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Nioh 2 Review

Ob in eine düstere Fantasy-Welt verbannt, um das eigene Überleben kämpfend in einer dystopischen Zukunft sich befindend, in einem Lovecraft-ähnlichen Traum gefangen oder aber als einsamer Söldner sich durch eine von Krieg und mythischen Wesen zerrüttete Welt streifend – das Souls-like Genre hat mittlerweile eine große Vielfalt an Herangehensweisen und Interpretationen. Auch der erste Teil von Nioh aus dem Haus Team Ninjas reihte sich dort ein und konnte Spieler mit seiner eigenen Art und Weise überzeugen. 3 Jahre und 3 Beta-Tests später erscheint nun die Fortsetzung, die nicht nur verspricht schwieriger zu sein, sondern auch die Möglichkeit sich einen eigenen Charakter erstellen zu können, um die erlebte Geschichte noch persönlicher zu machen als jene von William. Bekommen die Spieler genau das geboten, oder ist es nur mehr von dem, was man kennt, quasi mehr Souls-like Gameplay und mehr Nioh? Am besten begeben wir uns zur Beantwortung dieser Fragen selbst auf die Reise, oder besser gesagt Zeitreise – zurück durch die Geschichte Japans in die Sengoku-Periode und blicken auf den Werdegang unseres Charakters und den der verschiedenen Persönlichkeiten, die diesen Historienabschnitt geprägt haben.

Die eigene Geschichte schreiben

Je mehr Möglichkeiten zur Charaktererstellung ein Titel dem Spieler gibt, desto besser. Gerade Code Vein hat in dieser Hinsicht ein exzellentes Beispiel geliefert. Nioh 2 ermöglicht ebenfalls eine üppige Auswahl an Customisation, kommt jedoch nicht an das Level von Code Vein heran, was aber kein Negativpunkt ist. Mehr Auswahl muss nicht immer gut sein. Sie sollte vor allem ansprechend sein und hier kann Team Ninja überzeugen. So konnte ich in Nioh 2 tatsächlich Female Robin aus Fire Emblem Awakening erstellen (Twintails sind sogar eines der Standardassets für den Female Charakter). Besonders ist, dass die getragene beziehungsweise angelegte Ausrüstung, die der Spieler während seines Abenteuers sammelt, auch direkt in den Cutscenes zu sehen ist, was sicherlich schon bei dem ein oder anderen zu unfreiwillig humoristischen Szenen geführt hat. Imposant ist dafür aber, dass auch die Yokai-Formen, die für eine kurze Zeit in Kämpfen angenommen werden können, bearbeitbar sind.

Was entsprechend an Kreativität und Arbeit in die Charaktererstellung geflossen ist, steht leider im Kontrast zur Geschichte selbst, die nichts weiter als Mittel zum Zweck ist. Abgesehen von den Cutscenes, die gelegentlich zwischen den Hauptmissionen präsentiert werden, wird nichts zu deren interessanten Darstellung oder Erzählung unternommen. Auch die Gespräche mit diversen NPCs beschränken sich auf 3-4 Zeiler und konstatieren entweder das Offensichtliche oder sagen irgendetwas anderes Belangloses. Theoretisch ist das bei diesem Spielprinzip kein allzu großes Problem, da der Akt des Storytellings von den Spielern selbst  durch die Ingame-Welt und deren Details übernommen werden kann, aber praktisch ist das leider nicht der Fall. Optisch sehen die Bereiche in den unterschiedlichen Gebieten gut aus und durch die Einstellungsmöglichkeit eines stabilen Frame Modus gibt es keine Ruckler, auch wenn viel auf dem Bildschirm los ist. Da das Ganze innerhalb einer Zeitperiode abspielt, die nicht so viel mehr bot als ein paar toll anzusehende Landschaften und Festungen, kommt nicht wirklich das Verlangen auf, mehr darüber erfahren zu wollen. Ein zusätzlicher „Nachteil“, explizit hier in Anführungszeichen gesetzt, ist gerade der Punkt des Geschichtsaspektes, denn wie viele westliche Spieler kennen sich etwas expliziter mit der japanischen Historie aus?

Natürlich sind Namen wie Oda Nobunaga oder Date Masamune durch diverse andere Medien wie Animes mittlerweile geläufiger geworden, aber dem Spieler wird durch diese Charaktere kein bisschen das Gefühl vermittelt, dass er mehr über diese lernen möchte, geschweige denn, dass sie interessante Persönlichkeiten waren. Das ist erst recht nicht der Fall, wenn die entsprechenden Cutscenes nie wirklich lang genug sind, um viel von diesen zu zeigen. Die eigentliche Geschichte ist für den Spieler die des eigenen Weges durch Nioh 2 selbst, was sicherlich auch der Grund für die Implementierung dieses Features gewesen ist.

