Startseite » Specials » Kolumnen » Sim Racing – Von der Nische in den Mainstream?

Sim Racing – Von der Nische in den Mainstream?

Seit es Videospiele gibt, gibt es auch das Genre der Rennspiele, in denen man mit schnellen Autos über den virtuellen Asphalt brettert. Dabei teilt sich das Feld in actionorientiertere Arcade-Spiele und die sehr auf Realismus getrimmten Simulationen. Letztere erleben in den vergangenen Wochen und Monaten eine immer größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, dank namhafter Rennfahrer, die durch die weltweite Pandemie hervorgerufenen Absagen bzw. Verschiebungen ihrer Rennserien nun online ihre Wettkämpfe austragen. Sim Racing ist zur Zeit beliebt wie nie zuvor!

Wie alles begann

Rennspiele, von den pixeligen Anfängen eines Gran Trak 10 für den Atari, über Out Run und Super Mario Kart bis hin zu Gran Turismo. Ein jeder der Videospiele spielt, hat sicherlich von diesen gehört oder hat in mindestens einem von ihnen selbst Gas gegeben. Mit den Jahren hat sich das Genre der Rennspiele immer weiter entwickelt und namhafte Spieleserien wie Need for Speed, Dirt Rally, Forza oder das offizielle Spiel zur Formel 1 stehen dabei oft an der Spitze der Charts. Für die Community dieser Titel gibt es mehr als genügend Möglichkeiten entweder allein oder gemeinsam dem Rennsport zu fröhnen, Bestzeiten zu erfahren, Rekorde aufzustellen oder zu brechen und sich in haarsträubenden Rennen über die berühmtesten Strecken des Motorsports zu jagen.

Doch Rennspiel ist nicht immer gleich Rennspiel. Für die Kenner unterteilt sich das Genre in drei Kategorien auf. Nämlich in Arcade Racer, die dem Spieler ein eher actionorientiertes Gameplay bieten. Das heißt,  die Autos lassen sich sehr einfach über die Strecke bewegen und die Fahrphysik erlaubt Manöver die alles andere als authentisch sind. Hier steht der Spaß am schnellen fahren im Vordergrund. Titel wie etwa Need for Speed und Forza Horizon gehören in diese Sparte, wo auch gerne mal Rennen gegen Luftkissenfahrzeuge oder weite Sprünge durch offenes Gelände zur Tagesordnung gehören. Hier darf man ganz gemütlich die Füsse hochlegen und mit dem Gamepad in der Hand Gas geben.

Dann gibt es auf der anderen Seite noch die Sparte der Simulationen, die das genaue Gegenteil der Arcaderenner sind. Hier soll den Hobbyracern ein möglichst realistisches Rennerlebnis geboten werden. Angefangen von detailgetreuen Nachbauten berühmter Rennstrecken, die oft mittels Laserscans jede in der Realität bestehende Bodenwelle abbilden. Bis hin zu eine Fahrphysik die so authentisch ist, das selbst echte Rennfahrer das Gefühl bekommen in ihren Rennautos zu sitzen und ein hochgezüchtetes Gefährt zu steuern. Hier empfiehlt sich dann, nahezu zwingend, die Nutzung eines Lenkrades samt Pedale zur Steuerung. Wer schon mal versucht hat ein Rennauto ohne Fahrhilfen mit dem Gamepad zu steuern, weiß wovon ich rede. Simulationen wie iRacing, AssettoCorsa Competizione oder rFactor 2 sind hier drei sehr bekannte Titel.

Eine Zwischennische nehmen hier die sogenannten Simcade Spiele ein. Diese sind, wie der Name schon vermuten lässt, ein Mischmasch aus den ersten Vertretern und soll das beste aus beiden Welten verbinden, also schnelle Action aber auch ein nahezu authentisches Fahrgefühl. Bekannte Titel wie Gran Turismo, Project Cars oder Race Driver Grid erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Doch wir möchten hier unseren Fokus mehr auf die Nische der Simulationen und Sim Racer legen und warum diese immer mehr Beachtung bekommen.

