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Styx: Master of Shadows – Der Test zum schleichenden Goblin

Styx, der Erste der Goblins und Protagonist des Spiels, hat es den Turm von Akenash verschlagen. Dieser ist als schwebender, nur über Luftschiffe erreichbarer Turm, der zudem auch noch mit Wachen, Armbrustschützen und gut austeilenden Rittern vollgestopft ist, nicht unbedingt einer dieser Orte, der in gängigen Urlaubszeitschriften für Nichtmenschen gute Kritiken bekäme. In eben diesem muss sich der Protagonist ständig vorsehen, dass ihn nicht jemand als kleine grüne Piñata missbraucht. Also heißt es den unangenehmen Bewohnern des Turms schleichend und kletternd auszuweichen und wenn es sich zur Not nicht anders bewerkstelligen lässt, per Dolchstoß zu beseitigen.

Warum genau er diese Ärgernisse auf sich nimmt, ist selbst Styx zu Anfang herrlich unklar, was von seinen Gedächtnisproblemen herrührt. Er weiß nur, dass er – warum auch immer – das Herz des Amber absondernden Weltenbaumes erlangen will, der tief im Inneren des Turmes gedeiht. Davon abgesehen erinnert er sich sonst jedoch nur an seinen Namen. Styx: Master of Shadows ist ein Stealth-Game aus Third-Person-Sicht und vielleicht einer der reinsten Vertreter dieses Genres der letzten Jahre.

Wie steuer ich meinen Goblin?

Zunächst erscheint die Steuerung etwas störrisch und die Sprünge klappen nicht auf Anhieb – vor allem dann nicht, wenn man den quasi Autopiloten von Assassin’s Creed gewohnt ist. Zum Glück hat Cyanide Studio die Problematik des Nichtfesthaltens an Kanten gelöst, welche mich am Anfang nahezu um den Verstand gebracht hat. Nach einer Weile der Eingewöhnung tritt Verständnis für die Bewegungen des Goblins ein und auch die Sprünge werden präziser, womit diese auch anfangen, wirklich Spaß zu machen. Wenn Styx sich an einen Haken hängt, hilft einem das Spiel zudem durch eine Anzeige, die zeigt, zu welchem Haken Styx als Nächstes bei der Betätigung der Sprungtaste springen würde.

Meine Wahl bei den Eingabegeräten zum Spielen von Styx: Master of Shadows fiel auf ein Gamepad, da ich aus Intuition heraus vermutete, dass es hiermit am einfachsten zu steuern sei. Tastatursteuerung unterstützt der Titel aber dennoch, auch wenn ich das Gefühl habe, dass diese wirklich etwas weniger intuitiv und schwammiger ist als die des Pads. Probleme wie in Dark Souls 2 oder Assassin’s Creed bei der Nutzung der Tastatur sollten allerdings nicht auftreten.

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Schleichend und kämpfend zum Ziel

Zur Entledigung von Feinden nutzt Styx seinen Dolch oder geringfügig später den Einsatz von Wurfmessern. Hierbei stehen ihm Angriffe von hinten, die auch leise durchgeführbar sind. Ebenso praktisch sind die Möglichkeiten Feinde aus der Deckung heraus oder von Kanten auszuschalten.

Sich von einer heimlichen Vorgehensweise zur Beschleunigung der Geschehnisse abbringen zu lassen, mag naheliegend erscheinen, ist jedoch weniger ratsam. Offene Konfrontationen enden in Styx schon auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden häufig sehr schnell, sehr tödlich. Dies liegt einerseits an bestimmten Feinden, die mit einem einzigen Schlag unseren liebgewonnenen Goblin ins Nirwana befördern, und andererseits an dem Kampfsystem selbst. Styx kann in einem Zweikampf erst zuschlagen, nachdem er eine gewisse Folge von Blocks vollzogen hat. Wirklich Sinn oder Spaß macht dieses System nicht. Bei einem Spiel mit größerem Fokus auf offenen Keilereien wäre es sogar nahezu ein KO-Kriterium. Es wäre viel naheliegender, dass ein kleiner, gewandter Goblin unter den Schlägen seiner Feinde hinwegtaucht, ihre Unachtsamkeit ausnutzt und sie dann zur Fall bringt. So spielen sich die Kämpfe mehr wie kleine Quicktimeevents.

