Resident Evil: Revelations 2 im Test

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Capcom bewies mit dem ersten Resident Evil: Revelations, dass sie trotz dem größeren Actionfokus in den jüngsten Titeln der Reihe doch noch zu Survival Horror fähig sind. Ist das genug, um auch ein zweites Mal zu funktionieren? In unserem Test wird es offenbart werden.

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Welch eine Party!

Angesiedelt ist Revelations 2 zwischen Resident Evil 5 und 6, also lange nach dem ersten Revelations. Im Jahr 2011 wird die Welt von bioterroristischen Krisen überzogen. Doch eine Gruppe will sich mit der leidenden Bevölkerung nicht abfinden – und hilft vor Ort direkt mit Medikamenten und Lebensmitteln aus. TerraSave, so wie sich nennen, ist auch der neue Arbeitgeber von Claire Redfield, jüngere Schwester von BSAA-Captain Chris Redfield und wie er ein Überlebender des Raccoon City-Zwischenfalls 13 Jahre zuvor, und Moira, der Tochter von Chris’ ehemaligen Kollegen Barry Burton aus seinen Zeiten bei Raccoon Citys S.T.A.R.S.. Als ein bewaffneter Trupp an diesem Abend die Zentrale von TerraSafe überfällt, finden sich Claire und Moira einige Stunden später in einer Art Gefängnis wieder. Um sie herum Leichen, teuflische Fallen, infizierte Insassen und eine mysteriöse Frauenstimme, die sie offenbar beobachtet. Und was hat es mit den farbigen Armbändern auf sich, die die beiden tragen? Die beiden Frauen brechen kurzerhand aus, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Derweil erreicht die Nachricht vom ihrem Verschwinden auch die Ohren von Barry Burton. Auch wenn er und Moira kein einfaches Verhältnis zueinander hatten, so hat der ehemalige Cop nicht einen Moment gezögert und sich aufgemacht, um ihrer Spur zu folgen. Doch an seinem Ziel entdeckt er nur ein kleines Mädchen namens Natalia. Schnell entdeckt Barry, dass sie über besondere Kräfte verfügt und er nimmt sich ihrer an.

Aus narrativer Sicht hat sich Capcom etwas neues ausgedacht: Die Geschichte wird in vier Episoden erzählt, die narrativ jeweils einen der Charaktere in den Vordergrund stellen. In spielerischer Hinsicht ist allerdings immer das selbe Muster vorhanden: Den ersten Teil jeder Episode bestreiten immer Claire und Moira, während Barry und Natalia die zweite Hälfte angehen dürfen. Dabei besucht man u.a. ein Gefängnis, eine auf der Insel liegende Stadt, die Kanäle und eine alte Lebensmittelfabrik, die auch ein paar Anspielungen auf den ersten Resident Evil-Teil enthält.

Unterbrochen werden die Action- und Schleichsegmente durch einige Puzzles, die das Verschieben von Objekten und kreativen Einsatz der Umgebung voraussetzen. Einige Rätsel können auch nur von bestimmten Charakteren angegangen werden, wie z.B. eine sehr kreative Sequenz in Episode 3, die nur Moira mit ihrer Taschenlampe lösen kann. Bei den Charakteren sticht vor allem Barry heraus, bei dem Capcom wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um seine Persönlichkeit mit all ihren schlechten Wortspielen und Übersetzungspannen aus dem ersten Resident Evil herüber zu transferieren. Doch unter den schlechten Wortspielen steckt einerseits auch eine große Sorge um seine entfremdete Tochter als auch andererseits die Freundschaft mit Natalia. Beide bekommen einige sehr gute Szenen, in denen sie über ihr Leben und ihre Familie sprechen. Umso enttäuschter war ich von Claire Redfield, die ziemlich wenig Charakterentwicklung erhält und die man ohne weiteres gegen eine andere Figur hätte austauschen können. Sie wirkt im Vergleich zu Moira erstaunlich blass.

