Strange Brigade Review: Plündern! Schätze! Gruppenspiel!

PC PlayStation 4 Xbox One

 

Abenteuer, dunkle Gemäuer, Grabmäler voller Gefahren und Fallen – nein, das ist keine Beschreibung eines alten Abenteuerfilms, sondern das Setting von Rebellions neuem Third Person Shooter, Strange Brigade. Irgendwo angesiedelt zwischen Hollywood der 40er Jahre und massenproduzierten Groschenromanen erzählt es die Geschichte einer Gruppe Abenteurer, die gegen eine alte ägyptische Königin antreten. Es war mein meist erwartetes Spiel des Jahres 2018 und nun ist es draußen.

Die Rache der Hexenkönigin

Die Welt, etwa in der Mitte der 30er-Jahre: Während Europa am Rand eines weiteren Weltkrieges steht, hat der Archäologe Edgar Harpin in Ägypten ein unbekanntes Grabmal geöffnet, ohne zu ahnen, dass sich darin die Überreste der mächtigen Königin Seteki befanden. Einst regierte die Pharaonin ein Weltreich mit eiserner Hand und verfluchten Kreaturen der Dunkelheit – bis ihr Volk sich gegen sie auflehnte. Um den Begebenheiten von Harbins Tod nachzugehen, entsendet die britische Regierung die Strange Brigade, ein Team von speziell trainierten Geheimagenten, die sich mit dem Paranormalen befassen.

So beginnt die Suche nach Seteki, ihren Handlangern, aber vor allem natürlich: Nach den unermesslichen Schätzen, die in den Ruinen schlummern. Jede Episode ist eingerahmt in einen kurzen Storyabschnitt, in der die Charaktere mit ihren Vorgesetzten in London die Lage erörtern. Im Spiel selbst gibt es einen festen Startpunkt und die Brigade muss sich ihren Weg durch tiefe Schluchten, weitreichende Täler und dunkle Gräber bahnen. Ständig begleitet werden sie dabei von einem Erzähler, der in überaus aufbrausender britischer Art die Handlungen der Protagonisten kommentiert, so wie man es von Kinos oder dem Rundfunk der damaligen Zeit erwartet. Doch auch wenn die Präsentation ihr Möglichstes tut: Die Story selbst gerät eher in den Hintergrund und plätschert ohne große Überraschungen vor sich her.

Vieles jedoch ist verzeihlich, weil der Erzähler mit seinem Enthusiasmus anzustecken weiß. Er weiß im Grunde, dass er hier eine wilde Fantasysause kommentiert und wirft immer wieder Humor und Sarkasmus in seine Reden ein. Wer es geschickt anstellt, kann ihn sogar mit der Zeit nerven. Leider sind die Spielercharaktere weit weniger ihrer selbst bewusst und nehmen sich und ihre Gegend oftmals zu ernst.

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Im Tempel des Sonnengottes

Eine Mission in Strange Brigade beginnt meist mit einem Fallschirmsprung ins Zielgebiet. Von dort folgt die Gruppe einem vorgegebenen Pfad, bis meist ein Gebiet von Gegnern geklärt oder ein Schlüssel gefunden werden muss, um den Weg fortzusetzen. Schon auf dem Weg dahin versuchen Setekis untote Schergen, es den Brigadiers so schwer wie möglich zu machen. Anders als in Zombie Army Trilogy hat Rebellion dieses Mal nicht ausschließlich auf verschiedene Arten von Zombies gesetzt. Andere mythische Kreaturen wie Anubiten, Riesenskorpione und Minotauren tauchen ebenfalls hin und wieder auf. Zudem lohnt es sich zu erkunden, denn oftmals finden sich wertvolle Schätze, Sammelgegenstände und vor allem Unmengen an Münzen in den Leveln. Diese Reichtümer werden eingetauscht gegen bessere Waffen oder dienen als Upgrades für vorhandene Waffen. Außerdem gibt es viele optionale Ziele wie das Abschießen von Katzenstatuen oder Urnen. Beide sind gut versteckt, aber ein spezieller Signalton gibt den Hinweis, dass sich eines davon in der Nähe befindet.

