Kopfkino: Chef

Die Küche eines Sternerestaurants. Blues Musik im Hintergrund. Töpfe und Pfannen, aus denen heißer Dampf aufsteigt. Zwischen ihnen wirbeln ein paar Hände geschickt hin und her. Sie greifen sich verschiedenste Zutaten und Gewürze und verarbeiten sie kunstvoll zu Gerichten, die man vermutlich noch nie gesehen, geschweige denn je gegessen hat. Der Mann, der in diesem Film die Mägen aller Zuschauer zum knurren bringt, heißt Carl Casper (gespielt von John Favreau). Carl ist Chefkoch in einem angesagten Sternerestaurant und kocht aus voller Leidenschaft. Der Film Chef (oder zu Deutsch: Kiss the Cook) erzählt seine Geschichte. Die Geschichte von einem Starkoch, der eine solche Liebe für das Kochen empfindet, dass er seine Position als „Chef“ einer großen Küche aufgibt, um mit einem Foodtruck durch Miami zu fahren und die Visionen seiner eigenen Küche umsetzen zu können.

Begleitet wird Carl von seinem besten Freund Martin (John Leguizamo) und Sohn Percy, zu dem Carl nach der Scheidung von seiner Frau kein sonderlich gutes Verhältnis hegte. Und trotz dieser guten Vorlage für ein tiefgründiges Familiendrama kippt Chef nie so richtig in dieses schwere Genre. Der Fokus liegt nämlich immer noch auf dem, was Carl in seiner Küche zaubert. Denn gerade in diesen Szenen lässt die Kamera mit kreativen Fahrten, schnellen Schnitten und starken Close-Ups auf die Gerichte einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

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Aber auch damit ist es nicht getan. Denn John Favreau, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch für Drehbuch und Regie verantwortlich war, liegt viel daran, dem Zuschauer ein Lebensgefühl zu vermitteln. Er führt uns mit seinem Foodtruck auf einen Roadtrip durch diverse Lokale Südamerikas und feiert seine Vorliebe für gutes Essen und Latin-Jazz. Es ist ein wahrer Genuss, Favreau bei der chirurgischen Präzision zu beobachten, die er für die Zubereitung seiner Gerichte aufwendet. Gleichzeitig werden diese kulinarischen Kunstwerke derart markant in Szene gesetzt, dass man gar nicht anders kann, als hungrig zum Kühlschrank zu rennen, oder alternativ wenigstens kurz über eine Ausbildung zum Chefkoch nachzudenken. Das sympathische Schauspiel von Favreau, in Zusammenarbeit mit tollen Cameo-artigen Nebenrollen von großen Namen wie Robert Downey Jr., Scarlett Johansson und Dustin Hoffmann, machen den Streifen auch seitens der Besetzung zu einem Gaumenschmaus.

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Und neben all dem schafft der Film es, eine interessante und subtil verwobene Vater-Sohn-Beziehung zu inszenieren, die anfänglich an kleinen Problemen kränkelt, die der Film häppchenweise versucht zu verarbeiten. Das gelingt allerdings derart natürlich und leicht, ohne zu stark in den Vordergrund zu rücken, dass man gerne den bedeutungsschweren Dialogen lauscht, die der Protagonist mit seinem 10-jährigen Sohn führt. Es wirkt tatsächlich recht befreiend, nicht zu tief in die familiären Sorgen – zwischen Scheidung und elterlicher Verantwortung – zu geraten. Ganz im Gegenteil vermittelt Favreau mit seinem Film nahezu durchweg positive Botschaften, die ihm eine Leichtigkeit geben, die sich am besten für einen gemütlichen Filmabend auf der Couch eignet.

Chef ist ein Feel-Good-Movie der besonderen Art. Es ist ein Film, der die Seele seines Filmemachers in sich trägt und sie allgegenwärtig spürbar macht. John Favreau vermittelt uns seine Vision der Lebensführung auf eine natürliche, sympathische und un-kitschige Art und Weise, wie man es selten in Filmen dieses Genres zu sehen bekommt.

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Student, Vollblut-Cineast und Teilzeit-Gamer! You stay classy, San Diego!

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