Pathfinder: Kingmaker Review - Old School RPG setzt auf Nostalgie

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„Back to the roots!“ Bei all den nostalgischen Bewegungen unserer aktuellen Medienwelt macht sich die Rückschau auf vergangene erfolgreiche Spiele auch in der Gameswelt breit. „Zurück zum Angang“ scheint auch das Motto von „Pathfinder: Kingmaker“ zu sein. Old School Rollenspielfreunde warten seit Langem auf eine Umsetzung des Pen & Paper-Regelwerks. Und für viele wurde die Freude noch größer, als bekannt wurde, das Konzept in einem isometrischen Rollenspiel der ganz alten Schule zu realisieren. Baldur’s Gate- und Neverwinter Nights-Veteranen werden allein beim Anblick von „Pathfinder: Kingmaker“ aufjauchzen. Doch gibt es bei aller Euphorie ein Manko. Für manch einen kommt dieses gerade recht. Für andere kann es abschreckend wirken. „Pathfinder: Kingmaker“ ist bockelschwer.

Bereits kurz nach Release des Games am 25.09.18 hat es eine Ladung Updates und Patches gegeben, die am Balancing und den langen Ladezeiten geschraubt haben. Insbesondere wurde der erhebliche Schwierigkeitsgrad angepasst, sodass man als RPG-Neuling in den einfachen Modi nicht sofort das Zeitliche segnet. Das ist gut und schön, dennoch stellt sich einem die Frage, ob die Entwickler, Owlcat Games, da zu schnell reagiert haben und die Gamer-Gemeinde ein herausforderndes Game einfach nicht mehr zu würdigen weiß oder ob es wirklich an einer fehlerhaften Umsetzung liegt.

Komplex, komplexer, Pathfinder: Kingmaker

Ungeachtet dessen erkennt man schnell: „Pathfinder: Kingmaker“ ist ein hoch-komplexes Spiel. Allein mit der Charakter-Erstellung wird man so einige Zeit verbringen. Und da weniger mit der optischen Gestaltung des Helden, als vielmehr klassischer Werte-und Skillverteilung. Bereits hier kann man stundenlang Klassen- und Fertigkeitsstudien betreiben, um sein Gameplay zu variieren. Acht Rassen und 14 Klassen sowie Subklassen stehen bereit, um aus diesen seinen persönlichen Spieltyp herauszufiltern. Das Ganze wird dann noch ausufernder, wenn die Heldengruppe mit bis zu sechs Gefährten dazu stößt, da man hier eine ausgewogene Mischung aus Kampf, Fernkampf, Magie, Heiler etc. erstellen muss. Erinnerungen werden wach, wenn man die Kämpfe wie in Baldur’s Gate in Echtzeit stoppen kann, um dann seine Meister-Strategie zu planen.

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Ein Regelwerk wie eine wissenschaftliche Arbeit

Und ja, in „Pathfinder: Kingmaker“ wird gewürfelt. Dungeon & Dragons Liebhaber kommen bei jeder Kampfsequenz auf ihre Kosten. Das Game basiert auf Regelwerk D&D 3.5. Wer sich mit der Materie auskennt, ist klar im Vorteil, Einsteiger werden nicht umhin kommen, sich stellenweise durch all die verschiedenen Einzelheiten durchlesen zu müssen. Denn alle Kämpfe laufen streng nach den Regeln ab, welche per Zufall des Würfelwurfs entschieden werden. Diesen kann man nicht beeinflussen, dafür jedoch alles andere. Sprich, wie man seine Gruppe ausstattet, skillt und wohin man mit ihr unterwegs ist. Grobe Fehler werden schnell bestraft. Eine schwer beladene Gruppe mit falschen Waffen, die sich sogleich in ein hartes Gebiet vorwagt, muss sich nicht wundern, sogleich über den Jordan zu gehen.

„Pathfinder: Kingmaker“ lehrt einen also ganz schnell zur Vorsicht und auch zum Experimentieren von Ausrüstung und Skills bei starken Gegnern. Denn mehr als oft wird einen der plötzliche Tod ereilen und man wird sich nicht erklären können, warum das nun geschehen ist. Beispielsweise ist der Gegner gegen eine bestimmte Waffe immun oder unsere Gruppe fehlt eine gewisse Resistenz gegen einen Elementarschaden. Genau diese Kleinigkeiten im Kampflog zu erkennen, zu überwinden und nach taktischer Überlegung einen Gegner zu schlagen, macht den Reiz von Pathfinder aus. Wem das zu mühselig ist, der sollte besser einen Bogen um das Game machen.

Viel Text und Atmosphäre

Bereits in ihrer Kickstarter-Kampagne hat Entwickler Owlcat Games klar gemacht, dass man sich hier soweit wie möglich am Original-Regelwerk orientiert. „Zum Glück!“, werden hier viele Veteranen des Rollenspiels schreien. Wer eher ein Haudrauf-Kandidat im Stile von Hack’n’Slay Diablo ist, der sollte seine Wahl für „Pathfinder: Kingmaker“ noch einmal überdenken. Nichtsdestotrotz hat Owlcat Games alles daran getan, es dem Spieler so leicht wie möglich zu machen. Zu allen Rassen, Klassen, Fertigkeiten, Gegebenheiten der Welt, NPCs und Religionen werden immer nützliche Tipps und Infos eingeblendet. Wer jedoch wirklich keine Lust auf Lesen hat, der hat das falsche RPG vor der Nase.

Pathfinder lebt wie jedes gute Rollenspiel durch seine Atmosphäre und die Freiheit einer Open World. Die Zufallsbegegnungen auf der Weltkarte tun ihr Übriges, das Spielgeschehen spannend zu halten, da es hier neben Kämpfen auch zu unterschiedlichen Ereignissen kommen kann.

20181005231931_1  Pathfinder: Kingmaker Review

Fazit:

Letztlich zeigt sich, „Pathfinder: Kingmaker“ ist ein durchschnittliches Game der alten Schule. Baldur’s Gate und auch Neverwinter Nights fliegen ihm trotz seines Alters davon. Wer ein isometrisches RPG sucht, wird dennoch voll auf seine Kosten kommen. Und ja, das Game ist schwer und will es auch sein. Wer dem entgehen will oder zu schnell gefrustet wird, der kann den Schwierigkeitsmodus auf „Story Mode“ stellen und erhält eine Ultraleicht-Version des Spiels. Alle anderen Rollenspieler, die eine Herausforderung suchen, sich gerne tiefgründig in Gruppenformation, Kampfmanagement, Skill-Experimentieren und vielem mehr einarbeiten wollen, dem bietet „Pathfinder: Kingmaker“ eine großartige Plattform, sich auszutoben.

Good

  • Nostalgische Gefühle zur alter RPG-Videospielkultur
  • Original-getreue Umsetzung des D&D-Regelwerks
  • Atmosphäre des Pathfinder-Universums eingefangen

Bad

  • Zu schwer für Neulinge
  • Trotz Patches immer noch teilweise verbuggt
  • Gute Atmosphäre, dennoch nur Mittelklasse im Vergleich zu alten RPGs wie Baldur's Gate
8

Sehr gut

Gamingnerd und Filmjunkie. Angefangen hat die Videospiel-Reise mit NES und Gameboy, seither der Gameswelt verfallen. Filme und Serien sind seine Passion seit er selbstständig den Fernseher bedienen konnte. Besitzt eine Affinität zu allen Technik-Innovationen und nerdigen Trends.

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