Zu allem Überdruss kämpfen die Feinde in dem Spiel hochgradig unfair: Ihr seid gerade mit einem Gegner in einen Zweikampf verwickelt, da werfen zwei andere schon Dolche nach euch – sehr zu Ungunsten eurer Gesundheit. Ob ganz beabsichtigt oder nicht sind Schleichen und Heimlichkeit in Styx: Master of Shadows die einzigen Garanten zum Erfolg. Damit hat der Titel anderen aktuellen Genrevertretern einen Tick voraus. Denn an dieser Hürde scheitern andere Titel immer wieder gern, wodurch Schleichen in ihnen oft nur eine Option ist, die manchmal auch noch die schwerste Alternative darstellt.

Freunde des nichttödlichen Ausschaltens von Wachen werden in Styx überrascht feststellen, dass Optionen wie Feinde ruhig zu stellen, zu betäuben oder zu schocken, am Spiel gänzlich vorbeigegangen sind. Wenn einem ein Gegner im Weg steht, bleibt dem geneigten Goblin nur die Wahl zwischem riskanten Vorbeischleichen oder einem heimlichen Dolchstoß. Einerseits ist dies eine verschenkte Option, andererseits macht dies den Titel noch ein wenig anspruchsvoller.

Um das Schleichleben zu vereinfachen, zeigen die Markierungen auf Styxs Körper wie gut ihn die Schatten in seiner Umgebung verbergen. Passenderweise kann er durch das Ausschalten von Fackeln für mehr Dunkelheit sorgen, was auch durch das Werfen von Sand möglich ist. Schlösserknacken gehört zudem zu den leichtesten Übungen des Goblins.

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Ambergetriebene Fähigkeiten

Auf seinem Weg durch den Turm von Akenash stehen Styx eine Reihe von Fähigkeiten zur Verfügung, die an dem Amber-Vorrat des Goblins zerren. Das schon erwähnte Amber ist in der Spielwelt von Styx: Master of Shadows ein berauschendes Mittel, das von Menschen konsumiert wird und auch magische Kräfte verleihen kann, wie es bei Styx der Fall ist. So kann er sich klonen und für begrenzte Zeit die Kontrolle über sein Alterego übernehmen, was beispielsweise den Vorteil hat durch besonders enge Gitter durchzupassen und dazu fähig ist, Wachen abzulenken und später auch in dunkle Verstecke zu zerren, um ihnen anschließend das Licht auszuknipsen.

Die Verwendungszwecke dieses kleinen Kerls sind umfangreicher als es zunächst den Anschein hat. Darüber hinaus kann Styx die Ambersicht aktivieren, die interessante Objekte in der Umgebung hervorhebt und bestimmte Markierungen offenbart. Als Letztes in dieser Reihe von Fertigkeiten steht die ambergestützte Unsichtbarkeit, die in so mancher auswegslos erscheinenden Situation doch noch einen Ausweg schafft. Sollte der Ambervorrat des Spielenden zu Neige gehen, heißt es, in den Leveln die Augen offenzuhalten. Häufig stehen hier und da Amber- und Lebenstränke herum oder die Wachen lassen sich um die Fläschchen erleichtern. Es ist übrigens weniger empfehlenswert diese auszuschalten, um an die Flaschen zu gelangen, da sie beim Ableben ihres Besitzers zerbrechen – schade aber auch.

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Goblin 1.1

Für die Nutzung von so mancher Mechaniken der Fähigkeiten von Styx vertröstet einen das Spiel auf einen späteren Zeitpunkt. Denn die Skills, Kampf- und Schleichkünste des grünen Kerls lassen sich zwischen den Missionen mit verdienten Skillpunkten verbessern. Diese erhält der Spieler für das Erfüllen von Hauptquests, Nebenmissionen und das Befolgen bestimmter Zusatzregeln, wie töte niemanden, werde nicht entdeckt oder schließe das Level möglichst schnell ab.

So erhalten die Fähigkeiten Klonen, Ambersicht und Unsichtbarkeit neue Funktionen, was auch für die Spielweisen Kampf und Gewandtheit der Fall ist. Möglichkeiten wie Feinde aus dem Sprung heraus auszuschalten oder leiseres Landen erhält der Goblin damit erst im Verlauf der Missionen, was die ersten Levels teils ein wenig umständlicher macht.