Die Hardware macht den Unterschied

Wer schon einmal ein Rennspiel mit Lenkrad und Pedal gezockt hat, wird sicherlich bemerkt haben das das Feeling hierbei ein ganz anderes ist, als wenn man sich auf der heimischen Couch lümmelt und nur mit dem Gamepad hantiert, oder gar mit der Tastatur am Schreibtisch. Mit den Jahren haben sich sowohl die Spiele als auch die Peripherie mit der man diese steuert, immer weiter verbessert. Was einst mit einem aus billigem Plastik ummanteltem Lenkrad und kleinen Pedalen fürs Wohnzimmer und schmalem Geldbeutel begann, ist heute eine eigene kleine Industrie, in der Firmen wie Fanatec oder Heusinkveld Hardware herstellt, die gerne mal mehrere Tausend Euro kosten kann.

Wer also SimRacing betreiben und mehr Feeling im Spiel will, muss nicht selten etwas tiefer in die Tasche greifen. Für wahre Enthusiasten gibt es hier kaum eine Grenze und wer will, kann sich Hardware von bis zu 20.000€ und mehr ins sein Haus stellen. Platz und Geldbeutel vorrausgesetzt. Wegen seiner höheren Einstiegskosten – aber auch wegen der schwerer zu beherrschenden Fahrphysik – galt das SimRacing Genre oft als eine Nische in der nur eine kleine Anzahl von Spielern, im Vergleich zu den viel gehypten Aracaderennern, anzutreffen war.

Echte Piloten, virtuelle Cockpits

Wem all das allerdings zu teuer bzw. Platzintensiv ist oder der einfach mit Rennspielen im allgemeinen nichts anzufangen weiß, sich aber dennoch gern reale Rennen anschaut, der musste sich in letzter Zeit in Geduld üben. Denn die Corona Pandemie macht auch vor dem Rennsport nicht halt und so wurden viele Veranstaltungen der Formel 1, DTM, der ADAC GT Masters und so gut wie allen anderen Rennserien auf der Welt gecancelt oder verschoben. Doch was macht man nun wenn man seine Rennhelden dennoch sehen möchte? Und was treiben eigentlich die Rennfahrer wenn sie nicht an realen Rennen teilnehmen können? Für beide Seiten heißt die Alternative dieser Tage Sim Racing! Die beiden Formal 1 Piloten Max Verstappen und Lando Norris, waren schon vor Corona eifrig auf den virtuellen Rennstrecken unterwegs und liefern sich nun in iRacing des öfteren manch packende Rennen.

Fans der DTM mussten kürzlich sogar doppelt tapfer sein, denn nach dem Ausstieg von Audi aus der prestigeträchtigen Rennserie zum Ende der Saison 2020, heißt es wohl Abschied nehmen von der DTM als solche. Das hindert aber René Rast (2-facher DTM-Meister) und andere bekannte DTM und GT3 Fahrer nicht daran trotzdem virtuell ins Lenkrad zu greifen. Im Spiel RaceRoom Racing Experience traten nun viele bekannte Namen aus der Welt des Rennsports an der DTM eSports Classic Challenge teil.

Für Formel 1 Fans gibt es als Ersatz sogar den zur Zeit stattfindenden virtuellen Gran Prix, in dem namhafte Sim Racer wie Jimmy Broadbent  als auch echte Formel 1 Fahrer wie Charles Leclerc und Alex Albon, gegeneinander antreten. Natürlich wird hier das offizielle Spiel zur Formel 1 als Basisspiel genutzt und die gezeigte Rennaction auf dem Bildschirm samt den Kommentatoren stehen den klassischen Fernsehübertragungen in so gut wie nichts nach.

Egal wie man noch vor kurzem zu eSport oder Sim Racing stand, so muss man wohl zugeben das die derzeitige Coronakrise, die auch den echten Rennsport hart getroffen hat, dem virtuellen Sport einen gewaltigen Auftrieb gegeben hat. Natürlich hoffen wir das die derzeitige Lage im Rennsport, und anderen Lebensbereichen, bald vorüber ist und die Rennfahrer wieder über echten Asphalt jagen und die Zuschauer wieder auf den Tribünen sitzen und ihren Helden jubeln können. Es bleibt aber auch zu hoffen das die Welle an virtuellen Rennveranstaltungen nicht wieder abebbt und das Thema Sim Racing weiter voranschreitet. Die Zeichen für letzteres stehen, zumindest im Augenblick, sehr gut.

Written by
Shooter-Liebhaber, Rennspiel-Enthusiast, Gelegenheits-Streamer und Bindestrich-Fetischist :-)

Bewerte den Artikel

0 0

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.