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Shadows: Heretic Kingdoms – Review des dämonischen RPG

Gestatten – ihr seid der Devourer ein seelenverschlingender Dämon. Zu Beginn des Spiels findet sich dieses freundliche Kerlchen wenig erfreut auf einem Beschwörungsaltar wieder, beschworen von einem Magier, der es nicht für nötig hält, ihn an einen Pakt zu binden. Was in jedem anderen Fall Wahnsinn wäre, soll dieses mal, wie er dem Dämon offenbart, in eine Zweckgemeinschaft münden.

Zu Feier des Tages darf sich der Devourer für eine von drei Seelen entscheiden, mit der er seine Reise beginnen kann. Zu Wahl stehen die Magierin Evia, Herrin des Feuers, der Bogenschütze Jasker und der hart zuschlagende Barbar Kaliq. Alle drei haben gemeinsam, dass sie in eher unerfreulicher Weise zu Tode gekommen sind. Hat der Spieler erst eine der drei Seelen gewählt, verschlingt der Devourer sie und der Tote findet sich in ihrer Rolle als Puppe wieder. Im Laufe des Spiels sammelt der Spieler mehrere dieser Puppen, von denen er jeweils drei mitführen kann.

Zum Missfallen des Protagonisten haben diese Puppen jedoch deutlich mehr Einfluss, als man es ahnen würde. Sie behalten ihre Persönlichkeit, ihre Eigenständigkeit und verfolgen nach wie vor ihre eigenen Ziele – vor allem Letzteres ist äußerst unerfreulich. Daraus resultiert nach kurzer Zeit ein unter heftiger Persönlichkeitsstörung leidender Höllenknecht. Mal diskutieren die einzelnen Charaktere miteinander, mal vermischen sich Wünsche des Dämons und seiner Puppen. Das klassische „Wir“ als Ausdruck des Kollektivs geht dem Devourer bald relativ leicht über die Lippen.

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Shadows Gameplay zu beschreiben ist ein Kapitel für sich und ein kleines Fettnäpfchen. Wie die Entwickler mir auf der Gamescom mitteilten, strapaziere es ihnen ziemlich die Nerven, dass so viele Seiten und Redakteure ihr Spiel ständig mit Diablo vergleichen würden. Tatsächlich bietet Shadows gegenüber dem bewehrten Diabloprinzip einige triftige Unterschiede. Aufgrund des ähnlichen Genres, gleicher Perspektive und ähnlicher Steuerung kann sich Shadows gegen diese Vergleiche dennoch kaum wehren.

Zunächst einmal ist es ein Rollenspiel aus isometrischer Sicht. Gesteuert wird per Mausklick (oder Gamepad) in Verbindung mit vier aktiven Fähigkeiten, die auf den Tasten Q-R liegen. Während der Kämpfe kann der Spieler zwischen Devourer und den drei Puppen dynamisch hin und her wechseln, was eindeutig zu den größten Stärken des Spiels zählt. Denn hierdurch ergeben sich Synergien zwischen den einzelnen Charakteren, um maximalen Schaden zu erreichen, bietet es sich manchmal sogar an, nach einer Fähigkeit schnell zum nächsten Charakter zu springen.

Ein weiteres interessantes Element ist die Schattenwelt, in der sich der Devourer bewegt. Manche Levelbereiche, Gegner und NPCs existieren nur in dieser schemenhaften Welt. Zudem kann man in ihr an einem hängenden Feinde ausweichen, sollten diese keinen Einblick in die Schattenwelt haben. Generell sind die Kämpfe in Shadows vergleichsweise langsam und teilweise ziemlich harsch. Die Gegneranzahl ist im Vergleich zu Diablo-Klonen eher gering und die Todesrate dieser ebenso. Bei ihrem Tod lassen Gegner Seelenessenzen fallen, die eine Leiste füllen, mit der der Devourer seine Puppen wiederbeleben oder heilen kann. Fällt er selbst im Kampf, so endet die Reise und der Spieler muss am letzten Speicherpunkt neuladen.

Durch die geringere Geschwindigkeit der Kämpfe und die ungewohnte, zum Teil schwammige Steuerung braucht es etwas Eingewöhnung in die Kämpfe. Wirklich deutlich wird die Schwammigkeit in den wenigen, simplen Schalterrätseln des Titels. Mir fiel besonders auf, dass Shadows völlig ohne Ausweichfähigkeiten, Rollen oder Sonstiges auskommt. Dadurch sind die Schlagabtäusche ziemlich statisch und lassen Dynamik missen. Besonders als Fernkämpfer hat der Spieler es nicht einfach und ist auf Verlangsamungseigenschaften und auf Dauerwegrennen angewiesen.

