Saints Row: The Third – The Full Package Review

 

Als der dritte Teil von Saints Row zum ersten Mal erschien, hieß sein Publisher noch THQ. Die Third Street Saints gingen damit einen deutlich humorvolleren Weg als in den beiden Titeln zuvor. Jetzt ist der Titel für Switch unter Deep Silver, Volition und Deep Silver Fishlabs neu erschienen.

Medienimperium

Fünf Jahre sind seit dem zweiten Teil ins Land gezogen. Die Third Street Saints aus Stilwater waren einst eine gefürchtete Gangsterbande, doch ihr Ruhm stieg ihnen zu Kopf und sie vermarkten – dank einer Fusion mit der Ultor Corporation – inzwischen ihren Namen in Merchandise, Werbung und allerlei Medienverträgen. Mit der großen Zeit der Raubzüge ist es vorbei. Ein eigens organisierter Bankraub, an dem auch Hollywood-Darsteller Josh Birk zur Promotion des kommenden Kinofilms teilnimmt, geht überraschend schief, als die Bankangestellten selbst Waffen gegen die Räuber ziehen. Der Boss der Saints, Shaundi, Pierce Washington und Johnny Gat landen im Knast und von dort in der Gewalt des Syndikats, ein Zusammenschluss mehrerer Verbrechergruppen, die den benachbarten Ort Steelport kontrollieren und nun den Saints Stilwater abluchsen wollen. In einer spektakulären Aktion gelingt den Saints die Flucht, doch Johnny Gat verliert dabei sein Leben. Ihres Imperiums beraubt sind die Saints gezwungen, sich in Steelport eine neue Existenz aufzubauen.

All das ist nur Teil des Prologs. Danach beginnt zunächst eine längere Phase, in der die Nebenaktivitäten vorgestellt werden. Diese dienen gleichzeitig als Tutorial für alle möglichen Manöver und bieten Geld für die Freischaltung erster Extras. Abschluss von Aktivitäten und Missionen sorgen für Respekt und dieser wiederum dient als Stufenvorraussetzung für weitere Upgrades. Steelport ist keine besonders große offene Welt. Das war sie schon damals nicht, als es 2011 erschien, aber Saints Row: The Third macht das Wett mit Humor – und der beginnt schon bei der Charaktererstellung.

Der Boss der Saints ist nicht viel mehr als eine Schablone und genau das bietet die Möglichkeit eines Charaktereditors, welcher mit seiner schieren Vielfalt in Open World-Spielen seines gleichen sucht. Sieben verschiedene Stimmen stehen zur Verfügung (eine davon sogar eine Zombieoption) und so viele Optionen für das Aussehen des Charakters, dass es nahezu keine Grenzen gibt. Ich selbst entschied mich für eine Nachempfindung von Vito Corleone aus Der Pate mit hartem englischen Akzent.

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Alles drin

Saints Row: The Third hatte als erstes Spiel der Reihe eine klare Vorstellung: Wir sind immer noch ein Open World Gangster-Spiel wie GTA, aber uns geht es nicht um Realismus. Stattdessen steht Spaß im Vordergrund. Stunts im Spiel sind so abgefahren, man erwartet sie eigentlich in einem Fast and Furious-Film. Muskelbepackte Schläger sind Teil der Angriffstruppen des Syndikats und ihr Vorbild entpuppt sich als hochintelligenter russischer Ex-Agent, den das Syndikat für Klone gefangenhält und der sich den Saints anschließt. Und irgendwann, aus heiterem Himmel, haben die Saints sogar mit einer Zombieapokalypse zu tun. Besser also: Alles erwarten in diesem Spiel.

Mit der Hauptstory kommt man auf etwa 10 bis 14 Stunden Spielzeit, je nachdem wie viel Zeit in Nebenaktivitäten gesteckt wird. Dem Spiel sieht man sein fortgeschrittenes Alter leider an: Waffen sind nie wirklich so präzise wie sie eigentlich sollten und ein Deckungssystem fehlt ebenfalls. Aber das schiere Chaos macht das schnell wett. Aktivitäten wie Versicherungsbetrug oder “Murder Time, Fun Time” mit Professor Genki sorgen für kurzweilige Vergnügen und drehen die Mechanik auf den Kopf.