Charaktere unterscheiden sich durch eigene Fähigkeiten: Die Geisterkriegerin Nalangu Rushida stellt Gesundheit wieder her, wenn sie Gegner im Nahkampf angreift, während die Nahkampfattacke von Ingenieursdame Gracie Braithwaite gleich eine ganze Gruppe treffen kann. Professor De Quincey ist ein Sonderfall, denn nur er kann Schatzkammern aktivieren, die die Lösung eines Puzzles erfordern, um die dortigen Reichtümer zu bergen. Jeder Charakter kommt mit einem magischen Amulett, welches sich durch das Töten von Gegnern auflädt. Einmal voll geladen kann man damit eine gewaltige magische Attacke aktivieren.

Neben dem Storymodus gibt es in Strange Brigade zusätzliche Spielmodi: Der Horde-Modus ist eine Art Überlebensarena, in dem Wellen von Gegnern überlebt werden müssen, um Schätze zu bergen. “Score Attack” hingegen ist Strange Brigades Arcade-Modus: Hier treten die Spieler gemeinsam zur Punktejagd gegen eine breite Auswahl von Gegnern an, inklusive Kombos, Bonuswaffen und dem cleveren Einsatz von Fallen. Weitere Storymissionen sowie Charaktere sind in der Mache und Teil des bereits erhältlichen Staffelpasses. Einige kostenlose Inhalte sollen mit kommenden Updates verfügbar werden.

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Der Kontrollstein

Keine große Überraschung: Strange Brigade spielt sich praktisch identisch zu Rebellions anderem kooperativen Shooter, Zombie Army Trilogy. Sogar die Waffenphysik ist nahezu dieselbe. Während der eine Titel dunkel und düster daherkommt, besticht Strange Brigade durch helle und weitreichende Farben. Ärgerlich ist, dass es den gleichen Fehler wie viele heutige Spiele macht: Auf Konsole ist der Text auf dem Bildschirm so winzig, so dass man ihn nur schwer erkennen kann.

Musikalisch wird an damalige Filme angelehnte Stücke geboten, doch keines ist wirklich erinnerungswürdig. Es passt, ohne zu aufdringlich zu sein. Von den Sprechern sticht nur der Erzähler wirklich positiv hervor. An dieser Stelle sei noch erwähnt: Strange Brigade kommt mit englischen Sprechern und deutschen Untertiteln. Eine deutsche Synchro gibt es nicht, aber ehrlich gesagt wäre dadurch viel seines Flairs verloren gegangen.

Über die Animationsqualität muss ich dennoch meckern: Bewegungen wirken oftmals hölzern, unrealistisch oder zu minimalistisch.

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FAZIT: Jäger des verlorenen Schatzes – light.

Strange Brigade ist definitiv ein netter Zeitvertreib und macht vor allem in großen Gruppen Spaß. Die abenteuerlastige Präsentation weiß für einige Zeit zu unterhalten und zumindest den Erzähler kann man nicht hoch genug loben. Abnutzungserscheinungen machen sich breit, weil die Aufgaben in den Leveln sich oft stark ähneln. Noch ist es etwas früh, über eine mögliche Langzeitmotivation zu reden, weil Rebellion noch einige Inhalte in der Mache hat, wer sich allerdings für alte Abenteuer begeistern kann, der ist bei Strange Brigade gut aufgehoben.

Getestet wurde die digitale PS4-Version. Strange Brigade ist außerdem erhältlich für PC und Xbox One.

Good

  • Starker Erzähler
  • Leveldesign ist gut gelungen
  • Einiges an Inhalt

Bad

  • Wirkliche Variation fehlt
  • Braucht gute Mitspieler, um seine volle Wirkung zu zeigen
6.5

Okay

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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