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Trotzdem haben die Kämpfe ihren Reiz. Dies verdankt das Spiel vor allem seiner Puppenmechanik und den im Spielverlauf freischaltbaren Fähigkeiten jeder einzelnen Puppe.

Jeder Charakter, der Devourer inklusive, hat einen eigenen kleinen Fähigkeitsbaum, der passive und aktive Fähigkeiten und Verbesserungen für Fähigkeiten bereitstellt. Die einzelnen Bäume sind allgemein nicht übermäßig komplex oder umfangreich, aber für ihren Zweck praktikabel. Für den späteren Spielverlauf wäre es allerdings schön gewesen, wenn es einen NPC zum Zurücksetzen der Skillpoints gäbe. Auch wenn die Wahlmöglichkeiten im Baum von eher beschränkter Natur sind.

Die einzelnen Puppen, die im Laufe von Shadows unfreiwilligerweise zur Multipersönlichkeit dazustoßen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie unterscheiden sich nicht nur von ihrem Charakter, sondern auch von der Bewaffnung, ihrer Ausrüstung und ihrer Rolle. Ob von Feuerballwerfer bis zum geflügelten Insekt sind unter den bis zu 15 Puppen sehr unterschiedliche Gestalten vertreten.

Was für die Skills gilt, gilt auch für die Ausrüstung: Jeder Charakter hat seine eigene Rüstung, eigenen Umhang, Schmuck und Waffen. Anders als in Diablo, Torchlight und Path of Exile gibt es jedoch keine Itemspirale. Was zu dem deutlich geringeren Gegneraufkommen auch nicht wirklich passen würde. Mächtige Gegenstände findet der Spieler zum Beispiel in Nebenquests. Neben den auffindbaren und droppenden Gegenständen kann der Spieler in dem kleinen Craftingsystem des Spiels sich bei erworbener oder gefundener Anleitung auch Gegenstände zusammenklicken. Ich habe es aber nur in einer einzigen Quest gebraucht.

Fassen wir vorläufig zusammen: kein endloses Monsterslashing, keine Itemspirale, geringere Geschwindigkeit und für den Diablovergleich kommt es noch dicker: Der Fokus von Shadows: Heretic Kingdoms liegt eigentlich auf dem Erzählen der Story, dem Spinnen von ziemlich gelungenen Dialogen und dem Einsatz von Quests. Warum der elende Magier den Devourer beschworen hat, offenbart sich auch alsbald. Die Penta Nera, der innerste Zirkel der äußerst mächtigen Inquisition der Heretic Kingdoms, ist von Dämonen infiltriert worden und nun drohen die Welt nach ihrem Belieben umzugestalten. Der Beschwörer sah als einzigen Ausweg einen weiteren Dämon auf die Co-Dämonen zu hetzen und den durch den Wegfall eines Paktes, die feindlichen Devourer können nur eine Seele aufnehmen, zu deutlich mehr Macht zu verhelfen. Im Großen und Ganzen ist die Hauptquest nicht schlecht, auch wenn sie vom Plot her nicht überaus originell ist. Ein endgültiges Urteil ohne das 2. Buch gespielt zu haben, fällt mir hier nicht leicht.

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Die Nebenquests haben eigentlich alle eine kleine Hintergrundgeschichte und sind unterhaltend. Gleich zu Beginn des Spiels begegnet der Spieler einem Ehemann, der seine Frau ermordet hat und ihren Körper verschwinden lassen will: Deren Geist offenbart ihr Missfallen in der Nähe dem Devourer und wünscht sich sehnlichst Rache. Es bleibt in der Hand des Spielers sich zu entscheiden, welchen Weg er nehmen will. Deutlich später findet man in einem Käfig irgendwo eingesperrt in einem dunklen Loch eine junge adlige Frau, die völlig zerlumpt sich darüber beschwert, warum sie denn niemand bisher gerettet habe. Von diesen Nebenquests gibt es im ersten Buch von Shadows eine Reihe. Auch wenn es auch nicht übermäßig viele gibt.

Allgemein kommt in den den Dialogen Humor nicht zu kurz. Gut gesprochen sind sie allesamt, sowohl in der deutschen als auch englischen Fassung. Bestimmte Nuancen, Evia hat in der englischen Fassung einen östlichen Akzent und der Devourer spricht beispielsweise ein teils etwas angestaubtes Englisch, kommen in der sonst gut synchronisierten deutschen Fassung nicht so vor. Das nicht Vorhandensein einer Itemspirale und der Fokus auf Story statt auf Monsterjagd in zufallsgenerierten Dungeons und Gebieten bedeuten gleichzeitig jedoch auch, dass anders als ein Hack’n’Slay die Langzeitmotivation von Shadows eher dürftig ist. Dafür lassen die im Spiel treffbaren Entscheidungen die Story ein wenig anders verlaufen, was zumindest einen gewissen Wiederspielbarkeitswert bietet.

