Klassische Kartenspiele: Überraschungserfolg für App-Entwickler

Klassische Kartenspiele: Überraschungserfolg für App-Entwickler

Die meisten Diskussionen in der Gamer-Szene drehen sich um fesselnde Multiplayer-Adventures in Echtzeit und 3D-Grafik, die leistungsfähige Hardware benötigen, um ein optimales Spieleerlebnis zu garantieren. Angesichts der Frage, welcher Prozessor und welche Grafikkarte nun die beste für den ambitionierten Gamer sind, verliert man oft aus dem Blick, dass sich auch vergleichsweise einfache Spiele – nämlich klassische Kartenspiele – auf dem digitalen Spiele-Markt behaupten. Was ist das Erfolgsgeheimnis dieser vergleichsweise so simplen Spiele? Und wer steckt hinter den digitalen Kartentischen, an denen sich monatlich hunderttausende Spieler einfinden?

Irgendwo zwischen WoW und Candy Crush

Der Reiz von Online-Skat & Co. liegt vor allem in der Balance von geistigem Anspruch und Pausentauglichkeit!

Zum einen erfordern Kartenspiele deutlich weniger Zeit als ein klassisches Strategiespiel: Fünf bis fünfzehn freie Minuten genügen, wer will (oder muss), klinkt sich nach einer Partie wieder aus, wer Lust und Zeit hat, kann natürlich auch mehrere Runden und sogar ganze Turniere spielen. Zudem braucht die reduzierte Optik klassischer Kartenspiele kein High-Tech-Equipment, um ein gutes Spielerlebnis zu erreichen. Perfekt also für Arbeitspausen oder das tägliche Pendeln in Bus und Bahn, ebenso wie für entspannte Spielerunden nach Feierabend.

Zum anderen sind Kartenspiele deutlich anspruchsvoller als die üblichen Daddelspielchen: Eine gute Partie erfordert schon ein gewisses Maß Konzentration und strategisches Denken. Die Regeln sind vergleichsweise einfach und den meisten bekannt; sie sind für Anfänger gut zu erlernen und bieten erfahrenen Spielern interessante taktische Möglichkeiten. Besonders reizvoll ist der Wechsel zwischen dem Einzelspiel und dem Zusammenspiel mit Partner gegen einen oder mehrere gemeinsame(n) Gegner.

Apropos Bekanntheit: Ob zu Schulzeiten, im Sommerurlaub mit der Familie oder in der Stammkneipe – es gibt wohl kaum jemanden, der nicht wenigstens einmal ein klassisches Blatt in der Hand gehabt hätte. Und was läge da näher, als mal zu schauen, ob es das nicht auch als Online-Version oder App gibt? Das ist natürlich ein riesiger Marketingvorteil im Vergleich zu allen Unternehmen, die den Namen ihres neuestens Produkts erst einmal mit aufwendigen Kampagnen bekannt machen müssen!

Wer in Sachen Online-Kartenspiele bzw. Kartenspiel-App auf die Suche geht, landet im deutschsprachigen Bereich früher oder später bei den Spielen von Ruben Gerlach. Der Name ist vermutlich den wenigsten bekannt – und das, obwohl er im Ranking der Mobile-Analyst App Annie unter den 25 erfolgreichsten App-Entwicklern Deutschlands gelistet wird.

Ruben Gerlach: Der Entwickler von Spiele-Palast.de

Gerlach wagte 2013 den Sprung in die Selbstständigkeit. Er kündigte seinen vorherigen Job als Lead-Entwickler, um sein eigenes Gaming-Unternehmen aufzubauen. Sein innovatives Produkt? Klassische Kartenspiele wie Skat, Doppelkopf, Schafkopf, Rommé und Mau-Mau, optimal aufbereitet fürs digitale Spielen.

