Tales of Berseria Review

PlayStation 4
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Das Königreich Midgand wächst und gedeiht in einer langen Zeit des Friedens. Doch nichts währt ewig, so auch diese Idylle, aus der schnell für die Menschen in diesem Land eine Hölle auf Erden wird durch die Dämonenkrankheit, welche sie zu grausamen Kreaturen mutieren lässt, die auf blinde Zerstörung aus sind. Einmal davon befallen gibt es keine Heilung und so leben die Bewohner ständig in Angst und Schrecken vor der Gefahr, selbst Opfer der Krankheit zu werden oder einem solchen Dämon zu begegnen. Auch Velvet, die mit ihrem kleinen Bruder Laphicet in einem abgelegenen Dorf lebt, bleibt von dieser Bedrohung nicht unberührt, doch zu ihrem Schutz steht ihr Artorius zur Seite, ihren älteren Bruder. Eines Tages jedoch sollte genau er derjenige sein, der Velvet den größten Schmerz zufügt, den sie sich vorstellen konnte: Den Verlust von Laphicet durch seine Hand. Wutdurchströmt stürzte sich Velvet auf ihn, doch ist er seiner Macht nicht gewachsen gewesen und wurde bewusstlos. Als sie aufwachte befand sie sich in einem Gefängnis, das sie für 3 Jahre nicht verlassen würde. In dieser Zeit ist nicht nur ihr Hass gegenüber Artorius stärker geworden, sondern auch ihre Überzeugung, das Ziel ihrer Rache mit allen Mitteln auszuschalten. Mit pechschwarzem Willen und einem Fluch von jenem Tag, der ihr gleichzeitig die Kraft gibt ihren Weg zu beschreiten, befreit sich Velvet aus dem Gefängnis und hat nur einen Gedanken: Das eigene Schwert der Gerechtigkeit über den Mann herabzusenken, der das seine durch ihre Seele gestoßen hat. Wir haben Velvet auf ihrem Feldzug gegen den nun gefeierten Helden, der den Kampf gegen die Dämonen anführt, begleitet und tauchten dabei in eine noch größere Finsternis ein.

Von Rache und Emotionen überwältigt

Zu Beginn erlebt der Spieler die Zeit der jungen Velvet mit, die als lebensfrohes und optimistisches Mädchen präsentiert wird. Bereits in diesem Abschnitt beginnen die Tutorials, die sich bis in den ersten großen Hauptabschnitt der Geschichte erstrecken. Trotz dieses vergleichsweise großen Umfangs an Erklärungen beeinflussen diese durch ihre Platzierung und ihr Auftreten nicht den Spielfluss bzw. die erzählerische Struktur. Positiv anzumerken ist der Aufbau der Tutorials, die dem Spieler durch genaue Beschreibungen und Anweisungen alle Begriffe und Technikmöglichkeiten zum Gesamtverständnis helfen. Beispielsweise werden Statuseffekte oder besondere Angriffskombinationen, die zum ersten Mal während eines Kampfes auftreten direkt nach diesem in einem Textfeld erklärt. In Anbetracht des veränderten Kampfsystems ist das auch notwendig, denn im Vergleich zu vorherigen Teilen der Reihe bietet Tales of Berseria das bisher komplexeste in dieser Hinsicht. Das besondere an dieser Geschichte, vor allem im Vergleich zu den bisherigen, ist der düstere Ton. Rache steht im Mittelpunkt und bleibt es auch bis zum Schluss. Sehr positiv ist dabei anzumerken, dass durch die hohe Anzahl an Dialogen und Cutscenes die Bindung zu den Charakteren, allen voran aber zu Velvet, stetig stark aufgebaut wird. Das Bild der von Seelenschmerz zerrissenen Heldin ist wesentlich komplexer und tiefgründiger als es auf den ersten Blick wirkt. Diese Einsicht erfährt der Spieler im Verlauf der Story durch die reichhaltige Präsentation ihrer Gedanken und den Interaktionen mit den anderen Charakteren. Entsprechend kommen dabei diese ein wenig „zu kurz“, doch wird das relativiert, da der Hauptanteil der Charakterisierung, der Grund für die Beschreitung von „Velvet´s Weg“, bei allen dargestellt wird, und damit der wichtigste Aspekt davon integriert wurde, um auch diese glaubhaft zu präsentieren. Wie bei der Reihe üblich sind auch hier wieder Comedy- und Informationskits in die Geschichte eingebaut und sorgen für zusätzliche Charaktersympathie und der allgemeinen Weltdarstellung. Deren Anzahl wurde jedoch entsprechend an die Story und ihren Ton angepasst, denn im Vergleich zu Tales of Graces f und Tales of Xillia sind es weniger, was aber kein Negativpunkt ist, da hier eine ideale Balance gefunden wurde. Es wird dem Spieler auch dadurch nochmal verdeutlicht, dass hier eine ganz besondere Geschichte erzählt werden soll, die einen klaren Anfang und ein klares Ende hat, getragen von einer Fülle an sehr gut gesetzten Details und Höhepunkten.

