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Internerd 16: Die Sache mit den Plattformen

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Hin und wieder ist mal Zeit um seine Gedanken nieder zuschreiben. Als Redakteur einer kleinen aber feinen Internet Seite rund um Spiele, macht man sich selbst natürlich Gedanken um das Jetzt und das Später in der Games Branche. Welche Genre sind gerade angesagt oder (wieder) im Kommen. Wie werden sich neue Features auf die Gaming Landschaft auswirken und war Früher nicht ohnehin einiges besser? Ich will gar nicht auf jede Frage eine durch und durch schlüssige Antwort parat haben, sondern die Lesern teilhaben lassen in meine Sicht auf die Dinge. Unser hauseigener Meinungskanal, genannt „Internerd“ ist dafür genau richtig. Das sich die Ansichten die ich hier äußere natürlich nicht immer mit denen des Lesers auf einer Ebene bewegt, sollte an dieser Stelle klar sein, aber dennoch einmal betont werden. In der Kommentarfunktion dürfen sich alle zu einer regen Diskussion einfinden. Es dürfen auch Meinungen getauscht werden. Tee und Gebäck muss jeder selbst mitbringen.

Für andere Konsolen hatte ich aber stets nur ein müdes Lächeln übrig…

Seit meinem 9. Lebensjahr spiele ich nun schon Video- und Computerspiele und bis heute hat diese Leidenschaft in meinem Leben einen festen Platz. Was damals mit einem 386er PC mit Intel Prozessor und satten 12 Megahertz im Turbomodus begann, gipfelte im vergangenen Jahr dann in einem neuen Xeon Prozessor und einem MidEnd Pixelbeschleuniger von NVidia, samt zahlreichen hochkarätigen Spielen die ich mir als kleiner Junge, der sich stundenlang durch Point&Click-Games wie Monkey Island oder Loom geklickt hat, nicht mal in seinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Der PC war schon immer meine Plattform Numero Uno, obgleich mich mein Weg auch hin und wieder zu den Konsolen von Nintendo führte. Einen genauen Grund dafür kann ich gar nicht nennen, denn ich würde mich nicht als besondere Nintendo-Fanboy bezeichnen. Aber das mir die Spiele zu damaliger Zeit einfach immer mal wieder Spaß machten, vor allem wenn ich sie mit oder gegen einen Freund spielte, reicht ja auch schon als Kaufgrund. Allen voran Zombies ate my neighbors ist das Spiel was mich am besten an diese Zeit erinnert. NES, Super NES, Gameboy, Super Gameboy und sogar eine Nintendo Wii befanden sich in meinem Besitz. Übrig geblieben sind bis heute nur das Super NES samt Super Gameboy Adapter und der Gameboy, der sich allerdings in irgendeiner Schublade bei meiner Großmutter aufhält. Sie mag zwar nicht mehr die Jüngste sein, aber eine Tetris-Zockerin vor dem Herrn, dass kann ich euch sagen.

Für andere Konsolen hatte ich aber stets nur ein müdes Lächeln übrig. Nicht aus pseudo-elitärem PCler-gehabe oder weil ich ein Plattform-Rassist bin, sondern weil mir die Anwendungsmöglichkeiten, die mir eine Konsole gegenüber einem Rechenknecht anbot, einfach nicht umfangreich genug waren. Klar, ein PC war auch schon immer vorrangig zum Arbeiten und erst später zum Spielen erdacht worden. Selbst ausgewiesene Gaming Rechner mit Hardware von einem anderen Stern verpackt im Hochglanz Designtower, sind im Grunde nichts weiter als aufgemotzte Büroartikel.

