Es gab mehr als einen Punkt, an dem ich nicht mehr weiter kommen wollte. Capcoms Resident Evil 6 ist eine ganz besondere Herausforderung für die eigenen Nerven. Kann da ein Remaster Abhilfe schaffen? Lest es in unserem Test!

 

Resident EBay

15 Jahre nach den Ereignissen von Raccoon City und 8 Jahre nach denen von Resident Evil 4 arbeitet Leon Kennedy immer noch für den Secret Service. Amerikas neuer Präsident Adam Benford möchte die Vorkommnisse um die durch einen Atomschlag zerstörte Metropole endlich öffentlich machen. Doch dann wird der Ort Tall Oaks, wo sich der Präsident aufhält, von einer mysteriösen Wolke übermannt – und plötzlich wandeln die Toten wieder auf der Straße. Leon muss sich mit einer Frau namens Helena Harper zusammentun, um die Gründe zu erfahren. Derweil versucht die inzwischen erwachsen gewordene Sherry Birkin, die Veteranen der Reihe noch als kleines Mädchen in Resident Evil 2 kennen werden, in Osteuropa einen Mann namens Jake Muller aufzuspüren – den Sohn des verstorbenen Langzeit-Oberfieslings Albert Wesker. Von ihm erhoffen sich Birkins Vorgesetzte ein Gegenmittel für das Zombievirus zu finden. Und währenddessen versucht Chris Redfield im Namen der BSAA einen Biowaffenaufstand in selben Ort niederzuschlagen. Dabei kommt er einer Frau auf die Schliche, die scheinbar Leons alte Flamme Ada Wong ist.

Hier haben wir bereits das erste Problem von Resident Evil 6: Es will alles und noch mehr. Nicht eine, sondern gleich vier volle Einzelspielerkampagnen gibt es, von denen alle zur selben Zeit ablaufen. Tatsächlich gibt es sogar eine Reihenfolge, wie man allen Ereignissen am besten folgen kann. Bevor das Spiel überhaupt startet, noch vor dem Titel oder irgendeinem Menü, spielt man bereits einen Prolog – der einen sehr schlechten ersten Eindruck liefert. Quicktime-Events bestimmen von da an einen Großteil der Handlung. Und was für eine Handlung es ist: Von Osteuropa über China bis in die Tiefen eines unterseeischen Labors – war Resident Evil 5 noch größtenteils auf Afrika beschränkt, so findet Resident Evil 6 immer mehr und mehr fadenscheinige Gründe, wie man Charaktere zur selben Zeit an den gleichen Ort bringen kann.

Mit weitem Abstand das schlimmste an Resident Evil 6 ist die Story, die nicht auch nur eine Minute versucht, irgendwie Sinn zu machen. Stattdessen nimmt sie sich viel mehr Zeit, so viel Actionsegmente wie möglich einfließen zu lassen: Sei es abstürzende Hubschrauber, Schusswechsel, Motorradverfolgungsjagden, Bruchlandung mit Flugzeug…ja, sogar eine verdammte Indiana Jones-mäßige Lorenfahrt gibt es. Auch ist mir in keinem Spiel vorgekommen, dass man zweimal einen unterirdischen Fluss wie Rutschbahn herunterrutscht und beim zweiten Mal von einem mutierten Riesenhai verfolgt wird. Von dem einstigen Fokus auf Survival Horror ist nur die zu stark begrenzte Munition geblieben. Noch dazu geben sich die Charaktere keinerlei Mühe. Nahezu jeder Hauptakteuere tut im Laufe des Handlung etwas so unsagbar dummes, dass man meinen könnte, man würde die Parodie eines eigentlich viel besseren Spiels vor sich haben. Einzig retten kann sich Leon Kennedy, allerdings nur weil er ständig hervorhebt, wenn jemand sich nicht verhält wie man es von einem normalen Menschen erwarten sollte. Am ehesten vergleichen lässt sich Resident Evil 6 mit einem Michael Bay-Film. Es ist laut und oft sehr dümmlich.

RESIDENT-EVIL-6_20160404233911  Resident Evil 6 Review

Es ist gefährlich, allein zu gehen

Jede der vier Kampagnen enthält zwei spielbare Charaktere: Helena mit Leon, Chris mit seinem BSAA-Partner Piers Nivans, Sherry mit Jake und Ada ist unterwegs mit einem namenlosen Umbrella-Söldner. Ursprünglich war sie mal alleine unterwegs, aber Capcom war wohl der Ansicht, dass jede Kampagne zu zweit angegangen werden könnte, weswegen sie einst den Söldner in die Kampagne gepatcht haben. Zu zweit ist auch ein gutes Stichwort: Ähnlich wie Resident Evil 5 lässt sich Resident Evil 6 sowohl lokal als auch online mit einem Partner spielen. Außerdem können andere Spieler die Kampagne kapern und als Gegner für den Spieler erscheinen. All das kann man aber auch abschalten und die Kampagne allein spielen. Manchmal ist das sogar besser, weil der eigene Computerpartner unverwundbar ist und unendlich Munition besitzt.

