Severed Review

PlayStation Vita

 

Mit einem drastischen Wechsel des Genres verblüfft uns Drinkbox Studios: Nach einer Reihe von Jump’n’Runs liefern sie mit dem PS Vita-Titel Severed nun ein kleineres, aber für das System besonders ambitioniertes Projekt ab. Auf der gamescom im letzten Jahr durfte ich mir schon einmal ein erstes Bild machen. Kann auch das fertige Produkt überzeugen? Lest jetzt unseren Test!

 

Filmriss

Ohne Gedächtnis, dafür mit einem fehlenden rechten Arm, wacht unsere Heldin in den Trümmern ihres Dorfes auf. Zwar hat sie einen Namen, doch es liegt am Spieler, ihre Vergangenheit zu entschlüsseln. Immerhin gibt ein Bild ihrer Familie den Hinweis, wonach sie suchen muss: Ihre Eltern und ihr Bruder sind verschwunden und wollen wiedergefunden werden.

Anders als in Guacamelee! ist die Geschichte von Severed noch viel surrealer. Noch im Haus nimmt unsere Heldin eine offenbar organische Klinge an sich, die sich fest mit dem Stumpf ihres Armes verbindet und mit der sie fortan ihre Feinde zersäbelt. “Organisch” ist auch ein gutes Stichwort für die folgende Handlung: In 3 relativ großen Verliesen muss man nach seinen verlorenen Familienmitgliedern suchen, dabei Gegner ausweiden, ein paar Rätsel lösen und Bosse bekämpfen, um ihre Körperteile nutzen zu können. Unterstützt wird sie dabei von einem merkwürdigen zweiköpfigen Vogelwesen, während sie von einer mysteriösen Wanderin und einem finsteren Wesen mit Umhang beobachtet wird.

Und da steckt auch das größte Problem: Man erfährt sehr wenig über die Welt und Mythologie in der Severed angesiedelt ist. Weder gibt es Textauszüge zu finden oder irgendwelche Hintergrundinformationen zu entdecken. Dadurch muss man sich weite Teile der Handlung selbst zusammenreimen. Auch die anderen Charaktere geben wenig Aufschluss über sich selbst. Tatsächlich kenne ich von den meisten nach dem Ende des Spiels nicht einmal den Namen, weswegen es vielleicht ein wenig zusammenhanglos klingen mag wie ich es hier beschreibe. Heimisch fühlen dürften sich aber Leute mit einer Vorliebe für Horror von Autoren wie Lovecraft. Severed hat in dieser Hinsicht ein sehr altvorderes wirkendes Wesen.

2016-04-16-213142  Severed Review

Raum für Raum

In den 90er Jahren waren Dungeoncrawler wie Stonekeep oder Ultima Underworld ein sehr beliebtes Genre. Heutzutage hat vor allem Legend of Grimrock dieses Genre wiederbelebt. Severed geht einen ähnlichen Weg, wenn auch mit weniger RPG-Elementen und ohne eine Gruppe. Man sieht die Welt aus der Egoperspektive und geht raumweise voran. Mit einem Druck auf des Steuerkreuzes nach vorn geht man direkt einen ganzen Raum weiter. Einerseits spart das viel Zeit bei der Bewegung, andererseits ist auch eine gute Idee, um auf diese Fallen einzubauen. Fallgruben z.B. führen zu einer unvorhergesehenen Begegnung im Kampf.

Diese laufen übrigens in Echtzeit ab. Angriffe der Gegner können pariert und mit kurzen und langen Hieben bearbeitet werden. Manche Feinde blocken ihre Schwachstelle so lange ab, bis man vorher etwas anderes angreift oder abwartet. Später lernt man zudem einen Aufladeschlag. Ansonsten sorgen Upgrades für einen Fortschritt des eigenen Charakters. Wenn man seine Fokus-Leiste komplett auffüllen kann, darf man Feinde nach ihrem Ableben Teile ihres Körpers abhacken, um anschließend Hände, Flügel oder Tentakel zu Charaktererweiterungen zu bearbeiten. So lernt man z.B. die Fähigkeit für kritische Schläge oder den verursachten Schaden automatisch in Gesundheit für sich selbst umzuwandeln.

