Metro Exodus im Test: Stalker, bist du es?

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assets_Uploads_MetroExodus-AUTUMN-WallPaper-3840x2160-1024x576  Metro Exodus Review

Normalerweise erregt ein Game den Höhepunkt der Aufmerksamkeit bei Release, wenn die Reviews anstehen. Manchmal sorgt ein Game jedoch bereits vor der Veröffentlichung für solch einen Wirbel, dass man beinahe den anstehenden Test aus den Augen verliert. Metro Exodus entfachte in den letzten Wochen ein wahres Inferno in der Gamer-Szene. Hintergrund war weniger das Game selbst, als zwei rivalisierende Gaming-Plattformen, die sich um das Game rankten. Nachdem bekannt wurde, dass die PC-Version von Metro Exodus exklusiv für den Epic Store und damit nicht für Steam released werden sollte, folgte ein wahrer Shitstorm entrüsteter Steam-Fans, die ihren Unmut in den Foren kundtaten und die Vorgänger-Games negativ bewerteten.

Daraufhin mischte sich – nicht gerade zum Vorteil – auch ein Entwickler von 4A Games ein und wetterte gegen die Fans, dass man für solch einen Hass schlicht gar kein Metro-Game mehr für PC releasen würde. Das brachte die Fans noch mehr auf die Barrikaden. Diese Meldung wurde jedoch kurz darauf von 4A Games revidiert. Man würde auch weiterhin Metro-Games für den PC machen. Letztlich mischte sich sogar der Buch-Autor hinter der Gaming-Reihe, Dmitry Glukhovsky ein und kippte zusätzlich Öl ins Feuer. Aus Wut über die Exklusiv-Entscheidung für den Epic Store sagte er auf Instagram, dass man “sein” Game tötete. Diese Nachricht löschte er nach dem Abflauen der Gefühle aber wieder und redete den Fans gut zu, dass man Metro Exodus auch auf dem Epic Store laden könne.

Bei all dem Drumherum um Metro Exodus scheint das Game selbst etwas aus dem Fokus geraten zu sein. Unter Marketing-Aspekten (was man hier natürlich niemanden unterstellen will), wurde jedoch alles richtig gemacht. Die Aufmerksamkeit für Metro Exodus ist enorm, doch was verspricht der neueste Ableger der Reihe denn nun wirklich? Vorneweg: Die Fortsetzung ist gelungen und lässt in seiner Darstellung Erinnerungen an den Urpapa des “Endzeit-Russen-Shooter-Genres” aufleben: Stalker.

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Oh, wie schön ist Apokalypse!

Kaum hat man das Game gestartet und sieht seinen alten, russischen Kumpel Artyom in einer der schönsten Endzeit-Welten der Gaming-Geschichte in Action, ist auch sofort die Kontroverse um Metro Exodus vergessen. Das Game ist ein wahrer Augenschmaus. Selten sah eine kaputte Welt so schön aus. So schön, dass man bisweilen Angriffe von Mutanten und anderem Ungeziefer in Kauf nimmt, um den perfekten Postkarten-Schnappschuss per Photo-Mode in den verschneiten Einöden der russischen Steppe aufzunehmen. Wie der Name Exodus schon vielsagend voraus deutet, zieht es die Protagonisten rund um Helden Artyom im neuesten Ableger der Metro-Reihe aus titelgebender Moskauer Metro heraus, in die Oberwelt.

Und dort oben lässt den Helden vergangener Teile der Gedanke nicht los, dass es da mehr in dieser Welt geben muss, als die verwinkelten, düsteren Gänge seiner Metro. Das Spiel beginnt mit einer Rückschau, die kurz und prägnant auf die Kerngeschehnisse der Vorgänger eingeht. Nach dem großen Krieg, welche die Erde dem nuklearen Untergange geweiht hat, hat es die Überlebenden in die Moskauer Metro getrieben, wo sie sich unter Erwehrung ihrer Haut gegen Mutanten ein neues Leben aufgebaut haben, unwissend darüber, was die Außenwelt für sie bereit hält. Artyom lebt in den Tiefen der Moskauer Metro und erhält zunehmend Visionen der Dunklen, einer mysteriösen Rasse, die er am Ende von Metro 2033 mit einem Raketenschlag vernichtet. In Metro: Last Light, ein Jahr später, 2034, entbrennt schließlich ein Kampf zwischen den überlebenden Gruppierungen des Krieges, genauer, zwischen der kommunistisch angehauchten Roten Linie und den rechtsradikalen des “Vierten Reichs”. Es droht der Bürgerkrieg, bei dem die Weltuntergangsmaschine in den Gewölben von D6 eine entscheidende Rolle spielt. Abermals rettet Artyom den Tag und die Menschen der Metro vor ihrem Ende.

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Geprägt von diesen Ereignissen findet Artyom, inzwischen mit der taffen Anna verheiratet und ein Kriegsheld, keine Ruhe. Beinahe jeden Tag zieht es ihn an die Oberfläche, trotz aller Gegenworte des Oberbefehlshabers Miller, um vom Dach irgendeiner Hochhaus-Ruine Ausschau zu halten, nach Zeichen von anderen Überlebenden. Wer sich genauer mit den Ereignissen, die zur Abkehr Artyoms aus der Metro führten, beschäftigen will, dem legen wir das Buch Metro 2035 ans Herz.