Dank dem „Full Package“ kommt Saints Row: The Third mit fast allem DLC daher. „Fast“, weil zwei DLCs das Spiel von Beginn an zerstört hätten, weil zum Beispiel das Blutsaugen von Menschen das Spiel trivial gemacht hätte und sogar bestimmte Aktionen verhindert, um Herausforderungen abzuschließen. Dank des DLCs steht eine breite Palette von Fahrzeugen, Kostümen und Waffen von Beginn an zur Verfügung, ganz zu schweigen von all den Waffen, die ohnehin im Spiel sind. Im DLC inbegriffen sind außerdem drei Story-Erweiterungen: “Genkibowl VII” ist ein großes Turnier inspiriert von japanischen Gameshows, in denen der im Hauptteil vorgestellte Charakter Professor Genki seine Spiele weiterführt. “Gangstas in Space” ist eine Fortführung der Geschichte um den Film, in dem die Saints die Hauptrolle spielen. Mit “The Trouble with Clones” versucht schließlich ein übereifriger Fan, den Saints einen Gefallen zu tun, indem er Johnny Gat klont. Nur droht neues Unheil, als der Klon sich selbstständig macht.

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Lieber unterwegs spielen

Trotz entsprechend stärkerer Hardware sieht Saints Row: The Third nur minimal besser aus als einst auf PS3 und Xbox 360. Es gibt viele Ecken und Kanten, Pop-ins und es musste erst ein Patch her, um die Performance zu stabilisieren. So lief es im portablen Modus oftmals besser als auf einem Fernseher. In letzterer Variante sackte die Framerate teilweise auf unter 10 fps zusammen. Der neuste Patch behebt das und bringt die Performance zumindest auf erträgliches Niveau. Das Spiel schaffte es außerdem, zwei Mal abzustürzen und mich ins Hauptmenü der Switch zurückzuwerfen. Zum Glück gibt es neben Autospeicherung ebenso die Möglichkeit für feste Spielstände.

Mit der Steuerung sollte experimentiert werden. Zum Zielen sind die Joycons nicht einmal annähernd präzise genug eingestellt. Daher ist ein Gang ins Optionsmenü angebracht. Musikalisch scheint der ganze Soundtrack des Original erhalten geblieben zu sein. Mehrere Radiostationen sorgen für musikalische Unterhaltung von 80er Jahre Pop über Metal bis Gangsterrap. Die Sprecher sind zahlreich und teils sehr prominent besetzt: Hulk Hogan spricht den mexikanischen Wrestler Angel, Schauspieler Daniel Dae Kim ist wie schon in allen anderen Teilen als Johnny Gat zu hören und DJane Sasha Grey ist Viola DeWynter.

Die Switch-Version ist übrigens die erste Version des Spiels, die in Deutschland ungeschnitten erscheinen darf. Damals in 2011 war es im Spiel nicht möglich, Zivilisten als Geiseln vor sich zu halten, wodurch der Online-Modus inkompatibel zum Rest der Welt wurde. Ja, denn ebenso eine Besonderheit: Saints Row: The Third kann komplett mit einem zweiten Spieler gleichzeitig gespielt werden. Dafür steht eine eigene Co-Op Möglichkeit zur Verfügung, ebenso wie ein eigener Hordenmodus zum Bekämpfen von Gegnerwellen.

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FAZIT: (Noch) alternativlos

Noch immer bin ich überrascht, dass Saints Row: The Third und nicht das eigentlich größere und bekanntere Saints Row IV zuerst (?) den Weg auf die Switch schaffte. Angesichts der wenigen Open World-Sandbox-Spiele auf der Switch kommt man als Fan des Genres hier nicht um einen Kauf herum. Denn trotz der technischen Schwächen macht Saints Row bis heute immer noch jede Menge Spaß.

Saints Row: The Third ist (in geschnittener Form) außerdem erhältlich für PC, Xbox 360 und PS3.

Good

  • Unglaublicher Charaktereditor
  • Viel Humor
  • Schöne Nebenaktivitäten
  • Viel Inhalt
  • Co-Op

Bad

  • Technisch nicht gut gealtert
  • Hin und wieder Abstürze
7

Gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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