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Saints Row IV Review

Oh, lag Will Smith falsch, als er 1996 als Captain Steven Hiller die Landung der Aliens in Independence Day mit „Ich glaube wirklich nicht, dass sie 90 Milliarden Lichtjahre hierher geflogen sind, nur um einen Krieg anzufangen“ kommentierte. Saints Row 4 beweist uns derzeit genau das Gegenteil. Aber eines nach dem anderen. Die Welt ist in Ordnung, könnt eigentlich besser nicht sein. In der Rolle des Präsidenten der Vereinigten Staaten heilen wir noch vor dem Mittagessen Krebs oder rotten Wahlweise den Welthunger aus, geben schmierigen Politikern einen freundlichen Uppercut und erkunden uns nach den neuesten Wahlergebnissen.

Als dann plötzlich die Erde von Aliens angegriffen wird stellen wir uns, als mächtigster Mann der Welt, dem Kampf mit den Invasoren. Der Alien Herrscher Zinyak schafft es jedoch uns im Kampf zu besiegen, zerstört die Erde und sperrt uns in eine Simulation, die unsere größten Ängste widerspiegelt. Mit Hilfe von Computerspezialistin Kinzie gelingt der Ausbruch und kurz darauf die Flucht in die „reale“ Welt. Diese beschränkt sich aufgrund der Zerstörung der echten Erde auf ein Raumschiff, welches uns ab sofort als Basis dient.

Zinyak bekommt uns erneut in die Finger und sperrt uns als letzte Warnung in eine Simulation der bekannten Stadt Steelport. Diese wollen wir unter unsere Kontrolle bringen und letztendlich den Alienlord stürzen. Ganz ohne Hilfe unserer Freunde, die ebenfalls in ihren persönlichen Angst- Simulationen gefangen sind schaffen wir das aber nicht.

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Der Plot von Saints Row 4 kommt also etwas komplexer als der des Vorgängers rüber, obgleich es keine storytechnische Offenbarung ist und sich während des Spielens die ein oder andere Lücke auftut. Aber haben wir auf eine Story auf dem Niveau eines Heavy Rain erwartet? Nee! Wir haben auf komplett abgedrehte Szenerien, lustige Dialoge, Videospielparodien und skurrile Waffen gehofft. Aber schafft es Saints Row 4 auch diese Erwartungen zu erfüllen oder scheitert es an der von Saints Row 3 gesetzten Messlatte?

Obwohl auch bei mir die Skepsis groß war und meine Erwartungen nach den ersten Trailern zu schwinden begannen, kann ich jetzt schon mal Entwarnung geben. Saints Row 4 ist kein billiger Abklatsch des Vorgängers. Zwar spielen beide Spiele in der gleichen Stadt, womit man den Entwicklern Ideen- und Lustlosigkeit vorwerfen könnte, schaut man aber genauer hin entdeckt man schnell, dass das simulierte Steelport von Saints Row 4 deutlich gewachsen ist. Nicht im Umfang, sondern in der vertikalen. Das liegt an den Superkräften, die euch an Häuserwänden hochlaufen und Wolkenkratzer mit einem Sprung erklimmen lassen. Kommt bekannt vor? Ok, vielleicht. Aber eine Schiffsbesatzung mit der man „Romanzen“ angehen kann? Wie, das gabs schon? Riesige Mech Rüstungen mit denen man… Ja, schon gut, Saints Row hat sich an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein bisschen was abgeguckt. Aber nur Volition ist wahrscheinlich irre genug all diese Dinge in einem Spiel zusammenzubringen und dabei immer noch einen eigenen Stil zu finden.

Darfs noch etwas mehr Belohnung sein?

Aber nicht nur die Aufmachung der Spiele wird aufs Korn genommen. Auch einige Spielmechaniken und Inhalte werden schön durch den Kakao gezogen. Schauen wir mal eben in die Richtung eines französischen Publishers, der zuletzt mit Assassinen und tropischen Insellandschaften auftrumpfen konnte. Und wie wir jedes mal auf einen Turm klettern und eine 360 Grad Kamerafahrt genießen dürfen, nur um einen Teil der Karte freizulegen. In Saints Rows Steelport Simulation befinden sich 5 schwebende Türme die ihr nach und nach erklimmen könnt. Dabei wird der Spieler aber auch in Form von kleinen blauen Datensammlungen belohnt. Das bringt uns auch schon zum nächsten Punkt. Sammelobjekte. Gott sind die verhasst. Sammle 300 Flaggen, schieße 100 Tauben ab, grabe 200 Relikte aus,… und das nur um dann ein Artwork freizuschalten das, sind wir ehrlich, überhaupt nicht interessiert.