Damit ist der Fokus des neuen Metro-Teils vorgegeben: Die Oberwelt. Im Gegensatz zu den beiden Vorgänger-Titeln verbringt man lediglich die ersten Spielminuten im Untergrund, in den folgenden Kapiteln folgt bereits der Exodus, die Erkundung der neuen Welt. Denn, welch Überraschung, die trostlose Welt ist gar nicht so leer, wie gedacht, die Story offenbart recht schnell, dass es neben allerlei Mutanten und Ungetüm so einige Überlebende gibt, darunter Fanatiker, geheime Organisationen und mehr, die auf dem Erdball um die letzten Ressourcen kämpfen. Weitere Überraschung: Die Luft ist nicht gar nicht überall kontaminiert, Artyom und seine Freunde können, kaum da sie Moskau mittels einer gekaperten Lok verlassen haben, ohne Atemmaske atmen. Bereits hier deutet sich das Thema Verschwörung an, denn wieso werden die Einwohner Metros darüber im Dunkeln gelassen, dass es Leben auf der Erde gibt und das herrlich frische Luft zum Atmen gibt …

Buch-Autor sorgt für atmosphärische Dichte

Metro-Typisch wird die Story in ein Dickicht aus scripted Events und action-reichen Szenen verpackt, sodass einem als Spieler kaum Zeit gelassen wird, alle Ereignisse zu verarbeiten. Hier hat das Game im Vergleich zu den ersten Titeln sogar noch etwas an Geschwindigkeit dazu gewonnen. Die Open World, die sich einem nach wenigen Stunden zeigt, mag einige Spieler sofort in Freudentaumel versetzen, andere vielleicht abschrecken.

Denn die Metro-Reihe lebte vor allem auch durch seine dunkle Atmosphäre und dem deutlichen Horror-Bonus einer engen verschachtelten Metro-Station. Das helle Tageslicht der russischen Steppe sowie ein weiter Blick über die Ebenen erzeugt ein gänzlich neues Spielgefühl. Stellenweise fühlt man sich gar an ein grafisch schöneres Fallout 4 erinnert. Dank Map und Quests sowie Wegmarkierungen wird dieses Gefühl noch verstärkt. Keine Frage, Metro Fans werden sich mit Artyom und der russisch angehauchten Milieu und der Sprechweise der NPCs sofort wie zu Hause fühlen und doch erzeugt dieser Metro-Teil dank der Open World einen neuen Zugang zum Spiel. Einen dicken Bonus zur Spielerfahrung tragen erneut die NPCs bei. Dank Dmitry Glukhovskys Federführung hat jede Nebenfigur abermals mehr als nur den immer selben Spruch auf Lager. Jede Figur reagiert mit einem ganzen Satz an Erzählungen auf Artyom, was eine ungemein dichte Spannung erzeugt.

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Artyom, der Baumeister

Auch der Rest des Gameplays werden Metro-Fans sofort wieder erkennen. Vom Waffenarsenal, über Utensilien wie Messer, Feuerzeug und Atemmaske ist alles Altbekannte dabei und auch über dieselbe Steuerung erreichbar. Auch das Gefühl der Waffen, von der Kalaschnikow, der Shotgun, der schallgedämpften Pistole über das Scharfschützengewehr, alles wirkt vertraut und gut ausbalanciert. Neu ist, dass die Patronenhülsen als Währung ausgedient haben. Es erwarten Euch keine Händler mehr um Waffen, Ausrüstung sowie Upgrades für Waffen einzukaufen. Vielmehr hat Artyom nun ganz im Stile von Joel aus “The Last of Us” einen Rucksack dabei, in dem er gefundene Ressourcen sammelt und daraus Munition, Medipacks, Messer und mehr erstellen kann. Rüstungen und größeres Equipment kann Artyom schließlich an einer Werkbank erstellen. Das Ganze entwickelt gerade im zunehmenden Spielverlauf eine immense taktische Komponente. Da man stets selbst für den Bau seiner Munition, Waffen, Medipacks und Gaskanister für die Atemmaske verantwortlich ist, muss man abwägen, inwieweit man seine Waffen upgradet, Munition oder Ausrüstung schmiedet. Die größte Wumme bringt beispielsweise wenig, wenn man keine Munition für sie hat. Und jene ist wie in den Metro-Teilen üblich, Mangelware.

Die Neuheit des Craftings lässt auch ein wenig an Rollenspiel à la Fallout 4 denken. Und spätestens, wenn man in einer Hütte nächtigen kann, um die Tageszeit von Nacht auf Tag zu wechseln und seine HP aufzufrischen, könnte man stellenweise glauben, sich doch in einem Rollenspiel zu befinden. Aber nur fast. Ein Skillsystem fehlt. Und trotz der offeneren Welt, die dank vieler Unterschlüpfe, verwahrlosten Hütten und verschrotteten Autos zum Erkunden nach Ressourcen einlädt, trotz der tollen NPCs wird Metro Exodus sehr stringent von einer fortlaufenden Story zusammengehalten. Die Hauptquest ignorieren und auf eigene Faust die Welt geht nur bedingt.

