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Nosgoth Preview

Vampire kennt man neuerdings als glitzernde Teenie-Träume – eben dieses Bild  zerschmettert Nosgoth und hetzt seine Blutsauger auf den menschlichen Widerstand. Lest jetzt unsere Preview zu Nosgoth aus der Early Access Phase.

Um im Sumpf der Free-to-Play-Multiplayerspiele etwas aufzufallen, braucht es schon etwas Kreativität. Vampire und Menschen im Universum der Legacy of Kayne-Spiele aufeinanderzuhetzen, ist da schon einmal ein guter Blickfänger. Dies mit einer asymmetrischen Spielweise zu verbinden, ist um so besser. Bis dato befindet sich Psyonix’s Nosgoth noch in der Early Access-Phase, ist aber schon kostenlos spielbar.

Hat ein angehender Vampir und vampirhassende Mensch die optionalen Tutorials überstanden, die einem kurz und knapp die Grundlagen näherbringen, steht den ersten Third-Person Multiplayerschlachten nichts mehr im Wege. Standardmäßig steht nur Team Deathmatch mit acht Spielern zur Verfügung. Dieser funktioniert wie in jedem anderen Multiplayerspiel auch: Erreicht ein Team die vorgeschriebene Maximaltötungsanzahl, gewinnt es die Runde. Jedes Match besteht dabei aus zwei Runden, in denen jede Seite einmal in die Rolle der Vampire und einmal in die Rolle der Menschen schlüpft. Für den Gesamtsieg gibt schlussendlich die Endpunktzahl den Ausschlag. Netterweise testet Psyonix gerade auch den Team Deathmatch-Modus mit zehn Spielern, der aber bis auf die Spieleranzahl exakt identisch zur anderen Variante ist. Alle in der Vergangenheit getesteten Modi oder parallel entwickelte sind gerade nicht spielbar.

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Soweit so mäßig – einen Modi-Überfluss wird damit wahrlich niemand der Beta von Nosgoth bescheinigen. Es gibt Spiele, die brauchen keinen anderen Modus als ihre Kernspielart. Doch diese überzeugt zumeist durch besondere Tiefe, Vielfalt und Durchdachtheit. Ein klassischer Team Deathmatch-Modus ist per se nie besonders kreativ, noch besonders aufregend designed. Unglücklicherweise leidet zumindest meine Motivation recht stark an der Begrenzung auf diesen Modus.

Dafür arbeitet das Entwicklerteam tatkräftig an einem Ranglisten-System, das ich bisher eher gemieden habe. Immerhin gelten solche Ranked-Matches als ein wahrer Frustrationsgarant. Diesen Frust spare ich mir lieber für einen späteren Zeitpunkt auf. Diese Bestrebungen zeugen jedoch von umsichtigen Entwicklern, die die Sogkraft von kompetitiven Spielen verstanden haben.

Nosgoth’s Hauptstärke seine Asymmetrie

Doch was spricht denn jetzt überhaupt für Nosgoth? Nosgoth’s Potenzial und Stärke verbirgt sich in seiner Asymmetrie: Mit anderen Worten – die Teams sind eben nicht gleichartig gestaltet. Das gilt auch für die Klassen. Ähnlich wie Battlefield oder Team Fortress 2 setzt Nosgoth auf ein Klassenmodell, das einen guten Teil der Asymmetrie ausmacht. Denn es gibt keine 1-zu-1-Gegenrollen in Nosgoth – Späher, Propheten und Alchemisten treffen im Jäger, Tyrannen und dem Sentinel eben nicht ihre eigenen Abziehbilder. Von der Klassenstärke und dem Gesamtgefühl spielt sich dieses Konzept bereits überraschend gut. Keine Klasse ist übermäßig stark. Keins der Teams ist auffallend übermächtig. Im Moment gibt es zehn Klassen, fünf pro Seite, alle bieten eine ganz eigene Spielweise, die ihren Teil zur Gesamtaction beiträgt.

Was auf den ersten Blick sich wie der Alptraum eines jeden Spielers anhört, weiß auf den zweiten Blick zu gefallen. Bereits in anderen Spielkonzepten weiß eine solche Asymmetrie Schwung und Spannung einzubringen, weil eben nicht gleichartige Kräfte aufeinander einschlagen.