Auch in Saints Row 4 gibt es Sammelobjekte. Zum Beispiel die eben angesprochenen Datensammlungen, von denen es nicht weniger als 1255 gibt. Ups, Tippfehler. Ah nein, doch nicht, die meinen das ernst! 1255 und das nur von EINEM Sammelobjekt. Wer soll die denn bitte einsammeln? Kurz gesagt: Ihr! Denn die blauen Daten stechen so arg ins Auge, dass man einfach immer einen kleinen Umweg in Kauf nimmt und sich nicht selten dabei vollkommen von seinem eigentlichen Ziel verabschiedet. Warum man das macht? Als Spieler profitiert man direkt von jedem einzelnen Objekt. Diese werden nämlich dazu verwendet die Superkräfte des Charakters auszuwerten. Jedes Sammlung könnte das eine, wichtige Objekt sein, dass ihr braucht, um das nächste Upgrade kaufen zu können.

Saints Row IV Review 2-SRIV-Data-Cluster

Andere Eigenschaften wie Schaden, Kampffertigkeiten und Bandenanpassungen werden wie auch im Vorgänger durch Bares erworben. Allerdings hat sich die Art der Geldbeschaffung verändert. Während ihr in Saints Row 3 einfach gewartet habt bis euch das Spiel genug Geld geschenkt hat um einen Laden oder eine Immobilie zu kaufen, um noch mehr Geld in die Kasse zu spülen, läuft es in Saints Row 4 etwas komplexer.

Immobilien können nicht mehr gekauft werden, was aufgrund der Story auch Sinn macht – es sind ja nur virtuelle Abbildungen. Geschäfte könnt ihr allerdings weiterhin unter eure Kontrolle bringen. Dazu müsst ihr kein Geld investieren, sondern ein kleines Minispiel spielen, in dem ihr mit einer vorgegebenen Anzahl an Verbindungsstücken in verschiedenen Formen zwei Punkte miteinander verbindet und den Laden damit hackt. Hier ist also diesmal etwas Hirnschmalz gefragt, besonders wenn der Timer im Nacken bald abläuft und ihr dann die örtlichen Wachen auf euch aufmerksam gemacht habt. War euer Hackangriff aber erfolgreich steht der Laden unter eurer Kontrolle und beschert euch stündliche Einnahmen. Mit diesen kauft ihr euch wie gewohnt dann Upgrades eurer Charakterfähigkeiten.

Das Upgradesystem ist also zweigeteilt und ihr könnt Charakterfähigkeiten und Superkräfte unabhängig voneinander verbessern.

Auch die Nebenmissionen im Spiel belohnen den Spieler mit zusätzlichen, optionalen Superkräften, neuen Outfits, Begleitern oder Fahrzeugen. Dadurch gibt es immer einen Anreiz die Story mal kurz links liegen zu lassen und sich anderen Aufgaben zuwenden.

Das kenn‘ ich doch…?

Damit sind wir auch schon an einem der eher nicht so schönen Entwicklungen des Spiels. Nebenmissionen können wie auch im Vorgänger jederzeit gestartet werden. Allerdings beschränken sich die Aufgaben eurer Begleitern zumeist auf das sture Abarbeiten von Minispielen, die ihr sowieso in der Spielwelt findet. Wer also das Gameplay gerne mal mit ein paar der Minispiele auflockert, wird bald feststellen, dass er damit automatisch die Aufgaben seiner Begleiter erledigt hat und ihm jetzt allerlei Sonderobjekte zur Verfügung stehen. Das ist leider nicht sonderlich gut durchdacht, da ihr eigentlich die Aufgaben bei dem entsprechenden Begleiter starten müsst. Diese hauen euch dann 2 völlig kontextlose Sätze um die Ohren die euer Charakter mit einer Antwort, meistens bestehend aus nicht mehr als 5 Worten, quittiert. Habt ihr dann alle Anforderungen erfüllt geht es zurück zum Auftraggeber. Dieser gibt wieder 2 banale Sätze von sich und ihr könnt eure Belohnung einsacken.

