Old School Musical Review

 

Rythmusspiele. Sie sind nicht für jeden. Auch ich hatte nie großen Kontakt mit dem Genre. Aber es gibt da eine Sache, wenn die läuft, bin ich vielen Sachen gegenüber gleich viel aufgeschlossener: Old School Musical ist ein Rythmusspiel… mit Retrogaming-Musik. Oh yeah!

Die Brüder Tib und Rob leben auf einer kleinen Insel und werden von ihrer Mutter trainiert, eines Tages legendäre Helden zu werden. Doch dann fällt ihre Welt einem Glitch-Virus anheim und die zwei reisen durch verschiedene Dimensionen auf der Suche nach einer Lösung. Die Handlung ist amüsant, aber auch schnell erzählt und nicht super wichtig. Sie ist nur ein kompaktes Set-Up, um euch in kurzer Zeit von einer Retro-Videospiel-inspirierten Welt in die nächste zu katapultieren.

Der Reiz des Gameplays lässt sich nur schwer in Worte fassen, wenn man es nicht selbst erlebt hab. Wie in allen Rythmus-Spielen geht es darum, in einen gewissen Groove zu kommen. Folgt den Tasten-Angaben auf dem Bildschirm, um Tip und Rob an das Level-Ende zu bringen, wo am Ende eure Performance bewertet wird. Es ist jetzt natürlich nicht die tiefste oder abwechslungsreichste Mechanik. Weswegen Old School Musical ein Spiel ist, welches sich vor allem durch Präsentation und Charme beweisen muss. Und das tut es. Egal, ob als Mega Man oder Ninja Turtle die Eskapaden von Tip und Rob treffen den Look und vor allem den Sound Ihrer Vorlage sehr gut. Ich war tatsächlich oft überrascht, wie gut die einzelnen Tracks, nicht zwingend die Melodien, das Flair ihrer Vorlage einfangen.

Da der Fortschritt in den Leveln automatisch vonstattengeht, haben die Tracks trotz des Retro-Flairs eine gute dramatische Kurve und verfallen nicht in Loops. Also der Sound von damals, aber weniger repetitiv.

Ich muss aber auch leider sagen, es kommt nicht alles zusammen, wie es sollte. Am meisten geärgert habe ich mich, wenn anstatt den bunten Facebuttons, die grauen Balken für die Schulter-Trigger gefragt waren. Bei denen fiel es mir viel schwerer, den vom Spiel verlangten Rythmus zu treffen, so sehr, dass ich begann die Qualität des Controllers in Frage zu stellen. Für’s Protokoll, ich habe das Spiel auf der Switch gespielt und rede sowohl vom Handheld Mode als auch vom Pro Controller und tatsächlich hatte ich dieses Problem schon vor 2 Jahren mit der gamescom Demo.

So schön die Einbettung in verschiedene Videospielwelten auch ist, einen wirklich Einfluss auf das Gameplay können sie gar nicht haben. Es gibt immer eine Energie-Leiste, die sinkt wenn ihr Beats verpasst und sich wieder füllt, wenn ihr länger im Rythmus bleibt. Schafft ihr das nicht, seht ihr meistens nur wie Tib und Rob auf dem Bildschirm von Gegnern getroffen werden. Allein in den Metal Gear-inspirierten Leveln erschweren euch die durch eure Fehler entstehenden Alarm-Signale das Spiel noch mehr durch optische Effekte.

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Habt ihr die Story durchgespielt, öffnet sich euch eine Bonus-Kampagne, die zwar optisch weniger Abwechslung bietet, dafür aber noch zahlreiche weitere Level Rythmus-Herausforderungen birgt. Ihr seid also auf jeden Fall eine Weile beschäftigt. Es gibt auch einen Multiplayer Modus, aber leider hatte ich keine Gelegenheit, diesen zu testen.

Fazit:

Ich habe dieses Review so ein bisschen vor mir her geschoben, weil es mir wirklich schwer fällt noch sinnvolle Dinge über Old School Musical zu sagen, die ich nicht schon vor 2 Jahren zur gamescom Demo gesagt hätte. Es hat sich auf jeden Fall weiter entwickelt, aber es bleibt derselbe Kern. Der macht Spaß, keine Fragen, aber es bleibt ein Rythmus-Spiel und auch wenn der Post-Game Content am Ende größer ist als die eigentliche Kampagne, geht auch da die Originalität irgendwann verloren. Am Ende verbringt man etwas zu viel Zeit in denselben Welten; warum nur je ein Level für Mega Man und Metal Slug, dafür zwei für Outrun? Auf der anderen Seite sehe ich natürlich ein, dass das auch eine Budget-Frage ist.

Einmal abgesehen davon kann ich dem Spiel nicht viel ankreiden. Es sprüht vor Charme, hat einen guten Flow und der Soundtrack rockt. Aber ich sehe mich nach dem Ende der Kampagne nicht mehr viel Zeit darin investieren. Vielleicht bekommen Rythmusspiel-Fanatiker noch etwas mehr heraus.

Good

  • Soundtrack fängt Stil der Originale ein und macht dabei was Eigenes
  • Kurzweilig, aber witzig

Bad

  • Manche Welten wiederholen sich zu sehr
  • Ich komme nicht mit diesen Schulter-Button-Kommandos klar
7

Gut

Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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