Ein nicht ganz so düsteres Gemälde

Berseria-4  Tales of Berseria Review

Trotz der Tatsache, dass es sich hierbei bereits um das zweite Tales of auf der PlayStation 4 handelt, erkennt man einen deutlichen Unterschied zu Tales of Zestiria hinsichtlich der grafischen Qualität und der dargestellten Details. Nicht nur sind die Umgebungen lebendiger gestaltet, was vor allem in den freien Feldern und den Naturbereichen zu sehen ist, auch die Menüs und Textbalken sind an entsprechenden Stellen platziert, die das Gesamtbild für den Spieler möglichst wenig einschränken. Auch sind die Textboxen selbst in einem transparenten Weiß gehalten und die Schrift in einer lesbaren Größe dargestellt. Ein weiterer nennenswerter Punkt sind die Cutscenes, bei denen es Bandai Namco geschafft hat die bisher geringsten Unterschiede zwischen diesen und der tatsächlichen Spielpräsentation bzw. den Gameplaysequenzen für den Spieler präsent zu machen. Der Verlauf von beispielsweise dem Betreten einer Stadt und dem Beginn einer Cutscene von einer Ebene mit Feinden ist sehr flüssig und wirkt durch die sehr kurzen Ladezeiten wie ein natürlicher Vorgang. Dieser Aspekt verstärkt nicht nur den Storypräsentationseffekt, sondern sorgt auch für zusätzliche Motivation bereits besuchte Gebiete noch einmal zu betreten und eventuell vergessene Dinge zu erledigen oder zu entdecken. Die Effekte und Animationen während der Kämpfe selbst sind optisch sehr ansprechend und verleihen, vor allem durch das allgemein schnellere Kampfsystem, dem Spieler konstant das Gefühl permanenter Action. Besonders gut in Szene gesetzt sind dabei die Mystic Artes, die eine eigene Spezialsequenz haben und kurz den Angreifer sowie das Ziel des Angriffs aus dem Spielgeschehen nehmen um die Einzigartigkeit von diesen Techniken hervorzuheben. Bei der Menügestaltung hat Bandai Namco sich auf Tales of Xillia besinnt, das durch eine klare und formorientierte Anordnung der Anzeigen dem Spieler eine gute Übersichtlichkeit bietet.

Der Klang kreuzender Klingen

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Da Tales of Berseria das „Finale“ des 30-jährigen-Jubiläumsfestes der Reihe darstellt, finden sich in Anbetracht dessen einige Variationen altbekannter Titel hier wieder, aber auch neue Tracks, die allgemein in einem vergleichsweise ruhigeren und gemäßigteren Ton gehalten sind. Auch das unterstreicht nochmals den dunkleren Ton der Geschichte. Leider sticht keiner der Musikstücke besonders heraus bis auf das Opening, das von der japanischen Musikgruppe Flow gesungen wurde.

Blutgetränkter Pfad

Berseria-2  Tales of Berseria Review

Beim Gameplay wurden die größten Veränderungen im Vergleich zu den bisherigen Teilen der Reihe vorgenommen, beginnend mit der Einführung des Seelensystems, dass das bisherige Aktionspunktesystem ersetzt. Zu Beginn hat jeder Charakter eine festgelegte Anzahl an Seelen, die sich aus den Angriffen, die ihm vom Spieler zugewiesen worden sind, zusammensetzen. Diese Anzahl kann gesteigert werden durch den wiederholten Einsatz der Angriffe und Fähigkeiten, da diese bei jeder Benutzung „Erfahrung“ erhalten. Der Spieler wird jedoch nicht eingeschränkt, falls er die Entscheidung trifft Fähigkeiten und Angriffe auszurüsten, die nicht das maximale oder höhere Potential erreicht haben.

In Tales of Berseria kommt es, besonders durch die Schnelligkeit der Kämpfe und Aktionen selbst, sehr auf das Geschick und Reaktionskontrolle an. Aus diesem Grund kann der Spieler auch mit weniger aufgestuften Angriffen und Techniken einen Gegner besiegen. Es gibt aber auch weitere Möglichkeit die Anzahl der Seelen innerhalb eines Konfliktes zu erhöhen, so beispielsweise das Ausweichen gegnerischer Aktionen, das Zufügen von Statusveränderungen oder das Besiegen eines Feindes. So lassen sich bis zu 5 Seelen auf einmal sammeln und ermöglichen die Ausführung langer Komboketten. Doch auch ohne diese Maximalzahl ist der Spieler in der Lage eine Vielzahl an verheerenden Treffern auf den Gegner niederregnen zu lassen, denn es steht die Möglichkeit des Charakterwechsels während einer Angriffskette zur Verfügung. Sind also zum Beispiel die Seelen des gerade gesteuerten Charakters aufgebracht, kann ein sofortiger Wechsel zu einem anderen Charakter vollzogen werden, der dann seine noch nicht aufgebrauchten Seelen verwenden kann um die Trefferkette fortzuführen.

