The Mummy Demastered Review

PC PlayStation 4 Xbox One

 

   

Ich habe keinerlei Vertrauen mehr in Filmadaptionen aus der Videospiel-Industrie. Aber ich habe Vertrauen in diesen Entwickler. Hier unser Review zu The Mummy Demastered.

Ich habe Universals neusten Reboot von Die Mumie noch nicht gesehen. Schon der erste Trailer sah echt doof aus und nach allem was ich gehört habe war der Film auch echt mies. Ich habe auch wenig Glauben in das Gesamt-Konzept von Universals Dark Universe Filmen welches klassische Filmmonster wie Dracula und Frankenstein(s Braut) in einem Avengers-artigen Crossover zusammen bringen soll. Ein Videospiel basierend auf diesem Konzept hat also durchaus die Chance als totale Grütze zu enden. Wäre da nicht ein kleines Entwickler-Studio mit Can-Do Einstellung die es einfach drauf haben, wenn es um ein gewisses – und von mir sehr geliebtes – Sub-Genre geht. WayForward, das Studio hinter (unter anderem) der Shantea-Serie, hat sich diesem Streifen der Verdammnis angenommen und ein ordentliches Metroidvania daraus geformt.

Die Spielfigur ist nicht etwa ein pixeliger Tom Cruise, sondern ein Fuß-Soldat von „Prodigium“, eine S.H.I.E.L.D.-artige Organisation deren Ziel die Erforschung und Bekämpfung von Monstern in der Welt ist. Glaube ich zumindest. Ein Großteil des Filmes, so entnahm ich diversen Kritiken, befasst sich wohl mit dem Aufbau dieser Organisation als Dreh- und Angelpunkt des Dark Universe und Russel Crows Dr. Jeckyl als ihr Anführer. Im Spiel werdet ihr nicht viel mehr erfahren und auch quasi nichts über die Hintergründe der titelgebenden Mumie. Was dem Gesamtwerk aber wirklich nicht schadet.

Als Agent von Prodigium gilt es Katakomben und Höhlen um London zu erforschen auf der Jagd nach der untoten ägyptischen Königin Ahmanet. Die will… Etwas, und ihr… müsst sie anscheinend daran hindern, so informiert uns zumindest das pixelige Gesicht von Russel Crow. Dabei hakt das Spiel die klassischen Metroidvania Klischees ab: Eine große verzweigte Karte und zahlreiche „Straßensperren“ die sich nur mit Hilfe des richtigen Gegenstandes oder einer bestimmten Fähigkeit überwinden lassen. Stahltüren müssen mit C4 in die Luft gejagt und manche Mauern können nur mit verstärkter Sprungkraft erklommen werden. Dazu ein konstant stärker werdender Protagonist und Raum-füllende Bossgegner, die manchmal etwas zu viel Kugeln in sich aufsaugen bevor sie aufgeben. Ergänzt wird das ganze durch flexibles 8-point Gunplay mit verschiedenen Schusswaffen, was ein Contra-ähnliches Spielgefühl erzeugt.

Demastered versteht sich zusätzlich auch als eine Art spiritueller Nachfolger zu WayForwards Aliens: Infestation das 2011 für den Nintendo DS erschien. In diesem Spiel gab es eine begrenzte Anzahl von „Extra-Leben“, repräsentiert durch verschiedene Colonial Marines – alle mit ihrem eigenen Portrait und Persönlichkeit – die nach und nach von den Xenomorphen gefressen wurden. Prodigium Agenten mangelt es dagegen an Persönlichkeit in jeglicher Form und wenn einer stirbt, wird einfach der Nächste hinterhergeschickt. Doof ist nur, euer Vorgänger schlurft noch als schwer bewaffneter Zombie durch die Gegend und muss erst besiegt werden, bevor man seine Ausrüstung „zurück“ erhält. Das ist eine witzige Idee, die in der Praxis aber ganz schön nerven kann, denn Teil der Ausrüstung sind auch die Erweiterungen für die Lebensanzeige. So kann es passieren, dass ihr euch mit einem popeligen einzelnem Energie-Tank und der billigen Standard-Knarre durch die schwersten Abschnitte der Karte kämpfen müsst und solltet ihr euren verdammten Vorgänger besiegen, müsst ihr die restlichen Tanks immer noch selber wieder ganz auffüllen, was gerade kurz vor Bosskämpfen zu furchtbar drögen Farming-Abschnitten führt.

An diesem Punkt kann ich nicht sagen ob einem der Film wirklich so viele 0-8/15 Monster und Horror-Klischees serviert, aber das Spiel hat definitiv seinen Spaß euch mit allem möglichen Handlanger-Viechern zu bewerfen. Riesige Ratten, aus dem Boden auferstehende Zombies, finstere Krähen (deren wellenförmige Flugbahn verdächtige Ähnlichkeiten mit gewissen fliegenden Medusen-Köpfen aufweist) und natürlich auch Skelette die euch mit Knochen aus ihrem eigenen Brustkorb bewerfen.

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Auch das Level Design – welches trotz seines eigentlich modernen Settings überraschend viele finstere Katakomben und einen sehr vertraut wirkenden Uhrenturm bietet – unterstreicht den Eindruck, dass WayForward einfach gerne Castlevania-Spiele machen möchte, mit allem was dazu gehört.

Der Soundtrackt stammt ausnahmsweise nicht von WayForwards Go-To Komponisten Jake Kaufmann, sondern dem mir bisher unbekannten Gavin Allen, alias Monomer. Den hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, aber seine Arbeit an Demastered hat mich dann doch sehr überzeugt. Der halbe Soundtrack erweckt den Eindruck als würde jedes Lied rufen „nein, ICH bin der beste Castlevania-Track“ und das ist genau die Sorte Musik die dieses Spiel braucht. Es gibt ihn übrigens bereits auf Spotify, Amazon und iTunes.

Fazit

The Mummy Demastered suhlt sich in Genre-Tropes und Selbst-Ironie wie die Produzenten der Filmvorlage es anscheinend dringend gebraucht hätten. Sieht man einmal von dem etwas anstrengenden Konzept des Ausrüstungs-Verlusts ab, ist Demastered ein sehr solider Genre Vertreter in schicker Pixeloptik und einem super Soundtrack. WayForward macht diese Art von Spiel schon eine ganze Weile und auch wenn The Mummy Demastered jetzt wenig revolutionäre neue Ideen bietet, funktioniert alles sehr solide und ist trotz der großen Karte noch dankbar kompakt und relativ schnell bewältigbar. Ein putziges Metroidvania für zwischendurch.

Good

  • super schicker Pixel Look
  • toller Soundtrack
  • klassisches Metroidvania-Feeling

Bad

  • Gegen eigene Zombies kämpfen...
  • ...und dann wieder lange nach Energie suchen
7.5

Gut

Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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