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Internerd 8: Wir protestieren gegen alles

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„Nee, was ist das schön auf ’ne Demo zu gehen ohne vom Sofa aufzustehen!“ – So lautet ein Satz der Wise Guys in ihrem Song „Facebook“. Mit dem Satz sind Demos, Unterschriftensammlungen und Petitionen gemeint, die momentan einen ordentlichen Aufschwung bekommen. Kann das aber erfolgreich sein?

Wer geht denn noch auf Demonstrationen und stellt sich in die Kälte, wenn es auch ganz bequem vom Sofa geht? Wer brüllt sich die Seele aus dem Leib, wenn man seine Tastatur benutzen kann? Wer muss sich fragende Blicke angucken, wenn man auch (mehr oder weniger) anonym für seine Interessen stimmen kann? Wer kann an mehreren Demonstrationen gleichzeitig teilnehmen? Ganz einfach: Wir!

Change the World

Auf diversen Websiten wie change.org, openpetition.de und epetition (Bundestag) kann man für Projekte, die man unterstützen möchte, virtuell unterschreiben. Diese Unterschrift ist dann gültig. Pro Petition muss eine bestimmte Anzahl an Unterschriften gesammelt werden, damit diese beim Betroffenen eingereicht und gültig gemacht werden kann. Das Ganze ähnelt dann wie einer Unterschriftensammlung im richtigen Leben, mit richtigen Papier, mit richtigen Stift und richtigen Menschen. Aber ehrlich: Wer wandert von Tür zu Tür und will Unterstützer für seine Beschwerde / Anregung finden, wenn das auch ganz bequem von zuhause aus geht?

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Beispiele für Petitionen

Petitionen und Bürgerinitiativen findet man zu fast jedem Thema: Von der Schließung einer lokalen Schule oder dem Verbot von Reiten der Ponys auf Jahrmärkten (spezifisch festgelegt) bis hin zur Petition für ein Update der Server für Modern Warfare 2 – all das gibt es. Dass diese Initiativen durchaus Erfolg haben und ihre Ziele durchgesetzt werden, sieht man immer gut, wenn man die Plattformen durchsucht. Der Schlittenberg im Landkreis Ludwigsburg sollte gesperrt bzw. nicht mehr zugänglich gemacht werden. Mit der Petition und 236 Unterschriften konnte der Berg doch gerettet werden. Die Abschaffung der Pferdesteuer wurde mit 200.000 Unterschriften auch durchgesetzt bzw. ist momentan in Bearbeitung.

Klappt das wirklich?

In den oben angegebenen Beispielen hat die Bürgerinitiative sich durchsetzen können. Doch ist das bei allen Petitionen der Fall? Momentan läuft auf openpetition eine Petition für die Abschaffung der GEZ. Mittlerweile haben rund 130.000 Unterstützer unterschrieben, wobei 50.000 Unterschriften genügend gewesen wären. Laut der Plattform befindet sich der Fall gerade in Bearbeitung, doch ich bezweifle, dass man durch diese Petition nie wieder GEZ-Gebühren bezahlen muss… Aber auch im Genre der Games gibt es ein paar Petitionen: CommanderKrieger eröffnete vor einigen Wochen eine Petition auf openpetition und wollte damit bewirken, dass das Sicherheitssystem von Call of Duty: Modern Warfare 2 verbessert bzw. aktualisiert wird, da sich im Multiplayer zu viele Hacker herumtreiben. Die Initiative war leider ohne Erfolg: Nur 19.000 Unterschriften wurden gesammelt – 500.000 wurden benötigt.

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Nicht immer müssen die maximalen Bedingungen erfüllt werden. Das Beispiel von einem gigantischen Coca Cola-Werbeplakat in Berlin macht es deutlich: An einer Hausfassade wurde, wohl ungefragt, ein riesiges Plakat der Coca Cola Company angebracht. Der Bewohner Nando Rossi startete eine Petition auf change.org und forderte, dass das Plakat abgehängt werden soll, weil die Werbung ca. 30 Fenster vollkommen abgedeckt hat. Bei Tag sei es düster, bei Nacht, wenn das Plakat beleuchtet wird, sei es so hell wie am Tag. Was für uns ziemlich lustig klingt, war für die Bewohner reinster Horror. Doch die Petition zeigt Erfolg: Binnen 24 Stunden wurde das Plaket wieder entfernt! Der offizielle Text der Petition:

Der Eigentümer unserer Wohnung in der Danziger Str. 2 in Berlin hat aus unserer Hausfassade eine riesige Plakatwand gemacht. Vor 30+ Fenstern hängt nun eine Coca-Cola Light Werbung.

Tagsüber dringt kaum Tageslicht in unsere Wohnung, sodass wir auch mittags das Licht einschalten müssen! Nachts hingegen wird die Plakatwand beleuchtet, sodass wir gezwungen sind, alle Vorhänge zu schließen, um überhaupt schlafen zu können!>

Aber nicht nur die Mieter sind betroffen. Die kleinen Geschäfte und Cafés im Erdgeschoss sind angesichts dieses leuchtenden Monstrums kaum noch zu sehen.

Bitte zeigt Coca-Cola Deutschland, dass ihre Werbung den öffentlichen Raum sehr stark stört und das Leben von Anwohnern verschlechtert. Helft uns dabei, unseren Vermieter und Coca Cola Deutschlandchef Hendrik Steckhan davon zu überzeugen,das Plakat bis Ende Februar abzuhängen.

Insgesamt wollen wir 10.000 Stimmen sammeln!

Statt den gewollten 10.000 Stimmen blieben es aber „nur“ ca. 3.000 Unterstützer. Coca Cola zeigt sich aber human und handelt schnell:

Ihr seid großartig! Gestern (6. Februar) hat Coca Cola sich offiziell bei allen Mietern auf dem Plakat (!!!) entschuldigt und am Abend das Plakat abgenommen. Ein Erfolg in 24 Stunden – Danke für Eure zahlreiche Unterstützung : ) Nando Rossi und Wanda Ott

Aufstehen oder klicken?

Fakt ist, dass man mit beiden Formen des Protests durchaus erfolgreich sein kann. Fakt ist auch, dass die virtuelle Methode meist deutlich bequemer ist als die, im Regen zu stehen und zu brüllen. Fakt ist aber, dass beide Formen, egal wann und wo, meist für eine positive Veränderung angestrebt werden. Dass solche „Demonstrationen“ auch Wirkung im Netz zeigen, zeigt, wie wichtig und stabil das Internet bei uns geworden ist. Das Neuland  Internet kann also doch positiv sein!

Quelle: OpenPetition, Change.org, oliverschopf.com

 

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Junger Redakteur, Schüler und Journalist aus Leidenschaft. Seit 2013 dabei.

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