Sieben Missionen müsst ihr sein

Insgesamt gibt es von denen übrigens sieben Stück, die sich alle in drei bis vier Untermissionen teilen. Je nach Erfahrung und Kenntnis der Missionen können diese länger oder kürzer dauern. Ich habe zum Durchspielen des Spiels etwa 22 Stunden gebraucht. Es dürfte bei mehr Geschick aber auch in etwas weniger Zeit möglich sein.

Besonders schön sind die Bereiche des Spiels, in denen größere offene Areale begehbar sind. Allgemein gibt es häufig mehr als einen Weg, zu einem Ziel zu kommen, womit der Spieler sich den besten heraussuchen kann. Ein wenig Geduld ist wie bei Schleichspielen üblich jedoch durchaus angebracht. Die KI ist nicht die Hellste unter den Spielen, was immer noch besser ist als die Telepathie-KI von Hitman Absolution.

Das Kurzzeitgedächtnis der computergesteuerten Wachen ist bestensfalls ultra kurz. Haben sie einen gerade eben noch entdeckt, vergessen sie einen sehr schnell und tun so als sei nichts gewesen. Selbst beim Entdecken einer Leiche drohen dem Spielenden keine länger andauernden Suchaktionen der Wachen, da diese sich relativ schnell mit der Leiche in ihrer Nähe abfinden. Dieser Mangel hindert sie dennoch nicht daran, auf Sichtkontakt zu Styx wie wild um Unterstützung zu rufen, auf ihn einzudreschen und wahlweise Messer zu werfen oder Armbrustbolzen in seine Richtung abzufeuern.

Wenn der gediegene Goblin aus einer solchen Situation nicht schleunigst entflieht, wird er schnell ein Fall für einen Leichenbestatter und dem folgenden Wiederaufstehen nach einem Ladescreen. Für solche Fälle hat Styx Master of Shadows eine Funktion zum freien Speichern, mit der der Spieler an jeder Stelle im Spiel eine Sicherung anlegen kann. Leider hat sie nur begrenzte Speicherslots, wodurch neue Speicherstände Ältere nachher immer wieder überschreiben müssen.

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Dem Architekten von Akenash sei Dank

Ebenso gut gefallen hat mir das Leveldesign. Mir sind zumindest keine unschönen oder lieblosen Gegenden in Erinnerung geblieben. Mal schleicht Styx durch einen Gebäudekomplex, durch Katakomben oder springt in den luftigen Höhen von Akenash umher – für Abwechslung ist also gesorgt. Gestützt von der Handlung recycelt der Entwickler im Laufe des Spiels manche Level, wodurch er sich für manche Level erspart hat, gänzlich neue Gegenden zu designen. Trotz der Storystütze ist mir das negativ aufgefallen und es wäre für den Konsumierenden sicher spannender lösbar gewesen. Auf den eigentlichen Inhalt der Story und ihren Wendungen will ich nicht genauer eingehen, da gerade nicht zu wissen, was für einen Weg die Geschichte um Styx nimmt und zentraler Bestandteil des Erlebnisses beim ersten Durchspielen ist.

Tatsächlich ist die Handlung interessant und spannend. In gewisserweise kann der Spieler sogar philosophische Gedankengänge aus ihr herauslesen, wenn er denn möchte. Häufig erzählen Zwischensequenzen einen Teil der Handlung zwischen den Missionen weiter. Geführte Dialoge bleiben jedoch gänzlich unbeeinflusst vom Spieler und können anders als in anderen Spielen nicht durch die Wahl von Antwortmöglichkeiten beeinflusst werden. Sie dienen wie in Filmen der Erzählung der Geschichte oder im Falle des Gespräches zwischen Wachen, die es auch im Monolog gibt, zur Steierung der Immersion. So unterhalten diese sich manchmal über die Existenz von Goblins, den von ihnen ungeliebten politischen Anführer oder über die illegale Beschaffung von Amber. Bis auf eine Handvoll von tragenden Rahmencharakteren begegnet Styx nur namenlosen NPCs. Am besten gelungen ist meiner Meinung nach Styx selbst, der immer wieder Kommentare zum Geschehen beiträgt, die mal schwarzhumorig oder sarkastisch und mal grimmig oder nachdenklich sind.

