Resident Evil 7 Review

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Sind wir wirklich so weit gekommen? 21 Jahre nachdem Spieler die Spencer-Villa zum ersten Mal erkunden durften, bringt uns Capcom den nunmehr siebten Teil der Hauptreihe. Resident Evil 7 trägt nicht zu unrecht den Untertitel „Biohazard“, ist dies doch japanische Originaltitel der Reihe. Denn mit Resident Evil 7 will sich Capcom endlich zurück besinnen auf das, was die Reihe einst populär gemacht hat: Den Horror. Lest jetzt unser Review!

Die Abenteur von Bayou Ethan

Eine sehr große Neuerung dürfte sein, dass man in Resident Evil 7 zum ersten Mal seit Teil 4 keinen Partner an der Seite hat. Zudem gibt uns Capcom auch einen brandneuen Hauptcharakter: Ethan Winters hat vor drei Jahren seine Ehefrau Mia verloren, als sie unter unter mysteriösen Umständen verschwand, bis er plötzlich eine E-Mail von ihr erhält, die ihn nach Dulvey im US-Bundesstaat Louisiana führt. Offenbar ist sie von einer dort ansässigen Familie namens Baker entführt worden.

Zu viel will ich an dieser Stelle nicht über die Story erzählen, denn sie hält ein paar Überraschungen bereit. Aber eines fällt auf: Nach dem unglaublichen Storydesaster namens Resident Evil 6 erzählt Resident Evil 7 eine überraschend kleine, aber willkommen bescheidene Geschichte, die sich mehr an Spielen wie dem ersten und zweiten Teil der Reihe orientiert: Keine Weltverschwörung, keine Actionsequenz an Actionsequenz – sondern einfach nur ein Mann, der seine vermisste Frau sucht. Auch die Anzahl der Charaktere in der Geschichte hält sich in Grenzen, was aber dazu führt, dass jeder von ihnen mit besserer Entwicklung ausgestattet wird. Tatsächlich man über weite Teile des Beginns eher den Eindruck, Capcom wolle hier ein Konzept präsentieren, das auf Titeln wie Outlast oder dem eingestellten Silent Hills aufbaut. Dazu passt auch, dass man diesmal nicht quer um die Welt reist: Alles spielt sich im Anwesen der Familie Baker und der unmittelbaren Umgebung ab – was aber nichts schlechtes ist, denn trotz dieser räumlichen Einschränkung bekommt man einige abwechslungsreiche Orte zu sehen.

Nur ein Problem sehe ich in Resident Evil 7: Trotz allem wirkt die Handlung unvollständig. Es ist, als ob dem Spieler bewusst Informationen vorenthalten werden, um sie später in Form von DLC-Kapiteln zeigen zu können. Dazu passt, dass am Ende des Spiels ein Hinweis auf die kommende kostenlose DLC-Kampagne „Not a Hero“ eingeblendet wird – und das Resident Evil 7 zudem einen 30 €-Staffelpass besitzt. Eine Sache kann man noch sagen: Wer sich für Resident Evil 7 interessiert, sollte auch die Beginning Hour-Demo spielen, denn anders als Demoversionen ähnlicher Spieler ist Beginning Hour ein in sich geschlossenes Kapitel, welches im Hauptspiel nur am Rande erwähnt wird, obwohl es ein paar interessante Details zur Vorgeschichte liefert. Apropos Details: Das Spiel macht einen sehr subtilen Versuch, kleine Querverweise auf praktisch die gesamte bisherige Spielreihe zu legen, ohne es zu offensichtlich zu machen. Mal über die Autoren eines Buches oder Zeitungsberichts, mal über Fotos oder einfach nur über die Architektur, durch die man geht. Gut aufpassen lohnt sich.

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Baker Street

Zweite sehr große Neuerung: Resident Evil 7 spielt vollständig aus der Egoperspektive anstelle der traditionellen Ansicht von hinten, was den Vergleich zu Outlast sogar eher noch verstärkt. Sobald man aber zu den Bosskämpfen kommt muss man sich eingestehen, dass man einen waschechten Resident Evil-Teil vor sich hat. Ethan bekommt nur eine Handvoll Waffen, aber jede davon erfüllt seinen Zweck und fühlt sich gut im Einsatz an. Auf Dinge wie Handgranaten oder Scharfschützengewehre wird verzichtet. Dafür schlägt wieder die Stunde klassischer Waffen wie der Pistole, Schrotflinte und einem Granatwerfer mit verschiedenen Typen von Munition. Wer gut sucht, findet sogar ein paar kleine Upgrades, mit denen man sich aufrüsten kann, wie eine verbesserte Pistole, Steroide, die dauerhaft Ethans Gesundheit erhöhen oder Rucksäcke, mit denen sich der Inventarplatz erhöht. Auch gut versteckt sind sogenannte Mr. Everywhere-Wackelköpfe, die als kleiner Sammelgegenstand herhalten. Für das Inventarmanagement ging Capcom bis an den Anfang der Reihe zurück, was bedeutet, dass man wieder eine Itembox bekommt, in der man Gegenstände zwischenlagern kann. Diese Boxen stehen in ausgewiesenen Speicherräumen zusammen mit einem Kassettenrekorder, der die Funktion der Schreibmaschine zum Speichern erfüllt.

