Jump Force Review

PlayStation 4 Xbox One

 

“Gum Gum Kameha-Sengang der Tausend Fäuste!” Oder so ähnlich. In Jump Force kommen 50 Jahren Shonen Jump Anime Helden zu einem großen Crossover zusammen, aber das Ergebnis lässt leider zu wünschen übrig.

Eins vorweg: Wenn ihr euch Jump Force nur kauft um es mit Freunden zu spielen, plant ein, dass es ungefähr eine Stunde geht, bevor ihr überhaupt erst Zugriff auf das gesamte Roster habt und auch wirklich loslegen könnt. Denn so schick das Opening auch ist, es ist sehr träge und voller Ladezeiten. Wie so manche lang-laufende Shonen Anime Serien auf denen das Spiel basiert, ist Jump Force oft sehr konzentriert darauf euch sehr lange warten zu lassen bevor irgendetwas cooles passiert. Also ich habe Anthem nicht gespielt, was ja den Kritiken zufolge im Moment der König unter den Ladezeiten-Habern ist, aber Jump Force kann nicht weit hinten dran sein. Vor allem, das es echt überall Ladezeiten gibt, sogar wenn man nur kurz einen der zahlreichen In-Game Stores ansehen möchte. Wählt ihr eine der Story Missionen aus, kann es sein, dass ihr 3-4 Ladebildschirme hintereinander seht, bevor die Klopperei losgeht. Und die Zwischensequenzen dazwischen sind noch nicht mal sonderlich spannend. Aber erst mal das Wesentliche:

Unsere Welt wird bedroht. Richtig gelesen. Nicht die Welt von Dragon Ball oder One Piece, sondern die echte Welt. Der mysteriöse Bösewicht Kane erobert unsere Welt mithilfe der Umbra Cubes und bringt einige Manga Bösewichte wie Frieza mit sich. Bei so einer Invasion wird unser Protagonist schwer verletzt und im letzten Moment durch das Eingreifen der Jump Force gerettet. Ausgestattet mit neuen Superkräften übernehmt ihr nun die Kontrolle des neusten Mitglieds der Jump Force und kämpft Seite an Seite mit den ständig-hungrigen Anime-Supermännern.

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Screenshots vom Story Modus konnten wir leider nicht machen, weil die Share Funktion der PS4 dies verhindert.

Das grundlegende Kampfsystem von Jump Force ist sehr simpel: Es gibt leichte und starke Schläge, einen Dash Move der sowohl dazu dient Distanz zum Gegner zu überwinden und zu schaffen und Spezial-Attacken die sich durch Drücken des Bumpers und einem der Face-Buttons zünden lassen. So ist es super einfach wild um sich blitzende Anime-Kloppereien zu haben bei denen die Kamera ihr Bestes tut um mitzuhalten. Das klingt jetzt fieser als es ist, tatsächlich ist es ziemlich cool wie die Kamera fließend den Fokus von einer zur anderen Figur wechselt und keiner bei der Steuerung den Kürzeren zieht. Es ist auf jeden Fall einem erzwungenen Splitscreen vorzuziehen, wie es zum Beispiel noch der indirekt Vorgänger J-Stars Victory gemacht hat.

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Die Spezial-Attacken sind dabei ganz klar der Star der Show, egal ob Kamehamehas, Detroit Smashes oder Schwarze Löcher. Die Kamera hält inne, es gibt einen Close-Up auf das Gesicht des Charakters und dann explodiert der Bildschirm. Manche sind leicht einzusetzen, andere verlangen etwas Fingerspitzengefühl, weil nicht jeder Gegner lange genug still steht um z.B. von Kenshiros Fäusten maltretiert zu werden. Kompliziert ist das Gekloppe nicht und wenn die Fäuste erst mal fliegen, macht das alles durchaus Spaß, kann auf audio-visueller Ebene aber auch sehr anstrengend sein. Jump Force ist definitiv kein Spiel für Epileptiker und bei den ganzen schreienden Anime-Protagonisten leiden die Ohren auch manchmal etwas, besonders wenn Midoria aus My Hero Academia grade auf die Fresse bekommt. Das Grundspiel macht schon Laune; das Problem ist leider so ziemlich alles drum herum.

