Horizon: Zero Dawn Review

PlayStation 4
Jetzt Kaufen

 

   

In der heutigen Spielelandschaft ist es gerade für große Studios immer schwer, sich von ihrem Image zu verabschieden und etwas völlig neues zu schaffen. Guerrilla Games, die Macher von Sonys exklusiver Killzone-Reihe, waren bisher nur für Shooter bekannt. Mit Horizon: Zero Dawn präsentieren sie ihr erste neue Serie seit Jahren – wieder exklusiv für Sony-Systeme.

 

Die Welt ist im Wandel

In einer fernen Zukunft leben die Menschen in einer Stammesgesellschaft und mit primitiven Waffen in einer Welt, die von der Natur zurückerobert wurde. Die Ruinen der alten Zivilisation sind verhasst, überwuchert und von Menschen verlassen. Stattdessen marschieren überall auf der Welt riesige Tier-artige Maschinen, die sich von Gras und Fleisch in der näheren Umgebung ernähren und inzwischen auch für Menschen extrem gefährlich geworden sind. In diese Welt wird Aloy geboren, die von einem Ausgestoßenen des Nora-Stammes namens Rost aufgezogen wird, um eines Tages in der „Prüfung“ ihr Können als Jägerin zu beweisen und offiziell als Nora aufgenommen zu werden – doch nur wenn sie gewinnt darf der Rotschopf den Stammesmüttern eine Frage stellen: Wer ihre Eltern waren…

Horizon: Zero Dawn stellt den Spieler vor vollendete Tatsachen. Warum die Welt so ist wie sie ist, steht zu Beginn nicht einmal zur Debatte. Stattdessen ist Aloys persönliche Geschichte im Vordergrund und dazu passt, dass sie auch der beste Charakter in ihrem Spiel ist. Ashley Burch macht als neugierige, gewitzte Jägerin einen fantastischen Job um Aloy zu einem Charakter zu machen, mit dem man mitfühlt. Dazu kommt ein extrem großer Cast mit unterschiedlichsten Nebenfiguren. Sogar die Statisten sehen einander nicht gleich aus. Jede Figur ist auf eine eigene Weise einzigartig. Nicht ein einziges Mal ist mir dasselbe Modell zweimal über den Weg gelaufen – wenn man von den mechanischen Bestien absieht. Jene Bestien stellen ein zentrales Mysterium in Horizon: Zero Dawn dar: Woher kommen sie? Wie lange gibt es sie schon? Am Rande kann man erahnen, dass sie irgendwie mit dem Fall der alten Welt zu tun hatten, aber was genau passiert ist, muss Aloy selbst in Erfahrung bringen.

Eine ziemlich große offene Welt steht Aloy nahezu frei zur Erkundung und führt sie dabei über dichte Wälder, verschneite Berge, Wüsten bis hin zum wuchernden Dschungel. Natürlich trifft sie dabei auch andere Stämme als die Nora: Die Carja z.B. erholen sich noch von einem langen Bürgerkrieg, während die Banuk spirituelle Erfüllung in einem harmonischen Zusammenleben mit den Maschinen sehen. Und die Oseram kann man ein wenig wie modernere nordische Wikinger sehen. Auch normale Tiere wie Füchse, Widlschweine und Truthähne bevölkern die Welt und können für ihr Fleisch und Fell gejagt werden. Zudem ist die alte Welt vertreten mit Ruinen, sowohl überirdisch als auch unterirdisch.

Horizon-Zero-Dawn™_20170318195034  Review

Robo-Dinos

Im Design ist Horizon: Zero Dawn ein klassisches Open World-Spiel mit vielen Zwischenaktivitäten, Sammelgegenständen und Herstellungsfähigkeit. Doch es sind die Details, die den Ausschlag geben. Um den Spieler herum sind ständig Überbleibsel der alten Welt und das nicht nur in baulicher Hinsicht. Briefe, Audiodateien und andere Dokumente geben der vergessenen Zukunft ihre Note und wie Aloy selbst erlebt man, wie man mehr und mehr neugierig wird, wie es in dieser Welt vor ihrem Untergang wohl war. Dazu kommen die Maschinen und ihre Eigenarten. Sehr früh im Spiel erhält Aloy einen Fokus, eine Art Interface-Gerät aus der alten Welt, das ihr – ähnlich wie der Detektiv-Modus in den Arkhamverse Batman-Spielen – ermöglicht, die Umgebung und Gegner zu scannen. Im Falle von Maschinen hebt dieses Gerät ihre Schwachpunkte hervor, liefert Daten welche Art von Munition man nutzen sollte und was das Bauteil für das Tier wichtig macht. Mit ihrem Arsenal kann sie anschließend diese Informationen in die Tat umsetzen.

