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Rocket League Review

Rocket League ist der Überraschungs-Indiehit der vergangenen Wochen. Wir testen wie sich das raketenbetriebene Autofußballspiel schlägt.

Was gibt es Normaleres als ein Fußballspiel, in dem von Raketen betriebene Wagen die Rolle der Spieler übernehmen und in völlig waghalsigen Sprüngen einen Ball durch eine von einem Kraftfeld umrahmte Arena katapultieren? Vermutlich Vieles – sogar gemessen an Videospielmaßstäben hängt Rocket League eine gewisse Extravaganz an.

Nach dem Überwinden des ersten Überraschungsmoments zieht einen das Spiel ungeachtet dessen sogleich in seinen Bann. Seine Steuerung ist äußerst verständlich gehalten, auch wenn das Spiel einem offen davon abrät, Maus und Tastatur zu benutzen, was darauf hindeutet, dass hierfür keine Mühe verschenkt worden ist. Dafür steuert sich das Spiel mit einem Controller sehr gut und intuitiv. Die groben Züge erklärt es in zwei kleinen Tutorials, die den Spielenden zuerst an normale Ballkontakte und am Ende an die raketenbetriebenen Sprünge des Spiels heranführen. Daneben gibt es noch weitere Tutorials für Torhüter, Flugfähigkeiten und Angriffe, die ich persönlich aber ignoriert habe. Stattdessen warf ich mich in die normalen Online-Matches. Wer sich an es heranwagt, kann sich zwischen Teamgrößen von einem bis vier antretenden Spielern entscheiden, die mit einem beträchtlich anwachsenden Chaosfaktor einhergehen. Ich habe in meinen bisherigen Online-Matches Tore geschossen, Schüsse verhauen, Pässe gespielt und unglaublich viel Glück und Unglück gehabt.

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Die reinen Spielmechaniken von Rocket League sind einfach wunderbar ausgefeilt. Es fühlt sich alles stimmig an, die Hitboxen stimmen, die Physik stimmt und die Ballkontakte fühlen sich gut an. Über all diesem leuchtet das berühmt-berüchtigte leicht zu erlernen und schwer zu meistern, das so häufig bei guten Multiplayer-Spielen betont wird. Auf Rocket League trifft es vollends zu.

Jeder kann es spielen und damit meine ich wirklich jeder – unabhängig davon in welchem Alter, welche Spielvorlieben oder welche Reaktionsfreudigkeit er oder sie ist oder hat. Es auf der anderen Seite zu meistern, stellt einen vor einer großen Herausforderung: Immer genau dann am Ball zu sein, wenn man es sein muss und das Kombinationsspiel mit den eigenen Teammitgliedern abzustimmen, erfordert einiges an Übung und Geduld. Die Flugbahnen der Bälle zu antizipieren, Blocksprünge und gut platzierte Schüsse sind mehr als nur auf den Ball holzen, sondern benötigen Timing und Training. Dazu kommt die Königsdisziplin des Spielens in der Luft mit eingesetzten Raketenboostern, welche von Anfängern und Normalos nahezu gar nicht beherrscht wird. Wichtig, um in Rocket League positiv zu glänzen, ist zudem das Management mit dem Energiebalken, der einem Boosts und Raketenstöße ermöglicht. Dieser lässt sich mit auf dem Feld stationär spawnenden Sphären auffüllen und ist hauptveranwortlich für die große Geschwindigkeit des Spiels.

Kompetitives Potenzial

Das immense Potenzial sich zu verbessern, macht es interessant für die E-Sports-Ligen der Welt, die quasi durchgängig auf der Suche nach neuen Titeln sind. Dem folgend wird die kompetitive Seite durch Ranglistenmatches und passende Features unterstützt. Diese Ranglistenmatches gibt es für Teams von einem bis zu drei Spielern und sind sowohl in vorher gebildeten als auch in Zufallsteams bestreitbar.

Die Spielerstärke wird anhand eines Elo-Systems bestimmt, das einsehbar ist. Es funktioniert in etwa so: Der Wert steigt, wenn ein Team einen Gegner mit höherer Wertung besiegt, und sinkt, wenn man von einem Team mit niedrigerer Wertung besiegt wird. Daneben gibt es auch noch Divisionen, die ähnlich einer Liga in CS:Go das Können der Spieler zusätzlich einordnen.