Das Design der Gebiete ist durchweg gelungen. Allerdings sind diese meistens nicht weitläufig, abgesehen von einem in Akt II. Vom Level der Optik ist Shadows ansehnlich und dem so oft aufgeworfenen Diablo ein Stück voraus. Der dunkle Stil des Spiels ist passend und stimmungsvoll. Verglichen mit dem, was das südkoreanische Lost Ark mit der Unreal Engine 3 auf den Bildschirm zaubern kann, sieht es jedoch relativ blass aus. Vor allem die Charaktere sind nicht überaus polygonreich.

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Nicht gefallen haben mir die Fähigkeitseffekte. Da wäre eindeutig mehr drin gewesen. Davon abgesehen hatte ich ab dem dritten Akt immer wieder mit Abstürzen zu kämpfen, die sich aber inzwischen wieder gegeben haben sollten. (Der Entwickler hat ein paar Patches veröffentlicht.)

Eingebetet ist das gesamte Spiel in die Welt der Heretic Kingdoms, in denen es bereits einen vorherigen Titel gab. Immer wieder erfährt der Spieler während des Spielens in Büchern, Dialogen und der Umgebung Dinge über diese Welt, die über den Rahmen des Spiels hinausreicht. Das Interface, in dem man die Bücher des Spiels liest, ist allerdings eher lieblos: Die „Bücher“ sind nur Textblöcke auf schwarzem Grund. Hier hätten sich die Entwickler an Skyrim oder Diablo 3 orientieren können. Zudem erhält der Spieler durch die teilweise schon länger verstorbenen Seelen immer wieder Eindrücke in die Vergangenheit der Spielwelt, die in anderen Spielen meist verborgen bleibt. Mit der Ausgefeiltheit von Spielwelten wie der von The Witcher kann sie aber nicht ganz mithalten. Der Vergleich ist eventuell aber auch ein wenig unfair, da The Witcher immerhin eine ganze Buchreihe zugrunde liegt. Dieser Eindruck entsteht, aber auch vor allem dadurch, dass bisher nur der erste Teil von Shadows spielbar ist. Buch 2 wird noch erscheinen und die Geschichte um den Dämon abschließen.

Meinen Durchlauf habe ich nach etwa 13 Stunden vollendet. Allerdings habe ich nicht alle Nebenquests abgeschlossen, womit Buch 1 etwas mehr Spielzeit haben dürfte. Da Shadows: Heretic Kingdoms im jetzigen Stand ein unvollständiges Spiel ist, fällt dessen Ende auch dementsprechend abrupt aus. Nach einem finalen Kampf endet das Spiel mit einem Hinweis auf das bald kommende 2. Buch. Wirklich befriedigend ist das nicht wirklich.

Fazit: Interessantes dämonisches Puppenspiel

Summary
Shadows: Heretic Kingdoms ist nicht perfekt. Es hat seine Macken und hat trotzdem einen gewissen Reiz. Das Puppensystem rettet das mit ein paar Unzulänglichkeiten behaftete Kampfsystem und stellt meiner Meinung nach die größte Stärke des Spiels dar. Darüber hinaus erzählt es seine Handlung durch gute Dialoge mit überraschend guter Vertonung. Shadows ist eindeutig kein Diablo-Klon und besitzt zudem auch nicht die Langzeitmotivation oder den Wiederspielbarkeitswert dieser Sparte.Wer mal wieder auf der Suche nach einem interessanten Singleplayerrollenspiel ist und sowieso schon immer einmal einen leicht schizophrenen Dämon spielen wollte, dem empfehle ich einmal einen Blick auf Shadows zu werfen.Unerfreulicherweise steht jedoch im Moment die Frage im Raum, ob Shadows überhaupt noch vervollständigt wird, denn BitComposer ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Daher empfiehlt es sich eventuell abzuwarten, bis die Entwickler Shadows: Heretic Kingdoms endgültig vervollständigt haben.
Good
  • Puppenmechanik
  • Viele unterschiedliche Puppen
  • Skilltrees für jede Puppe
  • eigene Ausrüstung für jede Puppe
  • bisher eigentlich gute Mainquest
  • teilweise sehr gute Nebenquests
  • passender Grafikstil, ansehnlich, aber kein Grafikwunder
  • gute Dialoge
  • sehr gute Sprachausgabe (englische, wie auch deutsche)
Bad
  • etwas schwammige Steuerung
  • langweilige Effekte
  • statische Kämpfe
  • keine Langzeitmotivation
  • stellenweise karges Interface
  • momentan noch unvollständig und daher recht kurz
Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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