Eine Konsole sollte dagegen stets eines immer nur eines können und das war das auf eine DVD (und später BluRay) gepresste Spiel auf den Bildschirm zu projizieren. An diesem Umstand hat sich auch bis heute nur wenig geändert, obwohl die Next Generation Konsolen schon weit mehr auf dem Kasten haben, als noch ihre Brüder Mitte der 90er Jahre. Sie sind kompakte, hochentwickelte Entertainment Boxen mit umfangreichen Streaming Angeboten für Filme und Serien samt eingebauten digitalen Einkaufsmärkten. Zudem sind sie in den vergangenen Jahren auch eine Form von Statussymbol und Designelement fürs heimische Wohnzimmer geworden. Und seien wir mal ehrlich, eine PS4/Xbox neben einem großen LED-Fernseher sieht doch einfach toll aus, sofern beide regelmäßig vom lästigen Staub befreit werden.

Worum ich die Zockerkollegen vom anderen Gamingufer aber schon immer beneidete, waren die oft vielversprechenden Exklusivtitel mit denen die großen Konzerne Sony und Microsoft ihre Kundschaft an sich zu binden wussten. Die Macher von Xbone und PlaySi buhlten schon immer um die Gunst der Käufer und bei jeder Ankündigung einer neuen Konsolengeneration warb man freudig mit neuen Titeln, die es exklusiv nur auf eben jener Konsole gab, Punkt. Für die jeweilige Fraktion war das immer ein Grund zur Vorfreude und gerne hätte ich mir und wahrscheinlich auch der eine oder andere, einige dieser Titel für die eigene Plattform gewünscht. Doch das schien ein nie zu erfüllender Wunsch zu bleiben. Exklusiv heißt nun mal exklusiv und der lateinischen Herkunft des Wortes nach, bedeutet das jemanden oder etwas anderes auszuschließen. Zum einen bringt es die Kunden dazu nur die eine Plattform zu kaufen und zum anderen sind Entwickler nicht dazu genötigt, ihr Spiel für andere Systeme zu optimieren. Denn welch ein Shitstorm beispielsweise nach einem vergeigten PC-Port auf die Entwickler niedergehen kann, hat sich in der Vergangenheit nur allzu oft gezeigt, siehe Batman: Arkham Knight.

The Last Guardian, Heavy Rain, The Last of Us, die Metal Gear-Serie und viele weitere standen seit Jahr und Tag neben vielen anderen auf meiner „Want for PC“-Liste. Sicherlich hätte ich mir auch einfach eine der Konsolen, bei denen ich die Playstation aufgrund ihres Titelangebots persönlich stets favorisierte kaufen können um mich dann sofort in die neuen Welten und Geschichten zu stürzen. Doch rückblickend gesehen war es eine gute Entscheidung es nicht zu tun und das gesparte Geld, welches ich für eine PS3/PS4 zurückgelegt hatte, in eine neue Grafikkarte oder komplett neuen PC zu investieren. Freunde, Bekannte und Kollegen spielen eh so gut wie alle auf dem PC und waren immer im Battle.Net, auf Steam oder Origin anzutreffen. Wozu dann also das Ufer wechseln, wo ich allein auf weiter Flur stehen würde? Denn alleine zocken macht nur bedingt und für kurze Zeit Spaß. Denn mit wem sollte ich reden, wenn ich es gewohnt bin im Teamspeak abzuhängen, während ich mich in Diablo 3 durch Gegnerhorden klicke? Fremde Leute via Voice over IP im Spiel, können einen das Spiel nämlich schneller versauen, als ein überstarker Endboss der den liebevoll gepflegten Spielcharakter zum x-ten Mal quer über den Bildschirm prügelt. Über das Thema „andere Spieler in Online Games“ lasse ich mich vielleicht mal in einer der nächsten Ausgaben unserer Internerd-Kolumne aus.