Übrigens die Besten der Besten werden in globalen Ranglisten geführt, die auch für die eigene Freundesliste verfügbar sind. Im Vergleich zu StarCraft 2 empfinde ich das Rangsystem jedoch als etwas blass und unausgearbeitet. Darüber hinaus geht das Spielen in Zufallsteams mit einigen Ärgernissen einher. Besonders das regelmäßige Verlassen von Spielern zerstört hier den Spielspaß nachhaltig. Während in Nicht-Ranglistenspielen das Spiel versucht einen Ersatzspieler zu finden und es solange mit KI auffüllt, müssen hier die Teams mit dem Flüchtigen in Unterzahl weiterspielen. Inzwischen gibt es aber Zum Glück die „Vote to forfeit“-Funktion, die es einem Team erlaubt aufzugeben. Leider musste ich zwischenzeitlich mit starken Laggs kämpfen, die nicht gerade zuträglich für den Spielspaß waren. Schaffte ich es hingegen ein vollständiges Team in einem Match ohne Laggspikes zu bekommen, stellte sich der gewohnte Spaß ein.

Nichtsdestotrotz kann ich nur empfehlen, die Ranglistenmatches mit Freunde und Bekannten zu bestreiten, da dies mit deutlich weniger Frust verbunden ist. Zu allem Überdruss verschafft einem Rocket League ab und an entweder hoffnungslos unterlegende oder haushoch überlegende Gegner, was auf kleinere Unstimmigkeiten im Elo-System hindeutet. An weiteren positiven Feature für kompetitives Spielen gibt es zudem einen Replay-Editor zum Nachvollziehen von vergangenen und einen Beobachtermodus für laufende Matches.

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Technik und Crossplattform

Ein großer Pluspunkt, den ich bereits erkannte, bevor ich es anfing zu spielen, ist, dass in Rocket League PS4- und PC-Spieler zusammen in einer Lobby spielen. Damit gehört es zu der seltenen Art der Crossplay-Spiele. Allerdings hat Psyonix dieses Feature nicht vollständig umgesetzt. Zwar landet man bei der Zufallssuche zusammen mit PS4-Spielern beziehungsweise PC-Spielern in Matches, kann aber nicht mit den Leuten der anderen Plattform Gruppen bilden. Bis jetzt schauen Freunde, die das Spiel auf unterschiedlichen Plattformen spielen, trotz Crossplay in die Röhre.

Optisch wirkt Rocket League gelungen. Sein leicht unrealistischer, fast spielzeughafter Grafikstil passt perfekt. Auch wenn die unausgearbeiteten Zuschauer – Rocket League stellt sie nur als Eier da – nicht ganz meinen Geschmack treffen. Im Übrigen basiert es auf der Unreal Engine 3, die auch als Geburtshelfer von Bioshock Infinite, Red Orchestra 2 und zahlreichen anderen Spielen fungierte. Bei der deutschen Lokalisierung gibt es leider noch etwas Nachbesserungsbedarf. Auch wenn das Spiel wahrlich kein Titel ist, in dem der Spielende vielen Textwände begegnen wird, hat es Pysonix geschafft mit ein paar Fehlern im Menü unangenehm aufzufallen. Dies erachte ich als etwas peinlich und schmunzelnswert, sehe es jedoch auch nicht als überaus dramatisch an. Auch der in Elektronik-Richtung tendierende Soundtrack

Individualisierungswahn? Ja, bitte!

Zurück zu etwas, das in modernen Spielen absolut immer vorhanden ist: Im Verlauf der Matches wird einem ein Regen von Freischaltungen entgegenkommen, die auf beiden Plattformen identisch sein dürften. Allgemein sind die Unterschiede zwischen der PS4-Version und PC-Version sehr klein. Die 10 (11 auf der Ps4) unterschiedlichen Wagen lassen sich mit einer Vielzahl von Hüten, Reifen, Mustern und Farben individualisieren. Gleichzeitig macht es spielerisch keinerlei Unterschied, welchen Wagen man nutzt, was für den Balance-Aspekt außerordentlich gut ist. Deswegen sehe ich auch den neuen Wagen im ersten zahlungspflichtigen DLC völlig ohne Sorgen. Wer nicht unbedingt mehr Individualisierung braucht, kann sich diesen sparen, ohne einen Nachteil fürchten zu müssen.