Gerlachs Programmier-Biografie folgt den klassischen Meilensteinen: Seine ersten Code-Zeilen schrieb er mit 12 Jahren und selbstverständlich träumte auch er davon, ein eigenes Spiel zu entwickeln. Nach den ersten Text-Adventures arbeitete er sich mit 17 Jahren in die 3D-Programmierung ein. Allerdings war schnell klar, dass es schlichtweg unmöglich ist, ein konkurrenzfähiges 3D-Abenteuer im Ein-Mann-Betrieb zu entwickeln. Sollte er also seinen Traum von der eigenen Spiele-Firma aufgeben und weiter als Angestellter an fremden Projekten mitarbeiten?
Die Lösung dieses Dilemmas bot ein strategischer Schwenk in die Welt klassischer Kartenspiele: Gerlach beschloss, das klassische Skatspiel mit 32 Karten und althergebrachten Regeln vom verrauchten Kneipen-Stammtisch in die Online-Welt zu bringen.

Multiplayer-Experience mit deutschem oder französischem Blatt

PC-Software, Online-Spiele und Mobile Apps zum digitalen Skatspielen gab es natürlich schon. Diese ermöglichten jedoch nur das Spielen gegen den Computer – und das wird erfahrungsgemäß schnell langweilig. Gerlach dagegen übertrug das erfolgreiche Multiplayer-Konzept auf das Skatspiel und löste damit das Grundproblem jedes Skatfreunds: Über den virtuellen Spiele-Palast bekam man nun ortsunabhängig und zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Skatrunde zusammen!

Gepusht wurde der Erfolg durch das Freemium-Konzept: Dank der kostenlosen Registrierung wuchs die Spielergemeinde schnell an – mittlerweile loggen sich monatlich 250.000 Spieler ein. Attraktive Premium-Funktionen bieten engagierten Spielern die Möglichkeit, eigene Tische einzurichten, Vereinen beizutreten und an Ligaspielen teilzunehmen. So entwickelte sich schnell eine aktive Community aus regelmäßigen Spielern unterschiedlichster Niveaus, deren In-App-Käufe für beachtliche Umsätze sorgen.

Plattformübergreifendes Reizen, Stechen & Punkte machen

Das zweite, neben der Multiplayer-Option vermutlich wichtigste Erfolgskonzept Gerlachs war die Möglichkeit zum plattformübergreifenden Spielen: Wer im Spiele-Palast reizen, stechen & Punkte abräumen wollte, brauchte keine leistungsfähige und somit teure Hard- und Software. Zwar gab es eine Software-Version für den heimischen Windows-PC, doch gespielt werden konnte nahezu auf allen Kanälen: im Browser, über Facebook und MeinVZ, in Apps auf dem Smartphone (iPhone und Android), auf Kindle & Blackberry. Gerade die Möglichkeit zum mobilen Spielen – während der Mittagspause im Büro, unterwegs im Zug, beim Warten am Flughafen – überzeugte die Nutzer.

Der Entwickler-Vorteil klassischer Kartenspiele

Der aus Entwicklersicht größte Vorteil liegt in der Vielseitigkeit der Karten: Das klassische Blatt ermöglicht viele verschiedene Spielvarianten! So wie man im echten Leben mit einem Skatblatt auch wunderbar Mau-Mau spielen kann, ist auch das digitale Blatt vielseitig einsetzbar. Ob Skat, Doppelkopf, Schafkopf, Rommé oder Mau-Mau: Letztlich variieren ja nur die Zahl der Karten und Spieler sowie die Regeln des Ausspielens und der Punktvergabe.

Apropos Karten: Die grafische Qualität und die Berücksichtigung regionaler Besonderheiten – bspw. die Wahl zwischen deutschem und französischem Blatt – war ein weiterer Pluspunkt des Spiele-Palasts.

Nachdem Gerlach also Karten, Spieltische und Spieler-Konten für sein erstes digitales Kartenspiel entwickelt hatte, war die Anpassung an andere Spiele mit sehr geringem Aufwand möglich. Die stetige Erweiterung des Kartenspiel-Portfolios ließ die Nutzerzahlen des Spiele-Palasts weiter wachsen und bescherte dem Unternehmer ansehnliche Umsatzzahlen.

Profilbild von Michael Bragg
Michael Bragg ist der Chefredakteur von games! Dein Gaming-Magazin. Er hat kein spezielles Genre, sondern zockt alles was er in seine Finger bekommen kann.

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