Star Fox Zero Review

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You'll never defeat Andross!

   

Endlich wieder Star Fox! Wie es bei Nintendo oft so üblich ist, mussten die Fans lange auf die Rückkehr eines alten Helden warten. Star Fox Zero versteht sich als Neuanfang für den Weltraum-Shooter. Doch bei diesem Neustart ging leider so einiges schief.

 

Das 2011er Remake Star Fox 64 3D nicht mitgezählt, ist Star Fox Zero das erste Spiel um die pelzigen Piloten seit dem DS-Ableger Star Fox Command von 2006. Star Fox hat wie so einige Nintendo Franchises eine kleine Identitätskrise hinter sich. Während Fans mit dem simplen Konzept von „Mehr Star Fox“ zufrieden gewesen wären, hat sich hier die Design-Philosophie von Shigeru Miyamoto durchgesetzt: „Wir machen nur dann eine Fortsetzung, wenn wir mit der Serie ‚etwas neues‘ machen können.“ Das zentrale Problem von Star Fox Zero ist aber, dass besagte Änderungen keine wirkliche Verbesserung darstellen, während die Dinge die gleich geblieben sind, langjährige Fans im Besten Fall langweilen werden.

Das Lylat System ist mal wieder in Gefahr! Also, das heißt ‚mal wieder‘ ist nicht ganz richtig, denn Zero fungiert quasi als Reboot und erzählt noch einmal die selbe Geschichte wie Lylat Wars Star Fox 64. Jetzt könnte man argumentieren, dass die Serie in der die Besetzung von Watership Down einen auf Rogue Squadron macht nicht zwingend das wichtigste Element ist. Doch gerade Starfox bot über die letzten Spiele verteilt ein für Nintendo ungewohntes Maß an Charakter-Entwicklung und Worldbuilding. Leider fangen wir nun wieder bei Null an (I see what you did there): Fox McCloud ist erst kürzlich zum Anführer der Star Fox Staffel geworden und das Team erhält einen Notruf von Corneria, weil der böse Wissenschaftler Andross einen Rachefeldzug führt.

Star-Fox-Zero-Screenshot-1  Star Fox Zero Review

Der Blick aus dem Cockpit

Doch erstmal genug von der Story, der Asteroiden-große Stolperstein von Star Fox Zero ist nämlich die überarbeitete Steuerung. Der grundlegende Ablauf ist der selbe wie in den alten Spielen: Es gibt On-Rails Level in denen ihr euch auf einem vorgegebenem Pfad bewegt um zum Beispiel durch die Städte von Corneria zu fliegen oder es gibt euch ein größeres Gebiet in dem ihr euch frei bewegen könnt. Zahlreiche Elemente aus den alten Teilen wurden dabei übernommen: Bomben, boosten, bremsen, Loopings fliegen. Doch der make-it-or-brake-it-Point für viele Spieler wird ein neues Steuerungs-Element sein: Die Cockpit-Ansicht. Auf dem Bildschirm des Wii U-Gamepad sieht man die Ego-Perspektive aus dem Cockpit des Arwing heraus und durch den Gyro-Sensor kann man auch abseits der Flugrichtung seitlich, ober- oder unterhalb des Gefährts zielen. So muss man zum Beispiel gegen Roboterspinnen kämpfen in dem man über sie hinwegfliegt und ihren rot-leuchtenden Schwachpunkt an der Oberseite beschießt.

Star-Fox-Zero-Screenshot-11  Star Fox Zero Review

Was in der gamescom Demo noch ganz interessant war und im ersten Level noch ganz nett ist, entwickelt sich schnell zu einem nur schwer zu kontrollierendem Chaos. Star Fox Zero ist nicht das erste Spiel in dem man gleichzeitig die Informationen auf zwei Bildschirmen verarbeiten muss, aber mir ist noch keines untergekommen in dem dies so unübersichtlich war. Was in den (verhältnismäßig wenigen) On-Rails Leveln noch funktioniert, wird im All-Range Mode zu einer mittleren Katastrophe. Es ist nicht möglich sich auf Zielen mit dem Gamepad zu konzentrieren, ohne durch das Feuer der zahlreichen Gegner Schaden zu nehmen. Fliegt man einen Looping um Ihnen auszuweichen, sieht man diesen natürlich auch in der Cockpit-Ansicht und das hilft nicht wirklich.