Doch nun ändern sich die Zeiten und Microsoft wie auch Sony bauen allmählich Brücken in Richtung PC. Vielleicht auch irgendwann zueinander? Mit dem Xbox Play Anywhere-Programm macht es Microsoft seinen Kunden möglich, ihre Spiele sowohl auf Konsole als auch auf dem PC zu daddeln. Zwar braucht es zwingend das neueste Betriebssystem Windows 10 und einen einigermaßen flotten Rechner, aber wenn das alles ist dann bin ich an Bord. Ein Blick auf den integrierten Store lässt Gutes erahnen und die kommenden Titel wie Gears of War 4 oder Forza Horizon 3 werden mich heftigst vor den Monitor fesseln. Das Microsoft irgendwann diesen Schritt geht, konnte man sich stets denken. Eine Verschmelzung der Spiele zwischen der Xbox und dem hauseigenen Betriebssystem welches sowieso auf den meisten PCs installiert ist, schien schon längst überfällig.

Ich habe nix zu spielen!

Auch Sony springt nun auf diesen Zug auf und bietet seit August in Großbritannien, Belgien und den Niederlanden an via Playstation Now über 400 Playstation 3 Spiele auf den Heimrechner zu streamen. In Deutschland ist bisher nur Beta-Testern der Zugang möglich. Bis Ende des Jahres sollen dann voraussichtlich auch andere Spieler in den Genuss kommen dürfen. Voraussetzung ist ein PS Now Abonnement, welches voraussichtlich um die 20€ pro Monat kosten wird und ein PS4-Controller samt Wifi Adapter für den USB Port. Per Abo hat man dann Zugriff auf sämtliche Titel aus dem Portfolio von Sony. Einziges Manko, man kann die Spiele nur streamen und auch nur Spiele der alten Playstation 3 Generation. Zum einen bedeutet das, dass man lediglich ältere Games zu Gesicht bekommt, die schon eine etwas angestaubtere Grafik ohne den Vorteil einer für PCler längst zum Standard gehörenden Kantenglättung. Zum anderen könnten überlastete Server oder Heimnetzwerke den Spielspaß ganz schnell trüben. Stichwort: Buffering im Bosskampf! Zugegeben, solche worst-case Fälle werden wohl die Ausnahme sein, aber ich denke ihr wisst was ich meine. Wer keinen HighEnd Rechner zu Hause hat kann sich zumindest schon mal freuen, denn es wird kein Rechenmonster benötigt um PS Now zu nutzen.

Aber hey, versteht mich nicht falsch! Ich will nicht klagen. Ich freue mich auf die kommenden Spiele und reserviere dem PS4 Controller schon jetzt einen gemütlichen Platz auf meinem Schreibtisch. Ich sehe diesen Schritt nur als Anfang eines Prozesses, der wahrscheinlich irgendwann alle drei Plattformen miteinander verschmilzt. Wenn Sony sein Angebot noch weiter ausbaut, dann könnten sich PC Spieler eventuell sogar schon bald über das kommende God of War 4, Horizon: Zero Dawn oder die seit eh und je exklusive Rennspielserie Gran Turismo freuen. 2017 erscheint sogar Tekken 7 erstmals in der Geschichte der Prügel-Serie auf dem PC und der Xbox. Doch wie kürzlich bekannt wurde, sind keine CrossPlattform Schlägereien möglich. Ein Grund dafür seien Cheater die zumeist auf dem PC, ehrlichen Online-Zockern die Suppe versalzen. Ich hoffe ihr seid stolz auf euch!
Vielleicht werden aber dennoch bald sämtliche Grenzen überwunden sein und es darf endlich nahezu überall Plattform übergreifend gezockt werden. Die Zukunft des Gamings und die Art und Weise wie wir, eventuell schon früher als gedacht, irgendwann zusammenspielen werden sieht glänzend aus. Der alte Spruch „Ich hab nix zu spielen“, zieht schon längst nicht mehr. Es gibt genügend Games da draußen, das Problem ist nur, dass man meist zu wenig Zeit hat sie alle zu spielen.

