gamescom 2017: Kingdom Come: Deliverance - Quest-Preview

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Aller Zweifel zum Trotz befindet sich Kingdom Come: Deliverance auf dem Weg zu seinem Release. Wir durften in einem aktuellen Build eine seiner Quests spielen.

Die Geschichte von Kingdom Come: Deliverance begann klein aber voller, fast zu gut klingender Ambitionen auf kickstarter.com. Seitdem haben die Warhorse Studios ihr Herzensprojekt immer weiter vorangetrieben.Inzwischen ist ihr überaus ambitioniertes Projekt zu einem spielbaren Rollenspiel geworden, so dass ihre Communitymanager uns stolz auf eine Quest auf der gamescom 2017 loslassen konnten, nachdem sie uns den folgenden Trailer vorgespielt hatten.

Aber mal langsam: Für alle die es noch nicht kennen, bei Kingdom Come: Deliverance handelt es sich um ein Mittelalterrollenspiel. Statt Dungeons & Dragons und knappen Zauberinnenoutfits gibt es mittelalterliches Leben in Burgen und Landschaften, authentische Gefechte zwischen in Plattenrüstung gehüllten Rittern und – naja Dungeons gibt es trotzdem. Meine Spielsession beginnt damit, dass der Hauptcharakter der Schmiedesohn Heinrich (Henry in der englischen Fassung) in einer Cutscene mit seinem Lord Radzig Kobyla von Skalitz und Lord Hanush von Leipa spricht. Zuvor hatten Söldner angeführt von einem Ritter in schwarzer Rüstung Henrys Dorf verwüstet und die gesamte Bevölkerung inklusive seiner Eltern massakriert. Hierbei entwendete der in schwarz gehüllte Anführer der Gruppe das letzte Schwert von Heinrichs Vater. Unter den Söldnern waren wohl auch Kiptschaken, die im Laufe der Story zusammen mit dem nach dem Thron strebenden Sigismund in Böhmen einfallen. Bei diesen handelt es sich um Mitglieder eines Reitervolkes, das ursprünglich aus Asien stammt, aber durch die Mongolen ins heutige Ungarn getrieben wurden.

Darauf schließt sich Heinrich einem Ritter an, um seinen Rachedurst stillen zu können. Das entwendete Schwert war übrigens für dessen Lord gedacht, der in der Cutscene zusammen mit Lord Hanush am Tisch sitzt. Kurz darauf platzt ein Hauptmann in die Runde hinein und berichtet davon, dass ein weiteres Dorf überfallen worden sei. Nach etwas Wortaustausch und der Wiedergabe eines Augenzeugenberichts, dass ein großer, in schwarze Rüstung gehüllter Söldner unter den Angreifern gewesen sei, befindet sich Heinrich auf dem Weg mit dem Hauptmann und seinen Männern in die angegriffene Siedlung. Obgleich sich diese Cutscene auf dieses bloße Gespräch beschränkt, ließ sie einen gut in die mittelalterliche Welt eintauchen, sie diente als atmosphärischer Aufhänger für alles Folgende. Natürlich ging es nicht zu Fuß weiter, sondern auf Heinrichs neuem Pferd, das Lord Hanush ihm als Belohnung für das Unterstützen seines Lehnsmanns vermacht hat. Auf dem Ritt steuerte sich das Pferd etwas indirekter als beispielsweise in The Witcher 3, was wohl verdeutlichen soll, dass man auf einem Lebewesen sitzt und kein Fahrzeug einen trägt. Dennoch war die Steuerung nicht schlecht und durchweg konsequent, wodurch es keiner großen Erklärung bedurfte, wie man reitet.

screenshot_26_rattay_NEW  gamescom 2017: Quest-Preview

Kein Mittelalterrollenspiel kommt ohne Pferde aus.

Im Verlauf der hiermit beginnenden Quest liegt es am Spieler oder der Spielerin herauszufinden, was vorgefallen ist und wer für die Gräueltaten zu verantworten ist. Im ersten Gut angekommen, zeichnet sich ein grausames Bild ab. Pferdekadaver liegen verstreut und zwischen ihnen ein toter Mann. Kommt man mit einer sichtlich emotional angeschlagenen Frau im Innenhof ins Gespräch, berichtet sie einem über die Vorkommnisse: Sie erzählt von sinnloser Gewalt und, dass sie die Pferde selbst töten mussten. Viele Informationen hat die den Verlust ihres Mannes beklagende Frau nicht parat, also geht es für Henry allein weiter ins naheliegende Dorf. Dort zeigt sich das gleiche Bild tote Pferde und Leichen, aufgelöste und verstörte Menschen. Doch ein Bursche weiß mehr: Dessen Informationen laufen denen der Frau zum Teil zu wider – merkwürdig. Doch ich ging diesem Punkt nicht nach, sondern stürzte mich darauf, dass er davon sprach, dass die für das Blutbad verantwortlichen Banditen in den nördlichen Wald geflohen seien. Also nichts wie auf in den Wald – dort hinter einer Böschung liegt ein schwer verwundeter Bandit, der mit seinem Kameraden spricht. Genau hier kommt ein wichtiger Grundpfeiler von Kingdom Come Deliverance ins Spiel: Entscheidungen bestimmen maßgeblich, wie der Spieler durch die Geschichte fortschreitet. Das Ende mag als historisch basierendes Spiel zwar feststehen, aber der Weg dahin nicht.