Star-Fox-Zero-Screenshot-10  Star Fox Zero Review

Noch schlimmer wird es, wenn das Spiel in die neue Lock-On Perspektive umschaltet. In bestimmten Bosskämpfen und auf Tastendruck in Dogfights gegen andere Jäger wie die vom Star Wolf Team wechselt die Perspektive auf dem Fernseher in eine Außenansicht in welcher der Gegner immer im Bild ist, ähnlich wie in 3D Zelda-Spielen. Allerdings muss man nun versuchen den Arwing in dieser sehr ungewohnten Perspektive immer noch korrekt zu steuern. Der Plan ist, dass man sich so einen filmreif inszenierten Luftkampf mit einem anderen Fliegerass liefert, doch in diesem Modus ist es 1.) noch schwieriger den Arwing korrekt zu steuern, geschweige denn 2.) den Gegner in der Cockpit-Perspektive richtig ins Visier zu bekommen. Die Zielerfassung ist theoretisch sehr hilfreich und cool, aber gepaart mit der Cockpit Ballerei einfach nicht sinnvoll einsetzbar.

Star-Fox-Zero-Screenshot-6  Star Fox Zero Review

Optional kann das Spiel zusammen mit einem Freund gespielt werden. Nicht etwa als weiterer Pilot in der Staffel, nein das wäre zu offensichtlich gewesen. Nein, im 2-Spieler Modus übernimmt ein Spieler die Kontrolle des Fahrzeugs und ein weiterer kümmert sich alleine um’s Schießen. Und es betont das zentrale Problem dieses Spiels, dass es sich deutlich besser spielt, wenn man sich nur auf eine Sache auf einmal konzentrieren muss. Ohne meinen Mitspieler hätte ich die späteren Level gar nicht bewältigen können.

Halbe Hähnchen

Der Arwing hat übrigens eine neue Funktion: Er ist jetzt ein Transformer. Auf Knopfdruck klappt und schiebt und rotiert alles und aus dem einst stolzen Raumjäger wird ein mechanisches Hühnchen. Im Ernst, ich nehme jeden Witz zurück den ich jemals über AT-STs gemacht habe.

Vom Design einmal abgesehen, ist der Walker-Mode eine interessante Ergänzung zu den Grundmechaniken des Arwing. Damit kann man auf dem Deck gegnerischer Schlachtschiffe landen, in diese hineinlaufen und von innen den Generator angreifen. Eine nette Idee, die ein wenig an die Zu-Fuß-Abschnitte in Star Fox Assault oder auch die Weltraum-Missionen von Star Wars Battlefront II erinnert. Wäre da nicht erneut die sub-optimale Steuerung.

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Auch der Landmaster Panzer hat einen kleinen Auftritt spendiert bekommen. Er rollt (und gleitet) durch Einöden der sandigen oder auch gefrorenen Art und feuert aus allen Rohren. Auch hier ist das Zielen mit dem Gamepad aber essentiel, was einen von zwei Landmaster Bosskämpfen zu einer spannenden, aber auch ärgerlichen hektischen Aufgabe macht und einen anderen zu einer wahren Geduldsprobe, weil erneut die cineastische Perspektive das Zielen nicht gerade erleichtert.

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Als letztes Gefährt in der Reihe hat das Starfox Team nun auch Zugriff auf einen Helikopter genannt Gyrowing, inklusive einem kleinen Roboter der ausgesandt werden kann um mit der Umgebung zu interagieren. Es ist eine niedliche Idee, wirkt aber etwas unentwickelt. Ein alternativer Pfad schickt euch erneut in die Gyrowing-Mission auf Zoness, allerdings mit dem Arwing bzw. dem Hühnchen-Läufer. Wodurch sich der Heli noch ein bisschen nutzloser anfühlt. Überhaupt passt der langsame Ablauf mit dem Gyrowing nicht wirklich zum Rest des Spiels.

