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Slain!: Back from Hell Review

Slain! Back from Hell möchte ein Old-School Actionspiel mit Heavy Metal Flair sein. Doch reicht die (wirklich wunderschöne) Präsentation aus um Gameplay-Schwächen auszugleichen? Die Antwort gibt´s in unserem Review.

Back from Hell ist tatsächlich schon die 2. Veröffentlichung von Slain!. Der Ursprüngliche Steam-Release des durch Kickstarter finanzierten Actionspiels hatte mit einigen Mängeln zu kämpfen. Diese wurden nun anscheinend mit dem Back from Hell Re-Release für die PS4 behoben.

Das Land wird von Dämonen überrant und der Einzige der nun helfen kann ist Simon Belmont Sir Arthur Dante der Typ aus Altered Beast der schon lange zu Ruhe gebettete Held Bathoryn. Großes Interesse hat er nicht daran seine kuschelige Gruft zu verlassen, aber was soll man machen. Story und Dialoge in Slain! präsentieren sich mit einem Augenzwinkern, sind für das Gesamtpaket aber weniger wichtig als Flair und Präsentation.

Die Welt ist eine Mischung aus Castlevania und Heavy Metal Album-Cover, mit Friedhöfen, finsteren Wäldern und von Fallen gespickten Festungen die unser weißhaariger Headbanger zu bezwingen hat. Gleich von Anfang an spielt Slain! seine beste Karte aus: Ein wundervoller, super detaillierter Pixel-Look, der es schaft trotz des düsteren Settings sehr farbenfroh zu sein. Grün leuchtende Abwasserkanäle und vor Blut triefende Mauern; Im Hintergrund erstrecken sich düstere Landschaften mit gigantischen Wasserfällen, Gebirgszügen und mysteriösen Ruinen. Zwischendrin 1-Pixel-dicke hin-und-her wiegende Blumenstängel und das im Wind majestätisch flackernde Feuerschwert. Es ist eines von diesen Spielen, von denen ich mir gerne Screenshots an die Wand hängen würde. Wobei sich dabei das Problem offenbart, dass Slain! in Bewegung deutlich besser aussieht als in stillen Screenshots. Es sind die schönen (aber an sich nicht pixeligen) Licht-Effekte und die ständige Bewegung in der Welt, die das Spiel so schön machen. Vergleicht dazu die GIFs auf der Kickstarter-Seite des Spiels.

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Wenn man eine Weile spielt entdeckt man aber leider auch, wo der Designer etwas faul war. So findet sich im Abwasser-Kanal und im Banshee-Turm der selbe gigantische Schädel im Hintergrund und den dämonischen Stampfer-Fallen mangelt es an Anpassungsfähigkeit. Dennoch ist der Look die größte Stärke des Spiels. Warum ich das so betone? Weil es von hier an Berg ab geht.

Slain! sieht sich als spiritueller Nachfolger von Klassikern wie Ghouls & Goblins oder Altered Beast, ein knackiges 2D Hack’n Slay. Erinnert ihr euch noch an Altered Beast? Das ist echt nicht gut gealtert. Auf jeden Fall gilt es in der Hälfte der Level von einem Ende zum anderen zu laufen und dabei Dutzende von Gegnern abzuschlachten. Ihr könnt zwischen drei Waffen wechseln, die sich allerdings nur in Kleinigkeiten voneinander unterscheiden. Die Axt ist langsamer, macht aber dafür ein bisschen mehr Schaden, aber der Schwungbogen ist bei allen Waffen gefühlt der gleiche. Kein Vergleich zu einem IGA-Castlevania Spiel, in dem die Form und Größe der Waffe einen großen Einfluss darauf haben kann, wie man gegen Gegner kämpft.

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Durch das meiste Kleinvieh (weiße/rote/grüne Skelette, Hexen und ähm, war das ein Hormagant?) kann mich sich einfach so durchhäxeln, aber regelmäßig bekommt ihr es mit einem größeren Gegner zu tun. Ob das jetzt ein Riesenskelett, ein Wolfgeist-Beschwörer oder eine Banshee ist macht für euch keinen großen Unterschied. Man muss sich einfach nahe genug an sie stellen um im richtigen Moment die Blockentaste drücken um einen mächtigen Gegenangriff zu entfesseln.

Die Block Funktion ist Dreh- und Angelpunkt des Kampfsystems, was aber mehr Schwierigkeiten bringt als behebt. Ja, man kann Attacken blocken, aber je häufiger man sie blockt, desto mehr Schaden kommt doch durch. In der Praxis heißt das, dass man vielleicht vier Attacken blocken kann bevor der nächste Treffer so oder so tödlich ist. Also muss man den Counter meistern, nur ist das Zeitfenster für diesen ärgerlich klein. Das Timing will einfach nicht so wie ich will und wenn dies die einzige sinnvolle Option in den meisten Kämpfen ist, ist man schnell frustriert.

