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Serienkritik: Marvel´s Daredevil Staffel 1

Für mich war Daredevil eine spannende und spaßige Umsetzung von Marvel’s eigener Version eines dunklen Superhelden. Denn ähnlich wie seine DC-Stiefbrüder Batman und Green Arrow, beschreitet Mad Murdock einen Pfad aus Kindheitstrauma und erstklassiger Nahkampfausbildung, der ihn irgendwann an den Punkt bringt als „Die Maske“ den Verbrechern einzuheizen, die der offiziellen Gerechtigkeit entkommen und dadurch seine geliebte Stadt zu schützen. Und an mächtigen Verbrecher Syndikaten mangelt es New Yorks Hells Kitchen wahrlich nicht!

Ganz davon zu schweigen, dass insbesondere dieser Stadtteil New Yorks unter dem Angriff der Chitauri ( Avengers) zu leiden hatte – übrigens eine der wenigen Brücken die zum restlichen Marvel Cinematic Universe (MCU) geschlagen wird. So werden anstelle der irischen Verbrecherschaften der Comicvorlage, die Aliens für die präkere Lage einiger Einwohner verantwortlich gemacht. Glücklicherweise wurde diese Einbindung ins MCU eher subtil als plump übermittelt, sodass ich keinerlei Probleme hatte diesen neuen, für Marvels Verhältnisse sehr düsteren, Daredevil einzuordnen.

Serienkritik: Marvel´s Daredevil Staffel 1 daredevil-cast

Aber warum hat mir diese Serie soviel Freude bereitet? Nun zum Einen kann Dardevil mit starken und glaubwürdigen Leistungen seiner Schauspieler punkten, die ein intelligent geschriebenes Drehbuch solide auf eure Mattscheibe bringen. Zum Anderen habe ich mich wortwörtlich in die grandios inszenierten Kämpfe verguckt. Die kommen ohne unnötigen Schnicknack daher, sind perfekt dosiert und ungewöhnlicher weise für Marvel dreckig und hart.

Und natürlich, beziehungsweise gottlob kann Daredevil selbst voll und ganz überzeugen. Drew Goddard and Steven S. DeKnight konnten einen harten, intelligenten Mad Murdock porträtieren: Einen sehr religiösen Rächer, dem sowohl Engel als auch Teufel auf der Schulter sitzen, einer „blinden“ Kampfmaschine, die mit sich im Unklaren ist. Zwar muss man zur Verteidigung der restlichen Superhelden des MCU’s sagen, dass man einen dermaßen komplexen Charakter nicht in 120 Minuten skizziert bekommt, aber nichtsdestotrotz ist Daredevil mein bisheriger Marvel Liebling – ein Comeback welches ich nach dem desaströsen Daredevil-Film (2003) niemals erwartet hätte.

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Aber mal ehrlich Leute, was wäre denn ein Superheld ohne einen vernünftigen Antagonisten? Ich meine, schaut euch mal The Dark Knight und The Dark Knight Rises an! Was Mad Murdocks Widersacher anbelangt, so steht er ihm nicht nur als Charakter in nichts nach, nein er ist auch ein unglaublich spannender Gegner für Daredevil, sowohl physisch als auch psychisch.

Vincent D’Onodrio’s Wilson Fisk aká der King Pin hat maßgeblichen Anteil an der Qualität dieser Serie. Denn anders als so viele Film – und Serien-Bösewichte, wird hier ein Bild von einem verwundbaren Mann geschaffen. Versteht mich nicht falsch, Fisk bleibt ohne Zweifel ein brandgefährlicher Gegenspieler, aber ist einfach nicht eindimensional. Er bringt seine eigene (traumatische) Hintergrundgeschichte mit und verfolgt ein Motiv, welches aufgrund dieser Vergangenheit schlüssig ist.

Obwohl er von Anfang an als der Erzfeind von Murdock etabliert wird, liefert Fisk die ein oder andere warme Szene, die ihn nicht nur menschlich sondern auch ein wenig symphatisch macht. Insbesondere das Techtelmächtel mit der kühlen Schönheit Vanessa (Ayelet Zurer) bringt ein wenig Farbe in das Leben vom Gangster-Boss Wilson Fisk, der besonders am Anfang der Serie für uns Zuschauer eher wie eine Art Voldemort unter Verbrechern wirkt.

Und wo ich gerade schon einmal von Fisk schwärme, muss ich auch nochmal betonen wie gut D’Onofrio diese Rolle getroffen hat – seine Performance als Fisk kann ohne Zweifel als die Beste der Serie betitelt werden. Er schafft es diesen mächtigen unnahbaren Mann auf eine unglaublich schüchterne und verklemmte Art und Weise zu transportieren. So merkt man es ihm förmlich an wie schwierig es Fisk fällt mit anderen Menschen zu sprechen, es kommt einem fast so vor als würde er gerade erst lernen wie man sich eigentlich unterhält.