Star-Fox-Zero-Screenshot-5  Star Fox Zero Review

In Sachen Präsentation muss sich Star Fox Zero nicht verstecken. Die Grafik ist hübsch und eine optisch ansprechende Aufwertung der klassischen Designs. Die Musik kann auf jeden Fall überzeugen, ganz besonders (und wenig überraschend) ist mein persönlicher Favorit mal wieder das Star Wolf Thema.

 

Reste von Gestern

Auch abseits von der Story fühlt sich Star Fox Zero mehr nach einem Rehash als einem sinnvollem Reboot an. Das Spiel hakt gerade zu strichlistenartig fast alle Punkte aus Lylat Wars ab: Beginn auf Corneria, ein Abstecher nach Titania um einen abgestürzten Kameraden zu retten, das Treffen mit Katt, der Kampf gegen das Star Wolf Team und zu guter Letzt die finale Schlacht gegen den fliegenden Kopf von Andross mit Unterstützung durch Fox‘ Ghost Dad James McCloud. Begleitet wird das Ganze dann doch durch quasi identische Dialoge zum Original. Wer dabei auf eine Erweiterung der Star Fox-Lore gehofft hatte, wie z.B. mehr Infos über James oder warum Andross den Zauberer von Oz-Look so mag, den muss ich leider enttäuschen.

Star-Fox-Zero-James  Star Fox Zero Review

Fazit:

Nintendo macht oft richtig gute Spiele, die oft neue Elemente elegant mit dem Ursprung der jeweiligen Serie vereinen. Doch für jedes Donkey Kong Country Returns und Super Mario Galaxy gibt es auch Spiele wie Star Fox Zero. Es sieht aus wie Star Fox, es klingt wie Star Fox. Auch die Story und die Welt ist Star Fox. Nur leider einen Teil den wir schon zu Genüge kennen. Was wirklich schade ist, weil es eine der wenigen Nintendo-Serien war, in der sich Charaktere und Story tatsächlich weiterentwickelt haben.

Der zentrale Krux bleiben aber die Motion Controls. Die Gyroskop-Steuerung wurde auf Teufel-komm-raus in ein Spiel gesteckt, dass ohne sie deutlich besser funktioniert hätte. Wobei an diesem Punkt erwähnt werden muss, dass dies ein sehr subjektives Erlebnis ist. Ich habe von anderen Kritikern gehört, dass die Steuerung sehr gut funktionieren kann, wenn man sich lange genug mit ihr beschäftigt. Für mich war sie ein Deal-Breaker, aber das muss nicht für jeden so sein. Dieses Spiel und was ich bisher aus anderen Quellen darüber gehört habe zeigt mehr denn je, dass wie subjektiv ein Videospiel-Review sein kann. Nur weil ich die Gyro-Steuerung katastrophal fand, heißt das nicht, dass es jedem so gehen muss.

Aber auch wenn sie funktioniert bietet Star Fox Zero relativ wenig von dem, was ich mir für einen neuen Teil in dieser Serie erhofft hatte. Und wie auch bei Metroid fürchte ich, wie sich eventuell aus den Kritiken resultierenden schlechten Verkäufe des Spiels auf die Zukunft des Franchises auswirken.

Wollt ihr noch mehr Kritik zu Star Fox Zero? Ich habe mit Manu und Michael bei Insert Moin darüber gequatscht.

Good

  • Endlich mal wieder Star Fox
  • Der Walker ist eine interessante Gameplay Erweiterung
  • Gute Musik
  • Schicke Optik

Bad

  • Sehr irritierende Gyro-Steuerung die durch Perspektiven-Wechsel nur noch schlimmer wird
  • Story-Reboot lässt vergangene Charakterentwicklung links liegen
  • Star Fox Checkliste abarbeiten
  • Gyrowing fühlt sich unnötig an
  • Kein Zug-Level
4.5

Schwach

Profilbild von Konrad Huber
Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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