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Stick It To The Man im Test

Der dreiarmige Held

Ray ist eigentlich ein ganz normaler Arbeiter, der keinerlei besondere Talente oder Qualitäten aufweist. Mit seiner Freundin zusammen führt er dennoch ein recht glückliches, aber gewöhnliches Leben. Doch die Normalität wird jäh beendet, als er plötzlich von einem seltsamen Gegenstand am Kopf getroffen und erstmal bewusstlos wird. Nachdem er wieder aufwacht, traut er seinen Augen nicht, denn aus seinem Kopf wächst auf einmal ein pinker Arm. Die Tatsache, dass er plötzlich auch noch die Gedanken seiner Mitbürger lesen kann, lässt ihn dabei noch mehr an seinem Verstand zweifeln.

Doch Ray hofft darauf, dass es für alles eine ganz normale Erklärung gibt und das alles nichts ist, was ein Psychiater nicht beheben kann. Damit liegt er allerdings leicht daneben, denn der Arm und auch seine neu erworbene Fähigkeit sind durchaus echt. Als wäre das nicht schon besorgniserregend genug, ist auch noch ein Haufen mysteriöser Agenten auf ihn aufmerksam geworden und will ihn nun mit allen Mitteln einfangen.

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Kleben, schwingen, grinsen

Die größte Stärkte von Stick It To The Man liegt in den herrlich abgedrehten Charakteren, die die Spielwelt bevölkern. Dabei ist noch nicht einmal der trottelige Ray selbst gemeint, sondern vor allem die wunderbaren Nebencharaktere, über die man im Verlaufe der rund vierstündigen Reise stolpert. Da wäre zum Beispiel der Gangster, der den örtlichen Tanzwettbewerb so sehr gewinnen will, dass die ärgsten Konkurrenten halt einfach mal beseitigt werden müssen. Aber auch die Frau mit dem Zähne-Fetisch oder der sexistische General Handsome bleiben in Erinnerung. Die Liste an großartigen Charakteren ist aber zu lang, um alle zu nennen – und man will ja auch nicht alles verraten.

Glücklicherweise ist das Gameplay selbst auch alles andere als schlecht. Ray besitzt zwei Grundfertigkeiten, die ihr dutzende Male einsetzen werdet: Einerseits kann er die Gedanken der Leute lesen und dabei ihre Wünsche und Bedürfnisse herausfinden. Allerdings kann er auch Objekte aus diesen Gedanken in die reale Welt ziehen. Denkt so beispielweise ein Agent an ein kleines Nickerchen wird das „Zzzz“-Symbol aus seinem Kopf gezogen und auf ihn geklebt. Dadurch schläft er ein und ihr könnt passieren.

Rays andere Fähigkeit ist das Schwingen zu weit entfernten Objekten mithilfe seines neuen Arms. Vor allem in den Jump ‚n‘ Run-Momenten kommt dieser Skill häufig zu Verwendung. Zum Ausführen wischt ihr einfach auf dem Touchpad des Dualshock 4 in die Richtung einer Stange und schon zieht sich Ray dorthin, auch wenn eine Wand eigentlich den Weg blockiert. Mit dieser Fähigkeit könnt ihr euch nach einer kurzen Eingewöhnungszeit schnell und bequem durch die Levels bewegen. Wenn ihr doch Probleme mit der Touchpad-Steuerung haben solltet, könnt ihr Rays dritten Arm auch einfach mit dem rechten Analog-Stick bewegen.

Doch das Lesen der Gedanken kommt nicht nur in den Momenten zu tragen, in denen ihr von diversen Feinden entkommen müsst, sondern bildet auch die Grundlage für die Rätsel des Spiels. Denn nicht immer erzählen euch die Leute gleich von ihren Problemchen und so muss Ray beherzt in ihren Kopf nach Informationen wühlen. Meist sind die Rätsel zwar recht simpel, überzeugen dafür allerdings mit dem herrlichen Humor, der sich durch das ganze Spiel zieht. Um weiterzukommen, macht Ray tatsächlich vor nichts Halt und manchmal muss man dann eben auch ein Körperteil oder einen gerade verdauten Fisch mitgehen lassen.

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Ein kurzes Vergnügen

Der Schwierigkeitsgrad ist dabei sehr human und nur einige der späteren Sequenzen erfordern häufigeres Probieren. Durch die sehr faire Verteilung der Checkpoints in Form von Kopiermaschinen ist das allerdings niemals zu frustrierend. Auch die Rätsel lassen sich zumeist durch ein wenig Grübeln und Probieren gut lösen und behindern den Spielfluss nicht.

Abstriche muss man allerdings an der Spieldauer und dem Wiederspielwert machen. So charmant der auch Titel ist, nach rund vier Stunden hat man den Abspann gesehen und einen wirklichen Grund für eine Rückkehr in die Papierwelt von Ray gibt es leider nicht. Zwar hat man sicherlich vergessen, den ein oder anderen Gedanken zu lesen, aber ansonsten gibt es bis auf wenige (sehr kleine) Nebenmissionen dann nichts mehr Neues zu entdecken.

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Purer Style

Stick It To The Man präsentiert sich zwar in einer 2D-Optik, die erinnert aber keineswegs an alten Zeiten mit dem Super Nintendo. Ganz im Gegenteil, Zoink! verpassten ihrem Werk einen passend abgedrehten Stil, in dem die gesamte Welt aus Papier gemacht ist. Und auch beim Design der einzelnen Charaktere gaben sie sich keine Blöße und selbst einige Zeit nach dem Durchspielen, kann man sich an die obskuren Gestalten nur zu gut erinnern. Das Spiel präsentiert sich dabei in knackig scharfem HD und läuft wie erwartungsgemäß ohne Framerate-Einbrüche.

Ein weiterer Pluspunkt ist der jazzige Soundtrack, der sich perfekt in das Geschehen einfügt und wenig Anlass zum Kritisieren gibt. Besonders hervorheben muss man allerdings auch die Sprecher der einzelnen Charaktere. Obwohl es augenscheinlich eine eher kleinere Produktion ist, gehört das Voice Acting zur absoluten Spitzenklasse und bildet sozusagen das i-Tüpfelchen.

Summary
Stick It To The Man ist für mich bisher die positive Überraschung des Jahres. Dank Playstation Plus schnupperte ich mal rein und nach wenigen Minuten war ich bereits begeistert. Der visuelle Stil gepaart mit der passenden Musik, herausragenden Sprechern und einem tollen Humor ergibt ein echtes 5 Sterne-Menü. Ohne zu übertreiben, selten hatte ich in den letzten Monaten mit einem Titel dermaßen viel Freude.Daran kann auch die recht kurze Spieldauer nichts ändern. Am Ende wollte ich schlichtweg mehr von Abenteuern von Ray und ich hoffe darauf, dass wir mit einer Fortsetzung beglückt werden. Genügend Spielraum für coole Ideen hätten die Entwickler jedenfalls mit Sicherheit.
Good
  • Großartige Optik
  • Jazziger Soundtrack
  • Toller Humor
  • Sinnvolle Touchpad-Integration
  • Starkes Voice Acting
Bad
  • Recht kurz
  • Wiederspielwert hält sich in Grenzen
8.5
Sehr gut
Ehemaliger Student, begeisterter Videospieler und leidender Fußballfan.

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