Wer braucht ein Schild wenn er 9 verschiedene Waffen wählen kann

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Doch welche Mittel stehen dem Spieler bei der Beschreitung seiner eigenen Story zur Verfügung? Sehr viele. So viele sogar, dass man sich definitiv Zeit nehmen sollte und auch muss, um nicht wie ich direkt am zweiten Yokai-Gegner mehr zu sterben als beim ersten richtigen Boss. Zunächst sollte natürlich die richtige Waffe gewählt werden. Doch das Richtig ist hier relativ zu sehen, denn nicht nur erlaubt Team Ninja hier den Spielern 2 Waffen gleichzeitig zu führen, sondern auch die Auswahl dieser ist groß und ermöglicht ganz verschiedene Erlebnisse hinsichtlich deren Handhabung. Einhandschwert, Doppel-Katana, Großschwert, Großaxt, Doppel-Axt, Glefe, Kettensichel, Tonfas und der Speer können gegen die Wirren des Krieges und Yokai geführt werden sowie zusätzlich noch Bögen und klassische Musketen als Unterstützungswaffen. Ebenfalls der Ki-Puls und das Haltungssystem kehren aus dem vorherigen Teil zurück und bietet 3 verschiedene, die alle Auswirkungen auf die ausgeführten Bewegungen der Waffen haben und dem Spieler beim richtigen Timing die teilweise Regenerierung des Ki´s ermöglichen. Gerade Letzteres sollte man so schnell wie möglich verinnerlichen, weil das Ki-Management (hier das Equivalent für Ausdauer) neben den Gegnern der schwierigste Aspekt von Nioh 2 ist. Jede Angriffsbewegung, das Ausweichen sowie auch das Blocken kosten Ki und durch das vergleichsweise schnelle Gameplay, das Team Ninja hier konzipiert hat, kommt es mehr denn je darauf an, genau zu wissen, wann welcher Move ausgeführt werden soll. Bestimmt wird die natürliche Ki-Regeneration durch das Ausrüstungsgewicht des Charakters, was unter Umständen bedeuten kann, dass das Anlegen der momentan besten Rüstung dazu führt, dass sich sehr schwerfällig bewegt und zum Blocken von Angriffen verdammt ist. Hierbei rennt der Spieler aber direkt in die nächste Gefahr, da gewisse Angriffe von Gegnern, die sogenannten Wucht-Angriffe, nur mit einem Wucht-Konter geblockt werden können, bei dem das Timing sehr wichtig ist. Verpasst man dieses ist großer Schaden garantiert, ungeachtet dessen, ob es sich dabei um einen kleinen Soldaten oder einen großen Yokai handelt.

Nun hat man also seine Waffe gefunden und erste Erfahrungen mit dem Ki-System gemacht – was nun? Nun, definitiv nicht wie ich leichtsinnig auf einzelne Gegner zurennen und denken man hätte leichte Beute gefunden. Denn sicherlich hat schon ein Bogenschütze sein Visier auf einen gerichtet oder der Kampf verläuft so, dass noch weitere Gegner in das Geschehen gezogen werden. Ebenso wichtig ist es, die Umgebung im Auge zu behalten: Die unterschiedlichen Gebiete sind voll gepackt mit Gefahren, die schneller auftauchen können, als man seine Waffe gezogen hat. Hier kommen besonders der Bogen und die Muskete zum Tragen. Dadurch kann besonders gegen Yokai, vorausgesetzt man trifft deren entsprechende Schwachstelle, ein wichtiger Vorteil im Kampf errungen werden. Diese Treffer ermöglichen die starke Reduzierung der Ki-Leiste, sobald diese komplett geleert worden ist, kann ein spezieller kritischer Angriff ausgeführt werden. Im Allgemein ist jeder Vorteil, den man sich im Kampf sichern kann, diesmal noch mehr wert als bereits im Vorgänger, da die allgemeine Schwierigkeit definitiv gestiegen ist. Doch berücksichtigt man diese ganzen Dinge und beschäftigt sich auch mit den waffenspezifischen Fähigkeiten, die durch Skillpunkte erhalten werden können, und den zahlreichen Ausrüstungskombinationen ist die anfänglich bedrohliche Lernkurve und die brutal wirkende Gnadenlosigkeit der Gegner weniger furchteinflössend.

Aufgrund dessen und auch durch die verschiedene Gameplayerfahrungen, die die unterschiedlichen Waffen bieten, lohnt sich bei Nioh 2 definitiv ein weiterer Spieldurchgang. Außerdem gibt es neben den Hauptmissionen auch diverse Nebenmissionen, die bei erfolgreichem Bewältigen bessere Ausrüstung und manchmal auch besondere Items geben, mit denen einzigartige Waffenfähigkeiten erlernt werden können.