Ansonsten gibt es wieder eine schöne Auswahl von Puzzles, ein wenig Action und ein paar sehr gut durchdachte Horrormomente. Die Revelations-Spiele kommen dabei in den Sinn, wo der Weg zurück zum Horror begonnen wurde, aber Resident Evil 7 perfektioniert es: Neben ein paar „Jump-Scares“ macht es aber auch einen guten Eindruck, den Horror auf die psychologische Ebene zu heben.

Größte Gefahr zu Beginn ist die Baker-Familie, allen voran Familienoberhaupt Jack Baker, der Nemesis-ähnlich immer wieder zurückkommt. Daher ist es oft besser, wertvolle Munition zu sparen und sich vor ihm zu verstecken. Statt einer großen Anzahl verschiedener kleinerer Gegner hat Resident Evil 7 nur einen einzigen Gegnertyp, der in verschiedenen Variationen auftaucht: Die „Molded“, eine Mischung aus den t-Abyss Kreaturen aus Resident Evil: Revelations und Uroboros aus Resident Evil 5. Capcom nutzt die Variationen auch ein wenig, um den Spieler hinter’s Licht zu führen, denn manchmal ist die offensichtliche Schwachstelle gar nicht die wahre Schwachstelle. Wie schon erwähnt gibt es auch eine handvoll Bosskämpfe, die auch eine der größten Schwächen von Resident Evil 7 sind, denn sie sind längst nicht so dynamisch wie man meinen sollte. Speziell ein Bosskampf düfte in dauerhafter Erinnerung bleiben, treibt Capcom hier doch die Kettensägenmentalität, die seit Teil 4 herrscht, auf die Spitze.

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Teilung?

Dank der neuen RE Engine sieht Resident Evil 7 sehr gelungen aus, auch wenn es insgesamt recht dunkel gehalten ist und man so die Farben nicht so schätzen kann. Ganz großes Highlight sind die Sprecher, die nicht nur überzeugend klingen sondern auch schauspielerisch ziemlich viel erreichen. Tatsächlich lernt man jeden einzelnen Charakter irgendwie zu schätzen. Die Steuerung hat sich nicht grundlegend verändert, allerdings ist die Oberfläche mit Informationen wie Munition oder ähnliches viel aufgeräumter. Eine Minikarte gibt es nicht mehr, aber dafür ein vollständiges Kartenmenü, welches das Spiel auch pausiert. Dieses Detail sollte man erwähnen, da Resident Evil 6 nicht einmal die Möglichkeit einer vollständigen Pause bot. Nur ein wenig inkonsequent ist man bei der Heilung. Der Bildschirm bekommt blutrote Flecken, selbst wenn man nur ein wenig verletzt ist und das, obwohl man die meiste Zeit über eine perfekte Möglichkeit besitzt, um seinen Gesundheitszustand zu kontrollieren. Auch wenn man den Grad reduzieren kann – es irritiert einfach.

Speziell auf der PS4 gibt es auch die Möglichkeit, Resident Evil 7 vollständig mit VR zu spielen. Leider blieb mir diese Möglichkeit verwehrt. Jedoch kann ich mir sehr gut vorstellen, wie effektiv dies wirken kann.

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FAZIT: Willkommen zurück

In absolut jeder Hinsicht bin ich verblüfft: Resident Evil 7 hält nicht nur sein Versprechen den Horror zurückzubringen, sondern lässt dabei praktisch alle Vorgängertitel der letzten zwölf Jahre hinter sich (ja, auch die eigentlich sehr guten Revelations-Spiele!) und zementiert sich als bisher bester Teil der Reihe seit Resident Evil 4. Tatsächlich bin ich sogar geneigt dazu, mir die DLC-Kapitel anzusehen, einfach weil ich nach dem Ende so viele Fragen hatte und diese hoffentlich dort beantwortet werden. Es mag etwas verfrüht sein es zu sagen, aber wenn Capcom hier so auf dem Teppich bleibt wie das Spiel wirkt, könnte Resident Evil 7: Biohazard das Zeug zum modernen Klassiker haben.

Getestet wurde die PS4-Version. Es ist außerdem verfügbar für PC und Xbox One.

 

Good

  • Extrem spannendes Horrorerlebnis
  • Großartige Präsentation
  • Gut geschrieben
  • Viele erinnerungswürdige Momente

Bad

  • Bosskämpfe nicht dynamisch genug
  • Manchmal etwas zu dunkel
9

Großartig

Profilbild von Christian Mutig
Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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