Theoretisch ist jede Kampagne außerdem dazu gedacht, für jeden Spielertyp etwas zu bieten. Jedoch hat nur Adas Kampagne bei mir echtes Resident Evil-Gefühl ausgelöst. In ihrer Kampagne gibt es einige durchaus gut gemachte Rätsel, nahezu keine der nervigen Co-Op Stellen (eben weil ihre Kampagne ursprünglich nur für Solo-Spieler gedacht war) und weniger Gegner als sonst. Zwar versucht Leon es ähnlich, doch die Zombies in seiner Kampagne sind unvorhersehbarer als man annehmen sollte. Oft spucken sie mit ätzender Galle, springen einen an oder werfen einen zu Boden. Zu Boden geht man auch bei Chris und Sherry durch die vielen Kugeln, die man zwangsläufig abbekommt. Gerade der Teil von Chris spielt sich mehr wie ein schlechter Third Person Shooter als ein Resident Evil. Teilweise fühlt man sich in das extrem geschmähte Operation Raccoon City hineinversetzt dank Waffen, die wenig bis keine Wirkung bei Gegnern zeigen. Jake und Sherry haben einen großen Verfolger namens Ustanak, offenbar eine Referenz an den Nemesis aus Resident Evil 3, der sich ihnen in jedem Kapitel in den Weg stellt und sie jagt. Und einmal “getötet” kommt er immer und immer wieder auf die hirnrissigste Art und Weise.

Kräuter galten seit jeher als Heilmittel in Resident Evil und auch Teil 6 bringt sie wieder mit – in Pillenform. Mit einem überkomplizierten Menüsystem muss man Tabletten aus Kräutern erst mixen, dann in die Pillendose geben und sie anschließend nacheinander zu sich nehmen um sich zu regenerieren. Was es noch viel komplizierter macht: All das muss während des laufenden Spiels passieren, ohne die Möglichkeit zu pausieren. Selbst die Möglichkeit auszuweichen ist nur durch eine Kombination aus Tasten möglich, die einfach nicht eingängig ist.

RESIDENT-EVIL-6_20160404235908  Resident Evil 6 Review

Wo bist du, Spencer-Villa?

Selbst das Upgrade auf eine neue Konsolengeneration täuscht nicht darüber hinweg, dass Resident Evil 6 ein ziemlich hässliches Spiel ist. Grau, meist dunkel und mit wenig Detailarbeit an einem eigenen Artstyle – wirklich viel wurde nicht getan, um es groß aufzumöbeln. Zwar geht die Steuerung mit einem Controller sehr viel leichter von der Hand als meine letzte Begegnung auf PC, aber Capcom schafft es einfach nicht, in kleinen Dimensionen zu denken und überbelegt deswegen den Controller mit Manövern. Auch der Soundtrack gibt sich keine Mühe Horror zu verbreiten. Stattdessen ist er viel mehr auf Action und Dramatik ausgelegt.

Wer vom Einzelspielermodus genug hat, kann sich in den Mehrspieler-Modus flüchten. Im Preis inbegriffen ist der alte Staffelpass, der einige neue Modi für Mehrspieler bringt. Wirklich interessant ist aber hauptsächlich der altbekannte Mercenaries-Modus, wo man punktebasiert – wahlweise auch zu zweit – Wellen von Gegnern besiegt. Dank ein paar netter alternativer Kostüme und genug Auswahl unter Charakteren mit verschiedener Bewaffnung kann dieser auch für eine Weile gut unterhalten. Ebenfalls dabei ist der bislang PC-exklusive Mercenaries No Mercy-Modus, der die Gegnerzahl noch mal erheblich ansteigen lässt, aber auch mehr Möglichkeiten bietet, um hohe Punktezahlen zu ergattern. Mit guten Abschlüssen in den Mercenaries-Levels schaltet man zudem weitere Charaktere und sogar Kostüme frei.

RESIDENT-EVIL-6_20160404225810  Resident Evil 6 Review

FAZIT: Der Sprung über den Hai

War Resident Evil 5 noch ein ziemlich vollgeladener, aber immerhin solider Actiontitel, so bringt Resident Evil 6 wirklich alles mögliche auf und schafft es, so gut wie gar nichts davon anständig zu machen. Es ist an sich so übervoll mit Bombast, Explosionen und als episch gedachte Schlüsselmomente, dass man einfach zu viel von allem hat und man entnervt die Segel streichen möchte. Außerdem tritt es damit den Namen seiner eigenen Serie mit Füßen, der zum Glück durch das weitaus bessere Resident Evil: Revelations 2 ein wenig geläutert werden könnte. Am meisten perplex bin ich aber, dass Resident Evil 6 vor seinen Vorgängern auf die neue Konsolengeneration kommt. Als ob es sich dabei um eine verquere Art von Qualitäts-Countdown handelt.

Getestet wurde die PS4-Version. Es ist außerdem erhältlich auf Xbox One, PC, Xbox 360 und PS3.

 

Good

  • Der Mercenaries-Modus
  • Leon Kennedy als zynischer Beobachter
  • Technisch einigermaßen solide

Bad

  • Grausige Story
  • Nervende und strunzdumme Charaktere
  • Nichts ausgearbeitet
  • Langweilige Musik
  • Zu viele Quicktime-Events
4

Schwach

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

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