Strafe Review

PC PlayStation 4

 

   
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Zurück zu den 90ern: Man kann sagen was man will! Strafe von Pixel Titans und Devolver Digital hatte eine der denkwürdigsten Marketingkampagnen der letzten Jahre. Mit extrem auf billig getrimmten VHS-haften Videos wollte Strafe die Action von 1996 liefern. Und das geht auch gut – bis man anfängt zu spielen…

 

Schrottsammler

Von der „Firma“ wird man beauftragt auf der Icarus-Raumstation (und anderen Arealen) nach Schrott zu suchen, um damit die Produktionslinien am Laufen zu halten. Im Grunde ist das alles, was man von der Story zu Beginn erfährt. Mit einem kurzen Tutorial, in dem man in bewusst schlechten Full Motion Video-Sequenzen von einer Frau bewertet wird, kann man sich ein wenig an die Steuerung und die Grundlagen von Strafe gewöhnen.

Einen wahren Kulturschock erlebt man, wenn man erst einmal das eigentliche Spiel beginnt: Wurde in der Marketingkampagne und den dazugehörigen Trailern noch großer Wert auf 90er Ästhetik und (vermutlich) auch entsprechendes Gameplay gelegt, so bleibt nur eine Sache davon übrig – und schafft zumindest bei ersterem eine recht gute Nachbildung: Mit großen Voxeln wird die alte DOS-hafte Optik früher First Person Shooter wie Doom oder Quake liebevoll nachgebildet, inklusive einiger ziemlich drastischer Gewalt. Viel Inspiration nahmen sich die Entwickler wahrscheinlich bei Modifikationen wie Brutal Doom, was man von der Musik nicht sagen kann. Und auch das ist nicht unbedingt schlecht: Denn Strafes Soundtrack ist über jeden Zweifel erhaben fantastisch. Melancholische Stücke wechseln sich mit schnellen, sehr Synthesizer-lastigen Melodien ab, die dem Spiel in Sachen Präsentation durchaus einige Punkte geben kann.

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Nicht der Shooter, den ihr sucht…

Nein, der wahre Kulturschock ist das Gameplay: Strafe ist nämlich ein First Person Roguelike-Shooter. Statt auf vorgegebenen Pfaden bewegt sich der Spieler hier auf einer Karte, die zufallsgeneriert wurde. Zwar nicht völlig zufällig, aber schnell erkennt man vorgefertigte Räume wieder. Noch dazu sind die Karten gefüllt mit Horden von Gegnern, die unablässig auf den Spieler einstürmen. Zu Beginn kann man sich eine von drei Waffen aussuchen und gebrauchte Waffen kann man später in den Leveln finden, die immerhin ein paar Schuss Munition besitzen, bevor man sie einem Gegner buchstäblich über die Rübe haut. Trotz Munitionsbegrenzung kommt es selten vor, dass man wirklich alle Kugeln verschießt. Leider liegt das Problem tiefgehender: Strafe ist ein extrem schwieriges Spiel, das leider enorm unter dem hohe Frustrationsfaktor leidet. Gegner sind wie erwähnt zahlreich, verschießen Projektile und nagen erst an einem Schild, dann unablässig an der Lebensenergie, von denen man beides in den Leveln nur sehr selten zum Wiederherstellen findet. Man kann seine Waffen mit Hilfe von Boostern, die sich in Kisten befinden, aufwerten, doch sind die Verbesserungen nur für den aktuellen Versuch gültig. Während andere Roguelites zudem zumindest Aufladestationen und oft auch Lebensenergie an festen Punkten liefern, so ist man in Strafe häufig auf sich allein gestellt und muss sich auf sein Glück verlassen.

Ohne das ist man relativ schnell tot und beginnt – ohne irgendwelche Freischaltungen oder Anreize – ganz von vorn. Da hilft noch so schöne Präsentation nichts: Es stellt sich Frust ein, besonders wenn man das Spiel eigentlich ausgiebig testen möchte und aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades über den dritten Level der ersten Welt vorerst nicht mehr hinaus kommt.

Über das Hauptmenü kann man noch einen anderen Modus auswählen: Die Murderzone, ein Überlebensmodus, in dem man zehn Räume durchqueren muss. Trotz einer Auswahl mehrer Karten und sogar ein paar Freischaltungen, hält sich die Abwechslung in Grenzen, vor allem dank der eingeschränkten Bewegungsfreiheit durch kleinere Räume inklusive gefühlt gleicher Anzahl von Gegnern wie im Hauptspiel.

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Bewegungskrank

Schon einige hatten das starke Wackeln der eigenen Waffe in der Bewegung bemängelt und dem kann ich mich ohne weiteres anschließen: Es lenkt ab und wird auch dann nicht besser, wenn man es in die allgemeine Bildschirmbewegung in den Optionen reduziert. Immerhin gibt es ausreichende Optionen wie z.B. einen Bildbereichsregler. Gewarnt sein sollten Leute, die einen Controller verwenden: Man muss darauf achten, dass man auch tatsächlich einen Controller in den Optionen eingestellt hat, sonst interpretiert das Spiel u.U. Controllereingaben als Tastatur- und Mausbewegungen.

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FAZIT: Ein Blender

In Sachen Präsentation ist Strafe wirklich eine schöne Hommage an die 90er (sehr zu empfehlen ist auch das gesamte für das Spiel veröffentliche Trailermaterial). Mit stimmiger Grafik und einem wirklich guten Soundtrack täuscht man jedoch nicht über das teils ziemlich unfaire Spieldesign hinweg. Strafe ist für echte Experten, für sonst niemanden. Wie schon Immortal Redneck fühlen sich mehr methodische Spieler alleine gelassen.

Getestet wurde die PC-Version auf Steam. Es ist außerdem verfügbar für PS4.

Good

  • Sehr gute Musik
  • Gelungene Präsentation

Bad

  • Ziemlich unfair
  • Drastisch hoher Schwierigkeitsgrad
  • Hoher Frustfaktor
4

Schwach

Profilbild von Christian Mutig
Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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