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Die Technik – Kein Fall für einen Kammerjäger

Das Technikgerüst, welches auf Basis der Unreal Engine 3 basiert, zaubert bei Styx Master of Shadows ansehnliche Grafik auf dem Schirm. Diese mag zwar nicht mehr State of the Art sein – vor allem was Charakterdarstellung betrifft – aber gerade die Außenarreale des Spiels sehen meiner Meinung nach richtig gut aus.

Während des Durchlaufens der Missionen sind mir jedoch immer wieder ein paar Grafikfehler begegnet: So tauchen an bestimmten Stellen gern weiße Striche in der Geometrie auf oder Teile von Charakteren ragen durch andere Objekte hindurch. Abgesehen davon ist mir an Bugs nur aufgefallen, dass manchmal nach dem Neuladen einer Situation manche KI-Wachen mich plötzlich entdecken, obwohl sie das zum Zeitpunkt des Speicherns noch nicht taten. Insgesamt lief das Spiel stabil, hatte wenig Bugs und stürzte kein einziges Mal ab.

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Fazit: Ein gelungenes Stealth-Game mit kleinen Fehlern

Zur Grundlage dieses Tests diente die PC-Version des Spiels. Davon abgesehen ist es noch erhältlich für Ps4 und Xbox One. Styx: Master of Shadows ist am 07. Oktober 2014 erschienen.

Summary
Cyanide Studios liefert mit Styx: Master of Shadows ein schönes Schleicherlebnis mit interessanter Story, angemessenem Umfang und passendem Schwierigkeitsgrad, der schon auf normal ein wenig Herausforderung bietet. Für Fans des Stealthgenres mit der dazugehörenden Frustrationstolleranz ist Styx: Master of Shadows erneut eine Gelegenheit wieder durch virtuelle Gegenden zu schleichen und triumphierend zu lächeln, wenn der gesteuerte Protagonist wieder eine Passage lebendig überstanden hat. Auch wenn es seine kleinen Fehler hat, braucht sich Styx keinesfalls vor Vollpreistiteln des Genres zu verstecken und punktet mit seinem die Situation aus eigenem Blickwinkel betrachtenden Protagonisten.Wenn ihr mit Schleichspielen nicht viel anfangen könnt, seid ihr bei diesem Titel aber auf jeden Fall falsch. Dank des weniger guten Kampfsystems sind unauffälliges Vorgehen hassende Action-Fans wohl bei Spielen wie Mordor's Schatten deutlich besser aufgehoben. Wenn ihr hingegen noch nie Stealth-Games ausprobiert habt, könnte Styx: Master of Shadows durchaus einen Blick wert sein, wenn ihr denn dazu bereit seid, euch auf das Spiel einzulassen und ein wenig Geduld mitbringt.Trotz der kleinen Makel werden Stealth zugeneigte Spieler es nicht bereuen, ihre Vorbehalte gegenüber diesem neuen Titel fallen zu lassen und ihm zu gestatten, sie zu unterhalten. Richtige Stealthfans, die Styx: Master of Shadows gänzlich ignorieren, laufen sogar Gefahr, einen tollen Ableger des Genres schulterzuckend zu übergehen.
Good
  • Schleichen und Heimlichkeit sind essentiell
  • Fähigkeiten sind äußerst nützlich und durch Begrenzung nicht übermächtig
  • Schöne Levels
  • KI ist nicht unfair
  • Bewegen und Springen macht Spaß
  • Interessante Story
  • Kommentare geprägt von schwarzem Humor oder Nachdenklichkeit durch den Protagonisten
  • Unterschiedliche Wege durch die Levels
  • Mit 20 Stunden Spielzeit recht lang
  • Nicht zu einfach
  • Insgesamt kaum Bugs
Bad
  • Duellsystem ist zäh und nervenaufreibend
  • Recyceln von manchen Gegenden
  • Ultra Kurzzeitgedächtnis der KI
  • einzelne Grafikfehler
  • Kein nicht-tödliches Ausschalten von Gegnern
7.5
Gut
Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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