Für jeden Spielstil ist gesorgt. Immer mit sich hat Aloy ihren Speer, mit dem sie Gegner lautlos oder auch im offenen Konflikt angreift. Leichte Speerschläge können Bauteile vom Gegner abschlagen während schwere ihn je nach Größe benommen machen können oder ihn sogar umwerfen, damit man einen kritischen Punkt treffen kann. Jagd- und Scharfschussbogen bilden eine weitere feste Funktion. Je nach Munitionstyp verschießen sie z.B. Feuer-, Verderbnis oder Sprengpfeile. Letztere können Bauteile von Maschinen absprengen, sogar Waffen mit denen manche der Maschinen mit sich tragen können von Aloy aufgenommen und auf sie abgefeuert werden. Seilwerfer können Maschinen am Boden fesseln, während Schleudern explosive Geschosse mit Sprengkern oder Elektrizität verschießen. Wichtig ist zudem sich eben vor solchem Schaden zu schützen, weswegen es eine große Auswahl verschiedener Outfits gibt, die – wie auch Waffen – mit Modifikationen ausgestattet werden können.

Sie lernt zudem, wie man Maschinen überbrückt und sie zu wertvollen Verbündeten macht. Manche können sogar geritten werden, um weite Distanzen zu überwinden. Und größenmäßig ist auch alles dabei: Vom Wächter über Sägezahn bis hin zum riesigen Sturmvogel – jede Maschine bietet ihre eigene Herausforderung, Schwäche und Schwierigkeit. Etwas weniger interessant ist der Kampf gegen Menschen, da sie alle dieselben Schwächen untereinander haben und viel berechenbarer als die Tiere sind. Auf sie trifft man z.B. in Banditenlagern, die über die ganze Karte verteilt sind. Befreit man diese, werden sie zu Schnellreisezielen und Handelspunkten. Dazu gibt es Erfahrungspunkte, die man auch für abgeschlossene Quests und andere Dinge erhält. Damit lassen sich Talente freischalten, die Aloy in der Welt unterstützen wie stärkere Speerangriffe oder bessere Ausbeute von Maschinen. Etwas weniger gelungen ist das Klettersystem. Ähnlich wie in Uncharted kann sich Aloy an bestimmten Felsvorsprüngen festhalten, doch nur an ausgewählten Stellen, weswegen man irgendwann anfängt, zwanghaft den Berg raufzuspringen. Auf Dauer kommt das so oft vor, dass es geradezu komödiantische Züge annimmt.

Horizon-Zero-Dawn™_20170319031347  Review

Pro(fessionelle) Leistung

Ich spielte Horizon: Zero Dawn auf einer regulären PS4 und war so schon extrem beeindruckt von der Detailfülle die mir geboten wurde. Es läuft auf Guerrillas Eigenentwicklung, der Decima Engine, die auch in Hideo Kojimas kommenden Titel Death Stranding zum Einsatz kommt. Z.B. findet man nach Regenfällen Pfützen auf dem Boden die dynamisch über Zeit wieder verdunsten. Mal abgesehen von den Gesichtern in Dialogszenen ist zudem die Animationsqualität atemberaubend. Dank einem sehr großen Cast machen auch die Sprecher ihren Job sehr ordentlich und geben jedem Charakter seine eigene Note. Extrem gut ist auch der Soundtrack, der u.a. von Joris de Man stammt, der schon Guerrillas ersten Killzone-Titeln die Soundkulisse gab.

Obwohl es sehr viele Funktionen gibt, kommt man mit der Steuerung gut zurecht. Dazu passt auch, dass das Spiel an einigen Stellen sehr fair ist, z.B. was verstecktes Vorgehen angeht. Selbst wenn man entdeckt wird, heißt das nicht, dass andere Gegner automatisch auch wissen, wo man selbst ist. Dazu kommt, dass Horizon: Zero Dawn Cleverness an vielen Stellen belohnt, in dem man nicht zwanghaft auf Lösungen hinweist sondern den Spieler es selbst entdecken lässt. Dadurch fühlt man sich hinterher noch besser.

Horizon-Zero-Dawn™_20170317222432  Review

FAZIT: Gleißendes Licht am Horizont

Horizon: Zero Dawn ist eine Offenbarung und könnte tatsächlich Sonys bislang stärkster Exklusivtitel für die PS4 sein. Es ist besser als ich es mir je vorgestellt habe, als ich es 2015 zum ersten Mal auf der gamescom live sah. Trotz des Erscheinungstermins kurz vor der Switch und Zelda verkaufte es sich prächtig und laut Guerrilla ist eine Storyerweiterung bereits in der Mache. Es ist ein Open World-Spiel geworden, in dem sich die Zwischenaufgaben zum ersten Mal nicht wie Arbeit anfühlen. Wer eine PS4 (und eine PS4 Pro im besonderen) besitzt, sollte sich dieses Meisterwerk nicht entgehen lassen.

Good

  • Starke Heldin
  • Exzellente Präsentation
  • Visuelles Erzählen weckt Neugierde
  • Tolle Musik

Bad

  • Wirkt manchmal etwas unfrewillig komisch
10

Meisterhaft

Redakteur, Gamer und Filmliebhaber. Mag Indie-Spiele, die PS Vita und Indie-Spiele auf der PS Vita.

1 Comment

  1. Wenn es für PC verfügbar wäre würde ich es kaufen.

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

Lost Password