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Hallo, Stalker, alter Freund!

Metro Exodus erinnert in seiner neuen Auslegung mit seiner ungeahnten Freiheit der freien Welt und den vielen RPG-Dreingaben sehr stark an ein anderes Spiel. Und wer weiß, dass ein Großteil der Entwickler bei 4K Games jenen Urgestein der Endzeit-Shooter entwickelt hat, wird sich noch weniger wundern. Die Rede ist von “Stalker: Shadow of Chernobyl” aus dem Jahr 2007. Das Kernteam von damals ist quasi zu den Metro-Games über gewandert und hält nun die Stalker-Flagge hoch. Es mag einem gar so vorkommen, dass die Jungs und Mädels sich in den zwei ersten Metro-Teilen etwas zurück gehalten haben, aber nun vollends die Stalker-Träume ausleben, welche ihnen durch ein nie erschienenes Stalker 2 verwehrt geblieben sind. Dabei gelingt es den Entwicklern, die Balance insoweit aufrecht zu halten, dass sie der Buchvorlage von Dmitry Glukhovsky treu sind und doch ihre neuen Stalker-Elemente integriert haben.

Taktiker und Schleicher gewinnen gegenüber Rambos

Was die Gegenspieler angeht, geht es in Metro Exodus gewohnt gegen mutierte Wesen, von Riesenkrabben über wolfsähnlichen Heulern und noch mehr Unwesen bis hin zu überlebenden Menschen verschiedenster Fraktionen. Die KI zeigt sich gewohnt gut und reagiert auf das Vorgehen des Spielers. Im Gegenzug zu den Vorgängern, scheint der Taktik-Level noch etwas erhöht worden zu sein. Während es dank der engen Gänge in Metro 2033 und Metro Last Light noch möglich war, mit einer Pumpgun schnell für Ordnung zu sorgen, bedingt das freie Terrain von Metro Exodus, dass ein Umdenken in der Kampfplanung erforderlich ist. Die Waffenwahl wird sich somit noch intensiver danach richten, wie das Terrain aussieht und ob Tag oder Nacht herrscht.

Unabhängig der Schwierigkeitsgrade, die neben Easy, Normal und Hardcore auch einen Reader-Modus enthalten, um die Story lediglich zu “lesen”, wirkt Metro Exodus happiger als seine Vorgänger. Rambo-Methode ist nicht. Soldaten suchen Deckung, pirschen sich an, schlagen zur Flucht, sammeln sich, kehren wieder. Monster die getroffen sind, fliehen, rufen nach Verstärkung und überrennen einen, insofern man die Jagd aufgenommen hat. Ruhigere Gemüter, die sich gerne anschleichen und Gegner lautlos ausschalten oder von hinten angreifen, werden erfolgreicher aus Kampfsituationen heraus gehen. Nicht umsonst zeigt eine Leuchtanzeige am Handgelenk an, wie gut oder schlecht Artyom sichtbar ist. Ein wenig THIEF ist somit auch im neuen Metro-Teil dabei. Ebenso werden Kämpfernaturen, welche den taktischen Vorteil des Geländes besser auszunutzen wissen, klarer im Vorteil sein.

Fazit:

Gutes noch besser machen, in dem man Altbewährtes mitnimmt und noch verfeinert. Das kann man von Metro Exodus sagen. Der Endzeit-Shooter vereint das Beste aus den vorherigen Metro-Teilen und führt die Serie nahtlos weiter fort. Wer abseits der ganzen Battle Royale Shooter auf eine gute 20-stündige Singleplayer Kampagne steht, die eine großartig-inszenierte Geschichte mit einer State-of-the-Art Grafik beinhaltet, der wird aktuell um Metro Exodus nicht herumkommen. Dank der Feder des Buchautors Dmitry Glukhovsky erwartet einen auch im neuesten Teil eine packende Geschichte, die einen wie eine Achterbahnfahrt kaum loslässt. Traumhaft schöne Open World, rasantere Spielweise, Crafting, noch besser inszenierte Story, ein Hommage an Stalker, das alles lässt Metro Exodus glänzen, jedoch, und das sei auch gesagt, ohne wirkliche spielentscheidende Neuheiten zu bieten. Wer jedoch die bisherigen Metro-Games mochte und eh Fan war, der wird auch hier mit Artyom bedenkenlos auf Abenteuerreise gehen können.

Good

  • Exzellente Fortführung der Metro-Reihe
  • Open World bietet mehr spielerische Freiheiten
  • Crafting-System
  • Traumhafte Grafik

Bad

  • Horror-Bonus der Vorgänger geht durch offenere Welt flöten
8.5

Sehr gut

Gamingnerd und Filmjunkie. Angefangen hat die Videospiel-Reise mit NES und Gameboy, seither der Gameswelt verfallen. Filme und Serien sind seine Passion seit er selbstständig den Fernseher bedienen konnte. Besitzt eine Affinität zu allen Technik-Innovationen und nerdigen Trends.

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