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Wie steht es um die Abwechslung?

Wenn wir schon bei Unterschieden sind, die 4 Standard-Arenen unterscheiden sich, bis auf ihre Kulisse, leider gar nicht. Sie unterliegen alle exakt demselben Layout mit derselben Größe, denselben Toren und demselben Ball. Zusammen mit den immer gleichen Wagen und dem einzigen Spielmodus – eben einem Fußball ähnlichen Punktspiel – ist damit Abwechslung Rocket Leagues größtes Problem.

So ausgefeilt das Spielprinzip auch sein mag, ohne mitspielende Bekannte und Freunde stellt sich relativ schnell ein Ermüdungsgefühl ein. Rocket League ist auf Dauer kein Spiel, das einen Abende lang fesselt. Stattdessen eignet es sich eher als ein spaßiges Spiel für Zwischendurch. Es fehlt ihm die kreative Abwechslung. Hierfür könnte Psyonix zum Beispiel das Arenen-Layout variieren, die Torform verändern oder sogar neue Spielmodi implementieren. Diese Aspekte fehlen nahezu vollständig in seiner jetzigen Version. Auch wenn mir die Wagenphilosophie aufgrund der DLC-Wagen wirklich gefällt, sind auch die sich immer gleich spielenden Wagen der Langzeitmotivation nicht wirklich zuträglich.

Interessanterweise scheint Psyonix dieses Problem sogar selbst erkannt zu haben. Die im letzten Patch veröffentlichte Arena „Utopia Kolosseum“ offenbart sich als der erste Funken der ersehnten Abwechslung. Nicht nur vom Aussehen hebt sie sich stark von den anderen Arenen ab, sondern durch ihre kleinere Größe verändert sie auch das Gameplay der auf ihr stattfindenden Matches. Laut einem Interview mit PCGamer arbeitet Psyonix auch bereits an anderen Arenen, die, wie bereits betont, alle kostenlos sein werden. Den Worten des interviewten Entwicklers zufolge sollen diese kommenden Arenen abgedrehter und damit hoffentlich deutlich kreativer werden. Nichtsdestotrotz ändert dies nicht an dem gegenwärtigen Build, in dem mangelnde Abwechslung und daher ein Problem bei der Langzeitmotivation bestehen.

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Fazit: Sehr unterhaltsames Multiplayerspiel mit Abwechslungsschwäche

Summary
Rocket League ist eine absolute Überraschung auf dem Videospielmarkt und erschien aus dem Nichts, begeistert Fußball und Nicht-Fußballfans und Auto und nicht Autoliebhaber. Dennoch ist es nicht fehlerlos. Vor allem in Sachen Abwechslung und Ranglistenspiel mit Zufallsteams hat es ziemliche Schwächen und kann als Einzelspieler recht schnell eintönig werden. Wem das Autoraketenballspiel nicht zu hektisch und abgedreht ist, sollte nach ausreichender Gameplay-Begutachtung dennoch unbedingt einen Blick riskieren. Denn von der reinen Spielmechanik und dem Konzept ist es absolut empfehlenswert. Rocket League macht einfach Spaß. Mit Freunden macht es sogar noch mehr Spaß. Mit einem eingespielten Team ist es mit Sicherheit fast ein Dauerbrenner.
Good
  • Sehr gut umgesetztes Konzept
  • Sehr gut anfühlendes Gameplay
  • DLC-Konzept stimmt und verunstaltet Ranked nicht
  • Optik und Soundtrack sind stimmig
  • Ranked-System funktional
  • Beobachtermodus und Replayfunktion unterstützen Ranked
  • Viel Individualisierung
Bad
  • Nur ein Spieltyp
  • Arenen bis auf Utopia Kolosseum sehr ähnlich
  • Allgemein Abwechslungsschwäche
  • Trotz Crossplattform keine Gruppenbildung über Plattformgrenze hinaus
  • kleine Lokalisierungsfehler
8
Sehr gut
Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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