So könnte ich nun aus dem Gebüsch stürmen und mich mit dem noch auf den Beinen stehenden Banditen duellieren. Schwertkämpfe und generell alle Kämpfe in Kingdom Come zeugen von erheblich größerer Authenzität als in anderen Rollenspielen: Hier gibt es keine Pirouetten wie in The Witcher 3 und kein dauerhaftes auf Gegnernherumschlagen wie in Skyrim. Stattdessen lassen sich Stiche und Hiebe ähnlich wie in Chivalry in verschiedenen Richtungen ausführen oder blocken. Dabei ist Achten auf die eigene Ausdauer unerlässlich, sonst geht Heinrich vor Ende des Kampfes die Puste aus.

screenshot_20_fight_raubritter_logo  gamescom 2017: Quest-Preview

Kämpfe zwischen schwerbewaffneten Kontrahenten wird es in Kingdom Come auch geben – nur nicht in der gespielten Demo.

Meine Wahl fiel auf diese, zugebenerweise etwas unkreative Vorgehensweise. Ich metzelte also den Banditen nieder und nahm dem anderen Banditen einen blutigen Hufkratzer ab. Die etwas ungewohnte Kampfsteuerung funktionierte hierbei und hinderte mich nicht daran, den Kampf schnell zu beenden. Alternativ hätte ich zum ursprünglichen Hof zurückgehen können, damit ich zusammen mit den mit mir mitgekommenen Soldaten den Banditen erledige oder ich hätte einfach die Banditen belauschen können. Nach einer Weile fleht der verletzte Bandit seinen anfangs noch widerwilligen Kameraden an, ihn zu töten, da er sowieso sterben würde und spricht dabei über die Geschehnisse. Nach einer Weile tut er dies und verschwindet, nehme ich an. Doch wem gehört dieser Hufkratzer? Zurück im Dorf bestätigt uns der bereits angesprochene Zeuge, dass dieser einem jungen Mann aus dem Dorf gehöre, der sich in letzter Zeit bereits merkwürdig verhalten habe und kurz vor dem Angriff verschwunden sei. Wo wir ihn auftreiben könnten? Er meine, der junge Mann habe Freunde bei den Kohlebrennern am Fluss.

Damit hat er uns, unsere nächste Station verraten. Ich gelangte noch zum ersten Kohlebrenner, bevor die Demo zum Ende kam, sprach mit diesem und erfuhr mehr über den augenscheinlich in diesen Überfall irgendwie verwickelten jungen Mann und, dass er sich wohl bei anderen Kohlebrennern verstecken würde. Danach endete meine Anspielphase und wie ihr schon gemerkt habt: Kingdom Come: Deliverance ist kein typisches Rollenspiel. Es ist nicht geprägt von dauerhaften Blutrausch, sondern zeichnet sich zumindest in der hier gespielten Quest durch starke Dialoglastigkeit aus. Diese Art einem Verbrechen nachzugehen mitsamt seiner vollvertonten Dialoge und den durch Gesichtmimik belebten Charakteren hat mir sehr gefallen. Es ist erfrischend in einem Rollenspiel nicht jeden kleinsten Abschnitt einer Quest mit dem Schwert lösen zu müssen. Gleichsam ist es den Warhorse Studios gelungen, eine erstaunlich gute mittelalterliche Atmosphäre auf den Bildschirm zu zaubern. Im Hintergrund arbeitet die aktuelle Cryengine 3, weshalb sich Kingdom Come: Deliverance grafisch vor keinem Spiel verstecken muss. Es spielt ganz oben mit unter Spielen wie The Witcher 3, Star Wars Battlefront 2 oder Metro Exodus.

Ausblick

Ob ein Rollenspiel ohne Fantasy-Anteil funktionieren kann? Kingdom Come: Deliverance beweist dies mit seiner gamescom-Demo mit Bravur. Es braucht keine Drachen, keine Magie, keine knappen Zauberinnenoutfits um ein Rollenspiel zu gestalten. Es bleibt dennoch offen, wie gut es diesen gezeigten Qualitätsstandard wird halten können. Ob es imstande sein wird, genug Abwechslung und Inhalt zu bieten, ob alle seine Spielbereiche so gut funktionieren wie das Gezeigte. Wie gut die Story insgesamt sein wird und so weiter. Schlussendlich habe ich einfach noch viel zu wenig gesehen, damit ich sicher sagen kann, dass Kingdom Come: Deliverance eben das Rollenspiel geworden ist, was die Warhorse Studios in ihrer Kickstarter-Kampagne ihren Fans versprochen haben. Doch eins steht fest: Es ist auf einem sehr guten Weg dahin.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Meist zu finden in Shootern, Rollenspielen oder Strategiespielen. Zudem Student der Informatik.

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