Das Tempo des Geschichtsverlauf ist gut gewählt. Weit besser als noch in Teil 5 und 6, wo man teilweise von Ereignis zu Ereignis durch die Straßen gehetzt wurde, oftmals sogar buchstäblich. Besonders die letzte Episode bietet einige nette Erinnerungen an die Anfänge der Reihe mit einigen ungewöhnlichen, aber vertraut wirkenden Umgebungen. Was allerdings zu wünschen übrig lässt ist die Geschichte selbst. Am Ende hat man nicht das Gefühl, großartig etwas bewirkt zu haben. Da helfen auch die beiden Extraepisoden wenig, auch wenn sie ein paar Logiklöcher in der Handlung schließen. In der ersten muss Moira sich im Wald in einer Art Überlebenstraining zurechtfinden und kann Tiere jagen, um ihr Überleben zu sichern, während man in der zweiten Episode als Natalia spielt, die anscheinend über einen dunklen Zwilling verfügt, den nur sie sehen kann. Mit dessen Hilfe muss sie sich vor Gegnern verstecken, um zu ihrem Ziel zu gelangen.

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Ich pass auf dich auf

Spielerisch teilen sich beide Gruppen in einen Kämpfer ein, der als einziger über echte Waffen verfügt (Claire, Barry), während ihr Partner jeweils Hilfsaufgaben übernimmt. Moira hat eine Taschenlampe, mit der sie Claire den Weg leuchten muss und dabei auch versteckte Gegenstände und Zeichen offenbart. Für den Notfall hat sie ein Brecheisen, mit dem sie zudem Kisten und Türen aufstemmen kann. Natalia ist hingegen praktisch wehrlos. Sie kann mit Ziegelsteinen werfen, doch sie sind eher zur Betäubung gedacht. Viel wichtiger ist ihre Fähigkeit Gegner in der Umgebung aufzuspüren und ihre Bewegung zu verfolgen. Dadurch ist Barry in der Lage – anders als Claire – auch auf verstohlene Manöver zurückzugreifen, um Gegner auszuschalten. Sie kann ihrem Partner auch die Schwachpunkte von Gegnern nennen, auf die er schießen sollte, wenn es nötig ist.

Zur Verteidigung haben Claire und Barry jeweils ein Messer. Eine Tradition, die sich seit Resident Evil 4 durch die ganze Serie zieht. Ein gut platzierter Kopfschuss kann Gegner betäuben, wonach man ihnen mit einem Tritt den Rest geben kann. Moira kann sie zudem mit ihrer Taschenlampe blenden. Was den Kampf durchaus kurzweilig macht ist der Punkt, dass beide Gruppen aufgrund eines Elements in der Story nicht gegen die selben Gegner kämpfen. Noch dazu können die Aktionen Claires in gewisser Hinsicht Einfluss auf Barrys Story haben. An Waffen findet man das Standardarsenal aus Pistolen, Magnums, Schrotflinten, Maschinenpistolen und Scharfschützengewehren vor. Zum Erforschen der Level laden mehrere Modelle eines Waffentyps ein, die man durch das Lösen von optionalen Rätseln erhalten kann. Auf Werkbänken, die über das ganze Spiel verteilt sind, kann man sie zudem mit Waffenmodifikationen aufwerten, die ihnen mehr Durchschlagskraft und anderes geben.