Weitere Upgrades finden sich als Gegenstände in den Verliesen, speziell nach dem Sieg über die einzelnen Bosse. Betäubungs- und Verschlingenzauber erlauben Gegner einzufrieren oder ihnen ihre Stärkungszauber zu stehlen. Am besten versteckt sind die Familienerbstücke, die in Severed die Funktion der magischen Kugeln aus Guacamelee! einnehmen. Nur wenn alle drei gefunden werden, kann man das geheime wahre Ende frei schalten. Die Kämpfe mit denen die zwischen den Sammelstücke stehen, gehören zum absolut schwersten was Severed einem in den Weg wirft und erfordern die Meisterung der Steuerung. Speziell bei einem bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass er zum jetzigen Zeitpunkt völlig unmöglich ist.

2016-04-20-215043  Severed Review

Bunt wie ein Luchador

Wo wir gerade bei der Steuerung sind, kommen wir zum allergrößten Clou von Severed: Dadurch, dass es auf der Vita spielt, haben sich Drinkbox dafür entschieden, nahezu das ganze Spiel mit dem Touchscreen zu spielen. Außer dem Steuerkreuz oder Analogstick zum bewegen und umdrehen kommt nur noch die Select- und Start-Tasten für das Upgrade-Menü und die Pause-Funktion zum Einsatz. Für alles andere muss man den Touchscreen der Vita benutzen. Schläge werden dabei in der Richtung ausgeführt, wie sie erfolgen und oft muss man sehr schnell für maximalen Erfolg über den Bildschirm streichen. Dadurch wird Severed praktisch zu einem Spiel, das ohne massive Anpassungen eigentlich nicht für andere Systeme umgesetzt werden könnte. (*hust3DShust* Anm. der Red.) Einmal musste ich auch meine Vita neu starten, was aber nicht an dem Spiel lag, sondern weil mein System die Touchscreen-Eingaben nicht mehr richtig verarbeiten konnte.

Was den Artstyle angeht, so bleibt sich Drinkbox Studios treu. Nahezu den selben Look, der Guacamelee! so hervorstechen ließ, kann auch in Severed bewundert werden. Genau genommen sind sich beide Spiele optisch so ähnlich, dass man fast annehmen könnte, dass das eine auf das andere aufbauet. Dazu kommt einmal mehr ein sehr schöner Soundtrack, der jedem Gebiet seine eigene Note gibt. Auf Sprecher muss man – wie eigentlich gehabt bei Drinkbox Studios-Spielen – verzichten. Dafür bieten die Soundeffekte ein gutes Klanggefühl.

2016-04-18-150552  Severed Review

FAZIT: Hat Hand und Fuß – und noch mehr.

Für die PS Vita dürfte Severed einer der letzten größeren Titel sein, der exklusiv für diese Plattform entwickelt wurde – und ähnlich wie Media Molecules Tearaway schafft es Drinkbox Studios, die Vita und ihre Fähigkeiten nicht nur zu nutzen, sondern auch zu wissen, wie man es am besten anstellt. Zugegeben, Drinkbox greift nicht auf alle Feinheiten zurück, aber liefern dennoch ein sehr unterhaltsames, wenn auch etwas kurz wirkendes Abenteuer ab. Wer alles absucht, dürfte etwa 8 Stunden in die drei Verließe stecken können. Ein sehr kurzweiliger Titel, der wegen seiner etwas am Rande erklärten Geschichte viel Platz für Handlungs- und Deutungsinterpretationen lässt.

Severed ist ein exklusiver PS Vita-Titel.

Good

  • Gewohnt toller Artstyle
  • Gute Musik
  • Setzt die Fähigkeiten der Vita gezielt ein
  • Setzt simple Ideen zu tollen Elementen zusammen

Bad

  • Geschichte etwas zu dünn
  • Man hätte gerne mehr von allem
8

Sehr gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password