Ein Spiel wie ArmA 3 auf der Konsole, könnte ich mir nur schwer vorstellen

Doch auch umgekehrt leckt sich der ein oder andere Konsolen-Enthusiast die Finger, wenn es um bestimmte PC-Spiele geht. Denn auch der eckige, heutzutage mit Plexiglasfenster zur Begutachtung der inneren Werte ausgestatteten Kasten, der unter vielen Schreibtischen sein Dasein fristet, bietet zahlreiche exklusive Titel. Ein x-beliebiges Spiel auf die Plattform PC zu portieren ist eine Sache. Umgekehrt ist es eine ganz andere, bestimmte Titel für Xbox und Playstation fit zu machen. Manch ein Spiel ist schon aufgrund seiner vielfältigen Mechaniken und damit einhergehenden Steuerungsmöglichkeiten der Schrecken jedes noch so ausgefuchsten Controllers. Es ist natürlich möglich die Knöpfe auf einem Controller doppelt, wenn nicht sogar dreifach zu belegen, wie beispielsweise Star Citizen auf dem PC es macht. Doch ein Spiel wie ArmA 3 auf der Konsole könnte ich mir nur schwer vorstellen. In der gegenwärtigen Form bietet allein das Hauptspiel eine Vielzahl an Tastenbelegungen, die nur umständlich auf einem Controller untergebracht werden könnten und selbst wenn bleibt fraglich, wie sich das auf die allgemeine Spielbarkeit auswirkt. Den Sprichwörtlichen Knoten in den Fingern, will doch keiner haben.

Kommen dann noch Modifikationen (kurz: Mods) ins Spiel, könnten sogar noch mehr Tastaturkürzel auf den Spieler zukommen. Mods wie bspw. die Funkmodifikation Acre und RHS erweitern das Spiel nun mal nicht nur mit neuen Features, sondern benötigen auch eigene Tastenkombinationen um zu funktionieren, die sich selbst ein engagierter ArmA-Spieler nicht immer merken kann und kleinere Fingerkrämpfe sind dann fast vorprogrammiert. Da stoßen Controller leider an ihre Grenzen. Hier sind die Entwickler gefragt und vielleicht kommt eine eigene zugeschnittene Umsetzung von ArmA ja doch auf die Konsolen. Mit dem taktischen Tiefgang und Gameplay wie man es auf dem PC kennt, aber mit einer angepassten Steuerung, die es erlaubt auch auf der Couch lümmelnd vor der Glotze zu zocken und auf Servern mit 80 Spielern oder mehr Krieg zu führen, dass sogar Battlefield-Spielern die Spucke weg bleibt. Ein Echtzeit-Strategie Titel wie Starcraft 2 wäre wohl auch irgendwie umsetzbar.

Leider sind aber immer wieder finanzielle Aspekte der sprichwörtliche Stein um Schuh. Machen kann man so vieles, dass dann auch finanzieren oder die nötigen Risiken eingehen, wollen nur wenige Studios. Aber lassen wir uns davon nicht die Vorfreude auf die gemeinsame Gaming-Zukunft vermiesen. Die Hersteller wagen schon immer mehr und versuchen immer mehr Möglichkeiten zu bieten um uns weiter zu vernetzen. Ich besitze keine Glaskugel, ich weiß also nicht wie wir in 10 Jahren zocken werden und mit Vermutungen, die ich aus meinem Kaffeesatz ziehe, ist auch niemandem geholfen. Ich hoffe nur, dass wir dann endlich mal die Plattform-Streitigkeiten hinter uns gelassen haben, weil wir eingesehen haben, dass es doch egal ist wer worauf spielt. Am Ende des Tages sind wir nämlich alle Spieler auf der Suche nach Spielspaß, ganz gleich welche Hardware in unserem Wohnzimmer die Arbeit verrichtet.

Game On…

Written by
Shooter-Liebhaber, Rennspiel-Enthusiast, Gelegenheits-Streamer und Bindestrich-Fetischist :-)

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