Für den Wiederspielwert sorgen zwei zusätzliche Modi, die nach Abschluss einer Episode verfügbar werden. Im Zeitlimit-Modus muss man die einzelnen Kapitel in einem vorgegebenen Fenster abschließen, was ein wenig an den allerersten Mercenary Modus aus Resident Evil 3: Nemesis erinnert, während im Unsichtbar-Modus alle Gegner des Kapitels nicht zu sehen sind und man sich an ihren Geräuschen orientieren muss. Und natürlich gibt es auch wieder Sammelgegenstände, für die alle Charaktere zum Einsatz kommen müssen: Claire und Barry müssen Embleme abschießen, Moira sucht mit ihrer Lampe nach Kafka-Zeichnungen und Natalia entdeckt versteckte Insektenlarven. Schließt man das Spiel erfolgreich ab, kann man verschiedene Kostüme und Extras für die weiteren Durchgänge freispielen, darunter Claires Kostüm aus Resident Evil 2 und Barrys S.T.A.R.S.-Ausrüstung aus dem ersten Teil sowie neue Waffen und Filtereffekte für die Kamera. Und das ist alles nur für die Kampagne. Denn die wahre Tiefe offenbart sich erst im wiederkehrenden RAID Modus.

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Nimm was du kriegen kannst – und gib nichts wieder her

Wie schon im ersten Revelations, gibt es auch diesmal wieder anstelle des Mercenary Modus der Hauptreihe den sogenannten RAID Modus. Hier treten die Spieler einzeln, im lokalen Co-Op und bald auch Online zusammen an, um Levels abzuschließen und dabei Erfahrung und Ausrüstung zu sammeln. Doch wer meint es sei eine bloße Kopie aus dem letzten Spiel irrt. Capcom hat massiv an den Mechaniken geschraubt, um den RAID so abwechslungsreich wie möglich zu machen. Jede Episode bietet sechs Karten, die jeweils in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespielt werden können. Neben Abschnitten, in denen man von Punkt A nach Punkt B geht und dabei alle Gegner ummäht die einem vor den Lauf kommen, gibt es diesmal auch Kampfarenen und Verteidungsmissionen. Beide erinnern an ähnliche Levels aus Resident Evil 6 – und das aus gutem Grund, denn Revelations 2 kopiert viele Schauplätze einfach aus dem bisher letzten Teil der Hauptreihe und auch aus dem ersten Revelations. Was nicht so schlimm wäre – nur leider wird Resident Evil 6 vielen Leute schlecht in Erinnerung geblieben sein. Sogar Gegner aus den vergangenen Spielen geben sich die Ehre. Manche würden das Resteverwertung nennen, aber Capcom bringt diese alten Dinge mit einem gewissen Charme zurück, was sich in der Waffenauswahl wiederspiegelt, die sogar den aus Resident Evil 4 bekannten Chicago Typewriter enthält. Warum? Keine Ahnung, aber es macht Laune!

Jeder der Hauptcharaktere ist im RAID Modus spielbar und verfügt über eigene Skills, die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden. Mit genug Erfahrungspunkten kann man diese Talente verbessern und ihre Nutzung auch für andere Charaktere freischalten. Erfolgreicher Abschluss eines Abschnitts gewährt Medaillen und wenn man genug sammelt, schaltet man auch einige geheime Charaktere frei. Ein paar weitere Charaktere wie Umbrella-Spezialist HUNK und Serien-Lieblingsfiesling Albert Wesker sind für Käufer des Season Passes bzw. der Komplettedition verfügbar und können auch einzeln als DLC gekauft werden. Außerdem gibt es noch jeweils einige Kostüme für die Hauptcharaktere, wobei einige auch durch den Abschluss der Hauptkampagne freigeschaltet werden. Mit diesem RAID ist Capcom beinahe schon ein eigenes Spiel im Spiel gelungen, wenn da nicht ein ziemlich dicker Wermutstropfen wäre: Mikrotransaktionen.

Ja, Resident Evil: Revelations 2 hat die Dreistigkeit, Mikrotransaktionen anzubieten, mit denen man rote Lebenskristalle kaufen kann, um sich selbst nach einem Ableben wiederzubeleben. Das an sich ist nicht zu schlimm, da man die blauen Kristalle mit den selben Eigenschaften jederzeit auch mit In-Game Gold kaufen kann. Aber auch der Speicherplatz für gefundene Gegenstände ist begrenzt. Will man mehr sammeln, brauch man mehr Platz – und für den bittet Capcom zur Kasse und das sogar eingeteilt in mehrere Kategorien. Das kann mit viel investierter Zeit ziemlich frustrierend sein.