Einige der Minispiele sind leider auch nicht wirklich kreativ oder innovativ. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In Saints Row 3 gab es die Bandenoperationen die ihr auslöschen musstet um Kontrolle über ein Gebiet zu erlangen, in Saints Row 4 sind es Unruheherde. Im Grunde wurden Menschen gegen Aliens ausgetauscht und dem ganzen ein anderer Name verpasst. Gleiches gilt für die Aufgaben der Kategorie Panzervandalismus. Statt am Steuer eines normalen Panzers sitzt man diesmal – richtig – am Steuer eines Alienpanzers. Das ist doch ein bisschen enttäuschend, hätten sich die Entwickler doch ein bisschen mehr Mühe geben können die Minispiele an das neue Setting und Gameplay anzupassen.

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Von der Stange kauf ich nichts!

Auch sind längst nicht alle Möglichkeiten im Spiel sonderlich sinnvoll. Hier erweckt es den Anschein als wäre man nach dem Motto „Mehr hilft mehr“ vorgegangen und hat einfach aus dem Vorgänger bekannte Elemente wieder eingebaut. Im Fokus des Spiels stehen die Superkräfte, die im Kampf von Nutzen sind, aber auch eine schnelle, spaßige und flexible Fortbewegung ermöglichen. Natürlich fahren, alleine um das Gefühl einer „realen“ Welt aufrecht zu erhalten, auch in diesem Spiel allerlei Fahrzeuge auf den Straßen herum. Aber selbst der schnittigste Sportwagen oder ein Kampfhubschrauber, über den ich mich in Saints Row 3 sehr gefreut habe, lassen mich völlig kalt. Trotzdem wurde das Tuningsystem wieder übernommen. Das ist zwar kein Weltuntergang, lässt aber zumindest bei mir Fragezeichen aufkommen ob dieses Feature wirklich nötig ist.

Neben den Boliden könnt ihr aber wie gewohnt auch euren Charakter nach eigenen Vorstellungen anzupassen. Kleidung, Tattoos, Accessoires werden wie gewohnt im jeweiligen Shop verändert und dank plastischer Chirurgie können auch Hautfarbe und Körpermaße noch während des Spiels angepasst werden.

Neu ist dagegen die umfangreiche Anpassung der Waffen. Diese könnt ihr diesmal auf verschiedenen Weise aufwerten. Zur Auswahl stehen Kategorien wie Magazingröße, Genauigkeit, Reichweite, Schaden, und noch einige mehr. Das ganze Kostet allerdings ordentlich Bares. Aber trotz Superfähigkeiten sind Waffenupgrades eine wertvolle Investition, gerade weil euch eure Kräfte nicht immer zur Verfügung stehen. Um den teils gezwungenen Wechsel auf die Schuss- und Schlagwaffen für euch so angenehm wie möglich zu machen dürft ihr die Waffen optisch umgestalten. Fleur de Saints oder Steampunk Look sind ebenso möglich wie der Han Solo Blaster oder ein Lichtschwert.

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Superkräfte, super selten

Wie erwähnt werden euch des öfteren die neu erworbenen Kräfte entzogen und ihr müsst Missionen wieder auf alt bewährte Methode lösen: Ballern, ballern und ballern. Die Missionen machen natürlich auch ohne Superkräfte ordentlich Spaß, aber leider stört es schon ein wenig, dass die Superkräfte, welche eigentlich die größte Neuerung des Spiels sind, fast regelmäßig wieder aus dem Arsenal des Spielers entfernt werden. Damit ist man praktisch wieder auf dem Stand von Saints Row 3 mit etwas anderem Waffenset. Auch die Rolle als Präsident der Vereinigten Staaten kommt enttäuschender Weise sehr kurz. Nach den ersten 20 Minuten wars das dann nämlich schon mit dem präsidentschaftlichen Gefühl. Zwar erinnert der Charakter mit Sprüchen wie „It’s good to be the President!“ immer wieder an die Herkunft, einen Unterschied spürt man als Spieler leider nicht.

