und schöne Animationen
  • toller Soundtrack und gute deutsche Synchro
Bad
  • etwas generische Inhalte in der offenen Welt
  • Kämpfe im späteren Spielverlauf könnten zum Teil etwas herausfordernder sein
  • immer noch ein paar Bugs
  • zu niedrige Goldbelohnung bei Aufträgen, mäßig bis nervige Pferderennen
10
Meisterhaft
Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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