Was uns zum nächsten Problem bringt. Die Kämpfe bieten kaum akrobatische Optionen mit Ausnahme eines Rückwärts-Dash Move. Kein Doppel- oder Wandsprung, Rolle oder sonst etwas. Der einzige Pfad ist vorwärts, also kann kein Gegner ausgelassen werden. Und wenn manche der größeren Gegner nicht ohne 4-6 erfolgreiche Counter-Attacken zu bezwingen sind, wird es schnell langweilig. Die Kämpfe verändern sich nicht, die Gegner nur wenig und nie lernt man selbst neue Manöver. Es gibt keine Lernkurve.

Außerdem macht das die jeweils 2. Hälfte eines jeden Levels, in der es gilt einen Turm zu erklimmen, nicht so wahnsinnig spannend. Die Jump’n Run Passagen sind in der Tat sehr „old-school“ aber nicht wirklich interessant. Die Sprungpassagen sind nie wirklich knifflig, es sei denn ihr müsst zusätzlich beim Springen noch auf fliegende Angreifer achtgeben. Aber es fehlt auch an Dynamik und, naja, Spaß.

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Checkpoints sind oft frustrierend verteilt. Mal muss man gegen einen Gegner kämpfen, einen Hüpf-Abschnitt überstehen nur um dann nochmal gegen mehrere Gegner zu kämpfen bevor der Speicherpunkt erreicht wird. Vielleicht ist meine Toleranz was solche Elemente angeht geringer als früher, aber oft konnte ich nur mit den Augen rollen, weil mir nach einer langwierigen Passage im letzten Moment ein normaler Gegner den Gar aus gemacht hat, weil ich nicht in der richtigen Millisekunde geblockt habe.

Einzige Abwechslung bieten zwei kurze Passagen in den Wäldern, in denen sich Bathoryn für kurze Zeit in einen Wolf verwandelt. Leider wirkt aber auch diese Passage langweilig und uninspiriert. Zwar wird die ganze Zeit gerannt, aber dennoch kommt man nie in einen guten Flow hinein noch hat man das Gefühl, eine wirkliche Herausforderung zu bestehen.

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Der Soundtrack soll als Selling Point nochmals das Heavy Metal Flair des Spiels unterstreichen. Curt Victor Bryant von der Band Celtic Frost sorgt für die musikalische Begleitung, die in den ersten paar Riffs immer sehr gut klingt. E-Gitarren, Klavier, (künstliche) Chöre, alles unterstreicht die Atmosphäre gut, das Problem ist allerdings, dass die Musik sehr schnell in einen uninteressanten Loop verfällt. Und da man design-bedingt in Slain! sehr oft das Zeitliche segnen wird, kann einem die Musik schon leicht auf den Zeiger gehen.

Selbst jetzt wo ich diese Zeilen schreibe und nebenher die Musik höre denk ich mir „das ist aber schon ein ziemlich kurzer Loop und so langsam hab ich die Schnauze voll von Gitarren-Geshredde.“ Was wirklich schade ist, denn zwischendurch zeigt der Soundtrack Potential.

Ein merkwürdiges Problem in der Präsentation des Spiels, ist, dass der ganze Bildschirm in manchen Moment in einen dicken weißen oder roten Rahmen eingefasst wird. Ich habe nicht ganz verstanden was diesen Effekt auslöst, aber umso weniger warum ihn irgendjemand für eine gute Idee hielt.

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Summary
Slain! Back from Hell ist eine Textbuch Definition von "Style over Substance". Ja, es sieht wirklich echt toll aus. Solange man sich nicht damit aufhält Hintergründe und Gegnermodelle miteinander zu vergleichen, da die sich dann doch überraschend häufig wiederholen. Und der Heavy Metal-Style ist schon ziemlich cool. Bis einem die zu kurzen Soundtrack Loops auf den Geist gehen. Aber selbst dann macht es einfach keinen Spaß. Das Kampfsystem ist viel zu restriktiv und bietet keinerlei Abwechslung. Das macht viele Encounter und Platformer-Abschnitte meistens frustrierend oder langweilig. Slain! ist hübsch, aber als Teil der Noveau Retro-Welle muss man schon mehr auf dem Kasten haben. I say thee nay!
Good
  • Sieht geil aus
  • Heavy Metal-Flair ist ganz putzig
Bad
  • träge und frustrierende Kämpfe
  • inspirationslose Jump'n Run-Passagen
  • zu kurze Soundtrack Loops
  • optische Elemente wiederholen sich sehr häufig
4
Schwach
Written by
Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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