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Grafisch keine Offenbarung

Tatsächlich hat Capcom sein Wort in Sachen Performance gehalten: Resident Evil: Revelations 2 läuft auf der PS4 mit den versprochenen 60 fps, wobei mir berichtet wurde, dass gerade diese Version und die auf dem PC ein paar Einbrüche enthält, was mir allerdings nicht persönlich aufgefallen ist. Was die Sache noch perplexer macht: Das Spiel sieht nicht besonders aus wie ein Next-Gen Spiel, im Gegenteil: Es verbreitet den selben Eindruck, den man mit dem ersten Revelations hatte – als sei es von Anfang an als Handheld-Titel gedacht gewesen. Umgebungen sind detailarm, die Animationen manchmal ziemlich hölzern – wirklich kein Hingucker. Dafür gleicht das Spiel dieses Manko mit stimmungsvoller Musik und einigen ziemlich guten Sprechern aus.

Wer Resident Evil 6 gespielt hat, wird sich schnell mit der Steuerung zurechtfinden. Wirklich neu ist lediglich, dass der Wechsel zwischen beiden Charakteren jederzeit mit Dreieck möglich ist, wenn man allein spielt. Gegner mit dem Analogstick abzuschütteln klappt allerdings nicht immer sofort. Schwer zu sagen, ob das so gedacht ist oder ob es sich um einen Fehler handelt.

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FAZIT: Zu empfehlen – aber…

Ich für meinen Teil habe Resident Evil: Revelations 2 sehr genossen. Es bot genau das, was ich mir erhofft habe und nimmt viele Macken aus den alten Teilen heraus, z.B. die unsäglich zahlreichen Actionsegmente, nervige Quicktime-Events und setzt stattdessen wieder den Fokus auf mehr Survival Horror, garniert mit der passenden Dosis Action wenn es mal nötig wird. Dem Spiel kommt ein gutes Tempo entgegen, das einem genug Zeit lässt, um das Ambiente zu genießen und die Charaktere zu verstehen.

Und doch gibt es eine Sache die mich grübeln lässt: Das Episodenformat. Anders als bei vergleichbaren Titeln von z.B. Telltale, habe ich mich entschieden, keine Passkontrolle zu Resident Evil: Revelations 2 zu schreiben sondern auf das Gesamtpaket zu warten. Denn ich wurde nie das Gefühl los, dass Capcom hier ein bereits fertiges Spiel in Häppchen verkauft, um die Absatzrate zu testen. Erschwerend kommt hinzu, dass die DLC-Politik langsam Ausmaße annimmt, die gelinde gesagt beunruhigend sind. Man kann nur hoffen, dass das Marketingdepartment daraus keine falschen Schlüsse zieht, denn der Erfolg von Resident Evil: Revelations 2 stammt nicht von ihnen, sondern von den Entwicklern die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Es ist eines der besten Resident Evil-Spiele der letzten 10 Jahre, aber leider hat es in dieser Hinsicht auch kaum Konkurrenz. Trotzdem ist ein guter Anfang für eine hoffentlich bessere Zukunft für Capcoms Horrorreihe.

Getestet wurde die digitale PS4-Version. Es ist außerdem verfügbar für PC, Xbox One, PS3 und Xbox 360. Ein Komplettpaket für die PS Vita soll dieses Jahr noch folgen.

Good

  • Gute Atmosphäre
  • Sehr umfangreicher RAID Modus
  • Viele freispielbare Extras
  • Musik ist ansprechend
  • Auch im Co-Op spielbar

Bad

  • Fragwürdiges Episodenformat
  • Mikrotransaktionen im RAID Modus
  • Story ist insgesamt eher belanglos
  • Claire wirkt austauschbar
7

Gut

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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