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Da wäre z.B. der Story Modus an sich: einer der großen Aufhänger ist es die heilige Shonen Dreifaltigkeit gemeinsam im Kampf zu sehen, aber tatsächlich ist das nicht annähernd so aufregend wie man sich das wünschen würde. Zum einen gibt es nur sehr wenig interessante Interaktionen zwischen den Helden verschiedener Welten. Wenn die Zwischensequenzen vertont sind (nur auf japanisch übrigens), wirken die Charaktere oft ärgerlich steif, die Lippensynchro passt nicht ganz auf die gesprochenen Sätze und die Mimik lässt schwer zu wünschen übrig. Das merkt man schon sehr früh im Spiel, wenn Luffys japanische Sprecherin sein berühmtes Kichern vom Stapel lässt, man aber seine Zähne nicht dabei sieht. Generell starren alle Figuren immer sehr ernst ins Leere, was bei Happy Go Lucky-Charakteren wie Goku oder Luffy einfach nicht passt. Oft stehen die Figuren einfach nur um einen Tisch rum und sagen ernste Sätze wie “wir müssen heraus finden was mit dieser Person nicht stimmt”, oder “ich stehe in eurer Schuld und kämpfe ab jetzt für die Jump Force”. Kein Vergleich zu den witzigen, Fan-Service-geladenen Dialogen in Dragonball FighterZ.

Dazu kommt, dass tatsächlich nur ein Teil der Zwischensequenzen auch wirklich vertont sind. Oft gibt es nur geschlossene Münder, vage Gesten und Textboxen. Aber dafür nicht weniger Ladezeiten. Bei fast jeder Story Mission verbringt man mehr Zeit damit auf die Zwischensequenzen zu warten, als sie wirklich anzusehen. Jump Force hat keine Chance gegen den wunderbaren Flow zwischen Gameplay und Zwischensequenz der Netherrealm Prügel-Serien Injustice oder Mortal Kombat.

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Du dachtest hier wäre ein Screenshot aus der Kampagne, aber es bin ich: Dio!

Das Roster kann sich mit 40 Recken an sich sehen lassen, selbst wenn man nur die Hälfte wirklich kennt. 50 Jahre Shonen Jump werden hier definitiv ausgeschöpft. Zumindest auf der Männer-Seite. Es gibt massiven Punkteabzug für den Mangel an weiblichen Charakteren: Nur 3 weibliche Kämpfer haben es ins Roster geschafft. Und die Limitationen des Charakter-Editors machen es auch nicht leichter diese Lücken zu füllen.

Der Avatar-Editor

Ich liebe es ja in Videospielen meinen eigenen Charakter zu bauen. Nennt mich einfallslos, aber es ist einfach unheimlich cool mich selbst in digitaler Form in den Reihen der Smash Bros., Soul Calibur Recken oder auch in RPGs zu sehen. Auch Jump Force hat einen umfangreichen Charakter-Editor. Der sich aber alle Mühe gibt mir den Spaß zu verderben.

Es gibt so viele Optionen, ihr könnt euch einen Level 11 Anime-Charakter bauen. Sasukes Frisur, aber in lila mit gelben Spitzen? Kein Problem! Unterschiedlich farbige Pupillen mit Sternen Tattoo im Gesicht? Geht klar. Eine Hose in einer anderen Farbe als grau? … Die müsst ihr erst kaufen. Fast jedes Kleidungsstück müsst ihr erst im Spiel für teures Geld erwerben. Ein Match im Story Modus bringt euch, wenn ihr es gewinnt, 1000 Goldstücke zum verscherbeln. Aber Luffys Jacke oder Gokus Hose kosten gleich mal 5000. Pro Farbe! Und das finde ich die richtige Sauerei! Welcher Charakter Editor limitiert euch denn heutzutage bitte noch bei der Auswahl eurer Kleidungsfarbe? Und das halt bei jedem kleinem Stück. Egal ob Hemd, Hose, Schuhe oder Armbänder. Das machen Spiele wie Soul Calibur deutlich besser.

Und es wäre auch zu einfach, wenn all diese Klamotten an einem Ort wären oder man sie zumindest mal als Preview an der eigenen Figur betrachten könnte. Stattdessen gibt es über die Jump Force Basis verteilt verschiedene Geschäfte an denen ihr unterschiedliche Kleidungsstücke und Accessoires kaufen könnt. Apropos Accessoires: So ganz besondere Frisuren wie die von Goku oder Namekianer Antennen müsst ihr übrigens auch extra kaufen. Und Bärte gibt es im Editor fast gar nicht. Das bisschen Haar von Sanji unterm Kinn ist noch das höchste der Gefühle in Sachen Gesichtsbehaarung.

