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Shadow of the Beast Review

Jeder Klassiker erhält irgendwann mal seine zweite Chance. So auch geschehen bei Aarbron, dem Helden aus Shadow of the Beast. Sony und Heavy Spectrum beleben den Amiga-Klassiker von Psygnosis und Reflections für die heutige Generation wieder. Ob dies gelingt erfahrt ihr in unserem Review!

 

Fast menschlich

Wer bereits sehr lange Videospiele verfolgt, könnte den Namen Shadow of the Beast schon einmal gehört haben: Einstmals entwickelt von Reflections Interactive und herausgegeben vom späteren Sony-Entwickler Psygnosis brachte es die Reihe auf insgesamt drei Titel, die zwischen 1989 und 1992 erschienen. Heavy Spectrums Neuauflage orientiert sich am Original und enthält auch eine ähnliche Geschichte: Auf einer fernen außerirdischen Welt wird die Bestie Aarbron von einem Lakaien des dunklen Lords Maletoth benutzt, um eine menschliche Siedlung auszulöschen – bis ein sterbender Mann ihn berührt und er seine Erinnerung zurückerhält: Denn dieser Mann entpuppt sich als Aarbrons Vater, der ihm seine wahre Vergangenheit zeigt, in der er einst ein Mensch war. Nachdem sein Aufpasser die Flucht ergreift, schwört Aarbron Rache an Maletoth für das, was er ihn all die Jahre hat tun lassen.

Zumindest ist das, was man auf dem ersten Blick sehen kann. Denn die Dialoge im Spiel sind nicht lesbar, weil sie in einer fiktiven außerirdischen Schrift gehalten sind. Zum Übersetzen muss man erst ein Upgrade kaufen – was schon direkt zeigt, worauf Shadow of the Beast hinaus will: Es soll durch seine extrem hohen Preise für Upgrades und Freischaltungen eine hohe Wiederspielbarkeit ermöglichen. Auf den ersten Blick löblich, aber musste man dafür unbedingt Dialoge opfern? So sind Leute, die sich hauptsächlich für die Geschichte interessieren, direkt aufgeschmissen.

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Auf dem Holzweg

Aarbrons Weg führt ihn über insgesamt acht Level, die ihn in verschiedene Gebiete des fremden Planeten führen. Dabei durchstreift er einen Wald, unterirdische Höhlen bis hin zu einem Palast in der Wüste. Gegner entledigt er sich mit seinen Krallenhänden, die er für Schläge, Betäubungen und zum Werfen benutzt. In Sachen Gewaltgrad ist Shadow of the Beast nicht zimperlich: Ausweiden, amputieren oder seinen Gegnern das Gesicht vom Körper fressen sind nur ein paar der ziemlich deftigen Finisher, mit denen Aarbron seine Feinde malträtiert. Inspiration für das Kampfsystem kommt nicht nur von den Arkhamverse-Spielen sondern scheinbar auch von God of War.

Diese Verkettung verschiedener Kampfsysteme ist aber auch Shadow of the Beasts größter Fehltritt, denn es steuert sich dadurch ziemlich grausig. Praktisch jeder Knopf auf dem Controller ist für eine Aktion verantwortlich, z.B. zum ausweichen, betäuben, kontern, blocken etc.. Sogar das Touchpad, mit dem man seinen Spezialangriff benutzt. Noch dazu gibt es mehrere Tastenkombinationen für Spezialattacken, mit denen Punkte, Spezialladungen und Leben aufgesammelt werden. Erst nach zwei Drittel des Spiel habe ich bemerkt, dass Aarbron sogar ein Rollmanöver auf dem rechten Analogstick hat. Erschwerend kommt noch dazu, dass Shadow of the Beast seine Kämpfe mit Medaillen wertet, was mich an ein Spiel erinnert, in dem genau das einer der größten Frustfaktoren war: WayForwards Bloodrayne Betrayal, was ironischerweise ein ähnlich überladenes Kampfsystem hatte wie Shadow of the Beast eines bekommen hat. Einen echten Rhythmus zu finden fällt mir selbst jetzt noch schwer. Vor allem Anfänger sollten sich darauf einstellen, erst einmal nur Blei mitzunehmen.