Absoluter Stillstand

Während man sich bei Volition also in einigen Belangen durchaus Gedanken gemacht hat wurden andere Aspekte wohl in den Meetings kategorisch übersprungen. Technisch hat Saints Row 4 sich keinen Meter vorwärts bewegt. Genau wie der Vorgänger laden Texturen spät nach, Häuser poppen in der Ferne auf und das Gesamtbild sieht irgendwie eher nach 2007 als 2013 aus. Ein bisschen enttäuschend ist das ja schon. Gleiche Texturen und Modelle wie in Saints Row 3 haben den Entwicklern noch mal einige Zeit gespart, die sie gerne auf Bugfixes hätten verwenden dürfen. Aliens stecken gerne mal an Laternen oder Strommasten fest und geben so ein leichtes Ziel. Aber auch der eigene Charakter versteckt sich hin und wieder in Häuserwänden oder machen den Kranich, wenn die Sprunganimation nicht mehr aufhören will und man sich nur noch knapp über dem Boden schwebend fortbewegen kann. Auch Freezes kommen immer mal wieder vor, was kurz vor Beenden einer schwierigen Mission besonders ärgerlich ist. In dieser Hinsicht scheint Saints Row 4 sogar einen Rückschritt gemacht zu haben, musste ich solche bei Saints Row 3 nicht verschmerzen.

Der Soundtrack ist Geschmackssache. Zwar hält auch dieser einige großartige Stücke parat, persönlich gefällt er mir aber nicht so gut wie die Auswahl aus Saints Row 3. Das mich das Spiel dann gelegentlich auch noch anschreit kann ich leider gar nicht gutheißen. Das liegt daran, dass die Zwischensequenzen nicht richtig abgemischt wurden und zu leise sind. Da hilft also nur der Griff zur Fernbedienung. Wer aber vergisst die Lautstärke nach der Sequenz wieder runterzudrehen wird danach vom Soundtrack oder den Unterhaltungen der Charaktere angebrüllt.

2.Fazit von Christian Mutig:

Saints Row IV ist nicht das Superhelden-Spiel das wir verdienen, aber eines, das wir brauchen. Anstatt sich völlig der Albernheit von Saints Row: The Third hinzugeben oder wieder in die ernsteren Gefilde der ersten beiden Teile vorzudringen, warf man stattdessen alle Glaubwürdigkeit über Bord und werkelte ein Sandbox-Spiel zusammen, welches einerseits eine Alieninvasion bietet, die sich im Laufe der Zeit zu einer liebevollen Hommage an die gesamte Reihe herausbildet und andererseits ein gewaltiger Abenteuerspielplatz, in dem man sich einfach austoben kann. Besonders hervorheben sollte man auch die im Vergleich zum Vorgänger weitaus bessere Autorenarbeit, die sich diesmal wirklich intelligent und witzig präsentiert. Fans von Saints Row allgemein und Spielern von inFamous und Prototype 2 kann ich Teil 4 ganz besonders empfehlen.

Lasst jeden Grad von Logik hinter euch, werte Spieler. Dann kann Saints Row IV für euch ein echter Knüller sein.

Summary
Man merkt Saints Row 4 seine Wurzeln als DLC an einigen Stellen im Spiel an. Neben der gleichen Stadt kreuzen auch wieder die gleichen Autos und Passantenmodelle durch die Gegend. Einige der Minispiele wurden ideenlos eins zu eins kopiert und leider gab es auch in grafischer Hinsicht keinerlei Verbesserungen. Im direkten Vergleich zu anderen aktuellen Spielen wirkt Saints Row 4 besonders schwach. Selbst wenn in diesem Spiel keine umwerfende Grafik erwartet wurde, wäre ein kleines Makeover allemal angebracht gewesen. Nichts desto trotz macht es unglaublichen Spaß. Bekannte Spiele und Filme wurden nach allen Regeln der Kunst durch den Kakao gezogen und die Superkräfte bringen nicht nur Spaß, sondern auch neue Erkundungsmöglichkeiten. Die Story sprüht wieder vor Witz und den dümmsten und peinlichsten Situationen. Saints Row 4 kann auch durchaus als schönes Roundup der bisherigen Spiele betrachtet werden. Neben einem Wiedersehen mit bekannten Charakteren aus vorherigen Saints Row Teilen gibt es auch eine Mission die quasi die komplette Story von Saints Row 3 nacherzählt. Auch einige Settings wurden aus früheren Spielen übernommen und wecken so manche Erinnerung.Habt ihr der Reihe also bisher die Treue gehalten dürft ihr euch diesmal über einige Gags freuen, die anderen Spielern verborgen bleiben. Wer sich nicht an so manchen lieblos recycelten Inhalten stört und schon in Saints Row The Third einen heiden Spaß hatte der wird auch diesmal nicht enttäuscht sein. Es darf also gerne zugegriffen werden.
8
Sehr gut
Written by
Spielt von RPGs bis Shooter fast alles - aber nur auf der Konsole.

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