Auch das Ausrüsten mit verschiedenen Special Moves sollte eigentlich viel mehr Spaß machen. Wolltet ihr schon immer mal einen Galick Gun-schießenden Ninja spielen? Das geht, aber erst wenn ihr auch diesen Angriff für die In-Game Währung (für die man zumindest kein echtes Geld ausgeben kann) einkauft. Und auf einmal muss man lange überlegen wofür man sein schwer verdientes Geld ausgibt. Was beim trägen Ablauf aber nicht wirklich Spaß macht.

Auch ärgerlich: Der Kampfstil eures Charakters basiert prinzipiell auf dem von Goku, Luffy oder Naruto, die je bekanntermaßen mit bloßen Fäusten kämpfen. Entscheidet ihr euch aber für Spezial-Angriffe eines Schwertkämpfers wie Zoro oder Kenshin, erzeugt euer Charakter einfach eine blaue Energieklinge aus seinen Händen zum Angreifen. Wäre ein weiterer Kampfstil mit Schwert so schwierig gewesen?

Ihr habt beim Bauen eures Charakters auch nicht Zugriff auf alle Angriffe im Spiel. Wenn man die erwerbbaren Angriffe nach Serie sortiert anschaut, merkt man, dass da einige fehlen. Klar gibt es alle wichtigen Moves aus Dragonball, aber wer mit seinem Charakter Monster aus Yu-Gi-Oh beschwören möchte oder mit dem beeindruckenden Waffenarsenal von City Hunter Ryo kämpfen kuckt in die Röhre.

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Was dem ganzen dann aber die Krone aufsetzt, ist, dass man zwar mehrere Slots für eigene Charaktere hat, aber immer nur einer aktiv sein kann. Ja, man kann sich mehrere Charaktere basteln und mit Ihnen in der Kampagne spielen. Klar könntet ihr euch mit den vorhanden Teilen (und dem nötigen Kleingeld) Figuren wie z.B. den One Punch Man Saitama nachbauen. Aber da das Spiel kein klassisches Menü sondern nur eine Lobby hat ist es euch nie möglich – auch und gerade nicht im lokalen Multiplayer Modus – mehr als eine selbst-kreierte Figur in die Schlacht zu bringen.

Fazit

Ich hatte wirklich Bock auf Jump Force. Schräger Anime-Prügler mit übertriebenem Story-Modus und Charakter-Editor, für sowas bin ich echt zu haben. Aber an fast jedem Punkt stößt mich das Spiel vor dem Kopf und ich ärgere mich nur. Ich verbringe in diesem Spiel gefühlt mehr Zeit mit Ladebildschirmen als tatsächlichem Gameplay. Dadurch bewegt sich der Story Modus mit einem Schneckentempo, dass es nicht mehr witzig ist.

Der Charakter Editor frustet mehr als er Spaß macht. Er ist viel zu zeitintensiv und limitiert, als das man wirklich mit Spaß haben könnte und am Ende ist der Einsatz dieser Figuren schwer begrenzt.

Machen die Kämpfe wenigstens Spaß? Ja, schon. Sie sind oft etwas anstrengend anzusehen und zu hören, aber der Style ist da. Das macht das Gesamtpaket aber nicht weniger ärgerlich. Verglichen mit der direkten Konkurrenz hat Jump Force wirklich nur die Variation des Rosters zu bieten. Wollt ihr unbedingt mit Goku und Luffy spielen, dann nehmt Jump Force. Aber sogar von Publisher Bandai Namco selbst gibt es so einige Spiele die vieles alleine besser machen, was den faden Nachgeschmack hinterlässt, dass man sich bei einem so großem Spiel auf die Namen allein verlassen hat. Und das reicht halt leider nicht.

Good

  • Solides Kampfsystem wird der Vorlage gerecht...
  • 40 Charaktere...
  • An sich schöne Idee mit der Story...
  • Charakter Editor...
  • Also ich mag das Charakter Design...

Bad

  • ...führt aber manchmal zu visuellem Overkill
  • ...aber nur 3 Frauen
  • ....die ihr Potential nicht annähernd ausnutzt
  • ...der furchtbar limitiert ist
  • ...aber es fehlt an Mimik und Bewegung
5

Mittelmässig

Selbserklärter König der Nerds, Herausforderer bitte hinten anstellen. Ich bin der mit den Nunchakus und dem im Wind flatternden Bandana.

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