Ebenfalls von strategischem Vorteil für den Spieler ist das Einsehen der gegnerischen Seelenanzahl und HP. Ist der Feind im Besitz von allen Seelenpunkten, ist ein behutsames Vorgehen gefragt, doch sobald er diese verbraucht hat, steht er schutzlos den Spezialtechniken und Angriffsfolgen gegenüber. Die richtige Aktion zur richtigen Zeit ist ein wesentliches Kernelement des Gameplays, und animiert den Spieler viele Kämpfe zu bestreiten und seine Reflexe sowie seine Vorgehensweise ständig zu verbessern. Wie bereits zu Beginn erwähnt gibt es aufgrund dessen viele Tutorials und Erklärungsanzeigen, die sich bis in das erste Drittel der Hauptgeschichte erstrecken. Wichtige Begriffe sind dabei farblich hervorgehoben und können in den Erklärungen innerhalb des Menüs jederzeit nachgelesen werden. Ein Nachteil daran ist jedoch, dass es vorkommen kann, dass sich Spieler durch die Fülle an Informationen und die Komplexität des Systems überladen beziehungsweise erschlagen fühlen. Zwar ist der Schwierigkeitsgrad im Spielverlauf jederzeit veränderbar, doch für spätere Abschnitte und eine Reihe von Nebenquests ist eine Auseinandersetzung mit diesen Informationen unabdingbar. Entsprechend viel Zeit wird der Spieler in den Menüs verbringen, was zusätzlich durch das passive Fähigkeits- und Rüstungssystem gefördert wird.

Passive Fähigkeiten sind an Ausrüstungsteile gekoppelt, das bedeutet, dass jeder Gegenstand, sei es Schwert, Ring oder Schuhe, eine erlernbare passive Fähigkeit besitzt. Um diese dem Charakter beizubringen muss der Gegenstand ausgerüstet sein und Kämpfe bestritten werden, ähnlich dem Aufleveln der Angrifffähigkeiten. Sind die notwendigen „Erfahrungspunkte“ gesammelt erhält der Charakter die passive Fähigkeit permanent, das bedeutet auch nach dem Ablegen des Gegenstandes besitzt er diese. Auf diese Weise ist es dem Spieler möglich den Charakteren die unterschiedlichsten Fähigkeiten zu geben, doch gleichzeitig bringt das den bereits erwähnten Nachteil mit sich, dass häufig das Menü aufgerufen werden muss, um zum einen den Fortschritt der Fähigkeit zu überprüfen und zum anderen, vor allem nach dem Erhalt neuer Ausrüstungsgegenstände, ein Abgleichen mit den bereits im Besitz befindlichen. Neben der Hauptgeschichte gibt es auch diverse Nebenaufgaben, wie zum Beispiel die „Alarmstufe Rot“ – Dämonenjagden. Hierbei handelt es sich um optionale, starke Gegner, die eine entsprechende zusätzliche Herausforderung für den Spieler darstellen. Die Bekämpfung dieser Feinde lohnt sich sehr aufgrund der einzigartigen Items, die als Belohnung winken, wie beispielsweise Gegenstände, die eine dauerhafte Bewegungsgeschwindigkeitserhöhung auf der Weltkarte und in den normalen Gebieten bewirken oder auch die Droprate allgemein erhöhen.

Der Moment, der alles entscheidet – Das Fazit

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Bandai Namco hat es mit Tales of Berseria geschafft erneut einen Meilenstein in der Reihe zu setzen. Die Entscheidung ein düsteres Thema und einen dunkleren Ton in der Geschichte anzuschlagen und eine „Anti-Heldin“ als Protagonistin zu verwenden, sind sehr gut aufgegangen und konnten eine ganz besondere Geschichte im Buch des Franchise schreiben. Zwar ist Tales of Berseria nicht der einsteigerfreundlichste Teil und die Menge an Informationen, mit denen der Spieler auf einmal konfrontiert wird, könnte den ein oder anderen abschrecken, doch mir persönlich haben diese Aspekte keine Probleme bereitet, denn sobald man hinter das System gekommen ist, kann man das volle Ausmaß an Details, die sympathischen Charaktere und eine tolle Geschichte erkennen. Das schnelle Kampfsystem macht jede Begegnung zu einer kleinen Actionshow, die Dialoge und Cutscenes hauchen der Welt und den Charakteren viel Leben ein und die Präsentation ist durch die Leistung der PlayStation 4 auf hohem Niveau. Tales of Berseria selbst ist definitiv eine Geschichte, die dem Spieler in Erinnerung bleiben wird.

Good:

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Bad:

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Gesamtwertung: 10

Good

  • sehr überzeugende Geschichte und ausgefeilte Charaktere
  • schnelles, intuitiv-orientiertes Kampfsystem
  • sehr viele Details, sowohl bei den Hintergrunden als auch bei den Charakteren
  • sehr kurze Ladezeiten ermöglichen natürlichen Spielfluss und Gebiets-/Sequenzwechsel
  • vollständig animierte und synchronisierte Cutscenes und Dialoge

Bad

  • sehr viele Tutorials und Erklärungstexte
  • Passiv-Skill und Rüstungssystem verlangen einiges an Zeit in den Menüs
10

Meisterhaft

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