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Auf der einen Seite stehen die Jäger – die mächtigen Vampire. Sie hetzen die Menschen mit übernatürlichen Kräften und hoher Mobilität über die Karten. Anders als die Menschen setzen sie entweder auf magische Kräfte oder auf die Vorteile ihrer tödlichen Physis. Dazu gehört, dass sie spinnengleich über die Gemäuer der Karten klettern. Hat ein Vampir einmal zu viel Schaden eingesteckt, kann er ein zu Boden gegangenes Opfer aussaugen, um so die Lebenspunkte wiederherzustellen. Trifft ein einzelner Mensch auf einen Vampir bläst Letzterer dem Sterblichen schnell einmal das Licht aus.

Zusammenhalt und Zusammenbleiben lassen die Menschen zu einer militärischen Einheit werden. Greifen die Vampire an, können sie sich am besten zusammen mit gebündelten Kräften zu Wehr setzen. Wenn sie dies machen, so hageln Bolzen, Granaten, Kugeln und Schläge auf die Vampire nieder. Nicht ihre Körper, sondern ihre erworbenen Hilfsmittel und Fähigkeiten halten sie am Leben. Teilweise können aber auch sie magische Fähigkeiten einsetzen. Natürlich müssen auch die Vampire zusammenspielen, aber die Menschen sind zerbrechlicher und weniger mobil. Dafür verfügt zum Beispiel die Alchemistin auch über Supportfähigkeiten wie die Heilphiole und die Prophetin kann eine Aura auf einen Vampir legen, die ihn verwundbarer macht. Doch auch abseits von Unterstützung können sich die Menschen bei Heilstationen wieder zusammenflicken und neue Munition holen.

Wer anfängt Nosgoth zu spielen, muss sich übrigens keine Sorgen machen, dass es ständig abstürzt oder einfriert. Der jetzige Build läuft überraschend stabil und ist auch sonst recht bugfrei. Hier gibt sich Nosgoth vorbildlich – so muss es sein.

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Wie steht es um Pay-To-Win?

Kommen wir zum Elefanten im Raum, der sich bei F2P-Spielen immer gern aufdrängt: In der Early Access-Phase gibt es keinen Grund Nosgoth den Pay-to-Win-Stempel aufzudrücken. Die Klassen lassen sich in fünfer Levelschritten freischalten, Fähigkeiten und Ausrüstung durch die Ingamewährung. Verschiedene Mechanismen, wie das Auswürfeln von Gegenständen nach Rundenende, tägliche Belohnungen und das Crafting-System sorgen für weitere Belohnungen. Klar, wer Geld investiert, erhält einen Vorteil. Doch dieser beschränkt sich großteils darauf, schneller oder gleich an das zu kommen, was man haben will. Hierzu zählen auch die Booster und die Schlüssel für droppende Truhen, die seltene Items beinhalten. Glücklicherweise sollen alle Waffen und Fähigkeiten, selbst die Seltenen, nicht wirklich stärker, sondern nur eine spezielle Ausprägung schon vorhandener Varianten sein. Inwieweit das zutrifft, kann ich noch nicht vollständig sagen – aber zumindest sind mir keine großen Ungleichheiten aufgefallen.

Neben dieser Zeitabkürzung finden sich auch rein optische Inhalte wie Skins im Shop. Während die Evolved-Skins auf Level 25 freigeschaltet werden können, müssen die Spielenden für die anderen Geld auf den Tisch legen. Einen spielerischen Unterschied bringen diese natürlich nicht.

Zwischenfazit: Nosgoth schöpft sein Potenzial noch nicht aus

Multiplayer, Action und Asymmetrie passen auch in Nosgoth wirklich gut zusammen. Tatsächlich bringt das asymmetrische Klassen- und Fraktionskonzept die eigentliche Würze ein und sticht als seine große Stärke hervor. Gleichzeitig lässt Pysonix den Sieg in einem Match nicht durch Gold erkaufen, womit sie einen der Kernkritikpunkte bei F2P-Spielen umgangen haben. Ganz generell bereitet die Multiplayer-Hatz zwischen Menschen und Vampiren schon jetzt Laune. Doch Nosgoth verfügt noch nicht über die Anziehungskraft, die sein Konzept haben könnte. Es fühlt sich so an, als würde der jetzige Team Deathmatch-Fokus das Potenzial von Nosgoth schlicht und ergreifend hemmen. Durch ihn fehlt es an Tiefe, Möglichkeiten, die Ideen von Nosgoth wirklich auszuforschen, und auch an Abwechselung. Dieser Abwechslungsmangel wiederum hat negativen Einfluss auf die Motivation. Mehr noch – die Unausgereiftheit der Spielmodi könnte sogar Spieler abstoßen. Potenzial ist da – die actionreichen Kämpfe zwischen Menschen und Vampiren bereiten wirklich Spaß. Nun muss Psyonix es nur noch nutzen und weiter auf den jetzigen Erfolgen aufbauen.

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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