Auch auf emotionaler Ebene scheint er stark unterentwickelt, kann mit Zurückweisungen nicht umgehen und reagiert auf Widerspruch furchteinflössend cholerisch. Dadurch begreift man im Laufe der Serie warum dieser Mann so alleine und isoliert lebt und versteht erst recht warum die Beziehung zu Vanessa so verläuft wie sie es tut. Man empfindet schon beinahe Mitleid für einem Mann, dessen einziger „Freund“ seine rechte Hand Wesley zu sein scheint – eine Freundschaft, die für mich als Zuschauer eher wie eine Angestellten/Arbeitgeber-Beziehung rüber kommt. Wirklich Hut ab Private Paula, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!

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Was man wahrlich auch von Charlie Cox behaupten kann, der Matt Murdock sein Gesicht geliehen hat. Wie eingangs schon erwähnt kann sein Charakter über die viele Zeit, die die Serie bietet, regelrecht aufblühen.

Als rechtschaffener Anwalt bei Tag und brutaler Kämpfer der Gerechtigkeit bei Nacht steht Murdock mit sich selbst nicht im Reinen. Im Laufe der Geschehnisse erleben wir einen Daredevil der nicht immer in einem moralisch zu vertretenen Rahmen handelt. Matt ist bereit alles zu tun um seinem Ziel, Fisk zur Strecke zu bringen, zu erreichen. Dabei schreckt er weder davor zurück sich selbst in Lebensgefahr zu begeben, er bringt auch seine Gegner an die Schwelle des Todes, droht ihnen sogar damit lebensrettende Maßnahmen zu verweigern, wenn sie nicht kooperieren.

Kein Wunder also, dass Matt als gläubiger Mann Stammgast auf der Büßerbank wird, was uns aber zeigt, dass er egal wie gewissenlos er auch handeln mag, im Kern sein Gewissen nicht ausschalten kann – schließlich würde ihn das nicht besser machen als Fisk.

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Auch die kleineren Rollen haben mir sehr gefallen. Matts bester Freund und Anwaltskollege Foggy Nelson (Elden Henson) lockert hier und da den ernsten Tonfall der Geschehnisse mit einer Prise Humor, hat aber auch seine dramatischen Momente. Karen (Ann Woll), die Sektretärin der Beiden, kann ebenfalls überzeugen und hat meiner Meinung nach die emotional tiefgreifendste Szene überhaupt abgeliefert. An dieser Stelle muss ich auch lobend erwähnen, dass Daredevil sich nicht zu einer platten Dreiecks Beziehung zwischen Matt, Foggy und Karen hat hinreißen lassen. Hier und da wird zwar ein wenig geflirtet, aber dabei bleibt es.

Gleiches Lob geht auch an die Rollen von Claire Temple ( Rosario Dawson ) und Ben Urich ( Vondie Curtis-Hall ), die trotzt ihrer eher kleineren Rollen, wichtige Charaktere für die Serie darstellen und diese hier und da enorm bereichern.

Tja, hab ich denn mal was zu kritisieren? Durchaus. Die Spannungskurve der Serie findet ihren Höhepunkt in der überragenden neunten Episode, kommt im Anschluss aber nur langsam wieder in Fahrt und lässt das große Finale, welches die Geschichte zweifelsohne gut auf den Punkt bringt, ein wenig schwach und atemlos wirken. Der Beste Teil der Serie hat man am Ende schon hinter sich gelassen.

Fazit

Freilich erfindet Daredevil das Rad nicht neu, kann sich aber ohne weiteres mit der hohen Qualität aktueller Serien messen. Alles in allem bekommt ihr eine spannende, genial inszenierte Superhelden-Origin-Geschichte geboten, die im MCU ihresgleichen sucht. Gleiches gilt für den überragenden Antagonisten Wilson Fisk, der sich ohne Frage als der bisher beste Bösewicht von Marvel bezeichnen darf – man darf nur hoffen, dass Thanos auch nur die Hälfte von dem Tiefgang erhält.

Für mich gehört Daredevil, zusammen mit dem ersten Iron Man-Film, zur Crème de la Crème des MCU und haucht einem eingestaubten B-Promi unter Superhelden neues Leben ein. Ich bin jetzt schon gespannt auf Staffel 2!

8
Sehr gut
Written by
Studierender Gamer und Kinogänger. Zu finden auf Playstation 4 und Nintendo Handhelds, meistens beim Rollenspielen.

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