Zwischen Yokai-Welt und klassischer japanischer Kunst

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Gegen wen kämpft man eigentlich die ganze Zeit? Man trifft in Nioh 2 sowohl auf normale Soldaten als auch kleine und große Yokai, Monster aus der japanischen Mythologie. Gerade bei den Yokai gibt es, Einiges an Designvielfalt zu bestaunen. Insgesamt vermittelt ihr Design sehr gut das Gefühl, es mit übernatürlichen Kreaturen zu tun zu haben. Ebenso die Umgebungen können sich mit vielen Details sehen lassen. Schon deshalb lohnt sich das Erkunden entsprechend (und auch zum Entdecken des ein oder anderen hilfreichen Kodamas, kleiner Yokai, mit deren Unterstützung sich der Spieler an Schreinen diverse Boni wie erhöhte Erfahrungsausbeute oder bessere Item-Dropchancen sichern kann).

Erwähnenswert ist auch, das Team Ninja 2 verschiedene Bilddarstellungsmodi zur Verfügung stellt: Einmal eine Art Film-Modus, bei dem die Auflösung besser ist, jedoch das Gameplay selbst mit einer langsameren Framerate abläuft und dann noch einen Action-Modus, bei die Framerate während des Spielens konstant hoch ist und dafür die Auflösung etwas heruntergefahren wird. Empfehlenswert ist hier ganz klar der Action-Modus, da Reaktionsschnelligkeit ein wichtiger Faktor des Spiels ist und jede Aktion so wenig zeitverzögert ausgeführt werden sollte wie möglich. Außerdem ist die Reduzierung der Auflösungsqualität nicht merklich sichtbar. Merklich sind jedoch die Ladezeiten, aber im überraschend positiven Sinne. Diese sind sehr ´kurz und das selbst auf einer ganz normalen PlayStation 4. Die Dauer zwischen einem Tod und dem Wiedereinstieg beträgt nicht einmal 10 Sekunden. Auch die Zeit zwischen dem Anwählen einer Mission und dem Beginn dieser ist zügig. Hier wurde seitens der Spieloptimierung definitiv ganze Arbeit geleistet, von der sich andere Titel wie Monster Hunter: World eine Scheibe abschneiden können (zumindest die Konsolenversion, die leider bis heute noch sehr lange Ladezeiten aufweist).

Metall auf Metall, begleitet von Musik

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Als herausragend kann man Nioh 2´s Soundtrack leider nicht bezeichnen. Abgesehen von den Bosskämpfen, von denen auch nur ein paar Wiedererkennungswert besitzen, ist die musikalische Untermalung insgesamt einfach vorhanden. Befindet sich der Spieler nicht in der Auseinandersetzung mit einem Gegner herrscht Stille und man lauscht den Geräuschen der Umgebung. Unfreiwillig lustig ist die englische Synchronisation, denn Tokichiro, dem Weggefährten des Protagonisten, wurde ein britischer Akzent gegeben. Das macht es schwer, diverse Cutscenes mit ihm ernst zu nehmen. Die japanische Stimmausgabe ist aber fern davon und kann mit einer guten Performance überzeugen.

 

Summary
Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Nioh 2 ist wirklich nur mehr von dem, was man bereits aus dem ersten Teil kennt. Die Geschichte ist leider erneut ein schwacher Aspekt und das Gameplay im Gegensatz dazu die Stärke. Doch das ist insgesamt nichts Schlechtes für jene, die eben genau das möchten, ganz nach dem Motto If it´s not broken, then don´t fix it. Die Gegner und der Schwierigkeitsgrad wurden noch einmal angehoben und die Herausforderungen sind entsprechend vielfältig und allgegenwärtig während des gesamten Spieldurchlaufes. Persönlich hatte ich zwar gehofft, dass man eine bessere Story bekommen würde (gerade weil letztes Jahr auch Code Vein gezeigt hat, dass man trotz eines selbst erstellten Charakters eine gute Geschichte erzählen kann). Dennoch hat mir schlussendlich die Reise bis zum Ende aufgrund der vielen Möglichkeiten der Waffen, dem damit verbundenen Skillsystem, den verschiedenen kreativen Gegnern und den Landschaften, die man zu sehen bekommt, Spaß gemacht. Für die Zukunft sollte Team Ninja aber vielleicht in Betracht ziehen, etwas mehr Arbeit in eine bessere Narrative zu investieren, denn das Potenzial dafür ist definitiv vorhanden.
Good
  • schnelles und herausforderndes Gameplay mit einer sehr vielfältigen Bandbreite an Waffen und Fähigkeiten
  • kreatives Gegnerdesign
  • umfangreicher Character Editor
  • sehr schnelle Ladezeiten, selbst auf einer Standard PlayStation 4
  • auswählbare Darstellungsmodi (bessere Framerate oder bessere Auflösung)
Bad
  • schwache Story ohne wirklichen Erinnerungswert
  • allgemein schwache musikalische Untermalung
  • uninteressante Charaktere
7
Gut
Written by
games! Redakteur

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