Außerhalb des Kampfes erinnert Shadow of the Beast an richtig alte Jump’n’Runs wie Flashback, Another World und vor allem: Abe’s Oddysee, denn Aabrons Silhouette erinnert stark an den humorvollen Außerirdischen. Humor hingegen sucht man in Shadow of the Beast vergebens, was aber keine Schwäche ist. Aufgelockert wird der Weg durch die Level durch auffindbare Sammelgegenstände, mit denen Storypfade weiter gesponnen werden. Aufsammeln kann man diese allerdings nur mit Aarbrons Spezialangriff, der obendrein noch Aufladungen hat. Selbst wenn man sie also findet kann es sein, dass keine Aufladungen mehr verfügbar sind und sie stehen lassen muss. Weiterhin findet man permanente Aufrüstungen für Aarbron, mit denen er z.B. in dunklen Räumen seine Arme zum glühen bringt damit sie Licht spenden. Auch eine Fernkampfwaffe gehört zu den Extras. Wer die Augen offen hält, kann zudem den ein oder anderen Sprite aus den Original-Spielen entdecken.

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Nicht da wo es sein sollte

Mit der 2,5D Grafik bringt Shadow of the Beast nicht nur ein paar gute Spielelemente ein, sondern profitiert sehr von dem wirklich hübschen Artstyle. Überhaupt ist die ganze Präsentation überaus gelungen. Neben guter Farbgebung hat Shadow of the Beast auch einige toll eingesetzte Lichteffekte, die für einen fast schon melancholischen Ton außerhalb des Kampfes sorgen. Musikalisch ist es fast noch besser: Nicht nur ist der Soundtrack an sich sehr solide: Einer der freischaltbaren Boni ist zudem der von David Whittaker komponierte Soundtrack des Amiga-Originals von 1989, den man wahlweise an Stelle der eigentlichen Musik einsetzen lassen kann. Nostalgiker dürfen sich über eine komplette Emulation des Originals als Extra freuen. Shadow of the Beast ist damit auch die allererste Amiga-Emulation überhaupt auf einer von Sony hergestellten Konsole.

Wie schon erwähnt ist die hoffnungslos überladende Steuerung von Shadow of the Beast die größte Schwäche des Spiels. Nie wird das offensichtlicher als in der Emulation des Originals, wo die Steuerung bedeutend einfacher gehalten wird. Aber auch Aarbrons Bewegungen sind extrem zäh, vor allem seine Sprünge, die an Klassiker wie Prince of Persia erinnern. Zum Haare ausraufen ist darüber hinaus, dass Aarbron Fallschaden nimmt – absolut inakzeptabel an einigen Stellen, weil man für einen missglückten Sprung so gleich doppelt bestraft wird.

Es gibt einige soziale Mehrspielerkomponenten, die es erlauben, z.B. die Leichen gefallener Spieler zu sehen. Man kann ihnen dann wahlweise ein Elixir geben, das sie wieder zum Leben erweckt oder ihre Seele in einer schnellen QTE-Sequenz verschlingen, um sie zu einem Schattenstein zu verarbeiten. Diese Steine können in Kämpfen genutzt werden, um einige computergesteuerte Helfer zu rufen, die die Gegner für einige Sekunden mit bekämpfen.

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FAZIT: Nicht modern gedacht

Shadow of the Beast ist ein exklusives PS4-Spiel.

Summary
Man sollte sich nichts vormachen: Shadow of the Beast ist ein anstandslos präsentiertes Spiel mit guter Grafik, toller Musik, vielen Farben und einem schönen Artstyle - aber all das täuscht nicht über den (wie ich finde) völlig falschen Ansatz des Gameplays hinweg. Statt linearer Levels hätte ein großes, Metroidvania-artiges Gebiet gereicht, in dem Aarbron seine Aufrüstungen zum weiterkommen nutzen muss, also ein wenig mehr auf seine zurück gewonnene Intelligenz als auf pure Muskelkraft setzt. Stattdessen legt Heavy Spectrum viel zu viel Fokus auf ein Kampfsystem, das in so einer Art Spiel nichts verloren hat. Retten kann es sich immerhin durch eine hohe Wiederspielbarkeit dank vieler Extras sowie das vollständige Originalspiel als zusätzlichen Bonus. Für Experten sollte Shadow of the Beast eine gute Herausforderung sein. Alle anderen werden sich vor allem darüber ärgern, dass die Entwickler zu starrsinnig waren, um auch mal ein paar neue Ideen in die Umsetzung reinzubringen.
Good
  • Sehr starke Präsentation
  • Zwei gelungene Soundtracks
  • Einige gute Extras sorgen für Wiederspielwert
Bad
  • Extrem überladene Steuerung
  • Nicht gut durchdachtes Kampfsystem
  • Zu lineare Levels
  • Teils lange Ladezeiten
  • Zu schwer, selbst auf niedrigen Schwierigkeitsgraden
  • Nicht immer offensichtlich
5.5
Mittelmässig
Written by
Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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